Tracks II ist ein Geschenk – aber eins mit bitterem Beigeschmack.
Was hier als „Lost Albums“ verkauft wird, sind teils großartige, teils solide, manchmal schlicht überflüssige Songs, die Bruce Springsteen über Jahrzehnte aus gutem Grund in der Schublade ließ. Und doch: Was für viele Künstler das Beste ihres Schaffens wäre, ist für Springsteen eben nur zweite Wahl. Genau darin liegt der Reiz – und die Enttäuschung.
Musikalisch gibt es viel zu entdecken. Electric Nebraska, American Madness oder Songs from the Promise enthalten Momente echter Brillanz. Es sind Blicke in alternative Karriereverläufe, voll roher Energie, ungeschliffener Ideen und manchmal erstaunlicher emotionaler Tiefe. Springsteens Stimme klingt oft direkter, kantiger, weniger überproduziert. Fans der frühen Jahre dürften hier aufhorchen.
Aber: Die CD Box ist überteuert. Für den aufgerufenen Preis erwartet man ein Liebhaberstück – etwas mit Seele, Sorgfalt, vielleicht ein dicker Booklet-Essay, hochwertige Verarbeitung, Fotos, Liner Notes. Was man bekommt, ist eine schlichte Verpackung, die kaum mehr tut, als die CDs zusammenzuhalten. Kein Mehrwert, keine echte Wertschätzung des Materials – nur Sammlerpflicht erfüllt.
Fazit: Tracks II ist für Hardcore-Fans unverzichtbar – aber nicht, weil die Box so großartig wäre, sondern weil sie trotz allem wichtige Lücken schließt. Für Gelegenheits-Hörer oder Neugierige lohnt sich eher der digitale Einzelkauf ausgewählter Highlights. Springsteen zeigt hier, wie hoch sein künstlerisches Niveau ist – selbst im Schatten des offiziellen Werks. Schade nur, dass die Präsentation diesem Schatz nicht gerecht wird.