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    Webervogel Top 100 Rezensent

    Aktiv seit: 10. April 2017
    "Hilfreich"-Bewertungen: 33

    Bitte beachten Sie

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    190 Rezensionen

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    tiptoi® Wieso? Weshalb? Warum? - Faszinierende Fahrzeuge

    Heike Tober
    tiptoi® Wieso? Weshalb? Warum? - Faszinierende Fahrzeuge (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    26.08.2026

    Wirklich faszinierend

    Bei Tiptoi kann man gar nicht danebengreifen. Auch dieses neue Buch ist sehr durchdacht gestaltet, mit unterschiedlichsten Elementen versehen und zeigt eine ungeahnte Bandbreite auf.

    Als roter Faden zieht sich die Geschichte von Carlo, Lilli und ihren Eltern durch das Buch. Die Szenen mit ihnen sind sehr lebendig und machen das Fahrzeug-Thema erfahr- und nahbar für die kleinen Leser*innen. Die Spiele, die es ebenfalls auf jeder Seite gibt, sind zum Teil noch etwas schwierig für Vierjährige (zumindest, wenn die keine kompletten Fahrzeug-Nerds sind): Bei „Kannst Du heraushören, welches Geräusch zu welchem Fahrzeug gehört?“ komme auch ich an meine Grenzen. Wobei man natürlich leichter auf die Lösungen kommt, wenn man die Seite vorher mit dem Tiptoi-Stift ganz genau studiert hat. Sowieso ist auch dieses Buch eines, das sich immer wieder zur Hand nehmen lässt – und das man nicht unbedingt von vorne nach hinten komplett anguckt, dafür enthält es einfach zu viele Inhalte. Zur Freude meiner Kinder ist auf der Rennauto-Seite sogar ein Lied zu finden.

    In „Faszinierende Fahrzeuge“ kommen vermutlich mehr Fahrzeuge vor, als die meisten Erwachsenen auf Anhieb aufzählen könnten: Von Elektromobil, Monster Truck und Stretchlimousine bis hin zu Pflasterverlegemaschine, Schwimmbus und Zeppelin. Straßenfahrzeuge stehen im Vordergrund, aber auch Zügen, Schiffen und Flugzeugen ist jeweils eine Doppelseite gewidmet. Es gibt Bilder zu Autobau und -innenleben, die für meine Vierjährigen noch zu detailliert sind, aber größere Kinder mit Technikinteresse bestimmt faszinieren. Die Erklärungen sind wie immer kindgerecht und plakativ. Einen besseren Rundumschlag zum Thema Fahrzeuge kann ich mir für diese Altersgruppe nicht vorstellen.
    FIVE - Das Ticken der Zeit

    Ilona Bannister
    FIVE - Das Ticken der Zeit (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    26.08.2026

    Hop-on Hop-off

    Fünf Minuten, bis der Zug kommt. Fünf Menschen auf einem Bahnsteig. Einer von ihnen wird die Ankunft nicht überleben. Es geht also gleich ums Ganze in diesem Roman. Um das zu illustrieren, wird den verschiedenen Abschnitten die Anzeigetafel für das Gleis vorangestellt. Und die Uhr tickt …
    Ein allwissender Erzähler nimmt die Leserinnen und Leser von „FIVE“ so ausdauernd an die Hand, wie ich es selten erlebt habe. Er spricht an, was man – seiner Meinung nach – gerade denkt, welche Fragen man hat, orakelt zu den baldigen Geschehnissen und kommentiert ab und zu. Zuerst fand ich das ganz erfrischend, gegen Ende wurde es mir etwas viel.

    Dann sind da noch die Geschichten in der Geschichte, denn mit den fünf Minuten, bis der Zug kommt, ist es längst nicht getan. Die Schicksale der fünf Hauptfiguren werden in ausführlichen Kapiteln beschrieben. Hat man anfangs etwas über ihr Verhalten auf dem Bahnsteig erfahren, geht es nun tief in ihre Vergangenheit. Man sieht sie danach alle mit anderen Augen – die Mutter mit dem Kind, den Geschäftsmann, den jungen Mann mit den extravaganten Klamotten und die alte Dame. Allerdings wird man jedes Mal rausgerissen – da ist das Geschehen am Bahnsteig, dann die Erzählung eines Schicksals im Zeitraffer, dann wieder Bahnsteig, dann das Schicksal einer ganz anderen Person … Und als ob das noch nicht reichen würde, gibt es auch noch ein paar Nebendarsteller, die sich ebenfalls am Bahnhof aufhalten, die Geschehnisse beeinflussen und von ihnen beeinflusst werden.
    Und so spielt die Gegenwartshandlung zwar an einem Bahnhof, fühlt sich mitunter aber wie eine „hop-on hop-off“-Bustour an: Wenn man zu viele Stopps macht, läuft man irgendwann in Gefahr, dass einem die Puste ausgeht.

    Es ist der Autorin zugute zu halten, dass die Geschichte nicht zerfasert und es trotz der komplexen Konstruktion gut gelingt, den Überblick zu behalten. Dennoch kommt viel zusammen in diesem Roman. Ich fand es mitunter emotional etwas überfordernd, zwischen den einzelnen Abschnitten umzuschalten. Doch die Sogwirkung, die „FIVE“ von Anfang an hat, weil eben klar ist, dass der Tod einer Hauptfigur unmittelbar bevorsteht, hat mich dann doch jedes Mal zum baldigen Weiterlesen motiviert.

    Der Roman bietet ein ungewöhnliches und intensives Leseerlebnis. Ich kann „FIVE“ empfehlen, auch wenn ich die Art des Erzählens und auch den Erzähler ab und zu etwas anstrengend fand.
    Die fabelhafte Geschichte von Herrn Leopold, der schweben konnte

    Rebecca Gugger
    Die fabelhafte Geschichte von Herrn Leopold, der schweben konnte (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    13.08.2026

    Beflügelnd für Klein und Groß

    Dieses fantastische Bilderbuch lädt Kinder wie Erwachsene zum Träumen ein. Die Geschichte ist ungewöhnlich – schon allein, dass ein älterer Mann die Hauptfigur ist, kommt in unserem Bilderbuchregal selten vor. Und dass ein Erwachsener durch ein Kind seine Fähigkeiten wiederentdeckt, liest man auch nicht allzu oft. Aber von vorn:

    Herrn Leopold ist die Fähigkeit des Schwebens abhandengekommen. Sie war ihm angeboren, wurde ihm aber von wohlmeinenden Erwachsenen abtrainiert, als er heranwuchs. Nun weiß er als alter Mann nicht mehr, wie es geht. Als die kleine Mathilda unverhofft und wie selbstverständlich an ihm vorbeischwebt, fühlt er sich an halbvergessene Zeiten erinnert ... Was für eine schöne Metapher für so vieles im Leben, das man aufgibt, weil man "vernünftig" wird, sich dem Erwartungsdruck beugt, keine Zeit mehr hat etc. Den meisten Erwachsenen fällt sicher etwas ein, das ihnen als Kind riesigen Spaß gemacht hat und das sie längst nicht mehr ausüben. Die Botschaft hier: Es ist nie zu spät, wieder mit etwas anzufangen, das einen glücklich macht. Kinder lesen dagegen von einem Kind, das dem schon alten Leopold gegenüber einen großen Vorteil hat und ihm hilft, sich wiederzuentdecken. Mathilda ist zwar klein, aber sie und Leopold begegnen sich auf Augenhöhe (wenn sie nicht gerade über ihm schwebt).
    Die Illustrationen sind wunderbar, sehr verspielt und gleichzeitig gibt es viele Details zu entdecken. Meine Kinder und ich finden die Lektüre bereichernd und (leider nur im übertragenen Sinne) beflügelnd. Dieses Bilderbuch werden wir sicher noch oft zur Hand nehmen!
    Verlorene Schäfchen

    Madeline Cash
    Verlorene Schäfchen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    11.08.2026

    Temporeich und überspannt

    „Verlorene Schäfchen“ scheinen alle Mitglieder der Familie Flynn zu sein – jedes auf seine Art. Da sind die Eltern Bud und Catherine, die sich auseinandergelebt haben, unzufrieden und vor allem mit sich selbst beschäftigt sind. Ihre Töchter Harper, Louise und Abigail (12, 15 und 17 Jahre alt) bleiben sich größtenteils selbst überlassen und gehen mit dieser fragwürdigen Freiheit sehr unterschiedlich um. Die im Ort extrem präsente Kirche scheint keinem der Flynns Trost zu bieten oder ernsthafte Anlaufstelle zu sein – bis Vater Bud von seinem Arbeitgeber verpflichtet wird, eine Selbsthilfegruppe seiner Wahl aufzusuchen und sich für die „Verlorenen Schäfchen“ entscheidet. Doch während Bud unverhofft wieder Boden unter den Füßen bekommt, scheinen Frau und Kinder immer mehr abzudriften. Schaffen sie es, wieder mit- statt nur noch nebeneinander her zu leben?

    Der Roman liest sich amüsant und hat eine hohe Dichte an Pointen, Slapstick und Wortwitz. Die Handlung ist tragikomisch und alles Angestaute entlädt sich am Ende auf fulminante Weise. Allerdings habe ich da erst gemerkt, dass ich die Flynns doch in mein Herz geschlossen hatte. Ihre überspannte, um sich selbst kreisende Art, die abgedrehten Verhaltensweisen und das fehlende Gespür füreinander machen es gar nicht so leicht, sie sympathisch zu finden. „Verlorene Schäfchen“ ist temporeich und macht durchaus Spaß, aber das Lachen bleibt einem auch öfters im Halse stecken. Und was ist eigentlich aus Father Andrew geworden?
    Milla Gorilla

    Lotte Schweizer
    Milla Gorilla (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    30.07.2026

    Affenstark!

    Meine Kinder haben „Milla Gorilla“ sofort ins Herz geschlossen. In vier abwechslungsreichen Geschichten lernen kleine Leserinnen und Leser das selbstbewusste Affenmädchen und seinen Alltag kennen. Da geht es um das neue Nachbarskind, einen schönen Spielnachmittag, einen Regentag und einen Schwimmbadbesuch – lauter Ereignisse, die Kindergartenkinder bestens nachvollziehen können. Milla durchlebt in den Geschichten viele unterschiedliche Emotionen. Wie sich diese Gefühle für sie anfühlen, wird so genau und detailliert beschrieben, wie ich es selten in einem Kinderbuch erlebt habe. Und dieses ist sogar schon ab drei Jahren! Die Geschichten sind dafür erstaunlich lang und bestehen aus ungewöhnlich viel Fließtext, der durch die überaus niedlichen Illustrationen aufgelockert wird. Die Figuren haben alle eine sprechende Mimik, sogar Millas Kuschelbanane Nani. Die liebevollen Details machen auch mir Spaß und die beiden letzten Doppelseiten, die das Haus von Milla Gorilla bei Nacht und Tag zeigen, schauen wir uns immer noch einmal als Zugabe an. Ein tolles Kinderbuch, das meine Vierjährigen begeistert und einige Feinheiten bereithält, über die sich beim Vorlesen zusätzlich ins Gespräch kommen lässt. Von Milla Gorilla würden wir sehr gerne noch mehr lesen!
    Wieso? Weshalb? Warum? - Meine große Tiere-Box

    Susanne Gernhäuser
    Wieso? Weshalb? Warum? - Meine große Tiere-Box (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    27.07.2026

    Perfekte Zusammenstellung - super vielseitig!

    Diese Box ist ein großartiges Geschenk für alle Fans der „Wieso-Weshalb-Warum“-Reihe. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist – genau wie der Inhalt – unschlagbar. Das Buch „Wir entdecken Tiere“ im gewohnten Großformat für Vier- bis Siebenjährige trägt ein buntes Potpourri von nützlichem und unnützem Wissen über alle möglichen Tiere zusammen; von Faultier bis Hauskatze. Meine Kinder sind begeistert und auch mir waren viele Fun Facts neu. Das kleinformatige „Insekten“-Buch hätte ich vermutlich nicht gekauft, war aber vom Inhalt sehr positiv überrascht: Pro Seite wird ein Insekt kurz und knackig beschrieben und es entsteht eine erstaunliche Bandbreite. Auch hier sorgen Klappen für einen zusätzlichen Spaß- und Überraschungsfaktor beim Lesen. Das aktiv-Heft ist mit Rätseln, Stickern, Bastelanleitungen und Ausmalvorlagen eine super vielseitige Einladung, kreativ zu werden.

    Memory und Puzzle kommen in zwei durchsichtigen Plastikbeutelchen recht unscheinbar daher, sind aber von gewohnt guter Ravensburger-Qualität. Zur Aufbewahrung muss man sich etwas einfallen lassen, da die Beutel nicht wiederverschließbar sind (oder man greift einfach zu Tesafilm). Das Memory mit 14 Pärchen ist für Vierjährige nicht ganz einfach, da nicht zwei gleiche Tiere, sondern jeweils ein Tier und eine Spur einander zugeordnet werden müssen. Biber und abgenagter Baum sind noch naheliegend, das Nest der Zwergmaus konnten dagegen weder meine Kinder noch ich beim ersten Versuch zuordnen. Der Begleitflyer bietet bei Unklarheiten Hilfe und enthält auch ein Bild von dem 35-teiligen Korallenriff-Puzzle. Eine überaus durchdachte Box, die spielerisch über eine beeindruckende Vielfalt von kleinsten und großen Tieren in der Luft, an Land und im Wasser informiert und diverse Unterhaltungsmöglichkeiten bietet. Was will man mehr? Meines Wissens ist das die erste Box aus der „Wieso-Weshalb-Warum“-Reihe – ich fände es toll, wenn noch weitere folgen!
    Geschwister

    Moa Herngren
    Geschwister (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    03.07.2026

    Alles eine Frage der Perspektive

    Es ist lange her, dass mich eine Familiengeschichte so begeistert hat. Die von Autorin Moa Herngren aufgebaute dichte Atmosphäre entwickelt schnell eine absolute Sogwirkung. Am meisten fasziniert haben mich bei "Geschwister" aber die extrem gelungenen Perspektivwechsel, die ermöglichen, Teile der komplexen Geschichte aus einem anderen Blickwinkel zu erleben. Sie lassen Gewissheiten zerbröseln und zeigen, dass jeder Mensch in seiner ganz eigenen Blase lebt.

    Die Geschwister Ulrika, Andrea und Rasmus treffen sich im Prolog auf einer Beerdigung und schnell wird klar, dass irgendetwas vollkommen im Argen liegt. Aber dann geht es auch schon los mit dem ersten Teil des Buches, der komplett aus Sicht der mittleren Schwester Andrea geschildert ist: Anfang 40, erfolgreiche Architektin, Mutter einer Tochter und offensichtlich die Patente in der Familie. Seit dem überraschenden Tod des Vaters vor gut einem Jahr versucht sie, alles am Laufen zu halten, unterstützt die überforderte Mutter und treibt sowohl ihre ältere Schwester als auch ihren jüngeren Bruder an, weil beide alleine kaum etwas auf die Reihe kriegen. Oder? Dass Andrea dabei leicht übergriffig agiert, kann man ihr kaum übelnehmen sie reißt sich im Gegensatz zu ihren Geschwistern schließlich ein Bein aus. Dass Ulrika die Dinge etwas anders sieht, überrascht nicht. Moa Herngren arbeitet fein nuanciert ihre Perspektive heraus, erzählt einiges noch einmal aus Ulrikas Blickwinkel, lässt weg, ergänzt und hat mich sehr nachdenklich gemacht.
    Und dann ist da noch Rasmus, der 33-jährige Bruder. Er erscheint zunächst blass, sein Buchteil ist der kürzeste. Zunächst habe ich mich gefragt, was er nun überhaupt noch beisteuern könnte, aber diese Überlegung hat sich schnell erübrigt.

    "Geschwister" besticht durch die grundverschiedenen Charaktere, die alle auf ihre Art und Weise Recht zu haben scheinen. Die Autorin führt faszinierend vor Augen, wie schwierig Kommunikation sein kann; auch oder gerade innerhalb der Familie. Es geht aber auch um Familien-Traumata, wie Eltern unbewusst und unwissentlich die Weichen für ihre Kinder stellen und die Frage, wie man sich von der Vergangenheit lösen kann. Am Ende des Romans wissen die Leserinnen und Leser mehr über die Familie Edman als die einzelnen Mitglieder selbst. Mich hat die Geschichte immens gefesselt und beschäftigt.
    Guten Morgen, schönes Wetter heute

    Tanja Kokoska
    Guten Morgen, schönes Wetter heute (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    19.06.2026

    Liebenswertes Menscheln

    „Dieser Roman lässt Sie wieder an das Gute im Menschen glauben“ verspricht die Rückseite dieses wunderbar bunten Buches. Mir hat es auf jeden Fall das ein oder andere Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Das episodenhafte Werk erinnert vage an das großartige „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky. Tanja Kokoska beherrscht es ebenfalls, die Gefühlswelt verschiedenster Personen auf den Punkt zu bringen, zarte Annäherungen, stille Momente und einschneidende Erlebnisse in einer jeweils stimmigen Tonalität zu schildern und Kreise sich mühelos schließen zu lassen.

    Der Roman spielt fast ausschließlich in einer großen Wohnsiedlung namens „Am Kastanienbaum“. Hier wohnen die unterschiedlichsten Leute teils seit Jahrzehnten in Nachbarschaft zueinander, ohne sich wirklich kennengelernt zu haben: Die alleinerziehende Ina, deren Sohn Henry kurz vor dem Abi steht, die Vietnamesin Anh, die in einem Nagelstudio ausgebeutet wird, Frau Kaiser, deren Gedächtnis sie immer mehr im Stich lässt, Herr Bello, der seit dem Tod seiner Frau komplett zurückgezogen lebt … und noch einige andere; die meisten sympathisch. Ihre Wege kreuzen sich ab und zu, sie grüßen einander, doch in direkten Kontakt bringt sie erst ein Blindgänger, wegen dessen Entschärfung alle ihre Wohnungen verlassen müssen. Dass ausgerechnet eine Bombe, die über 80 Jahre lang regungslos im Boden lag, die Dinge in Bewegung bringt, birgt eine gewisse Ironie. Wie Festgefahrenes sich plötzlich löst und sich neue Möglichkeiten auftun, macht Mut und entwickelt eine Sogwirkung. Es menschelt hier auf die beste Art und Weise – alle haben ihre Träume und Sehnsüchte, manche versuchen sie zu verstecken, bei anderen sind sie allseits bekannt. Ich habe mit den Figuren mitgefiebert, über ihre Schicksale sinniert und mich gefreut, wenn sich etwas zum Guten entwickelte. Und als Beigabe gibt es noch ein Rilke-Gedicht zur versteckten Weitergabe – eine hübsche Idee für einen einfach liebenswerten Roman.
    Meine Produktempfehlungen
    • Was man von hier aus sehen kann Mariana Leky
      Was man von hier aus sehen kann (Buch)
    Weil sie lügt

    Caroline Seibt
    Weil sie lügt (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    15.06.2026

    Bester Thriller seit Langem

    Dieser außergewöhnliche Thriller ist tatsächlich der beste, den ich seit langer Zeit gelesen habe. Ein unvorhersehbarer Twist folgt auf den nächsten. Die Geschichte wird abwechselnd aus zwei Perspektiven erzählt: Die der verzweifelten Anna, deren große Schwester Juli vor eineinhalb Jahren mit Anfang 20 spurlos verschwunden ist, und die der Ermittlerin Katharina, die die Leitung des Falls erst kürzlich übernommen hat. Katharina würde gerne Annas Vertrauen gewinnen, doch Anna misstraut den Ermittlern spätestens, seit diese ihren eigenen Vater wegen Mordverdachts festgenommen haben. Dass sie außerdem manches zu verbergen versucht, merken die Leser*innen ziemlich bald. Doch sie scheint nicht die Einzige zu sein, die Ungereimtheiten nehmen zu und mich haben die Ereignisse irgendwann in ständige Alarmbereitschaft versetzt.

    Autorin Caroline Seibt hat ein äußerst geschicktes Konstrukt aufgebaut. Sie erklärt in diesem feingliedrigen Thriller nicht alles bis ins letzte Detail, doch die Details, die sie in den Fokus rückt, wirken am Ende stimmig. Dass ein Rest der Fantasie überlassen wird, hat mich nicht gestört, im Gegenteil, ich fand das gut gelöst (nachdem ich mich von dem schockierenden Ende erholt hatte). „Weil sie lügt“ überzeugt zum einen durch die pausenlosen Wendungen, zum anderen durch die untypischen Charaktere und Szenen. Hier passiert nur wenig Erwartbares; Seibt umschifft elegant vieles, was ich als geübte Thriller-Leserin vorauszusehen glaubte. Klare Empfehlung!
    Die Mitternachtsreise

    Matt Haig
    Die Mitternachtsreise (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    21.05.2026

    Die Reise seines Lebens

    Nachdem ich „Die Mitternachtsbibliothek“ großartig fand, war ich sehr gespannt auf Matt Haigs neuestes Buch, das sich optisch und thematisch an diesen Bestseller anlehnt: „Die Mitternachtsreise“. Auf sie begibt sich Wilbur, als alter Mann frisch verstorben und auf dem Weg in die Ewigkeit. Er reist per Zug, der an verschiedenen Stationen seines Lebens hält und ihn einige Momente erneut als Zuschauer erleben lässt. Begleitet wird er während der Fahrt von Agnes Bagdale, einer längst verstorbenen Buchhändlerin, die ihm die drei Regeln für diese Fahrt ins Jenseits einschärft: sein früheres Ich nicht ansprechen, keinesfalls zugegen sein, wenn es einschläft und den Zugsignalen folgend aus- und in jedem Fall auch pünktlich wieder einsteigen. Und so erlebt Wilbur die Höhen und Tiefen seines Lebens noch einmal und wird von den Leserinnen und Lesern begleitet – gewissermaßen von der Wiege bis zur Bahre. Mir ist er dabei ans Herz gewachsen, mit seinen Fehlern, Schwächen und der Sehnsucht danach, alte Fehler korrigieren zu können. Und Matt Haig wäre nicht Matt Haig, wenn die Erfüllung dieses Wunsches völlig aussichtslos wäre …

    „Die Mitternachtsreise“ hat mich begeistert. Ein stimmiger und stimmungsvoller Roman, ein fantasievolles Gedankenexperiment voller Herz, leiser Zwischentöne und kluger Gedanken. Das Buch lädt unaufdringlich zum Sinnieren, Träumen und Reflektieren ein. Nachdem ich mit „Die Unmöglichkeit des Lebens“ vom gleichen Autor nicht so viel anfangen konnte, hat mich dieser neueste Roman wieder voll abgeholt.
    Meine Produktempfehlungen
    • Die Mitternachtsbibliothek Matt Haig
      Die Mitternachtsbibliothek (Buch)
    Der kleine Rabe Socke: Noch eine Geschichte, bitte-danke!

    Nele Moost
    Der kleine Rabe Socke: Noch eine Geschichte, bitte-danke! (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    03.05.2026

    Spaßiger Sammelband mit toller Ausstattung

    Wer kann diesem Schelm schon etwas übelnehmen? Verschmitzt schaut der kleine Rabe Socke vom Cover dieser dicken Geschichtensammlung; der Hintergrund ist so rot-weiß gekringelt wie seine Socke. Im Inhaltsverzeichnis sind dann 30 Geschichten im typischen Rabe-Socke-Stil aufgelistet, von „Alles in Ordnung!“ bis „Alles getauscht!“ Bei der Orientierung helfen die kleinen Bildchen neben jedem Titel, anhand derer meine Kinder schnell ihre Lieblingsgeschichten identifizieren. Toll finden sie außerdem den Farbschnitt (hellblau mit Ringelsocken) und das Lesebändchen – beides kennen sie sonst höchstens von Erwachsenenromanen und finden es super, dass eins ihrer Bücher auch mal so ein stylisches Beiwerk hat.
    Die Geschichten kannten wir zum Teil bereits aus Pixis oder anderen Rabe-Socke-Bilderbüchern – das ist aber nicht erstaunlich, schließlich sind hier laut Titel keine brandneuen, sondern die 30 „allerbesten“ Geschichten zusammengetragen. Themen-Evergreens wie Geburtstag, Winter und Schule finden sich; vor allem letzteres kam bei meinen Kindern sehr gut an. Aber eigentlich gefallen uns alle Geschichten super. Am Ende des Buches gibt es noch fünf Fragen zu jeder Geschichte, die allerdings bei uns bislang nicht zum Einsatz kamen – es kommt mir so unterrichtsmäßig vor, nach dem Vorlesen einer Geschichte vorformulierte Verständnisfragen zu stellen.
    Unser Mini-Kritikpunkt: Manchmal hätten wir uns mehr bzw. andere Illustrationen zu den Geschichten gewünscht. So spielt gleich in der ersten Geschichte ein kunterbuntes Blumenbeet eine Rolle, das meine Kinder zu gern gesehen hätten, aber es gibt leider kein Bild dazu. Die vorhandenen Illustrationen sind in gewohnter Rabe-Socke-Manier sehr schön und gelungen. Ein toller Geschichtenschatz, von dem man lange etwas hat.
    Du musst mich vergessen

    Rosie Walsh
    Du musst mich vergessen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    22.04.2026

    Wechselbad der Gefühle

    Zuerst dachte ich: was ein schmalziger Titel. Dann las ich online die Leseprobe, war angenehm überrascht, dass der Inhalt so gar nicht kitschig wirkt und wollte sehr gerne wissen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Als ich das Buch dann in den Händen hielt, überlegte ich leicht entsetzt, ob ich mich damit wirklich der Familie an den Osterfeiertagen zeigen will – das Cover mit Wellen, Blumen, Schnörkelschrift und rosa Autorennamen ist so gar nicht meins. Aber die Handlung hat mich gleich wieder in ihren Bann gezogen und je mehr ich las, desto überzeugter war ich von dem Roman – don’t judge a book by its cover! Meine Begeisterung hielt bis zu den letzten 60 Seiten an, die mich dann ziemlich enttäuschten. Dass die Autorin an diese spannende Story so ein schwarzweißes Ende dranklatschen würde, hatte ich nicht erwartet.

    Zum Inhalt: Carrie, vormals ambitionierte Chirurgin, plant nach sechs Jahren als Familienmanagerin ihren beruflichen Wiedereinstieg. Ein Besuch bei ihrer früheren Mentorin in Stockholm soll die Weichen dafür stellen, doch bei der Planung dieser Reise stößt Carrie völlig unerwartet auf einen Menschen, den sie zuletzt in einem thailändischen Gefängnis gesehen hat: Johan, ihre erste große Liebe, der 12 Jahre zuvor am Abend ihrer spontanen Hochzeit am Strand von Koh Samui festgenommen wurde. Inzwischen ist Carrie glücklich mit Robin verheiratet und Mutter von Zwillingen, doch dass Johan wider Erwarten auf freiem Fuß ist, wühlt alles wieder auf – vor allem die vielen Fragen, auf die sie nie eine Antwort bekommen hat. „Du musst mich vergessen“ (ein Satz, der im Buch kein einziges Mal fällt) erzählt in Rückblenden und Romangegenwart von Carries Beziehungen, Familie und Karriere. Autorin Rosie Walsh schreibt äußerst fesselnd und nachvollziehbar, stellt das Gefühlsleben ihrer Protagonistin wunderbar einfühlsam dar und schafft erstaunliche Wendungen. Dass mich das Ende enttäuschen würde, hatte ich absolut nicht erwartet, nachdem ich große Teile des Romans regelrecht verschlungen habe. Ich gebe gerade noch so vier Sterne.
    Felsenfest

    Nora Imlau
    Felsenfest (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    10.04.2026

    Gedankenschatz

    Dieses Buch streichelt die Seele – besser kann ich es nicht beschreiben. Es gibt auf sanfte Art und Weise Gedanken zur Eltern-Kind-Beziehung weiter, in Form von Anekdoten, Gedichten und Reflexionen. Häufig, aber nicht immer, sind sie aus der Ich-Perspektive geschrieben. Autorin Nora Imlau teilt ihre Ideen auf eine sehr empathische Art und Weise. Sie kritisiert nicht, sondern ermutigt. „Felsenfest“ handelt zwischen den Zeilen immer von der elterlichen Liebe für die eigenen Kinder. Anfangs steht das kleine Kind im Vordergrund, später das größere. Das Buch hilft, einen Moment innezuhalten und sich bewusst zu machen, was eigentlich zählt, wenn man den oft stressigen Alltag beiseite schiebt. Wunderschön sind auch die Illustrationen; sie drängen sich nicht in den Vordergrund, machen den Text aber bunt und fröhlich. „Felsenfest“ ist ein kleiner, aufbauender Schatz, den man immer wieder zur Hand nehmen kann und der stärkt und ermutigt.
    Heute fahren wir nach Anderswo

    Klaus Baumgart
    Heute fahren wir nach Anderswo (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    18.03.2026

    Mit Elfenkreide ist alles möglich

    Als wir „Heute fahren wir nach Anderswo“ aufschlugen, legte sich die Stirn meiner Tochter in Falten: Wer hatte denn da schon in das neue Buch gemalt? Schönstes Krikelkrakel auf den Vorsatzseiten! Doch schnell wurde klar: In diesem Buch sieht ganz viel wie von Kinderhand gemalt aus. Und wird es auch: Elfi zeichnet nämlich mit Elfenkreide. Dem kleinen Oscar war ganz langweilig, bis er sie traf, aber Elfi verkündet gleich, verreisen zu wollen und malt dann ein tolles rotes Rennauto. Und schon geht es los. Die beiden flitzen nur so durch die Seiten und haben abenteuerliche Begegnungen mit kleinen und großen Tieren, Einhörnern und Drachen. Und ein Riese ist erst furchterregend groß und dann furchtbar nett. Für den nächsten Tag verabreden sich Elfi und Oscar erneut, doch ein Regen droht ihrem Wiedersehen einen Strich durch die Rechnung zu machen …

    Ein wirklich wunderhübsches Bilderbuch über einen kleinen Jungen, der seine Vorstellungskraft entdeckt. Es kommt mit wenig Text aus und beinhaltet toll illustrierte, großformatige Bilder – vor allem die Elfenkreide- bzw. Buntstiftzeichnungen faszinieren meine Kinder sehr. Es gibt viel zu entdecken, das Buch regt zum Gespräch genauso wie zum Selbermalen an. Die Botschaft ist ebenfalls gelungen: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Uns gefällt dieses Buch von Anfang bis Ende supergut und wird immer wieder angeschaut. Ich denke, man könnte es auch schon ab 3 Jahren empfehlen.
    39 Grad Mord

    Jenny Lund Madsen
    39 Grad Mord (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    15.03.2026

    Die Dilettanten-Detektivin

    Hannah Krause-Bendix, die Protagonistin von „39 Grad Mord“, muss dringend liefern. Und zwar einen zweiten Krimi, nachdem ihr erster ein ungeahnter Erfolg war und ihren schriftstellerischen Durchbruch ermöglicht hat. Zwar hat sie weder Lust auf noch Inspiration für dieses neue Buch, doch der vom Verlag gezahlte Vorschuss ist bereits aufgebraucht. Ihr Lektor schickt sie schließlich nach Sizilien, da er dorthin Kontakte hat und hofft, dass Krause-Bendix in einer schicken, einsam gelegenen Villa mit Meerblick ihre Schreibblockade bezwingen wird. Doch noch bevor sie sich das erste Mal an den Schreibtisch gesetzt hat, wird die Dänin in einen Mordfall verwickelt und beginnt bald danach, auf eigene Faust zu ermitteln.

    So weit, so solide, könnte man meinen. Krause-Bendix ist längst nicht die erste fiktive Krimiautorin, die zur Hobbydetektivin wird. Allerdings gehört sie vermutlich zu den stümperhaftesten und hat einen besorgniserregenden Alkoholkonsum. Überdies neigt sie zu impulsivem Verhalten und undurchdachten Kamikaze-Aktionen. Mich hat das zunehmend irritiert, aber trotzdem ganz gut unterhalten. Gelegentlich zeichnet sich die Protagonistin auch durch einen amüsanten Sarkasmus aus und irgendwie hat mich das bei der Stange gehalten.
    Vor der Lektüre war mir nicht klar, dass „39 Grad Mord“ (was für ein sperriger Titel) der zweite Band um diese (Anti-)Heldin ist. Wenn man den Erstling „30 Tage Dunkelheit“ zuerst liest, ist das vermutlich vorteilhaft, um das Beziehungsgeflecht von Krause-Bendix von Anfang an zu verstehen. Würde ich einen dritten Teil lesen? Ich bin mir nicht sicher, habe die dilettantische Hauptfigur aber doch etwas ins Herz geschlossen. Versöhnt hat mich außerdem, dass ich nach knapp zwei Dritteln des Buches befürchtet habe, die Auflösung zu kennen und es dann doch nicht so simpel war wie gedacht. Es gibt definitiv spannendere und raffiniertere Krimis, aber gute Unterhaltung bietet „39 Grad Mord“ – wenn man den wilden und mitunter blinden Aktionismus der Protagonistin auf Dauer ertragen kann.
    Spiele & Rituale für euren Alltag

    Nicola Schmidt
    Spiele & Rituale für euren Alltag (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    09.03.2026

    Macht das Familienleben bunter

    Mitmachbücher für Kleinkinder sind mir schon viele begegnet – aber eins für die ganze Familie? Das hat nun artgerecht-Gründerin Nicola Schmidt in Form eines großformatigen Ringbuchs vorgelegt. Es richtet sich an Eltern und Kinder, ist wunderbar bunt illustriert und voll mit Spiel-, Bastel-, Aktivitäts- und Rezeptideen, von denen jede einzelne maximal eine Doppelseite in Anspruch nimmt. So gibt es zum Beispiel Anleitungen für einen Gemüsezug, zum Parcoursbau und zur Pfützenerforschung. Evergreens wie „Alle Vögel fliegen hoch“, „Stille Post“ und der Anbau von Kresse kommen ebenfalls vor. Hilfreich ist, dass bei jeder Idee der Zeitaufwand angegeben wird.
    Immer wieder gibt es die Rubrik „Fürs Schatzkästchen“, in der z.B. Erfahrungen mit der Umsetzung der Ideen, Bilder und selbstgedichtete Lieder Platz finden. Richtig wertvoll finde ich die Fußnoten-Rubrik „Nicola erzählt“, in der Schmidt die Spielideen einordnet und Hintergrundwissen vermittelt. Und so enthält dieses Buch exakt das, was es verspricht: Spiele und Rituale zum Mitmachen, die sämtlich die artgerecht-Philosophie, dass das (Familien-)Leben leicht sein darf, aufgreifen. Und die dabei helfen, mitunter öde Routinen wie z.B. das tägliche An- und Ausziehen fantasievoll zu gestalten. Ich staune immer wieder, was für einen Unterschied es gerade bei Kindern machen kann, wenn man die Dinge mal anders angeht – humorvoller, verspielter, aus einer anderen Perspektive. Dieses Buch gibt einen bunten Strauß von Impulsen dazu.
    Meine Produktempfehlungen
    • artgerecht - Das andere Kleinkinderbuch Nicola Schmidt
      artgerecht - Das andere Kleinkinderbuch (Buch)
    • artgerecht durch den Familienalltag Nicola Schmidt
      artgerecht durch den Familienalltag (Buch)
    Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte

    Werner Holzwarth
    Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    25.02.2026

    The Sky is the limit

    Was für ein tolles Bilderbuch! Meine Kinder lieben es. Auf jeder Doppelseite erzählt ein kleines Vögelchen seiner Mutter oder seinem Vater, was es später, wenn es mal groß ist, werden will: der kleine Spatz eine Amsel, die kleine Amsel eine Taube, die kleine Taube eine Möwe … Das jeweilige Elternteil (erfreulicherweise überwiegend Papas – oft sind ja die Mamas in Kinderbüchern präsenter) dämpft dann die Erwartungen, wovon sich die kleinen Vögel aber nicht irritieren lassen. Und am Ende fliegen sie alle gemeinsam zum Mond.

    Was meinen Kindern besonders gut gefällt: Die Gespräche, die alle recht ähnlich ablaufen, aber kleine Unterschiede haben: Das Graugans-Küken wird Schnucki genannt, der kleine Spatz denkt sich „Du hast keine Ahnung“, die kleine Amsel macht „Pfff“. Was ich super finde: Wie alle kleinen Vögel unbeirrt an ihren Zielen festhalten (obwohl der kleine Spatz doch wirklich keine große Amsel werden kann? Aber was weiß ich schon, ich bin ja erwachsen …).

    Wir alle sind außerdem von den Illustrationen begeistert. Diese sind wunderbar bunt und recht großflächig. Jede Seite bietet ein paar Details, über die wir reden – bei jedem einzelnen Vorlesen. Dadurch, dass nicht so viele Einzelheiten zu sehen sind, reden wir sogar mehr über die Bilder – das ist mir so noch bei keinem anderen Buch aufgefallen. Der Spatz beim Essen, die Pfützen im Amselwohnzimmer, die Graugans, die ein Buch mit dem gleichen Cover liest und die Piñata auf der Vogelparty – alles spannend. Und auch die Vorsatz- und Nachsatzseiten, die die Vogelinsel jeweils bei Tag und Nacht zeigen und so die einzigen kleinteiligeren Bilder bieten, werden bestaunt. Dieses Kinderbuch besteht mit seinem gleichförmigen Aufbau, dem enthaltenen Schalk, der kraftvollen Botschaft und dem überraschenden Ende aus einer ungewöhnlichen Mixtur. Eine tolle Entdeckung!
    Obacht!

    Kerstin Hau
    Obacht! (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    24.02.2026

    Rundum feinsinnig

    Dieses Bilderbuch ist anders als die meisten anderen. Zuerst sticht die künstlerische Farbwahl ins Auge: Auf dem Cover wie im Buch ist alles orange, pfirsichfarben (oder ist es beige?) bzw. grau und schwarz. Eine Figur ist in einem völlig anderen Stil gezeichnet als die anderen und die Tatze des Tieres, wegen dem zur „Obacht“ aufgerufen wird, wirkt riesig. Ich war gespannt, ob meine Kindergartenkinder das Buch nicht abschreckend oder zumindest wenig ansprechend finden würden. Aber mitnichten: Es fasziniert sie. Die drolligen Namen tragen sicher ihren Teil dazu bei: Anfangs werden die Figuren Wimpf, Wompf, Timpe-Ma, Timpe-Pa und das Mienchen vorgestellt. Sie sind die Stadtbewohner, von denen auch Wortmeldungen kommen, und die ersten, die das große Tier entdecken, das den Zugang zu ihrer Stadt erschwert. Schnell werden Strategien entwickelt, um mit dem Problem umzugehen, allen voran von Timpe-Pa. Zunächst wird das Tier verhüllt, dann eine Brücke darüber gebaut und schließlich wird sogar eine Umgehungsstraße geschaffen – doch alle Projekte scheitern. Bis das kleine Mienchen das direkte Gespräch sucht. Und siehe da: Durch ehrliches Interesse, Kommunikation und Hilfsbereitschaft lässt sich eine nachhaltige Lösung finden.

    Dass das Fremde, Störende, gar nicht mehr so furchteinflößend ist, wenn man darauf zugeht, ist die spielerisch vermittelte Botschaft von „Obacht!“. Und das kleine Mienchen hat eine bessere Idee als der tonangebende Timpe-Pa (offensichtlich ein Erwachsener) mit seinem wilden Aktionismus – ein feiner Zusatz. Überhaupt ist dieses Buch rundum feinsinnig; sowohl die Illustrationen als auch der Text wirken kunstvoll. Mal ein ganz anderes Bilderbuch – vermutlich finden meine Kinder gerade das so interessant.
    Die Housesitterin - Ein Traum von einem Job. Oder?

    Emily Rudolf
    Die Housesitterin - Ein Traum von einem Job. Oder? (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    21.02.2026

    Erstaunliche Twists

    Nach „Das Dinner“ ist das der zweite Thriller, den ich von Emily Rudolf gelesen habe. Und trotz einiger Schwächen definitiv der Bessere!

    Cecilia ist professionelle Housesitterin und kommt zu Beginn der Geschichte auf einer Privatinsel in der Ostsee an, wo sie ein Anwesen der vermögenden Waldners hüten soll. Sie war bereits mehrmals für die Familie tätig; dass sie seit einigen Monaten eine leidenschaftliche Affäre mit dem Firmenerben Johannes Waldner hat, weiß allerdings niemand. Bis jetzt! Denn Cecilia lädt ihre Freunde auf die Ostseeinsel ein, damit sie Johannes kennenlernen. Das Cover lässt erahnen, dass es kein fröhlich-entspanntes Wochenende wird.

    „Die Housesitterin“ wird sehr schnell sehr spannend. Der Prolog ist hochdramatisch, doch auch danach geht es bald hoch her. Eine bedrohliche Atmosphäre, nicht zuordbare Geräusche, furchteinflößende Ereignisse … und das ist nur der Anfang.
    Die Geschichte wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Andeutungen und Untertöne haben dafür gesorgt, dass mein Kopfkino sehr schnell angesprungen ist und ich unterschiedlichste Theorien zu dem entwickelte, was da unter der Oberfläche vor sich hin zu brodeln schien. Als dann die Auflösung kam, war ich dennoch mehr als verblüfft. Nicht, weil sie so raffiniert war. Sondern, weil ca. die Hälfte des Buches noch vor mir lag. Hier ist Emily Rudolf ein faszinierender Twist gelungen, denn es folgte ganz unerwartet noch ein neuer Handlungsstrang, gefolgt von weiteren Wendungen, die ich kaum habe kommen sehen.

    Nicht ganz so gut gefallen hat mir, dass die Autorin letztlich immer auf das gleiche Schema zurückgreift, um die Geschehnisse aufzuklären: Die Protagonist*innen berichten selbst, was passiert ist. Verglichen mit früheren Äußerungen aus ihren Perspektiven wirkt das nicht immer komplett stimmig. Einzelne Charaktere, die anfangs viel Potential hatten, bleiben außerdem Statisten. Nicht alles kommt mir rückblickend logisch vor und die spicy Szenen fand ich unnötig und auch zu plakativ. Ein spannender Pageturner ist „Die Housesitterin“ jedoch trotzdem.
    Die Reise ans Ende der Geschichte

    Kristof Magnusson
    Die Reise ans Ende der Geschichte (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    14.02.2026

    Skurril. Und richtig gut.

    Vor vielen Jahren habe ich eher zufällig einen Roman gelesen, der für mich völlig unerwartet ein absolutes Lesehighlight wurde: „Das war ich nicht“ von Kristof Magnusson. Den Autor behalte ich seitdem im Blick und bin froh, so auch auf sein neues Werk aufmerksam geworden zu sein – das wieder ganz anders ist. Wie eigentlich jedes Buch, das ich von Magnusson gelesen habe.

    „Die Reise ans Ende der Geschichte“ spielt 1995. Protagonist Jakob Dreiser ist mit Mitte 20 bereits ein gefeierter Dichter. Außerdem kann er bestens mit Menschen, ist empathisch, herzlich und vom Fall des Eisernen Vorhangs anhaltend euphorisiert. Ganz im Gegensatz zu Dieter Germeshausen, einem 30 Jahre älteren Geheimdienstmitarbeiter, den das Ende des Kalten Krieges in eine Krise gestürzt hat. Nun plant er einen Coup. Dass Germeshausen und Dreiser zusammen nach Kasachstan reisen, kann ich verraten, denn das gibt schon der Prolog her. Welche aberwitzige Aktion dort geplant ist und was alles drumherum passiert, bildet die vermutlich skurrilste Agentengeschichte, die ich je gelesen habe. Sie hat mich bestens unterhalten und gleichzeitig etwas nostalgisch auf eine Zeit zurückblicken lassen, in der vieles plötzlich möglich schien: anhaltender Frieden, Völkerverständigung, blühende Landschaften. Ein originelles Lesevergnügen.
    Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel

    Alena Schröder
    Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.01.2026

    Zwei starke Geschichten, zart verbandelt

    Seit ich Kinder habe, fallen mir abends beim Lesen immer schnell die Augen zu. Aber nicht bei diesem Buch – ich konnte es kaum weglegen. Autorin Alena Schröder erzählt zwei Geschichten parallel: Die der 1931 geborenen Marlen und die von Hannah, Jahrgang 1989. Marlen ist zu Kriegsende Vollwaise und landet eher zufällig bei der Güstrower Malerin Wilma. Diese hat bisher im Schatten ihres inzwischen in Russland vermissten Mannes gestanden und beginnt nun, eine eigene Karriere zu verfolgen. Marlen wächst in die Rolle ihrer Assistentin hinein und wird für Wilma unentbehrlich.

    Viele Jahrzehnte später, 2023, weiß die 34-jährige Hannah nicht so recht, was sie mit sich anfangen soll, als sie plötzlich von ihrem Erzeuger kontaktiert wird – zum ersten Mal in ihrem Leben. Martin van der Kampen will plötzlich eine Beziehung zu ihr aufbauen und behauptet, das sei ihm von ihrer verstorbenen Mutter und Großmutter früher verboten worden. Seine Frau und Söhne wären schon voller Vorfreude. Eher skeptisch gibt Hannah der Familienzusammenführung eine kleine Chance. Und dann entwickelt sich alles ganz anders als erwartet.

    Schröder erzählt zwei komplett unterschiedliche Geschichten, immer abwechselnd, Kapitel für Kapitel. Der Prolog macht die zarte Verknüpfung klar, doch beide Handlungsstränge stehen komplett für sich und spielen zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Welten. Und beide haben mich nicht losgelassen. Alena Schröder macht Emotionen wunderbar greifbar, ohne viele Worte zu verlieren. Ihre beiden Protagonistinnen und das undurchsichtige Beziehungsgeflecht um sie herum haben mich komplett in ihren Bann gezogen. Die Entwicklung des Ganzen war dabei unvorhersehbar und doch sehr stimmig. Mit Titel und Cover konnte ich erst nach der Lektüre etwas anfangen, aber auch das passt nun perfekt. Einfach ein großartiger Roman – und der dritte Teil einer Trilogie, wie ich jetzt erst bemerkt habe. Ganz offensichtlich kann man „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ auch unabhängig von den beiden früher erschienenen Büchern lesen. Ich freue mich jetzt auf Teil eins und zwei und bin gespannt, in welche Winkel von Hannahs Familiengeschichte sie mich führen werden.
    Tod zur Teestunde

    Anthony Horowitz
    Tod zur Teestunde (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    27.12.2025

    Gelungen verschachtelt

    Lektorin Susan Ryeland ermittelt – und das bereits zum dritten Mal! Nachdem ihr langjähriger Starautor Alan Conway bereits in „Die Morde von Pye Hall“ zu Tode kam und sie schließlich nach Kreta auswanderte, versucht sie jetzt, in der britischen Verlagsbranche erneut Fuß zu fassen. Und erhält ein unerwartetes Angebot: Ein junger, bislang eher erfolgloser Autor namens Eliot Crace soll Alan Conways Reihe um den Meisterdetektiv Atticus Pünd um einen weiteren Band ergänzen. Was läge näher, als dass sie das Lektorat übernimmt? Susan ist allerdings nicht restlos begeistert: Crace ist kein einfacher Charakter und bringt sie mit Teilen ihrer Vergangenheit in Kontakt, die sie lieber gemieden hätte. Sein Buch „Pünds letzter Fall“ startet zwar recht gelungen, doch Susan kommt bald dahinter, dass Crace darin seine eigene Familiengeschichte verarbeitet. Um die Hintergründe zu verstehen, stellt sie Nachforschungen an und stößt in ein Wespennest. Kurz darauf ist sie nicht nur wieder arbeitslos, sondern auch noch mordverdächtig …

    Susan Ryelands zweiten Fall habe ich leider verpasst, aber mindestens an „Die Morde von Pye Hall“ knüpft „Tod zur Teestunde“ wunderbar an: Es geht nicht nur um Susans Geschichte, sondern auch um das Buch im Buch. „Pünds letzter Fall“, ein klassischer Krimi im Agatha-Christie-Stil, wird in drei langen Passagen zu großen Teilen erzählt – so großen Teilen, dass Susan Ryeland zwischendurch stark in den Hintergrund rückt. Gleichzeitig macht es Spaß, sich zunächst in das Cosy Crime zu vertiefen und sofort im Anschluss die kritischen Anmerkungen der Romanlektorin unter die Nase gerieben zu bekommen. Dass Eliot Crace seinen Krimi als Schlüsselroman über die eigene Familie konstruiert, führt beide Geschichten raffiniert zusammen. Und dann überschlagen sich die Ereignisse irgendwann. Es ist mir ein Rätsel, warum der Insel Verlag relativ spät stattfindende Romanereignisse auf dem Buchrücken spoilert – davor findet genügend anderes statt, das die Leser*innen bei Laune hält. „Tod zur Teestunde“ ist spannend, unterhaltsam, twistreich und lädt auf verschiedenen Ebenen zum Miträtseln ein. Manches Mal habe ich mir gewünscht, ich hätte „Die Morde von Pye Hall“ vor diesem dritten Band noch einmal gelesen – die Geschichten sind ungeahnt eng miteinander verwoben. Die toll verschachtelte Komposition hat mich über die ein oder andere nicht komplett logische Aktion hinwegsehen lassen, die mich bei einer weniger komplexen Geschichte vielleicht gestört hätte. Von Susan Ryeland würde ich gerne wieder lesen – und falls verschlungene Pfade doch noch zu einem weiteren Atticus-Pünd-Fall führen sollten: umso besser! Anthony Horowitz ist einfach ein Meister seines Genres.
    Meine Produktempfehlungen
    • Die Morde von Pye Hall Anthony Horowitz
      Die Morde von Pye Hall (Buch)
    Ins hohe Gras

    Trevor Noah
    Ins hohe Gras (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    18.11.2025

    Voller Wärme und Weisheit

    Trevor Noah hat mit „Ins hohe Gras“ eine zauberhafte Fabel geschrieben, die von Illustratorin Sabina Hahn kongenial umgesetzt wurde. Text und Bild ergänzen sich hier aufs Wunderbarste.
    Es geht um einen namenlosen Jungen – nach dem persönlichen Vorwort Trevor Noahs ihm vermutlich nachempfunden – und seinen Teddy namens Walter. Walter ist die Stimme der Vernunft; er mahnt zum Zähneputzen, Haare kämmen und Bett machen, denn das sind die morgendlichen Pflichten, die die Mutter dem Jungen auferlegt hat. Doch der Junge will raus „Ins hohe Gras“ und zieht den widerstrebenden Teddy mit sich. Sie verlassen den sicheren Garten und erleben kleine Abenteuer, bei denen streitende Schnecken und fröhlichen Münzen ihnen erstaunliche Wege zu Konfliktlösungen zeigen. Das liest sich sowohl locker-flockig als auch weise. Und ab und zu kommen kleine Passagen, die wirklich berührend sind – wenn der Junge beispielsweise fragt: „Meinst Du, es ist zu spät, nach Hause zu gehen?“ und Walter antwortet: „Wenn du’s noch Zuhause nennst […] kannst du immer zurück.“
    Bei diesem Buch stellt sich nicht die Frage, für wen oder welche Altersgruppe es geeignet ist, sondern eher, wen die Geschichte nicht verzaubert. Ich denke, dass sehr unterschiedlich geartete Leser*innen ihre Freude an Trevor Noahs neuestem Werk haben werden. Definitiv ein All-Age-Buch, das sich auch bestens als Weihnachtsgeschenk eignet.
    Die drei Leben der Cate Kay

    Kate Fagan
    Die drei Leben der Cate Kay (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    03.11.2025

    Raffiniert komponiert

    Auffällig und ungewöhnlich: Das pinke Buchcover mit fettem gelben Titel und dem Bild von einem gesplitterten Rückspiegel, in dem ein Auge dreifach zu sehen ist, hat mich gleich neugierig gemacht. Und ungewöhnlich beginnt auch die Geschichte der Erzählerin Cate Kay, die sich und ihr vorliegendes Memoir im Vorwort vorstellt und die drei Namen enthüllt, unter denen sie bisher gelebt hat: Annie Callahan, Cass Ford und Cate Kay. Sie fordert die Leserinnen und Leser auf, anhand des Buches zu entscheiden, ob sie ein guter Mensch ist. Ein starker Einstieg!
    Cate Kays Geschichte wird dann in Rückblicken, inklusive Zeitsprüngen, erzählt – mal von ihr, mal von Weggefährten. Die einzelnen Kapitel sind überschrieben mit dem Namen der berichtenden Person sowie Ort und Zeit der Geschehnisse. Dadurch bleibt es einigermaßen übersichtlich, ist aber trotzdem nicht ganz flüssig zu lesen, da viele Figuren eingeführt werden. Mir fehlte erst einmal der Überblick, wer wirklich wichtig für die Geschichte ist. Die ersten knapp 90 Seiten lesen sich dadurch etwas zäh – aber dann platzt der Knoten durch eine krasse Wendung und ich habe das Buch in jeder freien Minute weitergelesen.
    „Die drei Leben der Cate Kay“ ist eine immer wieder anrührende Geschichte über große Gefühle, lebensverändernde Entscheidungen, Angst und Mut. Sobald das Grundgerüst steht und die Handlung an Fahrt aufnimmt, entwickelt sie sich fesselnd und intensiv. Das Ende hätte ich mir ausführlicher gewünscht, obwohl eigentlich wenig Fragen offenbleiben. Und die Geschichte in der Geschichte – Cate Kays (fiktive) Bestseller-Trilogie „The very last“, aus der ab und an Auszüge eingeschoben werden – ist ein genialer Kontrast, der immer wieder inhaltliche Brücken zum Leben der Erzählerin schlägt. Ein geschickt komponiertes, packendes Buch, das mich an eine komplexe Patience erinnert, bei der am Ende jede Karte an ihrem Platz liegt.
    Das Haus mit der kleinen roten Tür

    Grace Easton
    Das Haus mit der kleinen roten Tür (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    19.10.2025

    Zauberhafte Wintergeschichte

    Dieses großformatige Bilderbuch kommt schon auf den ersten Blick sehr wertig daher: ein geprägter, rotglänzender Titel, Klappen aus hauchdünner Pappe (die schon etwas Fingerspitzengefühl bei den kleinen Leserinnen und Lesern voraussetzen) in ganz unterschiedlichen Formaten und viel Platz für die wunderschönen, detaillierten Illustrationen.

    „Das Haus mit der kleinen roten Tür“ handelt von einem Mädchen namens Olivia und „einer Maus namens Maus“, die an einem verschneiten Wintermorgen ins Gespräch kommen und zusammen spielen, bis plötzlich der Baum, in dem das Mäuschen lebt, unter der Schneelast zusammenbricht. Olivia will der plötzlich obdachlosen Maus helfen, doch es ist gar nicht so leicht, eine passende neue Bleibe für sie zu finden. Bis die beiden schließlich auf die beste aller Lösungen kommen …
    Weihnachten kommt in der Geschichte gar nicht vor, doch sie mutet trotzdem wie eine Weihnachtsgeschichte an. Es geht um die Suche nach einer Unterkunft, Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Freundschaft, und am Ende wird Klein und Groß ganz warm ums Herz. Auch Bilderbücher können ein Licht in die dunkle Jahreszeit tragen – dieses Exemplar macht das auf jeden Fall.
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