der gute ARP halt :-;
„The same procedure as every year“, durch die legendären Silvestersendung DINNER FOR ONE zum geflügelten Kultspruch geworden, passt im positiven Sinne auch auf Axel Rudi Pell. Der sympathische Bochumer, inzwischen auch schon 62 Jahre alt, startete 1993 mit THE BALLADS, damals noch ohne Volume-Nummer versehen, ein Erfolgsmodell. Stand seinerzeit noch Jeff Scott Soto am Mikro, hat sein Kumpel Johnny Gioeli den Gesangspart nun schon seit vielen Jahren übernommen. So auch auf der sechsten Folge, die nun nach fünf Jahre Pause das Rezept in gleicher Struktur fortsetzt. Das bedeutet, dass er Fremdkompositionen „eingepellt“ hat, dazu passende eigene Songs aus älteren Alben (auch manche der Fremdkompositionen) editiert, sowie drei brandneue Kompositionen, davon zwei Instrumentals, hinzugefügt hat. Diesmal hat Pell Songs von Joan Baez (“Diamonds And Rust”, dem geneigten Rockfan natürlich von Judas Priest im Ohr), Kansas (“Dust In The Wind”), Paul Anka (“She’s A Lady”), Tony Carey (“Room With A View”, 1988 Titelsong der Serie „Wilder Westen inclusive“) und Jay Hawkins (“I Put A Spell On You”, wahrscheinlich durch CCR am bekanntesten) ausgewählt. Auch wenn seine Fassungen mit den Kult-Originalen nicht mithalten können, hinterlässt er seine eindeutige Handschrift mit sustaingetränkten Gitarrenleads. Dass Gioeli ein guter und kraftvoller, doch ob seiner nicht großen Bandbreite nicht überragender Heavy-Sänger ist, merkt man bei Vergleichen mit den Originalen ab und an. Nichtsdestotrotz bietet die prallvolle CD genau das, was seine Fans von ihm erwarten. Keine Innovationen, sondern kraftvollen Heavy-Sound in der Tradition von seinem Helden Ritchie Blackmore. Seine Band liefert das routiniert-sichere Fundament, dass er seinem profunden Keyboarder Ferdy Doernberg keinen solistischen Auslauf gönnt, mag man als vertane Chance ansehen (das kennt man in etwas so ja auch von Ritchie Blackmore. War bei Deep Purple der Keyboarder in etwa gleichberechtigt, musste selbiger bei Rainbow in die zweite Reihe rücken). Fans seiner früheren Alben dieser Serie, wie auch generell klassischer Hard-Rock-Balladen, können bedenkenlos wieder zugreifen, auch wenn es über die Dauer von 74 Minuten natürlich doch wieder etwas viel Plüsch gibt . Ein aufklappbares Poster, vorne mit dem Cover, hinter mit Bandfoto versehen, sowie das Booklet mit den Texten seiner Songs, rundet das Paket gelungen ab.