Gemächliche Goldberg-Variationen, klangtechnisch unterdurchschnittlich
Diese Studioaufnahme der Goldberg-Variationen von Evgeni Koroliov wurde Ende April 1999 in der Festeburgkirche Frankfurt eingespielt und im Rahmen der Edition Bachakademie auf dem Label Hänssler Classic veröffentlicht. Aus der Bach-Box kenne ich diese Aufnahme; sie ist mir als „Goldberg“-Fan jedoch in besonders unangenehmer Erinnerung geblieben. Bereits die Aria erklingt in einer nahezu zeitlupenhaften Deutung. Die Gesamtdauer der Aufnahme beträgt rund 85 Minuten.
Möglicherweise hängt diese ausgedehnte Spielzeit damit zusammen, dass Helmuth Rilling als Initiator der Bach-Gesamtausgabe kein Vertreter der historisch-informierten Aufführungspraxis ist und dadurch eine entsprechend moderne Interpretationsästhetik begünstigt wurde, die heute nicht mehr zeitgemäß ist.
Wer Einspielungen von Glenn Gould, Zhu Xiao-Mei, András Schiff, Murray Perahia oder Angela Hewitt schätzt, wird sich mit dieser Interpretation vermutlich schwertun. Besonders störend empfinde ich den nach meinen Empfinden scheppernden Klang des verwendeten Klaviers. Koroliov spielt zwar üblicherweise auf Steinway-Flügeln, doch entweder handelte es sich 1999 um ein weniger überzeugendes Instrument oder die tontechnische Umsetzung war sehr unglücklich. Insgesamt kann ich diese Aufnahme daher nicht empfehlen.
Freunde des Cembalos seien auf Blandine Rannous Einspielung verwiesen. Sie ist sogar etwas länger als Koroliovs Version, wirkt jedoch zugleich straff, klar und dynamisch.