Wessen Denken ?
Keiner der Autoren ist ein "Rechter". Die Autoren beschreiben aus verschiedenen Perspektiven ihre politische Sozialisation, die meist vom sozialistischen Gedankengut nach 1968 oder der aufkommenden Grünenbewegung geprägt war. Nach dem Zivilisationsbruch insbesondere in Deutschland des Nationalsozialismus und danach des Zweiten Weltkrieges war es wohl auch geboten, mal neu und links zu denken. Die Autoren, zumeist Boomer, haben auf unterschiedlichen Wegen zu einem Realismus gefunden, was wohl (auch) mit Lebenserfahrung und einer Desillusionierung zu tun hatte. Martenstein, Broder oder Nuhr, um einmal die Prominentesten unter den Autoren des Buches zu nennen, sind dadurch aber nicht zu Rechten geworden. Heute ist "links" wie so vieles (auch bisweilen) geframed und Ausdruck einer Haltung, die als Alibi für nahezu alles herhalten kann, insbesondere aber auch, um abweichend Denkende zu diffamieren und auszugrenzen. Ich weiß nicht, ob das Buch auch dazu dienen kann, von diesen identitätspolitischen Haltungen zu Gunsten der liberalen Demokratie Abstand zu gewinnen. Die Autoren des Buches sind aber alle Vertreter liberaler Demokratie, von denen der eine und die andere bereits die Erfahrung machen musste, deswegen totalitär und autoritär von "links" angefeindet, ausgegrenzt und als "rechts" diffamiert zu werden. Es lohnt sich daher, die Gedanken und Erfahrungen dieser Autoren nachzuvollziehen, weshalb ich relativ früh im Jahr dieses Buch wegen der Brisanz seines Themas als (erstes) Sachbuch des Jahres 2026 erfahren habe und empfehle.