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    Bücherfreundin

    Aktiv seit: 04. September 2021
    "Hilfreich"-Bewertungen: 68
    328 Rezensionen
    Jenseits der Wintersonne

    Veronica Skotnes
    Jenseits der Wintersonne (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    12.02.2026

    Beeindruckend und faszinierend

    In ihrem Buch "Jenseits der Wintersonne", das im Delius Klasing Verlag erschienen ist, erzählt die Autorin Veronica Skotnes von ihrer ein Jahr dauernden Reise entlang der äußersten Inseln der Finnmarkküste.

    Veronica wohnt seit drei Jahren auf einem Segelboot. Das Boot hat zwei Masten und vier große Segel, es wurde 1982 gebaut und ist 16 Jahre älter als sie. Drei Jahre lang segelte sie damit ganz allein in den Gewässern vor der Finnmark. Nun ist es Herbst, und sie wird sich aufmachen zu den Gegenden an der äußersten Küste am Nordpolarmeer.
    Es wird ein Reiseabenteuer, das sie an ihre Grenzen bringen wird, immer wieder gerät sie wetterbedingt beim Segeln in gefährliche und bedrohliche Situationen. An Land hat sie viele interessante Begegnungen, sie lernt die gastfreundlichen Bewohner der Inseln kennen, die ihr von ihrer Insel und deren Geschichte erzählen, von Sagen und Mythen. Manchmal bleibt sie länger an einem Ort und lernt die Bewohner dabei noch besser kennen. Die Fischer erzählen von ihren Problemen, es geht neben der schlechten Infrastruktur auch um die fehlende Trinkwasserversorgung, die Vermüllung des Meeres durch Plastik und den zunehmenden Angeltourismus.

    Die Autorin beschreibt nicht nur eindrucksvoll die Schönheit der Natur, sie lässt den Leser auch tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt blicken. Sie erzählt von ihrer Hoffnung, dem Familienfluch zu entrinnen, indem sie Abstand sucht von ihrer Familie, die auf den Lofoten lebt. Die selbstgewählte Einsamkeit auf See gibt ihr eine gewisse Sicherheit, sie gelangt aber auch zu der Erkenntnis, dass im Segeln auf dem offenen Meer nicht die von ihr ersehnte Freiheit liegt, da der Wind und das Wetter bestimmen, wann es wohin geht.

    Ich habe das Buch, das eine Mischung aus Reisebericht und ganz persönlicher Reflexion ist, sehr gern gelesen. Es war spannend und hochinteressant, Veronica auf ihrer Reise zu begleiten. Ich habe mit ihr gebangt und gezittert, wenn sie mit ihrem Boot in gefährliche Situationen geriet, und ich habe mich mit ihr gefreut, wenn ihr die Inselbewohner freundlich und offen begegneten.
    Besonders hervorheben möchte ich die wunderschöne und hochwertige Gestaltung des Buches. Das Covermotiv findet sich auch auf dem Einband wieder, im Innern finden wir 18 kunstvolle Illustrationen, die die Geschichten ergänzen.

    Absolute Leseempfehlung für dieses beeindruckende Buch, das so viel mehr ist als nur ein Reisebericht!
    Die Faszienlüge

    Matthias Manke
    Die Faszienlüge (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    04.02.2026

    Mythos "verklebte" Faszien

    In ihrem Buch mit dem etwas provokanten Titel "Die Faszienlüge" stellen die Orthopäden Dr. Matthias Manke und Dr. Patrick Julius den Hype um das Faszientraining samt umfangreichem Equipment auf den Prüfstand und gelangen dabei zu der Erkenntnis, dass die diversen Faszientools keinen nennenswerten Nutzen haben und bestehende Probleme sogar verschlimmern können.

    Das sehr schön und übersichtlich gestaltete, 176 Seiten umfassende Buch ist in vier Kapitel gegliedert:
    Im ersten Kapitel geht es nicht nur um den Bewegungsapparat, sondern auch um so wichtige Themen wie z.B. Stress, Atmung, Ernährung und Schlaf.
    Das zweite Kapitel widmet sich dem Aufbau, der Struktur und Funktion der Faszien sowie dem Mythos Faszientraining und dem Geschäft mit der Faszie.
    Im dritten Kapitel thematisieren die Autoren die Schmerzen im Bewegungsapparat sowie orthopädische Krankheitsbilder.
    Im vierten und letzten Kapitel "Bewegung hilft Muskeln, Faszien & Co." werden nicht nur die Themen Sitzen ("wer sitzt, verliert") und Bewegung behandelt, sondern auch ein 30 Übungen umfassendes Programm vorgestellt.

    Das Buch, das von viel Fachwissen und Kompetenz zeugt, hat mir sehr gut gefallen. Es liest sich flüssig, ist durch seine lebendige Sprache äußerst kurzweilig und auch für medizinische Laien wie mich gut verständlich. Viele Fotos und anschauliche Illustrationen ergänzen die informativen Texte.
    Die letzten 30 Seiten motivieren den Leser, selbst aktiv zu werden, denn hier werden von den Autoren 30 Übungen vorgestellt, die uns dabei helfen können, unsere Schmerzen zu lindern oder sogar ganz loszuwerden. Die Autoren agieren hier selbst als Vorturner, pro Seite gibt es eine Übung mit Fotos und ergänzenden Texten. Dieser Teil des Buches war besonders interessant für mich, auch wenn mir einige der Übungen bereits bekannt waren und mir die Nackengreiferübung vielleicht nie gelingen wird. Ein umfangreiches Equipment ist nicht erforderlich, eine gute Bodenmatte reicht, und Therabänder gehören schon lange zu meiner Ausstattung. Zwei der gezeigten Übungen erfordern einen großen Gymnastikball, der sich aber auch durch einen Stuhl ersetzen lässt. Für drei Übungen ist ein guter Gleichgewichtssinn erforderlich, hierbei stabilisiere ich meine eher wackelige Ausgangsposition, indem ich mich mit einer Hand an einem Tisch festhalte.

    Auf den ersten und letzten Seiten befindet sich ein Test, mit dem jeder feststellen kann, wie es um seine eigene Beweglichkeit bestellt ist. Ich muss gestehen, dass mich dieser Test teilweise etwas frustriert hat, doch ich bin optimistisch, mit den vorgestellten Übungen und der nötigen Disziplin wieder gelenkiger zu werden.

    Der Ratgeber hat mich inhaltlich vollends überzeugt, zumal ich mich selbst über Jahre mit unterschiedlichen Faszienrollen und -bällen malträtiert habe und keine Besserung meiner Beschwerden erzielen konnte.

    Absolute Leseempfehlung für diesen Ratgeber, der sicherlich für Aufsehen sorgen wird!
    Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel

    Alena Schröder
    Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    29.01.2026

    Fesselnde Geschichte

    Anfang 2021 begeisterte Alena Schröder mich mit ihrem Debütroman "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid", zwei Jahre später folgte ihr Buch "Bei euch ist es immer so unheimlich still", die Vorgeschichte ihres Debüts. Nun ist mit "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" der dritte Band der Reihe erschienen, in dem wir einigen Personen wiederbegegnen. Die Bücher können zwar unabhängig voneinander gelesen werden, ich denke aber, dass die Lesefreude gesteigert wird, wenn man die Hintergründe und familiären Zusammenhänge aus den ersten Bänden bereits kennt. Die Autorin erzählt die Geschichte auf zwei miteinander verflochtenen Zeitebenen.

    Güstrow 1945: Die 14-jährige Marlen versteckt sich nach dem Tod ihrer Mutter und ihres kleinen Bruders aus Angst vor den näher kommenden Russen in einer Kommodenschublade im alten Försterhaus. Sie wird von der Malerin Wilma gerettet, die sie mit in ihr Haus nimmt und später adoptiert. Gemeinsam mit Wilmas Haushälterin Burgi leben die Frauen unter einem Dach. Marlen unterstützt sie im Alltag und wird durch Wilma an die Kunst des Malens herangeführt.
     
    Berlin 2023: Das Leben der 34-jährigen Hannah, die als Projektleiterin in einer Menschenrechtsorganisation arbeitet, ändert sich, als ihre beste Freundin und Mitbewohnerin Rubi ihr eröffnet, dass sie ausziehen wird. Sie ist schwanger und wird mit ihrem Freund aufs Land ziehen. Hannah ist nicht lange allein, da ihre Kollegin Ulrike sie überredet, ihren Neffen Justus übergangsweise als Untermieter aufzunehmen. Sie gerät in einen inneren Konflikt, als sich ihr Vater, der immer eine Leerstelle in ihrem Leben war, völlig überraschend mit ihr in Verbindung setzt und sie einlädt, ihn und seine Familie zu besuchen.

    Die Geschichte hat mich vom Beginn bis zum stimmigen Ende gefesselt und berührt. Ich mag den schönen und intelligenten Sprachstil der Autorin und die Art, wie sie die interessanten Charaktere beschreibt, uns in ihre Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen lässt. Nicht nur die beiden Hauptpersonen Marlen und Hannah, auch die Nebenfiguren Burgi, Rubi, Justus, Rüdiger und Lukas sind ganz wunderbar und authentisch skizziert. 
    Meine Lieblingsfigur war die junge Marlen, die sich über Jahre Wilmas Wünschen unterordnet und aus Pflichtgefühl darauf verzichtet, sich ein eigenes Leben aufzubauen. Ich mochte aber auch Hannah, die erst lernen muss, sich durchzusetzen. Sie ist durch das Auftauchen ihres Vaters total verunsichert und weiß nicht, ob sie ihm glauben und vertrauen kann.

    Ich fand es schade, dass das Ölbild, das in Marlens Leben eine so wesentliche Rolle spielte, im Erzählstrang um Hannah eher nebensächlich war. Dennoch habe ich die ruhig erzählte Geschichte, in der es neben Familie und Freundschaft auch um Schuld und Verrat, Lügen und Geheimnisse geht, gern gelesen und empfehle sie weiter!
    Die Liebe, später

    Gisa Klönne
    Die Liebe, später (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    28.01.2026

    Melancholisch und lebensklug

    Nachdem ich 2022 mit großer Begeisterung Gisa Klönnes Roman "Für diesen Sommer" gelesen habe, freute ich mich sehr auf ihr neues Buch "Die Liebe, später". Meine Erwartungen waren sehr hoch - und ich wurde nicht enttäuscht!

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 61-jährige Journalistin Kora von Stein, die seit 24 Jahren mit Anselm verheiratet ist. Dieser arbeitete bis vor kurzem an den Wochentagen als Ministeriumsreferent in Berlin und pendelte zwischen der Hauptstadt und dem gemeinsamen Haus in Köln. Kora erholt sich gerade von einer schweren Herzoperation, während ihr sich nun im Ruhestand befindlicher Mann davon träumt, einen großen Schwimmteich im Garten anzulegen. Seine ständige Anwesenheit belastet Kora, die viele Jahre damit glücklich war, das Haus an den Wochentagen für sich zu haben. Sie beschließt, ihre Freundin und Mentorin Gabriella in München zu besuchen, die ihren 85. Geburtstag feiert. Auf dem Weg dorthin möchte sie ihren Bekannten Felix besuchen, der sie verzweifelt um Hilfe bei der Suche nach seiner vor kurzem spurlos verschwundenen Frau Leonie bittet.

    Der Roman ist in schöner Sprache ruhig erzählt und liest sich sehr flüssig. Gisa Klönne ist es gelungen, nicht nur die beiden Hauptcharaktere, sondern auch die Nebenfiguren ganz wunderbar und authentisch zu skizzieren. Sie lässt uns tief in Koras Gefühls- und Gedankenwelt blicken, ihre Ängste und Zweifel erleben. Nach und nach blättert sich Koras Vergangenheit auf: ihr Aufwachsen beim Vater nach dem viel zu frühen Tod der Mutter, das Kennenlernen von ihr und Anselm, und die belastende Zeit, als die schwere Erkrankung sie aus dem Alltag riss und ihr Leben abrupt veränderte.

    Ich konnte mich sehr gut in die verunsicherte Kora hineinversetzen, die ihre aus dem Gleichgewicht geratene Ehe auf den Prüfstand stellt und nicht weiß, ob sie so weiterleben kann wie bisher. Die unsichere berufliche Situation macht ihr zu schaffen, der Sender hat ihr einen Auflösungsvertrag geschickt, obwohl sie bald wieder im Radio zu hören sein möchte. Es fällt ihr noch schwer, mit den Folgen der Herzoperation umzugehen, sich an die regelmäßige Einnahme notwendig gewordener Medikamente zu gewöhnen. Trotz eigener Probleme fühlt sie sich verpflichtet, dem verzweifelten Felix bei seiner Suche nach Leonie zu helfen. Auch den sympathischen Anselm habe ich gut verstanden, er brennt für sein Teichprojekt und seine Libellen, und er wünscht sich sehnlichst, auch Kira dafür zu begeistern. Gut gefallen hat mir Koras Reise in die Vergangenheit und ihre Begegnung mit einem Freund aus Kindertagen. Zwischen den Texten hat die Autorin immer wieder 5-Punkte-Listen eingefügt, z.B. fünf Ruhestand-Hobbys, vor denen Kora sich fürchtet, fünf Dinge, die Anselm als Glück empfindet und fünf Dinge, die Kora gern früher gewusst hätte - eine ganz wunderbare Idee, durch die ich Kora und Anselm noch intensiver kennenlernte konnte. 

    Gisa Klönnes mit viel Sensibilität geschriebener Roman, in dem es neben persönlichen Veränderungen, Nähe und Distanz in der Ehe auch um Probleme des Älterwerdens, erlittene Verluste und deren Bewältigung geht, hat mich von Beginn an bis zum hoffnungsvollen Ende gefesselt und tief berührt. 

    Absolute Leseempfehlung für die melancholische und lebenskluge Geschichte, die zum Nachdenken anregt! 
    Leserabe Sonderausgaben - Deine große Leseraben Box

    Leserabe Sonderausgaben - Deine große Leseraben Box (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    15.01.2026

    Liebevoll gestaltete Box für Leseanfänger

    Seit über 20 Jahren führt der Ravensburger Verlag in seiner Reihe "Leseraben" kleine Leseanfänger in drei unterschiedlichen Lesestufen an das eigenständige Lesen heran. "Deine große Leseraben Box" richtet sich an Kinder der ersten Klasse und begleitet sie bei ihren ersten Leseabenteuern.
    Der Inhalt der stabilen Box ist auf der Rückseite abgebildet: 3 Bücher, ein Memory mit 28 Karten, ein 54 Teile-Puzzle, ein Quartett, 9 Sticker, ein ABC-Poster, 2 Karten zum Ausmalen, ein Türschild, ein Leselineal, eine Leseraben-Papierfigur zum Aufstellen sowie eine Elternbroschüre mit Tipps zum Lesenlernen.

    Die Bücher umfassen zwischen 24 und 47 Seiten und haben wie Bilderbücher und Stickerhefte ein Softcover, keinen festen Einband. Das Rätselheft enthält 28 ABC-Rätsel, die Lösungen befinden sich auf den letzten Seiten. Das spannende Buch "Baumhausgeschichten" erleichtert das Lesen dank der Mildenberger Silbenmethode, und das dritte Buch (im Miniformat) erzählt die Geschichte "Zwei Meerschweinchen im Klassenzimmer". Die Bücher haben eine große, sehr gut lesbare Schrift und sind in kräftigen Farben wunderschön illustriert.

    Der Inhalt der Box ist qualitativ hochwertig, die Memory-Karten liegen allerdings lose in der Box, eine Schachtel - wie bei den Puzzleteilen - wäre schön gewesen. Viel Spielspaß verspricht auch das Silben-Quartett mit seinen einfachen Spielregeln. Das ABC-Poster findet sicher einen schönen Platz im Kinderzimmer, und das "Bitte nicht stören"-Schild sorgt für die nötige Ruhe beim Lesenüben. Sehr hilfreich und sinnvoll finde ich das Leselineal, das den Lesefluss zu verbessern hilft.

    Die Leseraben-Box eignet sich ganz wunderbar als Geschenk für Erstklässler und wird sicherlich viel Anklang finden. Spielerisch werden die Kinder an das Lesen herangeführt, das Memory und das Quartett bringen zusätzlichen Lern- und Lesespaß. Ich finde die liebevoll gestaltete Box wunderschön, auch wenn mir die "Baumhausgeschichten" als gebundenes Buch mit festem Einband besser gefallen hätten. 

    Absolute Empfehlung für kleine Leseanfänger!
    Tod zur Teestunde

    Anthony Horowitz
    Tod zur Teestunde (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.12.2025

    Großartiger dritter Band der Susan Ryeland-Reihe

    "Tod zur Teestunde" ist der neue und voraussichtlich letzte Kriminalroman des britischen Schriftstellers Anthony Horowitz um die Lektorin Susan Ryeland. Das 568 Seiten umfassende Buch knüpft an die 2018 und 2022 erschienenen Vorgängerbände "Die Morde von Rye Hall" und "Der Tote aus Zimmer 12" an. Es ist sicherlich hilfreich, die beiden ersten Romane der Reihe gelesen zu haben, doch auch ohne dieses Basiswissen findet man sich schnell zurecht, zumal immer wieder Bezug auf Ereignisse der ersten Bände genommen wird.

    Die Ich-Erzählerin Susan hat sich von ihrem Freund Andreas getrennt, mit dem sie auf Kreta ein Hotel führte. Als freie Lektorin arbeitete sie auf der Insel als Lektorin und betreute eine Serie von skandinavischen Kriminalromanen. Inzwischen ist sie 55 Jahre alt und kehrt nun nach London zurück. Michael Flynn, ihr Chef und Verleger von Causton Books, plant die Fortsetzung der erfolgreichen Atticus Pünd-Serie. Nach dem Tod von Alan Conway, der durch die Bücher reich und berühmt wurde, soll der junge Autor Eliot Crace, dessen Großmutter Miriam eine erfolgreiche Kinderbuchautorin war, drei Fortsetzungsromane schreiben. Da Susan bereits Alan Convay als Lektorin zur Seite stand, geht ihr Chef davon aus, dass sie auch für Eliot die ideale Lektorin sein wird. Die ersten Kapitel des Manuskripts von "Pünds letzter Fall" gefallen Susan, in der Geschichte geht es um den Tod von Lady Margaret Chalfont, die in ihrem Feriendomizil in Südfrankreich vergiftet wurde. Im Laufe der Lektüre erkennt Susan, dass Eliot in seinem Roman die Geschichte seiner eigenen dysfunktionalen Familie erzählt ...

    Wie schon in den vorherigen Susan Ryeland-Büchern gibt es auch hier innerhalb des Buches ein zweites Buch. Beide Geschichten sind meisterhaft und mit viel Raffinesse miteinander verknüpft. Wir folgen Susan im Hier und Jetzt, erleben ihre Zusammenarbeit mit Eliot und begleiten sie bei ihren Ermittlungen, nachdem ein Mord geschehen ist und Susan unter Verdacht gerät. Parallel dazu tauchen wir ein in das Leben von Lady Chalfont und ihrer Familie, die die Sommermonate des Jahres 1955 in Südfrankreich verbringt. Es kommt zu einem Todesfall, bei dessen Aufklärung Atticus Pünd dem französischen Ermittler Frédéric Voltaire zur Seite stehen wird.

    "Tod zur Teestunde" hat mir sehr gut gefallen, ich mochte den intelligenten Schreibstil und die schöne Sprache. Das Buch fesselte mich von der ersten Seite an, stetig baut sich mehr Spannung auf und bleibt bis zum Ende auf hohem Niveau. Die Handlung ist gut durchdacht, die Auflösung hat mich überrascht. Es gibt mehrere Tote, viele Verdächtige und Wendungen, es werden Geheimnisse aufgedeckt, und ich habe mich vom Autor auf falsche Fährten locken lassen.

    Die Charakterzeichnung seiner Haupt- und Nebenfiguren ist Anthony Horowitz hervorragend gelungen, ich mochte Susan und Atticus Pünd bereits in den beiden ersten Krimis der Reihe und fand es faszinierend, wie sich die zahlreichen Puzzleteile nach und nach zu einem Ganzen zusammenfügten. Das Buch, das neben den beiden Krimihandlungen auch Wortspiele und Anagramme enthält, hat mich absolut begeistert, ich habe mich bestens unterhalten gefühlt.

    Leseempfehlung für alle, die ruhige und intelligent geschriebene Krimis ohne blutiges Gemetzel lieben.
    Über die Toten nur Gutes

    Andreas Izquierdo
    Über die Toten nur Gutes (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    09.12.2025

    Trauerredner Mad Madsen ermittelt

    Nachdem ich vor zwei Jahren "Kein guter Mann" von Andreas Izquierdo mit großer Begeisterung gelesen hatte, freute ich mich auf "Über die Toten nur Gutes", den ersten Band einer neuen Krimireihe um den Trauerredner Mads Madsen. Ich hatte hohe Erwartungen, doch das Buch konnte mich leider nicht überzeugen.

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht der 28-jährige Mad Madsen, von Beruf Trauerredner. Er ist ledig und bewohnt in Glücksburg an der Ostsee im Haus seines Vaters Fridtjof ein geräumiges Appartement. Mads' Mutter ist vor 20 Jahren verstorben, die beiden Geschwister leben ihr eigenes Leben. In seiner Freizeit kümmert er sich um seinen Vater und die eifersüchtige Hündin Bobby. Sein bester Freund ist Fiete, der Sohn der Bestatterin, für die Mads als Trauerredner arbeitet. Als sein Freund Patrick, der vor 20 Jahren ganz plötzlich aus seinem Leben verschwand, nachts anscheinend mit Absicht überfahren wird und ihn ein geheimnisvoller Brief erreicht, beginnt Mads zu ermitteln und gerät bald selbst in Gefahr.

    Das Buch - ich würde es als Krimikomödie bezeichnen - ist in schöner Sprache mit ganz viel Humor geschrieben und liest sich sehr flüssig. Die sympathischen Hauptfiguren sind liebevoll gezeichnet, neben dem etwas speziellen Mads mochte ich ganz besonders seinen schrulligen Vater Fridtjof, der mit Hingabe Bingo spielt und seine eigene Trauerfeier probt. Er ist mit der Berufswahl seines Sohnes nicht glücklich, sähe ihn viel lieber bei einem Radiosender, da er doch eine bemerkenswert schöne Stimme hat. Die Krimihandlung vermochte mich nur zu Beginn zu fesseln, es gab einige Wendungen und Entwicklungen, die ich als sehr überspitzt und unglaubwürdig empfunden habe. Ab einem gewissen Punkt ließ meine anfängliche Lesefreude daher leider deutlich nach.

    Sehr gut gefallen haben mir neben der Beschreibung von Mads' Zusammenleben mit seinem Vater auch seine berührenden Erinnerungen an die Kinderfreundschaft, die ihn mit Patrick verband.  

    Leseempfehlung für alle, die Krimikomödien mögen!
    Mein Fußballheld Florian Wirtz - Seine Geschichte, seine Spiele, seine Rekorde

    Florian Kinast
    Mein Fußballheld Florian Wirtz - Seine Geschichte, seine Spiele, seine Rekorde (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    03.12.2025

    Gelungenes Kinderbuch über Florian Wirtz

    In dem Kinderbuch "Florian Wirtz - Seine Geschichte, seine Spiele, seine Rekorde" aus der neuen "Mein Fußballheld" - Reihe des Karibu Verlags hat Florian Kinast viele Fakten über den beliebten und sympathischen Ausnahmespieler, der bereits jetzt zu den besten Fußballern der Welt gehört, zusammengetragen.

    Das Buch richtet sich an fußballbegeisterte Kinder ab etwa 7 Jahren, die kurzen Texte des Sportjournalisten Florian Kinast sind altersgerecht und gut verständlich, zahlreiche schwarz-weiße Illustrationen von Jon Davis ergänzen sie. Auf 120 Seiten erfahren kleine Fußballfans viel Wissenswertes über Florian Wirtz. Seine Anfänge hatte er bei Grün-Weiß Brauweiler und dem 1. FC Köln. Im Januar 2020 wechselte er den Verein, bei Bayer 04 Leverkusen begann sein kometenhafter Aufstieg. In der Saison 2023/2024 wurde die Mannschaft unter Xabi Alonso nicht nur Deutscher Fußballmeister, sondern auch DFB-Pokalsieger. Florian Wirtz wurde Spieler der Saison und ein Jahr später zum Fußballspieler des Jahres gewählt. Im Sommer 2025 verließ er Leverkusen und spielt seitdem für den FC Liverpool. In den Kader der deutschen Nationalmannschaft wurde er bereits 2021 berufen, seine Teilnahme bei der Weltmeisterschaft im nächsten Jahr wird als sehr wahrscheinlich angesehen.

    Dem Autor ist es gelungen, den kleinen Lesern in kurzen Texten viel Wissen über Florian Wirtz zu vermitteln. Neben seiner Karriere als Fußballer geht es auch um den privaten Flo, der mit zweitem Vornamen Richard heißt, der Jüngste in seiner Großfamilie ist und 8 Halbgeschwister sowie eine Schwester hat. Die Familie ist eine "Draußen"- Familie, die immer in Bewegung und sportlich sehr aktiv ist. Erst spät gab es einen Fernseher, Flo hatte keine Playstation, und das erste Handy bekam er erst mit 12 Jahren. Das Buch hält darüber hinaus weitere Überraschungen bereit: eine Tabelle mit den jüngsten Torschützen der Bundesliga, Flos Kartoffel-Hitparade, eine Übersicht über die 10 teuersten Transfers, Saisonstatistiken, ein Flo-ABC u.v.m.

    Ich habe das hochwertig und liebevoll gestaltete Buch gern gelesen, es ist kurzweilig und ein schönes Geschenk sowohl zum Vorlesen als auch für Erstleser zum eigenständigen Lesen. Es wird auch größere Kinder begeistern, die sich für Florian Wirtz' Leben und seine Karriere interessieren. Der einzige Wermutstropfen für mich ist, dass die Illustrationen schwarz-weiß sind, kräftige Farben hätten mir besser gefallen.

    Leseempfehlung für fußballbegeisterte Jungen und Mädchen!
    Before I met Supergirl

    Rea Garvey
    Before I met Supergirl (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.11.2025

    Gelungene Autobiografie eines sympathischen Künstlers

    Der irische Musiker Rea Garvey ist einem breiten Publikum als Frontmann der deutschen Rockband Reamonn bekannt und machte nach deren Auflösung auch als Solosänger Karriere. Darüber hinaus ist er häufiger als Coach in der Talentshow "The Voice of Germany" zu sehen. In seiner Autobiografie "Before I met Supergirl" erzählt er von seiner Kindheit und Jugend, seiner Studentenzeit und den Anfängen als Musiker.

    Rea Garvey wächst im Irland der siebziger und achtziger Jahre gemeinsam mit sieben Schwestern auf. Seine Mutter ist Lehrerin und betreut im elterlichen Bungalow Kinder, der Vater arbeitet bei der irischen Nationalpolizei. Die Familie ist religiös, die Kinder werden mit liebevoller Strenge erzogen. Rea ist ein lebhafter und waghalsiger Junge, mit 13 Jahren erkrankt er nach einem Blinddarmdurchbruch schwer und liegt monatelang im Krankenhaus. Zwei Jahre später gilt sein Interesse hauptsächlich den Mädchen und der Musik. Er spielt Gitarre, und obwohl das erste Konzert mit der Schulband ein Reinfall wird, markiert dieser Auftritt den Beginn seines Lebens als Musiker ...

    Es hat mir sehr viel Lesefreude bereitet, in die ersten 25 Lebensjahre des sympathischen Künstlers mit der markanten Stimme einzutauchen und dabei sein Aufwachsen in der Großfamilie zu beobachten. Nach dem Schulabschluss verlässt Rea sein Elternhaus, um in Dublin zu studieren. Er fühlt sich dort wohl und kann sich nicht vorstellen, aufs Land zurückzukehren, um bei einer Bank oder der Polizei zu arbeiten wie sein Vater, der die Karriereleiter erklommen hat und inzwischen Polizeipräsident ist. Rea liebt die Musik, mit Freunden macht er Straßenmusik, und bald ist seine erste Band geboren, mit der er auf Tour geht.

    Mit viel Humor, großer Ehrlichkeit und schonungsloser Offenheit lässt der Autor die ersten 25 Jahre seines Lebens Revue passieren und spart dabei auch die dunklen Momente nicht aus. Neben Reas Kindheit, Jugend und Studentenzeit sowie seiner ausgeprägten Musikleidenschaft geht es in dem Buch auch um Selbstzweifel und Geldsorgen, hohen Alkoholkonsum, Schlägereien und einen Diebstahl, der zu seiner Festnahme führt. Mit viel Herz erzählt er von seinen Eltern, die trotz seiner Eskapaden immer hinter ihm standen und deren Rat er schätzt. Rea ist von Kindheit an tief verwurzelt in seinem christlichen Glauben und hat ihn sich immer bewahrt.

    Ich habe die Lebensgeschichte des sympathischen Musikers, der uns so tief in sein Herz blicken lässt, sehr gern gelesen, sie hat mich gefesselt und berührt. Die klare Sprache und der Schreibstil haben mir gut gefallen, das Buch liest sich sehr flüssig. In der Buchmitte befinden sich auf 16 Seiten zahlreiche Fotos aus dem Privatbesitz des Künstlers. Schade fand ich, dass sowohl das Vor- als auch das Nachwort in englischer Sprache sind, ich sehe darin keinen Sinn. Nun hoffe ich auf eine Fortsetzung über die Jahre nach 1998, als Rea Garvey in Deutschland die erfolgreiche Band Reamonn gründete.

    Leseempfehlung für die interessante und unterhaltsame Autobiografie des erfolgreichen Künstlers!
    Drei kleine Buchläden am Ende der Welt

    Ruth Shaw
    Drei kleine Buchläden am Ende der Welt (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    12.11.2025

    Gelungene Fortsetzung von Ruth Shaws Lebensgeschichte

    Nach dem großen Erfolg ihres Buches "Der Buchladen am Ende der Welt", das in 12 Sprachen übersetzt wurde, hat die Neuseeländerin Ruth Shaw nun mit "Drei kleine Buchläden am Ende der Welt" die von vielen Lesern ersehnte Fortsetzung veröffentlicht.

    Acht Jahre ist es her, dass Ruth im Alter von 70 Jahren ihre beiden kleinen Buchläden in Manapōuri im Süden des Landes eröffnete. Mittlerweile betreibt sie mit viel Wärme und Liebe drei Buchläden, die von Ende September bis Mitte April geöffnet sind und sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt erfreuen.

    In 25 Kapiteln erzählt uns die Autorin abwechselnd Geschichten aus ihrem Leben und unterhaltsame Episoden aus den Buchläden über interessante und berührende Begegnungen mit ihren Kunden. Während das erste Buch Ruths bewegende Lebensgeschichte bis zum Wiedersehen mit ihrem Sohn Andrew im Jahr 1985 beinhaltet, setzt die Handlung des zweiten Buches im gleichen Jahr an und endet im Hier und Jetzt.
    Ruths Leben läuft inzwischen in etwas ruhigeren Bahnen, dennoch hält es immer wieder Überraschungen für sie bereit. Neben einer gefährlichen Segelregatta erlebt sie weitere Abenteuer auf verschiedenen Seefahrten. Mit Lance, der großen Liebe ihres Lebens, bereist sie Nationalparks in Südafrika und ist überwältigt von Afrikas Tierwelt. Der Schutz der Umwelt ist ihr wichtig, sie und Lance setzen sich für den Erhalt von Bäumen ein und engagieren sich mit großer Leidenschaft für den Klima- und Artenschutz.

    Das Buch ist in klarer Sprache geschrieben und liest sich sehr flüssig. Mit großer Offenheit beschreibt Ruth Shaw die Höhen und Tiefen ihres Lebens, schöne und dunkle Momente sowie gesundheitliche Herausforderungen. Als sie 42 Jahre alt ist, lösen in der Vergangenheit erlittene Traumata eine psychische Krise aus, die ihre Ehe gefährdet. Wegen akuter Suizidgefahr begibt sie sich in eine Klinik, und endlich gelingt es ihr, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und ihren Seelenfrieden wiederzufinden.

    Ich habe Ruths Geschichte sehr gern gelesen, sie hat mich gefesselt und bewegt. Besonders berührend fand ich die Kapitel über die späte Hochzeit, die liebevolle Begleitung von Ruths Tante Aunty und die Zeit mit dem drogensüchtigen Jacob, der bei Ruth und Lance für eine Weile wohnen darf. Sehr interessant und spannend waren neben den abenteuerlichen Treffen mit Dmitri auch die Beschreibungen über die mir bislang unbekannte Fischerei mit kilometerlangen Treibnetzen und verschiedene Aktionen zur Rettung von Tieren. Das fast 30 Seiten umfassende Kapitel über Ruths Tiere langweilte mich hingegen recht schnell.

    Leseempfehlung für Buchliebhaber und alle, die sich für außergewöhnliche Lebensgeschichten interessieren!
    Warten auf Susy

    Cristina Karrer
    Warten auf Susy (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    08.11.2025

    Fesselndes Buch über ein Leben in Afrika

    Die Schweizer Fernsehjournalistin und Autorin Cristina Karrer ist seit 2001 als Afrikakorrespondentin für das Schweizer Fernsehen und als freie Dokumentarfilmerin tätig. Über ihre ereignisreichen Jahre in Südafrika hat sie mit "Warten auf Susy" ein spannendes und interessantes Buch geschrieben.

    Die Ich-Erzählerin Cristina hört zum ersten Mal von der titelgebenden Susy, als ihr Gärtner Nelson von seiner Freundin erzählt. Er wartet sehnsüchtig auf die junge Frau und möchte sie heiraten. Wir schreiben das Jahr 2001, und es wird noch Jahre bzw. bis zur Seite 171 des Buches dauern, bis Susy tatsächlich in Erscheinung tritt.
    Seinerzeit ist Cristina mit dem Kameramann Emmanuel verheiratet, einem Afrikakenner. Die Ehe ist nicht glücklich, ihr Mann ist Alkoholiker und liebt sie nicht, sie sei nicht sein Typ. Er betrügt Cristina, und er ist gewalttätig. Das Paar wird 2004 geschieden. Auch die neue Beziehung mit dem 15 Jahre jüngeren Amos steht unter keinem guten Stern. Amos trinkt zu viel Alkohol, und Cristina greift zu Kokain. Eines Tages wird sie beim Kauf der Drogen erwischt und inhaftiert ....

    Das Buch ist in sehr schöner Sprache geschrieben, es ist spannend und liest sich sehr flüssig. Die Autorin nimmt den Leser mit nach Südafrika, dem Land, das sie so sehr liebt. Mit großer Offenheit erzählt sie aus ihrem Leben, von ihren Beziehungen und Freundschaften. Ihre Kindheit war ein einziges Trauma, sie wurde herumgeschoben zwischen Pflegeeltern und kam schließlich in ein Kinderheim. Sie erinnert sich daran, dass sie immer auf ihre Eltern und deren Liebe gewartet hat. Auch ihre körperlichen Einschränkungen und Unfälle nach einem erlittenen Hirnschlag sind Thema des Buches.

    Cristina hat ein großes Herz und ein Helfersyndrom, sie hilft, wo sie kann und unterstützt nicht nur Freunde und Bekannte, sondern auch oft deren Verwandte, solange ihre finanziellen Möglichkeiten es zulassen. Sie und Amos nehmen sogar dessen vierjährigen Neffen Siya auf, weil seine Eltern es sich nicht leisten können, ihn in einem Kinderhort unterzubringen. Als Susy als Haushälterin in ihr Haus kommt, nimmt Cristina auch sie und ihre Tochter Susy mit offenen Armen auf.

    Ich habe Cristina Karrers Geschichte über ihr Leben in Südafrika sehr gern gelesen, sie hat mich gefesselt und berührt. In dem Buch geht es neben den wichtigen Themen Apartheid, dem Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Andersartigkeit auch um Alkohol- und Drogensucht sowie um die Folgen außer Acht gelassener persönlicher Abgrenzung. Es war erschütternd zu lesen, dass es in Südafrika infolge der extremen Armut so viele HIV-Infizierte gibt. Wegen ihrer physischen Probleme und unglücklichen Partnerwahl hat Cristina mir oft leidgetan, und ich war schockiert über die Gewalttaten, die in Südafrika leider keine Seltenheit sind.

    Gut gefallen haben mir auch die Passagen über Cristinas berufliche Tätigkeit. Besonders spannend fand ich ihre Beschreibung über die Dokumentation "Hidden Heart" bezüglich der weltweit ersten Herztransplantation durch Prof. Christiaan Barnard im Jahr 1967, für die sie 2008 mit dem Züricher Filmpreis ausgezeichnet wurde. Auch ihren Bericht zum Tod des großen Nelson Mandela im Dezember 2013 fand ich sehr interessant.

    Absolute Leseempfehlung für dieses großartige und lesenswerte Buch!
    Jetzt gerade ist alles gut

    Stephan Schäfer
    Jetzt gerade ist alles gut (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    03.11.2025

    Wunderbares Buch der leisen Töne

    Nach seinem erfolgreichen Debütroman "25 letzte Sommer" erzählt Stephan Schäfer in "Jetzt gerade ist alles gut" die Geschichte eines etwa 50-jährigen Mannes, der nach einer Grenzerfahrung sein bisheriges Leben auf den Prüfstand stellt und beginnt, die schönen Momente seines Lebens zu sammeln.
     
    Der namenlose Ich-Erzähler freut sich auf drei Wochen Sommerferien mit seiner Frau und den beiden Kindern am Meer. Als er dabei ist, das Gepäck ins Auto zu laden, befällt ihn ein plötzliches Unwohlsein. Innerhalb kurzer Zeit verschlechtert sich sein Zustand rapide. Ursache ist eine kleine Schnittwunde am rechten Mittelfinger, die er sich vor zwei Tagen zugezogen hat. Die Wunde hat sich entzündet und zu einer lebensbedrohlichen Sepsis geführt, der Protagonist wird noch in der Nacht notoperiert.
     
    Drei Wochen später, der Ich-Erzähler muss weiterhin täglich zur Nachbehandlung ins Krankenhaus, trifft er in einem Literaturcafé zufällig Barbara, die ihm in der Nacht seiner Krankenhauseinweisung als Nachtschwester zur Seite gestanden hatte. Sie erzählt ihm von Patienten, die nach Grenzerfahrungen neue Perspektiven suchen und ein neues, ein anderes Leben führen. Zum Abschied schenkt sie ihm einen Gedichtband von Rainer Maria Rilke. Der Ich-Erzähler beginnt, das Leben mit anderen Augen zu sehen und beschließt, die schönen und kostbaren Momente des Lebens festzuhalten, sie zu sammeln. 
     
    Die schöne Sprache und der wunderbare Erzählstil des Autors haben mich wie schon im Vorgängerbuch begeistert. Ich mochte die mit viel Wärme erzählten kleinen Episoden, in denen es um Erinnerungen und bedeutsame Begegnungen geht. Besonders berührend fand ich die Geschichte über das ungewöhnliche Treffen mit der Schwiegermutter, das Gespräch mit dem alten Herrn, dem nach dem Tod seiner Frau die Arbeit im Restaurant Kraft gibt, und die traurige Geschichte über den Geburtstag des verlorenen Freundes. Sehr gut gefallen haben mir auch die Episoden über den verliebten Patensohn, die Begegnung mit dem jungen Bäcker und die Auszeit auf der griechischen Insel. 
     
    Ich habe das ruhig geschriebene Buch, in dem es um Liebe und Freundschaft geht und das, was im Leben wirklich wichtig ist, mit sehr viel Freude gelesen. Hervorheben möchte ich, dass - wie schon bei "25 letzte Sommer" - nicht nur der Schutzumschlag, sondern auch der Einband des Buches in wunderschönen Farben kunstvoll und liebevoll gestaltet ist.
     
    Absolute Leseempfehlung für diesen besonderen, nachdenklich machenden Roman, der zum Innehalten einlädt! 
    Wenn die Sonne untergeht

    Florian Illies
    Wenn die Sonne untergeht (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    01.11.2025

    Großartige Erzählkunst

    In seinem neuen Buch "Wenn die Sonne untergeht" beschreibt Florian Illies, Autor und Herausgeber der "ZEIT", aus Anlass des 150. Geburtstags von Thomas Mann das Leben der Familie Mann während der heißen Sommermonate des Jahres 1933 in ihrem Exil in Südfrankreich.

    Am 11. Februar 1933, dem 28. Hochzeitstag von Thomas und Katia Mann, bereiten sich die Eheleute auf Thomas' Vortragsreise vor, die sie nach Amsterdam, Brüssel und Paris führen wird. Anschließend ist ein dreiwöchiger Erholungsurlaub in Arosa geplant. Da Thomas Mann wegen eines "verunglimpfenden" Vortrags über Richard Wagner bei den Nazis in Ungnade gefallen ist, raten ihm sein Verleger und seine Kinder Erika und Klaus dringend, vorerst in Arosa zu bleiben. Hinzu kommt, dass seine Schwiegereltern und somit auch Katia und die sechs Kinder jüdische Wurzeln haben und sich im "Deutschen Reich" nicht mehr sicher fühlen können. Thomas und Katia beschließen, ihren Aufenthaltsort nach Sanary-sur-Mer zu verlegen. Dort leben sie im Hotel, bevor sie ein geräumiges Haus beziehen, das Platz für die ganze Familie bietet. Auch Thomas' Bruder Heinrich sucht Zuflucht in Sanary, nachdem er Berlin aus politischen Gründen fluchtartig verlassen hat.

    Florian Illies ist ein begnadeter Erzähler, dem es mit seinem Buch ganz hervorragend gelungen ist, das private Leben von Thomas Mann und seiner Familie mit der Zeitgeschichte zu verknüpfen. Die Charaktere zeichnet er ganz wunderbar und authentisch, insbesondere den Patriarchen Thomas, der nur seiner Lieblingstochter Medi Zuneigung entgegenbringt, während die anderen Kinder die gemeinsamen Mittagsmahlzeiten fürchten und meist von ihm mit Gleichgültigkeit behandelt werden. Katia managt ihren Mann, organisiert sein Leben und kümmert sich um alles.

    Das Buch beschreibt unterhaltsam und mit ein wenig Ironie den Alltag der Familie im Exil. Die Tage sind im Sinne des Familienvaters fest strukturiert, die Eheleute gehen gern spazieren, baden im Meer und treffen sich mit Freunden. Ein besonderes Highlight sind die Lesungen in den Gärten der Schriftsteller, zu denen neben Thomas und Heinrich Mann auch Arnold Zweig und der im Buch eine wichtige Rolle spielende Lion Feuchtwanger gehören. Der Zauberer, wie die Mann-Kinder ihren Vater bezeichnen, ist ein ausgezeichneter Vorleser, der seine Zuhörer fesselt.

    Thomas Mann ist ein egozentrischer und wenig sympathischer Zeitgenosse, der von seiner Familie viel Rücksicht verlangt und sich gern in den eigenen Befindlichkeiten verliert. Der geniale Schriftsteller hat als Vater gewaltige Defizite, innerhalb der Familie umgibt ihn Kälte, Wärme und Empathie vermag er nicht zu geben. Seine Kinder - bis auf Medi - kämpfen ein Leben lang um die Liebe und Anerkennung ihres Vaters. Für Golo und Erika, denen es gelingt, neben den Tagebüchern des Vaters auch eine hohe Geldsumme und viele Wertgegenstände aus dem Münchner Haus in Sicherheit zu bringen, findet er keine Worte der Dankbarkeit. Klaus, der eine Exilzeitschrift gründet, hofft vergeblich darauf, dass sein Vater endlich seine Stimme erhebt und ein öffentliches Bekenntnis gegen den Nationalsozialismus abgibt. Seinen Sohn Bibi lehnt Thomas Mann ab, der Junge fühlt sich nicht erwünscht, nur durch sein Geigenspiel verspürt er endlich Anerkennung durch den Vater. Monika lebt mit der Überzeugung, ein ungeliebtes Kind zu sein.

    Es geht in dem Buch nicht nur um den Alltag der Familie Mann in Sanary, sondern auch um Heimat und Verlorenheit, um Depressionen und Drogensucht sowie um die politische Situation in Deutschland. Thomas Mann gilt als politischer Flüchtling, der Rotary Club verstößt ihn, und in München gibt es einen Protest gegen ihn. Seine Konten werden gesperrt, die Villa und der Fuhrpark beschlagnahmt, es werden ein Haftbefehl gegen ihn erlassen und 100.000 Reichsmark Reichsfluchtsteuer gefordert.

    Auf den letzten 13 Seiten erfahren wir, wie es nach dem Sommer 1933 mit den einzelnen Protagonisten weitergegangen ist, auch dieses Kapitel fand ich sehr lesenswert und äußerst interessant. Der Familienstammbaum am Ende des Buches ermöglicht es, jederzeit die Familienstruktur der Manns nachvollziehen zu können, auch die Übersicht mit den Namen der Sommergäste fand ich sehr hilfreich.

    Ich habe das fesselnde Buch, das bereits jetzt für mich eines meiner Jahreshighlights ist, mit sehr viel Freude und großem Interesse gelesen und war fasziniert vom Leben der Familie Mann, die von heute auf morgen ihre Heimat verlor und sich ein völlig neues Leben aufbauen musste. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt, häufig geschmunzelt und mich bestens unterhalten gefühlt.

    Absolute Leseempfehlung für das großartig geschriebene Werk über eine der interessantesten und außergewöhnlichsten Familien des 20. Jahrhunderts!
    Der Plattenspieler unter der Dachschräge

    Herbert Dutzler
    Der Plattenspieler unter der Dachschräge (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    26.10.2025

    Unterhaltsame Zeitreise in die Siebziger

    "Der Plattenspieler unter der Dachschräge", der neue Roman des österreichischen Schriftstellers Herbert Dutzler, spielt auf zwei Zeitebenen. Jedes der 11 Kapitel beginnt (in Kursivschrift sehr gut erkennbar) damit, dass der erwachsene Siegfried Niedermayr im Hier und Jetzt die Diasammlung seiner verstorbenen Mutter sichtet und digitalisiert. Seit 1972 hatte sie das Familienleben anhand von Dias, die in Siegfried nun viele Erinnerungen wecken, akribisch dokumentiert.

    Auf der Vergangenheitsebene führt uns der Autor ins Österreich der siebziger Jahre, genauer gesagt ins Jahr 1974. Der Ich-Erzähler Sigi ist 16 Jahre alt und lebt mit seinen Eltern Edeltraud und Adolf sowie seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Uschi und der immer vergesslicher werdenden Großmutter in einem alten Bauernhaus auf dem Land. Er ist musikbegeistert, liebt die Literatur und träumt von einer Stereoanlage nebst Plattenspieler, außerdem kocht er leidenschaftlich gern und findet das andere Geschlecht sehr aufregend.

    Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt und begeistert. Herbert Dutzler erzählt Sigis Geschichte mit ganz viel Herz, österreichischem Charme und viel Humor. Nicht nur Sigi als Hauptfigur, auch sämtliche Nebenfiguren sind bildhaft und authentisch beschrieben. Es hat mir sehr viel Lesefreude bereitet, den sympathischen Sigi für die Dauer eines ereignisreichen halben Jahres zu begleiten. Er erfüllt sich seinen Traum von der Stereoanlage und dem Plattenspieler, indem er während der Sommerferien in einer Möbelfirma und der Frühstückspension seiner Tante jobbt. Nun kann er in seinem Zimmer unter der Dachschräge seine Lieblingsmusik hören und dabei die Zeit - und auch seine Sorgen - vergessen, denn in der Ehe seiner Eltern kriselt es gewaltig.

    Ich mochte den pfiffigen Sigi, der bei seinen Lehrern immer mal aneckt, in seine Klassenkameradin Rita verliebt ist und den es überrascht, zum Klassensprecher gewählt zu werden. Seine erste Tanzstunde trieb mir Lachtränen in die Augen, ich habe wegen seines brisanten Artikels in der Schülerzeitung mit ihm gebangt und ihn wegen seiner familiären Situation bedauert.

    Es war so schön, durch Sigi wieder in die mir vertraute Welt der Siebziger einzutauchen, ich bin dabei auch immer wieder in meine eigenen Erinnerungen versunken.

    "Der Plattenspieler unter der Dachschräge" ist nach "Die Welt war eine Murmel" , "Die Welt war voller Fragen" und "Wenn die Welt nach Sommer riecht" bereits der vierte Band um Sigi Niedermayr. Die Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden, da in jedem Buch die familiären Strukturen gut beschrieben werden. Ich kenne alle Bände der Reihe und fand sie ganz großartig und äußerst unterhaltsam.

    Absolute Leseempfehlung!
    Wilder Honig

    Caryl Lewis
    Wilder Honig (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    18.10.2025

    Drei Frauen auf neuen Wegen

    "Wilder Honig", der neue Roman der walisischen Autorin, Dramaturgin und Drehbuchautorin Caryl Lewis, spielt in Berllan Deg, einem kleinen Dorf in Wales. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen mit Hannah, Sadie und Megan drei Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können.

    Die 70-jährige Hannah ist in tiefer Trauer, ihr Ehemann John, der Imker und Schriftsteller war, ist nach 50 Ehejahren infolge einer schweren Krankheit verstorben. Ihre sechs Jahre jüngere Schwester Sadie reist an, um sie zu unterstützen. Die Schwestern haben sich seit vielen Jahren nicht gesehen und sind sich fremd geworden. Während Hannah ihr ganzes Leben im Elternhaus geblieben ist, ist Sadie früh ausgezogen, um eigene Wege zu gehen. In Johns Unterlagen findet Sadie außer einem Testament 11 Briefe, die John kurz vor seinem Tod an Hannah geschrieben hat. Darin zieht er nicht nur Parallelen zwischen dem Leben der Bienen und seiner Beziehung zu Hannah, sondern beichtet seiner Frau ein lange gehütetes Geheimnis ...

    Das Buch ist in ganz wunderbarer und poetischer Sprache geschrieben, auch der ruhige Erzählstil begeisterte mich sofort. Die interessanten und sympathischen Charaktere sind mit Empathie und Liebe beschrieben. Es geht in dem Buch neben Trauer und Verlust auch um Liebe und Neubeginn. Wir begleiten Hannah, Sadie und Megan über den Zeitraum eines Jahres und erleben, wie sie sich behutsam einander annähern. Meine Lieblingsfigur war Hannah, die nicht nur Johns Tod verarbeiten muss, sondern auch sein schockierendes Geständnis, das sie zutiefst verletzt hat. Im Laufe der Zeit gelingt es ihr, aus der Planung und Neugestaltung ihres Obstgartens neue Kraft und Zuversicht zu schöpfen.

    Die Briefe, die John seiner Frau hinterlassen hat, stellen für mich das Highlight des Buches dar. Wir lernen John mit jedem Brief etwas besser kennen und können auch seine Handlungsweisen immer besser nachvollziehen. Er reflektiert nicht nur die gemeinsame Zeit mit Hannah, sondern übt in seinen Briefen auch Selbstkritik. Ich fand es sehr interessant und faszinierend, Einblicke in die mir bisher nur oberflächlich bekannte Bienenwelt zu bekommen. Im Laufe der Handlung widmet sich die Autorin immer intensiver der Bienenzucht, es wurde mir zu viel mit dem Bienenthema, zumal auch die bis zu einem gewissen Grad durchaus interessant geschilderte Gestaltung des Obstgartens immer mehr Raum einnimmt. Die Natur steht mir zu sehr im Vordergrund, ich hätte gern mehr über die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonistinnen gelesen.

    Das erste Drittel des Buches hat mir sehr gut gefallen, danach bahnte sich eine vorhersehbare, unrealistische und kitschige Liebesgeschichte an, auf die ich gut hätte verzichten können. Sprache und Erzählstil fand ich ganz wunderbar, allerdings hatte ich insgesamt mehr von der Geschichte erwartet - sie hat mich leider nicht überzeugen können.

    Trotz meiner Kritikpunkte vergebe ich 3 Sterne und empfehle den Roman allen Lesern, die gern Bücher mit intensiven und schönen Naturbeschreibungen lesen.
    9 Jahre Wahn

    Eric Stehfest
    9 Jahre Wahn (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.10.2025

    Aufwühlende und erschütternde Lebensgeschichte

    Der Schauspieler und Autor Eric Stehfest, der einem breiten Publikum durch seine Rolle in einer Vorabendserie sowie verschiedene andere Fernsehformate bekannt sein dürfte, thematisiert in seinem autofiktionalen Buch "9 Jahre Wahn", das im ZS Verlag erschienen ist, seine paranoide Schizophrenie.

    Eric und Edith Stehfest sind seit 4 Jahren verheiratet und haben zwei Kinder, als Eric die Kontrolle über sein Leben verliert. Er ist unsicher und steckt voller Selbstzweifel und Ängste. Edith, selbst schwer traumatisiert, kann ihm nicht helfen. Als Eric seine Frau regungslos neben sich auf dem Boden liegen sieht, kann er sich nicht erklären, was passiert ist. Er zieht die Notbremse und begibt sich unverzüglich in eine psychiatrische Tagesklinik, um sich helfen zu lassen. In intensiven Gesprächen öffnet er sich seiner Psychologin, redet über seine Wahnvorstellungen, seine Ängste und inneren Kämpfe. In der Klinik wird er einer Gruppe mit 6 weiteren Patienten zugeteilt. Es fällt ihm anfangs schwer, sich in die Gruppe einzufinden, doch im Laufe der Zeit gelingt es ihm sogar, Freundschaften zu knüpfen.

    Das fesselnde Buch ist in klarer Sprache in der dritten Person geschrieben und liest sich sehr flüssig. Die Gespräche, die Eric mit seiner Psychologin führt, sind drehbuchartig dargestellt. Mit schonungsloser Offenheit beschreibt er seine schwierige Kindheit, den erlittenen Missbrauch und seine Drogenabhängigkeit. Inzwischen ist er clean, kämpft aber nach wie vor jeden Tag mit der Drogensucht.
    Es geht unter die Haut, wenn Eric seine Wahnvorstellungen beschreibt, wie es ist, wenn "der Andere", wie er die dunkle Kraft in sich nennt, die Kontrolle über sein Inneres übernimmt. Dann ist er eine vollkommen andere Person, arrogant und provokant, während er normalerweise ein feinfühliger Mensch ist. Auch in den Gesprächen mit der Psychologin drängt sich "der Andere" in ihm immer wieder in den Vordergrund.

    In dem aufwühlenden Buch geht es nicht nur um Erics Krankheit, es geht auch um seine Ehe und seine Familie, um Freundschaft und existenzielle Sorgen. Er geht mit sich selbst hart ins Gericht und verschweigt auch seinen Egoismus nicht. Vaterlos aufgewachsen, fällt es ihm schwer, Nähe zuzulassen. Ich habe mich für ihn gefreut, dass er in der Klinik Freunde gefunden hat, die ihn verstehen, akzeptieren und für ihn auch außerhalb der Klinik da sind. Der Zusammenhalt der Gruppe hat mich sehr berührt, ebenso die Schicksale der einzelnen Gruppenmitglieder.

    Eric lässt den Leser tief in seine Seele blicken, beschreibt seine inneren Kämpfe und Qualen. Seine Geschichte hat mich nicht nur erschüttert und zutiefst berührt, sie lässt mich auch betroffen zurück.
    Der Autor weist darauf hin, dass die Biografie eine stark verfremdete und teilweise fiktionalisierte Lebensgeschichte darstellt.

    "9 Jahre Wahn" spricht vielleicht in erster Linie Fans des Schauspielers Eric Stehfest an, ich empfehle das Buch aber auch all denen, die sich über das Krankheitsbild der paranoiden Schizophrenie und das Leben damit informieren möchten!
    Tanzende Spiegel

    Annette Byford
    Tanzende Spiegel (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.10.2025

    Beeindruckender Debütroman mit psychologschem Tiefgang

    In ihrem autofiktionalen Debütroman "Tanzende Spiegel" verwebt die Psychotherapeutin Annette Byford, die in Deutschland aufgewachsen ist und seit 40 Jahren in Großbritannien lebt, die Lebensgeschichte ihrer Mutter mit ihrer eigenen.

    Die namenlose Mutter ist Anfang zwanzig und lebt in Wiesbaden. Sie ist mit dem Medizinstudenten Walter verlobt, den sie an der Universität Münster kennenlernte. Die junge Frau fühlte sich sehr schnell durch die Verbindung eingeengt und verließ nach dem ersten Semester die Stadt. Sie hat sich ein kleines Dachzimmer gemietet und eine Bürotätigkeit angenommen. Walter wird bald eine eigene Praxis bekommen, doch die Mutter der Autorin ist noch nicht bereit zu heiraten, nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren ist sie lebenshungrig und genießt es, ins Kino zu gehen und sich mit ihren Kollegen zu treffen. Ihr Vorgesetzter bemüht sich intensiv um sie, und sie beginnen ein heimliches Verhältnis, das nicht folgenlos bleibt.

    Im Hier und Jetzt lernen wir die Anfang der fünfziger Jahre geborene Ich-Erzählerin kennen, die als Psychotherapeutin arbeitet und seit zwei Jahren verwitwet ist. Sie hat viele Freunde und ein funktionierendes soziales Netzwerk. Eine junge Patientin weckt intensive Gefühle in ihr, sie denkt ständig an sie, und in ihren Tagträumen sind sie und die Cellistin ein Paar. Die Psychotherapeutin wünscht sich immer öfter, die junge Frau auch außerhalb der Praxis zu treffen. Sie gerät in einen tiefen Gewissenskonflikt, überschreitet bereits Grenzen und wird bald eine Entscheidung treffen müssen.

    Die Handlung ist auf zwei Zeitebenen erzählt, auf der ersten begleiten wir die Mutter der Autorin ab einem Alter von etwa 22 Jahren, auf der zweiten Zeitebene erleben wir den Alltag der Psychotherapeutin und folgen ihren Erinnerungen an ihre Mutter. Die Geschichte wechselt ständig von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück. Durch die Kursivschrift sind die Zeitsprünge sehr gut erkennbar.

    "Tanzende Spiegel" ist ein ganz wunderbares, ein kluges und berührendes Buch. Die schöne Sprache und der ruhige Erzählstil der Autorin haben mich von Beginn an begeistert. Die Autorin beschreibt ihre Mutter mit viel Liebe und Empathie. Es hat mir sehr viel Lesefreude bereitet, in die Lebensgeschichten der beiden Frauen einzutauchen. Ich mochte die junge Frau, die im Nachkriegsdeutschland die Liebe sucht, ihre Freiheit schätzt und selbstbestimmt leben möchte. Sie kann sich noch nicht mit der damaligen Rollenzuweisung als Mutter und Hausfrau identifizieren, und doch zwingen die Umstände sie zu einer lebenswichtigen Entscheidung. Ein halbes Jahrhundert später muss ihre Tochter feststellen, dass ihr Leben immer mehr zum Spiegelbild des Lebens der Mutter geworden ist, und auch sie muss eine wichtige Entscheidung treffen.

    Ich habe das Buch, in dem es neben Liebe, Schuld und dem Schweigen über die Vergangenheit auch um eine Mutter-Tochter-Beziehung und ein Familiengeheimnis geht, sehr gern gelesen, es hat mich gefesselt und zutiefst berührt.
    Am Ende des Romans weist die Autorin darauf hin, dass es sich um ein fiktives Werk handelt. Lediglich die Geschichte der Mutter beruht auf wahren Begebenheiten, die Abschnitte, die sich mit der Therapie befassen, sind fiktiv.

    Absolute Leseempfehlung für alle, die gern anspruchsvolle Romane mit psychologischem Tiefgang lesen!
    Ein Winter in Schweden - Weihnachten in Småland

    Miriam Schaps
    Ein Winter in Schweden - Weihnachten in Småland (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    01.10.2025

    Großartiges und sehr liebevoll gestaltetes Kinderbuch

    Der Verlag Biber & Butzemann hat mit "Ein Winter in Schweden" Miriam Schaps' Fortsetzung von "Ein Sommer in Schweden" veröffentlicht. In dem ganz wunderbar gestalteten und sehr hochwertigen Kinderbuch dreht sich wieder alles um Ole, Lotta und Alfred, die mit ihren Eltern die Winterferien im Gästehaus der Johanssons verbringen. Sie freuen sich sehr darauf, ihre Freunde Alva und William wiederzusehen. Es werden ereignisreiche Ferien, denn die Kinder lernen nicht nur schwedische Weihnachtstraditionen kennen, sondern erleben auch wieder spannende Abenteuer. Ole ist nicht erfreut darüber, dass Finn, der anscheinend ein Freund von Alva ist, nun ständig dabei ist. Als ein Nikolausstiefel und die Satellitenschüssel verschwinden und sogar ein Autoreifen zerstochen wird, gerät Alfreds Wichtelfreund Nisse unter Verdacht. Die Vasa-Elche beschließen, in der Sache zu ermitteln ....

    Das Buch mit dem liebevoll gestalteten Cover ist in 17 Kapitel auf 119 Seiten unterteilt und hat ein praktisches Lesebändchen. Es richtet sich an Kinder ab etwa 8 Jahren und ist in altersgerechter Sprache erzählt. Die Texte der Autorin sind durch eine Vielzahl zauberhafter und farbenfroher Illustrationen von Uta Polster ergänzt.
    Ich fand es für den Einstieg sehr hilfreich, dass auf den ersten beiden Seiten alle Mitglieder der Familien Sander und Johansson vorgestellt werden. Ganz am Ende befindet sich ein kleines Verzeichnis mit schwedischen, weihnachtstypischen Wörtern nebst deutscher Übersetzung - eine gute Idee!

    Es hat mir sehr gut gefallen, dass die Autorin eine packend aufgebaute Detektivgeschichte erzählt und dabei den Aufenthalt in Schweden mit den schwedischen Sitten und Bräuchen zur Weihnachtszeit verknüpft. Ole, Lotta und Alfred essen nicht nur die hier bereits als Zimtschnecken bekannten Kanelbullar, sie lernen auch Lussekatter und Pepparkakor kennen. Der Julkalender im Fernsehen ist fesselnd, sie feiern das Lucia-Fest, genießen das tolle Weihnachtsbuffet, freuen sich über ihre Geschenke und toben im Schnee.
    Die Kinder und die übrigen Familienmitglieder sind sehr sympathisch dargestellt, ganz besonders der kleine Alfred, den ich sofort in mein Herz geschlossen habe. Es hat mir gut gefallen, dass die Kapitel eher kurz gehalten sind, die Geschichte eignet sich dadurch auch sehr gut zum Vorlesen.

    Absolute Leseempfehlung für dieses wunderschöne Kinderbuch über Familie und Freundschaft, das Lust auf Weihnachten - und auch auf einen Urlaub im winterlichen Schweden - macht!
    Das Geschenk des Meeres

    Julia R. Kelly
    Das Geschenk des Meeres (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    27.09.2025

    Wunderbarer Debütroman

    Der Mare Verlag hat den Debütroman "Das Geschenk des Meeres" der englischen Autorin Julia R. Kelly veröffentlicht. Das Buch war auf der Longlist für den Mslexia Novel Prize, den Exeter Novel Prize, PenguinWriteNow und den Bath Novel Award, wurde mit dem Blue Pencil First Novel Award ausgezeichnet und in zehn Sprachen übersetzt.

    Wir schreiben das Jahr 1900, als nach einem Sturm im kleinen Fischerdorf Skerry in Schottland ein kleiner Junge an Land gespült wird. Joseph, ein Einheimischer, trägt das leblos wirkende Kind in den Ort. Es weist eine frappierende Ähnlichkeit mit Moses auf, dem kleinen Sohn der Dorfschullehrerin Dorothy, der vor vielen Jahren im gleichen Alter am Meer verschwand und dessen Leiche nie gefunden wurde. Als der Pfarrer Dorothy bittet, den Jungen in ihr Haus aufzunehmen, bis seine Identität geklärt ist und er seiner Familie wieder zugeführt werden kann, zögert Dorothy zunächst, willigt dann aber ein. Sie kümmert sich um den stillen Jungen, entwickelt immer stärkere Gefühle für ihn und ist schließlich davon überzeugt, dass Moses zu ihr zurückgekehrt ist. 

    Auf einer zweiten Zeitebene erleben wir die Ankunft der jungen Lehrerin Dorothy in Skerry. Sie ist zurückhaltend und findet keinen Anschluss an die verschworene Dorfgemeinschaft, deren Zentrum der Laden von Mrs. Brown ist. Die Frauen halten sie für unnahbar und meiden sie. Der Fischer Joseph interessiert sich für die junge Frau, und die beiden nähern sich behutsam einander an. Dorothy wagt es nicht, ihren Gefühlen zu folgen, sie bricht den Kontakt ab, als ihr geraten wird, auf ihren Ruf zu achten.

    Die Geschichte wechselt immer wieder zwischen Gegenwart ("Jetzt") und Vergangenheit ("Damals") und wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Neben Dorothy und Joseph spielt auch die Dorfbewohnerin Agnes, die seit langem in Joseph verliebt ist und sich nichts sehnlicher wünscht, als mit ihm eine Familie zu gründen, eine wesentliche Rolle.

    Das melancholische Buch ist in wunderschöner, zarter Sprache geschrieben und liest sich sehr flüssig. Die Charaktere sind authentisch und mit viel Wärme und Empathie gezeichnet. Ich mochte die zurückhaltende und stille Dorothy, die geprägt ist durch die Kränkungen ihrer verbitterten Mutter. Auch den freundlichen und willensstarken Joseph, der wie Dorothy zum Opfer einer Intrige wird, habe ich sofort in mein Herz geschlossen. 

    Ich habe den fesselnden Roman sehr gern gelesen, es gibt einige Wendungen, Geheimnisse werden enthüllt, das Ende ist hoffnungsvoll. Es geht neben Liebe, Verlust und häuslicher Gewalt auch um das Festhalten und Loslassen. Die Geschichte kommt vollkommen ohne Kitsch aus, sie hat mich zutiefst bewegt und berührt. Sehr gut gefallen haben mir auch die poetischen Beschreibungen des Meeres, der Felsen und der Klippen. Das dörfliche Leben ist authentisch dargestellt, ebenso das Rollenbild der Frau, das so vollkommen anders war als heute. 

    Absolute Leseempfehlung für diese großartige Geschichte der leisen Töne, die mich begeistert hat und bereits jetzt zu meinen diesjährigen Lesehighlights gehört!
    Prinzessin Alice

    Irene Dische
    Prinzessin Alice (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    27.09.2025

    Gelungenes Portrait über eine außergewöhnliche Adelige

    Im Mittelpunkt von Irene Disches neuem Roman "Prinzessin Alice" steht die 1885 in Windsor Castle als Victoria Alice Elizabeth Julia Marie geborene Prinzessin von Battenberg, Urenkelin Queen Victorias und spätere Prinzessin von Griechenland. Sie war die Mutter von Prinz Philip, dem Gemahl der späteren Königin Elizabeth II, und sie war darüber hinaus die Großmutter von König Charles III. 

    Prinzessin Alice hat viel erlebt, nach der Vertreibung aus Griechenland lebt sie inzwischen seit 10 Jahren mittellos mit ihren fünf Kindern in einem Gästehaus neben einer Pariser Villa. Der Lärm der Kinder stört sie nicht, da sie von Geburt an taub ist. Die 43-Jährige häkelt Zierdeckchen und strickt Topflappen, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Der Erlös ist für dringend benötigte Lebensmittel bestimmt, doch oft verteilt sie das wenige Geld an die Armen. Ihr Ehemann, Prinz Andreas von Griechenland, mit dem sie mit 18 Jahren verheiratet wurde, hält es nicht lange in Paris aus und zieht nach Monaco. 
    Alice ist glücklich, sie liebt das Leben und flüchtet nun in eine religiöse Traumwelt. Intensives Beten lässt sie in Ekstase geraten. Der berühmte Psychoanalytiker Sigmund Freud gelangt zu der Überzeugung, dass Alice unter Schizophrenie leidet, worauf die Familie sie gegen ihren Willen in einer psychiatrischen Klinik am Bodensee unterbringt ....

    Die Geschichte ist in sehr schöner, klarer Sprache erzählt und liest sich sehr flüssig. Die Figurenzeichnung ist großartig, und ich fand es interessant, die Prinzessin kennenzulernen, die nicht nur 30 Jahre lang die Schönste der Familie war, sondern auch sehr intelligent und die das Lippenlesen in fünf Sprachen perfekt beherrschte. Der Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik muss grausam für Alice gewesen sein. Ein Jahr lang war sie dort ans Bett gefesselt und hilflos allen Behandlungen ausgesetzt, erst nach 2 1/2 Jahren gelang ihr die Flucht. In der Zwischenzeit ist viel passiert, ihre Töchter haben durch Heirat ihre Armut hinter sich gelassen, ihren Sohn Philip hat man auf ein Internat nach England geschickt. Nach einem schweren Schicksalsschlag hält sie nichts mehr in Deutschland, und sie geht zurück nach Athen.  

    Dass Irene Dische die Ich-Form für ihren Roman gewählt hat, fand ich sehr gelungen. Sie ermöglicht es dem Leser, besonders intensiv in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonistin zu blicken. Ich mochte die sympathische Alice, die ein großes Herz für die Bedürftigen hatte und ihre eigenen Schicksalsschläge annahm, ohne den Mut zu verlieren. Ihren Schmerz über die verlorenen Jahre in der Klinik und den fehlenden Kontakt zu ihren Kindern habe ich sehr gut nachempfinden können.   

    Ich habe das berührende Buch sehr gern gelesen und möchte nun noch mehr über Prinzessin Alices Wirken für die Armen in Griechenland erfahren, ehe sie nach einem Militärputsch abermals das Land verlassen musste und ihre letzten Lebensjahre im englischen Königshaus verbrachte.
    Absolute Leseempfehlung für den fesselnden Roman über eine außergewöhnliche Adelige!
    Weißes Licht

    Eric Puchner
    Weißes Licht (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.09.2025

    Großartige und fesselnde Geschichte

    In seinem neuen Roman "Weißes Licht" erzählt der amerikanische Autor Eric Puchner, der als Dozent für kreatives Schreiben an der Johns Hopkins University in Baltimore tätig ist, eine außergewöhnliche Geschichte über Liebe und Freundschaft.   
     
    Sommer 2004: Cece Calhoun und Charlie Margolis, die bald heiraten wollen, lieben "Yellowflower", das Ferienhaus von Charlies Eltern am See von Salish in Montana. Obwohl sie im 1000 Meilen entfernten Los Angeles leben, haben sie beschlossen, sich in Salish das Jawort zu geben. Garrett Meek, Charlies bester Freund aus Collegetagen, wird sie trauen. Da Charlie, der als Kardioanästhesist arbeitet, keinen Urlaub nehmen kann, begibt sich Cece allein nach Salish, um die Hochzeit vorzubereiten. Am See begegnet sie Garrett, der in der Gepäckabfertigung am Flughafen arbeitet und sich um seinen kranken Vater kümmert. Ein tragischer Unfall, der sich vor Jahren ereignete, hat ihn traumatisiert. Cece und Garrett verbringen Zeit miteinander, und die junge Frau hinterfragt bald ihre Entscheidung, vor den Traualtar zu treten ...
     
    Eric Puchner erzählt seine Geschichte in klarer, ruhiger Sprache und skizziert seine Protagonisten mit ihren Stärken und Schwächen sehr präzise: die impulsive Cece, die Garrett anfangs nicht mag und sich dennoch von ihm angezogen fühlt, den grüblerischen Garrett, der seinen späteren Beruf als Wildbiologe mit großer Leidenschaft ausübt, und den charismatischen Charlie, der sich um seinen Sohn sorgt. Es war spannend, Cece, Charlie und Garrett durch fünf Jahrzehnte zu begleiten und dabei ihre Höhen und Tiefen zu erleben. Sie heiraten, Kinder werden geboren, es kommt zu Trennungen und Todesfällen. Die interessanteste Figur war für mich der sensible Garrett, dem der Umweltschutz am Herzen liegt und der sich der Dokumentation und dem Schutz von Vielfraßen in der Wildnis widmet. 
     
    Ein großer Teil der Handlung spielt in naher Zukunft und zeigt mit erschreckender Deutlichkeit die Folgen des Klimawandels auf: die zunehmende Hitze, das Artensterben, den Rückgang der Schneegrenze, die ausgetrockneten Seen, die verheerenden Waldbrände mit ihrem Rauch, der den Alltag und die Gesundheit der Menschen beeinträchtigt.
    Der Aufbau des Buches hat mir sehr gut gefallen. Es beginnt mit der Hochzeitsplanung, es folgen 50 Jahre, in denen wir Cece, Charlie und Garrett folgen, bis sie über 70 sind. Wir begleiten auch ihre Kinder, deren Leben durch die Entscheidung ihrer Eltern beeinflusst wurde. In Rückblenden wird erzählt, wie Charlie, Garrett und Elias sich am College kennenlernten und was ein Jahr später zu der schrecklichen Tragödie führte. Das letzte Kapitel bildet mit der Rückkehr zum Tag der Hochzeit einen großartigen Abschluss.
     
    "Weißes Licht" hat mir sehr viel Lesefreude bereitet, die bewegende Geschichte ist ganz großartig erzählt und hat mich von Beginn an in ihren Bann gezogen. Es geht nicht nur um Liebe und Familie, Freundschaft und Verrat, sondern auch um die Auswirkungen lebensverändernder Entscheidungen über Generationen hinweg. Weitere Themen sind Suchterkrankungen und Depressionen, Demenz und der Klimawandel mit seinen dramatischen Folgen. Die sensible Beschreibung von Ceces Krankheit und Garretts Umgang damit haben mich sehr berührt. Besonders hervorheben möchte ich auch die wortgewaltigen Beschreibungen der Natur Montanas.
     
    Absolute Leseempfehlung für diesen klugen und mitreißenden Roman!
    Peggy Guggenheim

    Mona Horncastle
    Peggy Guggenheim (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.09.2025

    Ein Leben für die Kunst

    In seiner Reihe "Reihenweise kluge Frauen" hat der Molden Verlag bereits neun Biografien veröffentlicht, drei davon stammen aus der Feder der deutschen Autorin Mona Horncastle. Im 10. Band geht es um die Amerikanerin Peggy Guggenheim, die sich als bedeutende Kunstmäzenin, Sammlerin und Galeristin der Kunst des 20. Jahrhunderts widmete.
    Das gebundene Buch ist sehr liebevoll und hochwertig gestaltet. Es umfasst 224 Seiten und ist in sechs Kapitel gegliedert, zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos, die dem Leser Peggy Guggenheims Leben und Wirken nahebringen, ergänzen die Texte.

    Peggy wird 1898 als zweite von drei Töchtern der Eheleute Benjamin und Florette Guggenheim geboren. Die Familie ist vermögend, die Kinder wachsen inmitten von Luxus auf und werden von Privatlehrern zuhause unterrichtet. Als der Vater 1912 beim Untergang der Titanic ums Leben kommt, erbt Peggy ein umfangreiches Aktienpaket, das es ihr ermöglicht, mit Eintritt ihrer Volljährigkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie liebt die Literatur, wendet sich aber nach einer monatelangen Europareise mit zahlreichen Museumsbesuchen der Malerei des 20. Jahrhunderts mit den Schwerpunkten Surrealismus und abstrakter Expressionismus zu. 1937 eröffnet sie eine Galerie für moderne Kunst. Wenig später vergrößert sich mit dem Tod ihrer Mutter ihr Vermögen beträchtlich, und sie beginnt, im großen Stil Kunstobjekte zu erwerben, bevor der Zweite Weltkrieg ihre Pläne, ein Museum zu eröffnen, zunichte macht ...

    Das interessante Buch ist in sachlicher und klarer Sprache geschrieben und gibt uns nicht nur Einblicke in Peggys Leben und ihr Wirken für die Kunst, sondern auch in ihre Herkunft und die ihrer Familie. Sie liebt die Kunst, sie liebt auch die Männer und hat viele Affären. Peggy pflegt zahlreiche Kontakte, sie feiert gern und oft, und sie zeigt sich äußerst großzügig gegenüber Freunden und der Familie. Zielstrebig geht sie ihren Weg, wir erleben ihre Anfänge als Kunstsammlerin und Galeristin, die auch Werke von Künstlerinnen zeigt, was für die damalige Zeit ungewöhnlich ist. Sie rettet bedeutende Kunstobjekte jüdischer Künstler und sogenannte "entartete Kunst" vor dem Zugriff der Nationalsozialisten. Später ist es ihr ein Anliegen, junge und unbekannte Künstler durch Geldzuwendungen und Ausstellungen zu unterstützen.
    Die Autorin beschreibt neben Peggys schillernder Persönlichkeit auch ihr kompliziertes Privatleben mit all seinen Höhen und Tiefen. Sie heiratet zweimal und bekommt zwei Kinder, für die sie sich jedoch nur wenig Zeit nimmt.

    Ich habe die Biografie, deren Schwerpunkt auf Peggys leidenschaftlichem Wirken für die Kunst liegt, sehr gern und mit großem Interesse gelesen und dabei viel über die Kunstszene des 20. Jahrhunderts erfahren. Es fiel mir allerdings nicht gerade leicht, mir die unzähligen im Buch vorkommenden Namen bzw. deren Bezug zu Peggy einzuprägen.  

    Leseempfehlung für alle, die sich für Kunst und ein leidenschaftliches Leben für die Kunst interessieren!
    No Way Home

    T. C. Boyle
    No Way Home (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    16.09.2025

    Brillant erzählt und mitreißend

    Im Mittelpunkt von "No Way Home", dem neuen Roman von T.C. Boyle, steht Dr. Terrence Tully, genannt Terry. Der 31-Jährige arbeitet in einem Krankenhaus in Los Angeles. Als Assistenzarzt im dritten Jahr, der sich eine Zulassung als Internist wünscht, arbeitet er an 6 Tagen in der Woche, 14 Stunden täglich. Er lebt allein und hat kaum Sozialkontakte. Während einer Visite erreicht ihn die traurige Nachricht, dass seine Mutter Katie ganz plötzlich verstorben ist.

    Terry begibt sich auf die lange Reise nach Boulder City in der Wüste Nevadas, wo seine Mutter lebte, um die notwendigen Formalitäten abzuwickeln und sein Erbe, das Haus und den Hund der Mutter, zu übernehmen. Am Abend lernt er in einer Bar die 24-jährige Bethany Begany kennen, die beiden verbringen eine gemeinsame Nacht. Bethany hat sich von ihrem Freund Jesse getrennt und möchte übergangsweise im Haus von Terrys Mutter wohnen. Obwohl Terry ablehnt, zieht sie nach seiner Abreise in das Haus. Terry, der verschuldet ist und das Objekt eigentlich verkaufen möchte, verliebt sich in die junge Frau, doch es gibt da noch ihren Ex-Freund, der alles daran setzt, Bethany zurückzugewinnen ...

    Der Roman ist, wie man es von T.C. Boyle kennt, in intelligenter Sprache geschrieben, mitreißend und äußerst unterhaltsam. Seine Protagonisten, die er sehr präzise skizziert, sind keine einfachen, keine liebenswerten Charaktere: auf der einen Seite der eher unauffällige und kontaktarme Terry, der sich in seiner Verliebtheit von Bethany ausnutzen und einwickeln lässt, und auf der anderen Seite die lebenslustige und dreiste Bethany, die sich von ihrem Ex-Freund nicht zu lösen vermag, sich aber gleichzeitig mit Terry einen Mann mit Vermögen und Ansehen angeln möchte, und schließlich der gutaussehende und rücksichtslose Jesse, der auch vor Gewalttaten nicht zurückschreckt. Ich konnte verstehen, dass die attraktive Bethany eine gewisse Faszination auf Terry ausübte, habe aber einige seiner Handlungsweisen überhaupt nicht nachvollziehen können und hätte ihn am liebsten geschüttelt. 

    Die Geschichte ist aus den Perspektiven der drei Hauptcharaktere erzählt, sie liest sich sehr flüssig und hat mich von Beginn an gefesselt. Ich habe das Buch sehr gern gelesen, neben der Ménage à trois enthält es, wie so oft in T.C. Boyles Romanen, eine Menge Gesellschaftskritik. Es geht neben Liebe, Leidenschaft und Eifersucht auch um Gewalt, Manipulation, Abhängigkeit und Drogen. Häufiger Alkoholkonsum nimmt im Buch meinem Empfinden nach zu viel Raum ein. 
      
    Die Beschreibung von Terrys anstrengendem Klinikalltag fand ich sehr interessant, das Ende der Geschichte lässt mich allerdings etwas unzufrieden zurück.

    Absolute Leseempfehlung für diesen brillant geschriebenen Roman über menschliche Abgründe!
    Meine Mutter

    Bettina Flitner
    Meine Mutter (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    05.09.2025

    Bewegende und fesselnde Familiengeschichte

    In ihrem vielbeachteten, im Jahr 2022 erschienenen Buch "Meine Schwester", widmet sich Bettina Flitner dem Leben ihrer Schwester, die 2017 freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Nun hat der Verlag Kiepenheuer & Witsch "Meine Mutter", das neue Werk der Autorin, veröffentlicht, in dem diese nicht nur den Selbstmord ihrer Mutter thematisiert, sondern auch - basierend auf zahlreichen Gesprächen und schriftlichen Erinnerungen ihres Vaters, des Großvaters, der Urgroßmutter und einer Großtante sowie Briefen und Zeitdokumenten - die Geschichte ihrer Familie erzählt. 

    Die Ich-Erzählerin Bettina befindet sich anlässlich einer Lesereise in Celle, dem Ort, in dem sie aufgewachsen ist, und sucht spontan den Friedhof auf, auf dem vor 40 Jahren ihre Mutter Gisela, als Kind "Gila" genannt, beigesetzt wurde. Ein Sparbuch und ihr bisher unbekannte Fotos, die kurz vor dem Suizid ihrer Mutter entstanden sind, veranlassen sie dazu, über sie nachzudenken. Wer war ihre Mutter, und warum hat sie sie vergessen? Sie beschließt, sich auf Spurensuche zu begeben und nach Wölfelsgrund im damaligen Niederschlesien zu fahren, wo Gisela 1936 geboren wurde und bis 1946 lebte ...

    Bettina Flitners Roman führt uns zurück bis ins Jahr 1884, als ihr Ururgroßvater Heinrich im Luftkurort Wölfelsgrund, am Fuß des Riesengebirges, ein Sanatorium für Nervenkranke errichtete. Im benachbarten Doktorhaus lebte Urgroßvater Richard mit seiner Frau Elfriede und den fünf Kindern, später Bettinas Großvater Api und die Großmutter Ami mit ihren sechs Kindern. Eines der Kinder war Gisela, die Mutter der Autorin. Als Folge des Zweiten Weltkriegs musste die Familie 1946 ihre Heimat verlassen und baute sich in Westdeutschland ein neues Leben auf.

    Die Geschichte ist in beeindruckend schöner Sprache auf mehreren, sich abwechselnden Zeitebenen erzählt und liest sich sehr flüssig. Nach und nach blättert sich die Vergangenheit einer Familie auf, in der es über mehrere Generationen Höhen und Tiefen gab - und mehrere Selbsttötungen. Wir lernen die kleine Gila kennen, die bereits früh mit den Familientragödien konfrontiert wird, und wir erleben die erwachsene Gisela, die mit 21 Jahren den Juristen Hugbert heiratet. Das Paar bekommt zwei Töchter, doch die Ehe ist nicht glücklich. Hugbert hat das Gefühl, nicht mit Gisela reden zu können, es ist keine Beziehung auf Augenhöhe. Es gibt Affären und Streitigkeiten, und Gisela leidet zunehmend unter schweren Depressionen. Glücklich ist sie immer dann, wenn sie allein nach Sylt fahren kann. 

    Ich habe das Buch sehr gern gelesen, es hat mich fasziniert, berührt und betroffen gemacht. Sehr gut gefallen hat mir, dass Bettina Flitner eine eher sachliche Erzählweise gewählt hat. Sie stellt Fragen, aber sie erhebt keine Vorwürfe, keine Schuldzuweisungen. Manches ist fast nüchtern erzählt, und doch sind ihre Ausführungen sehr bewegend. 

    Die Thematik der Vertreibung durch die Russen und das polnische Militär war mir bisher nur oberflächlich bekannt. Die Familie der Autorin musste innerhalb von 24 Stunden ihre Heimat verlassen und die beschwerliche 18-tägige Reise antreten, die sie durch zerbombte Städte und zerstörte Landschaften nach Celle führte. Diese Folgen des Zweiten Weltkriegs bekamen damals sehr viele Menschen zu spüren, allein aus Schlesien sind nach Kriegsende mehr als drei Millionen Menschen geflohen bzw. wurden vertrieben.

    Absolute Leseempfehlung für das mit großer Offenheit verfasste sehr persönliche Buch, in dem die Autorin ihre Familiengeschichte verarbeitet und einen Weg gefunden hat, sich nachträglich mit ihrer Mutter auszusöhnen.
    Die Rheinreise

    Ann Schlee
    Die Rheinreise (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    05.09.2025

    Wunderbare und ruhige erzählte Geschichte

    Der Dumont Verlag hat den bereits im Jahr 1981 erschienenen Roman "Die Rheinreise" der in den USA geborenen Schriftstellerin Ann Schlee, die 2023 im Alter von 89 Jahren verstorben ist, in deutscher Übersetzung veröffentlicht. Es handelt sich dabei um ihren Debütroman, der für den renommierten Booker Prize nominiert wurde. Das Cover ist wunderschön und sehr hochwertig gestaltet.

    Wir schreiben das Jahr 1851, drei Jahre nach den Unruhen der Europäischen Revolution von 1848, als Reverend Charles Morrison mit seiner Frau Marion und der 17-jährigen Tochter Ellie eine Reise mit dem Schaufelraddampfer von Baden-Baden bis Köln antritt. Mit dabei ist Charles' jüngere, etwa 40-jährige unverheiratete Schwester Charlotte, die ihre Schwägerin unterstützt und sich um ihre Nichte kümmert. Charlotte war jahrelang die Haushälterin ihres Bruders, ehe sie dem betagten Reverend Ransome bis zu dessen Tod den Haushalt führte und von ihm mit einer Erbschaft bedacht wurde. Als sie unter den Reisenden einen Mann sieht, der ihrer ersten Liebe ähnelt, werden Erinnerungen in ihr wach. Sie war gerade 18 Jahre alt, als sie sich in den Mühlenbesitzer Desmond Fermer verliebte, der bei Charles um ihre Hand anhielt. Doch für diesen war Desmond nicht standesgemäß, er war gegen die Verbindung, und Charlotte blieb es verwehrt, eine eigene Familie zu gründen.

    Die Geschichte ist in sehr schöner Sprache erzählt und liest sich sehr flüssig. Ich fühlte mich gleich in das Viktorianische Zeitalter versetzt, als die Rolle der Frau noch eine ganz andere war als heute. Die Autorin lässt uns eintauchen in Charlottes Lebensgeschichte, die geprägt ist von Gehorsam und Unterwürfigkeit gegenüber ihrem Bruder. Als Alleinstehende ist es ihr nicht möglich, ihr Leben eigenständig zu gestalten. Ihr Bruder trifft für sie alle wichtigen Entscheidungen, und sie ordnet sich ihm unter. Die Begegnung mit Edward Newton verändert sie und weckt alte Erinnerungen, mit denen sie sich endlich auseinandersetzt.

    Ich habe den Roman sehr gern gelesen, er hat mich beeindruckt und sehr berührt. Der Zeitgeist ist ganz großartig eingefangen, und ich mochte Ann Schlees ruhige und empathische Erzählweise. Sie skizziert ihre Protagonisten ganz wunderbar und authentisch, besonders die feinfühlige Charlotte, die auf der Rheinreise ihre Vergangenheit reflektiert, in Tagträumen versinkt und schließlich vor die Frage gestellt wird, ob sie fortan im Haushalt des Bruders leben möchte. Die Autorin schildert nicht nur mit großer Intensität Charlottes innere Zerrissenheit, ihre Sehnsüchte und Wünsche, sondern auch ihre Entwicklung, die dazu führt, dass sie eine zukunftsweisende Lebensentscheidung treffen kann.
    Der dominante Charles, der seine Schwester wie eine Bedienstete behandelt, machte es mir schwer, ihn auch nur ansatzweise zu mögen. Auch für seine Frau, die schwierige Marion, konnte ich keine Sympathie empfinden.

    Sehr gut gefallen hat mir die Beschreibung der Rheinreise mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten, da ich im Rheinland lebe und mir viele der erwähnten Orte ein Begriff sind.

    Absolute Leseempfehlung für diesen wunderbaren historischen Roman mit Tiefgang, der mich gefesselt und bestens unterhalten hat!
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