Kino des Blutes und der Schmerzen
Was sich hinter dem ziemlich reizlosen DVD-Cover verbirgt, hat es in sich. Guillermo Del Toro ist anders. Wenn er seine archetypischen Charaktere auf isolierter Naturbühne vor der Folie des Spanischen Bürgerkriegs ein tränenlastiges Drama um Schuld, Vergeltung, Habgier, Einsamkeit und unerfüllte Liebe aufführen lässt, wird man ihm mit Begriffen wie "Horror", "Thriller" oder "Schocker" nie und nimmer beikommen. Sein Hang zu Symbolismus und romanisch geprägtem blutgetränktem Pathos - hier noch durch schwermütige Verse unterstrichen - wird ganz sicher nicht auf allgemeine Zustimmung stoßen, und außerdem könnte man ihm vorwerfen, daß seine Tragik manchmal gesucht erscheint. Nur liegt die Kraft dieses Films eben nicht vorrangig in seiner Geschichte mit ihrem irritierenden Ende; sie liegt in seinen Bildern: Bildern wie dem einer langsam und unerbittlich fallenden Bombe, dem einer ästhetisch-kunstvollen Beinprothese aus Holz und Metall, und jenem, das den Geist eines ermordeten Waisenjungen zeigt - Santi, dem tragischsten aller Filmgespenster -, wie er reglos, einer traurigen Puppe gleich, unendlich verlassen auf der Oberfläche des Wasserbeckens steht, in das er einst geworfen wurde. Del Toro ist anders; man kann ihn mögen oder ihn verabscheuen. Ich mag ihn. Für seinen beeindruckenden Eigensinn, der in El Espinazo Del Diablo seine wohl schönste Ausprägung findet.