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    smartie11 Top 25 Rezensent

    Aktiv seit: 09. Oktober 2012
    "Hilfreich"-Bewertungen: 66

    Bitte beachten Sie

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    664 Rezensionen

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    Eine zu viel

    Samantha Hayes
    Eine zu viel (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    02.07.2026

    Familiengeheimnisse – ein Spannungsroman vor rauer Kulisse

    „Der See, die Landschaft mit ihren Nebelwolken, die sich wie ein Mantel um die Hügel legten – sie hatten die Fähigkeit, Geheimnisse zu hüten und die Vergangenheit zu begraben.“ (S. 8)

    Meine Meinung:
    Nach dem Tod des Familienpatriarchen Ray kommt die ganze Familie noch einmal in „Hunters Castle“, dem Ferienhaus in der schottischen Wildnis zusammen. Trauer über den gemeinsamen Verlust verbindet sie. Doch die Geheimnisse, die diese Familie teils seit Jahrzehnten hüten, drohen die fragile Familienidylle zu sprengen…

    Nach einem rätselhaften und sehr atmosphärischen Prolog startet die Geschichte erstmal recht unaufgeregt. Mir hat es gut gefallen, wie Samantha Hayes ihre Figuren eingeführt und positioniert hat und das raue Setting der ungezähmten schottischen Natur ist ganz nach meinem Geschmack – ein kleines bisschen „locked room“ Feeling!

    Gespannt bin ich der Geschichte gefolgt, die sich sehr flüssig lesen lässt und durchaus zu unterhalten weiß. Nur von wirklicher Spannung war über die meiste Zeit nicht wirklich etwas zu merken. Immer wieder werden Andeutungen auf verschiedene Geheimnisse gemacht, auf ein Geheimnis (das, um Rays Testament) sogar immer und immer wieder, was ich zunehmend langweilig empfand. Spannend war bis kurz vor dem Ende eigentlich nur die Dynamik zwischen den einzelnen Charakteren. Erst auf den ca. letzten 50 Seiten kam dann doch noch Spannung auf. Puzzleteil für Puzzleteil wurde ein Geheimnis nach dem anderen gelüftet. Manche „Geständnisse“ hatte ich da schon längst erahnt, an einem neuralgischen Punkt hat mich die Autorin dann aber doch noch faustdick überrascht.

    So haben die letzten ca. 50 Seiten doch noch einiges gut gemacht. Zuvor war mir dieser Roman dann doch zu wenig spannend, insbesondere, da er als „Thriller“ vermarktet wird. Für mein empfinden ist es eher ein Spannungsroman, oder gar ein Drama. Lesenswert auf jeden Fall, aber für mein Empfinden kein herausragendes Werk.

    FAZIT:
    Gut geschrieben und unterhaltsam zu lesen, aber in meinen Augen absolut kein Thriller.
    Insel der Ratten

    Jo Nesbø
    Insel der Ratten (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    01.07.2026

    Doomsday - brutal, grausam und fesselnd

    „Während ich jetzt hier auf dem Dach des Wolkenkratzers stehe und dem Helikopter lausche, habe ich noch immer den Geschmack des Seils im Mund, höre die Schreie meiner Liebsten aus dem Haus und spüre die bittere Gewissheit, alles, einfach alles, zu verlieren.“ (S. 27)

    Meine Meinung:
    Diese Geschichte wurde im Original bereits 2021 in dem Sammelband „Rotteøya og andre fortellinger“ veröffentlicht. Hier nun erstmals auf Deutsch und in einem knapp 200 Seiten umfassenden Einzelband.

    In „Insel der Ratten“ geht es um eine Welt, die nach einer Pandemie vollkommen aus den Fugen geraten ist und droht, in Anarchie zu versinken. Jo Nesbø, der mit dieser kurzen Geschichte die Corona-Pandemie verarbeitet zu haben scheint, erzählt seine Geschichte aus zwei Perspektiven und zeitlich nicht linear. Das sorgt beim Lesen zu Beginn für ein paar Fragezeichen, aber gleichzeitig auch für eine sich stetig steigernde Neugier darauf, wie dies alles zeitlich und inhaltlich zusammenhängt.

    Gespannt bin ich dieser beklemmenden Story gefolgt, die stellenweise sehr grausam und brutal ist. Es gibt hier ein paar Schockmomente und schwer verdauliche Szenen, aber dies passt zum dystopischen Setting und zur Story. Sehr erstaunt war ich, wie schnell es dem Autor gelungen ist, mich an seine Geschichte zu fesseln und ebenso beeindruckend ist es, wie Nesbø es schafft, auf dieser vergleichsweise geringen Seitenzahl eine „vollwertige“ Story aufzubauen und zu erzählen, ohne dass mir hier etwas an „narrativem Beiwerk“ gefehlt hätte. Natürlich bleiben Nebencharaktere hierdurch blass und zweidimensional, was mich aber nicht gestört hat. Hier merkt man einmal mehr die Klasse des Autors.

    Am Ende bleiben keine wesentlichen Fragen unbeantwortet bis auf eine ganz zentrale, die Nesbø aber (wie ich denke) bewusst offenlässt, um hier den Gedanken seiner Lesenden freien Raum zu lassen. Auch wenn manche Entscheidungen der Figuren im Verlauf der Geschichte für mich nicht ganz nachvollziehbar waren (aber wer weiß schon, wie man sich selbst in einer Dystopie verhalten würde?), ist es dennoch eine in sich runde, fesselnde und latent verstörende Story, die sehr atmosphärisch und gekonnt erzählt ist.

    FAZIT:
    Eine bedrohliche, teils brutale und verstörend dystopische Nah-Zukunftsvision, gekonnt erzählt.
    Dragon Cursed - Zeig keine Gnade

    Elise Kova
    Dragon Cursed - Zeig keine Gnade (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    22.06.2026

    Wenn das Ende erst der Anfang ist - spannende Drachen-Romantasy

    Meine Meinung:

    Ruck-zuck zieht einen diese Geschichte in ihren Bann, da Autorin Elise Kova nicht lange fackelt und Protagonistin Isola mit ihrem coolen Side-Kick Saipha gleich auf den ersten Seiten in eine brenzlige Situation schickt. So taucht man atemlos ein in diese phantastische Geschichte um den letzten Rest der Menschheit, der sich in der Stadt Vingard verbarrikadiert hat, um den Drachen, die die Welt beherrschen zu entkommen. Einmal im Jahr müssen sich alle 18jährgen Vingards einer geheimnisvollen, gefährlichen Prüfung unterziehen, denn nur so kann sichergestellt werden, dass sie nicht den Fluch in sich tragen und sich eines Tages in einen todbringenden Drachen verwandeln…

    Das klaustrophobisch anmutende Setting der verwinkelten und ständig vom Tod bedrohten Stadt Vingard ist großartig gewählt, und mit Isola und Saipha verfügt die Story über zwei starke, sympathische Charaktere, mit denen ich gerne mitgefiebert habe. Zu der klassischen, teils Quest-artigen und mitunter grausamen Prüfungs-Storyline gesellt sich eine slow-burn Romance. Eine gute Mischung, die zu dieser Geschichte passt und eng mit der Storyline verwoben ist. Stellenweise hat mir das Zusammenspiel zwischen Isola und Lucan aber doch zu breiten Raum eingenommen, gerade in der ersten Hälfte des Buches. Hier wäre für meinen Geschmack weniger mehr gewesen, da sich die beiden gefühlt immer wieder um die gleichen Themen drehen. Das war schon seeeehr „slow“.

    Dennoch hat mich die Story von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, wobei nicht Isola oder Lucan mein liebster Charakter gewesen sind, sondern die toughe und so bedingungslos treue Saipha. Die einzelnen Prüfungen haben dabei zwischendurch immer wieder für Action und Schockmomente gesorgt. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass es hier „trotz Romantasy“ stellenweise durchaus blutig und brutal zugeht.

    Richtig überrascht hat mich die Autorin dann gegen Ende dieses ersten Bandes, und zwar nicht nur einmal. Vor lauter überraschenden Plot-Twists konnte einem da beim Lesen regelrecht schwindelig werden. Großartig gemacht! Und selbstverständlich, wie bei einer Dilogie erwartbar, endet Band 1 derart offen, dass ich am liebsten sofort weitergelesen hätte.

    Zur Hörbuchproduktion:
    Im Hörbuch leiht Aileen Wrozyna ihre Stimme der Protagonistin Isola, und das macht sie sehr gut und authentisch. Mit viel Gefühl und stets passender Betonung verleiht sie Isola eine glaubwürdige Eigenständigkeit. Es macht Spaß, ihr zuzuhören!

    FAZIT:
    Düster, spannend, teils blutig und am Ende echt überraschend - eine klare Leseempfehlung!
    Weil sie lügt

    Caroline Seibt
    Weil sie lügt (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    08.06.2026

    Ein raffinierter Plot voller Twists und Überraschungen

    „Unser ganzes Leben wird auseinandergerissen, fortgeschwemmt, unwiederbringlich zerstört. Nur gibt es für meine Familie und mich keine Rettungsleine an einem Hubschrauber. Niemand wird kommen und uns retten. Wir müssen uns aus eigener Kraft aus den Fluten ziehen, sonst ertrinken wir.“ (S. 137)

    Meine Meinung:
    Annas Familie ist von Grund auf zerstört, seit ihre große Schwester Juli vor anderthalb Jahren spurlos verschwunden ist. Ihr Vater sitzt deswegen in Untersuchungshaft, ihre Mutter leidet unter starken psychischen Problemen und ist kaum zurechnungsfähig. Anna muss stark sein. Für sich, für ihren kleinen Bruder, für ihre Eltern - und für Juli. Sie kann nicht an die Schuld ihres Vaters glauben und nimmt eigene Ermittlungen auf. Doch diese führen zu furchtbaren Geheimnissen und werden brandgefährlich…

    Von der ersten Seite an fiebert man mit Anna mit, der so unglaublich starken und toughen Protagonistin dieses Thrillers. Der Fall selbst ist für uns Lesende genauso verworren und rätselhaft wie für Anna selbst. Je mehr Seiten dahinfliegen, desto mehr Fragen sammeln sich an. Obgleich der Kreis der Charaktere vergleichsweise überschaubar ist, scheint doch jeder hier seine ganz eigenen Geheimnisse zu haben. Schnell führt das beim Lesen dazu, dass man niemandem mehr vertraut, ja regelrecht paranoid allen Figuren hier misstraut. Wer ist Opfer, wer der Täter? Und welche Figur lügt? Das alles hat Caroline Seibt wirklich akribisch und sehr gekonnt konstruiert.

    Durch die kurzen Kapitel, die abwechselnd aus der Sicht von Anna und der Ermittlerin Katharina geschrieben sind, bleibt das Tempo extrem hoch und es ergeben sich immer wieder kleine, aber fiese Cliff-Hanger an vielen Kapitelenden. So entwickelt diese Geschichte einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Gebannt bin ich der Story in kürzester Zeit bis zum Ende gefolgt. Und selbst rund 40 Seiten vor dem Ende hatte ich noch keine wirklich belastbare Idee, wie das hier alles zusammenhängen könnte. Am Ende serviert uns Caroline Seibt ein rasend spannendes und dramatisches Finale, das mit einer letzten, faustdicken Überraschung daherkommt und einen beim Lesen fast fassungslos zurücklässt. Doch am Ende sind tatsächlich die wichtigen Fragen, die sich während des Lesens turmhoch angehäuft haben, beantwortet worden und die Autorin hat es geschafft, ihren intelligenten Plot zu einem runden, und letztendlich in Teilen sogar versöhnlichen Ende zu bringen.

    Die Hörbuchfassung hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Gerade da die Geschichte aus der Perspektive von Anna und Katharina erzählt wird, ist es toll, dass auch das Hörbuch von zwei Sprecherinnen gesprochen wird. Rebecca Veil und Elke Appelt haben beiden Figuren auf eine sehr einfühlsame und authentische Art „Leben eingehaucht“. Sprechtempo, Modulation und Betonung passten in meinen Augen stets perfekt. Eine sehr gute Hörbuchproduktion!

    FAZIT:
    Chapeau, ein ganz starker Thriller und für mich ein absolutes „Must-Read“!
    Summer Tides

    Sarah Fulmar
    Summer Tides (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    10.04.2026

    Eine sommerlich leichte Liebesgeschichte vor toller Kulisse

    „Ich wende den Kopf, schließe die Augen und atme tief den frischen Seewind ein. Ich bin sowas von verloren.“

    Meine Meinung:
    „Summer Tides“ bietet genau das, was ich erwartet habe: eine sommerlich leichte Lektüre vor der wunderbaren Kulisse des kornischen Küstenörtchens St. Ives. Zur Handlung brauche ich nicht viel schreiben, denn die offizielle Kurzbeschreibung des Buches ist schon fast eine perfekte Zusammenfassung der gesamten Handlung.

    Die Storyline folgt dem klassischen Muster und bietet dabei keine großen Überraschungen (mal abgesehen davon, dass kurzzeitig tatsächlich die Seegurken-Population im Weddellmeer thematisiert wird) oder eine besondere Tiefe. „Summer Tides“ ist ein Roman, der seinen Lesenden ein sommerliches Urlaubsfeeling, seichte Leseunterhaltung und eine knisternde Slow-Burn-Liebesgeschichte bietet. Denn gleich zu Beginn dürfte wohl jedem klar sein, dass es zwischen der Nebenjob-Aussteigerin Scarlett Green (die nebenbei noch eine toxische Nicht-Beziehung mit Exklusivität am Laufen hat) und dem Rettungsschwimmer Jonah Anderson, der so einige gar nicht mal so kleinen Jugendsünden auf dem Kerbholz hat, knistert und funkt.

    Besonders gut gefallen hat mir das Setting in und um St. Ives, nebst kleinem Ausflug zum naturgewaltigen Landstrich „The Lizard“, dass Autorin Sarah Fulmar für meinen Geschmack gut und zutreffen portraitiert, auch wenn hier mehr die Charaktere als die Natur im Vordergrund stehen. Besonders die kleine und wunderbar verschworene Gemeinschaft, die Scarlett sofort in ihren Kreis aufnimmt, hat mir ebenfalls sehr gut gefallen und man merkt, dass hier die ein oder andere Figur mit dabei ist, die das Potenzial bietet, Protagonist*in in einen eigenen Roman zu werden.

    Alles in allem hatte ich ein paar unterhaltsame, unaufgeregte und unbeschwerte Lesestunden, die mich sehr angenehm an meinen Sommer in Cornwall haben zurückdenken lassen. Dankeschön dafür!

    FAZIT:
    Seichte, sehr angenehme Wohlfühl-Unterhaltung mit Potenzial für weitere Bände.
    Flora Magica (Band 3) - Die Macht der Weltenweide

    Vanessa Walder
    Flora Magica (Band 3) - Die Macht der Weltenweide (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    08.04.2026

    Ein tolles Finale für diese zauberhafte Trilogie

    „In einem Samenkorn stecken Felder, die Generationen ernähren. In einem Kern warten Obstgärten, die Länder reich machen. In einer Knolle schlummern Kräuter, die Krankheiten heilen. Saaten, Samen, Kerne, Sporen… das sind die wahren Schätze der Erde. Wir haben sie längst nicht alle entdeckt, erforscht und erfasst und doch schon vor langer Zeit angefangen, sie zu verlieren und zu zerstören.“ (S. 8)

    Meine Meinung:
    „Die Macht der Weltenweide“ ist der finale Band von Vanessa Walders „Flora Magica“-Trilogie, die sich der geheimnisvollen Welt der Pflanzen widmet, welche sowohl in der realen Welt als auch in der Literatur leider noch immer viel zu wenig Beachtung findet.

    Die Geschichte knüpft nahtlos an das Ende von Band 2 an und es macht keinen Sinn, dieses Buch zu lesen, ohne die beiden Vorgänger zu kennen. Das große Finale der Geschichte hält einmal mehr ein paar überraschende Wendungen, ein mysteriöses Rätsel um den kleinen Nox (mein absoluter Reihen-Liebling!), zwischendurch einen abwechslungsreichen Abstecher nach London (immer ein geniales Setting!) und schließlich eine tiefgreifende Herausforderung für die vier Cunabula-Kids bereit, bei der es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt, und an der Freundschaften zu zerbrechen drohen. Behutsam beleuchtet Vanessa Walder dieses moralische und ethische „Dilemma“, vor dem die Kids stehen, zeigt sachte und wertungsfrei alle Vor- und Nachteile der verschiedenen Handlungsmöglichkeiten auf, gibt die richtigen Denkanstöße und überlässt es dabei ihren Lesenden, sich eine eigene Meinung zu bilden. All dies ist einmal mehr unglaublich spannend, überraschend, wahnsinnig atmosphärisch und stellenweise sehr berührend zu lesen. Einmal begonnen, mag man das Buch kaum wieder aus der Hand legen, bis das bittersüße Ende der Trilogie erreicht ist.


    Neben der überbordenden Kreativität, der magischen Pflanzen-Phantastik, der spannenden Storyline und dem großartigen, wild-schroffen Alpen-Setting ist dies zugleich eine Geschichte mit sehr viel Tiefgang und ein flammendes, aber dennoch unaufdringliches Plädoyer dafür, die Wunder, die die Welt der Pflanzen für uns bereit hält, nicht zu ignorieren oder gar zu zerstören, sondern sie zu achten, zu pflegen und die mannigfaltigen Hilfen, die uns die Natur bietet, verantwortungsvoll zu erforschen und zu nutzen. Einen klitzekleinen Bruchteil der faszinierenden Heilkräfte der Natur stellt Vanessa Walder in den sich jeweils am Kapitelende anschließenden „Auszügen“ aus Flora Cunabulas Buch über die magischen Pflanzen vor, die sowohl fiktive, aber eben auch reale Pflanzen portraitieren, teilweise sogar mit hilfreichen kleinen Rezepten, wie z.B. für die Beifuß-Schutzsalbe. Hier findet man (reale!) Pflanzen mit wirklich erstaunlichen Eigenschaften, wie etwa den nordamerikanischen Faulbaum oder auch den Moringa-Baum. Spätestens wenn man die sehr interessanten und aufrüttelnden Ausführungen zur Weidenrinde (und der daraus gewonnenen Acetylsalicynsäure) liest, kommt man wirklich ins Grübeln und stellt fest, wie tief und ausführlich die Autorin für ihre Trilogie recherchiert hat. (by the way: eine wunderbar passende Widmung des Buches!).

    Und auch an den zum Nachdenken anregenden Zitaten (von - mir bis dato teilweise noch unbekannten - Verfassern, wie etwa Zig Ziglar und Octavio Paz), die den einzelnen Kapiteln vorangestellt sind und die perfekt kuratiert wirken, merkt man, wie viel Vorbereitungsarbeit Vanessa Walder in diese Trilogie gesteckt hat und dass „Flora Magica“ sicherlich ein Herzensprojekt für die Autorin ist.

    Ich kann diese Trilogie besten Gewissens allen Lesenden ab ca. 9 Jahren empfehlen, und zwar aus vollem Herzen!


    FAZIT:
    Eine im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Trilogie mit einer außergewöhnlichen Geschichte. Unbedingt lesen!


    Die Känguru-Rebellion

    Marc-Uwe Kling
    Die Känguru-Rebellion (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.03.2026

    Die Schnapspraline der Sozialkritik

    Diese Rezension wird Ihnen präsentiert von „Bei Herta“ – kiek doch mal wieder rin!

    Meine Meinung:
    Das Känguru is back! Und mit ihm natürlich auch sein Herbergsvater Marc-Uwe. Ja genau, der, der auch so einen komischen Vornamen hat wie Hans-Dietrich. Und sie rebellieren! Und wie! Und natürlich machen die beiden auch gleich einen Battle daraus, wer mehr Mit-Rebellen für ihre Sache rekrutiert…

    Die ganze titelgebende Sache mit der Revolution dient diesmal aber „nur“ als grobe Rahmenhandlung für eine teils recht locker zusammengefasste Sammlung aller möglicher Anekdoten und Episoden, die in gewohnter Manier mit viel Satire und Humor die Missstände in der Welt und in unserer Gesellschaft anprangern, die ja leider auch nicht weniger werden. Da gibt es ja reichlich „Munition“ und so holen das Känguru und Marc-Uwe zum verbalen Rundumschlag aus. Von A wie Atomstrom und (natürlich!) AfD bis hin zu T wie Trump (sorry, ich hab´ grade nicht mehr auf dem Schirm, ob da noch was zu U,V,W,X,Y oder Z war). Sehr gern und oft mit „dabei“ sind natürlich auch die CSU mit ihrem Söder (der irgendwas mit Rührei zu tun hatte) und natürlich auch die große Schwester mit ihrem Merz, der sich für sooo viele Wortspiele anbietet!

    Ich hatte sehr viel Spaß mit diesem Hörbuch, das in schöner Regelmäßigkeit meine Lachmuskeln herausgefordert hat. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gekonnt der Autor mit Worten jongliert, sich ganz bewusst in bandwurmartigen Schachtel-Kettensätzen verliert oder so manch schräge Idee präsentiert, wie seine bahnbrechende Entscheidungshilfe in schwierigen Situationen: einfach eine Runde „Auto-Schnick“ spielen! Ganz großes Kino sind natürlich auch mal wieder die falsch zugeordneten Zitate („Wer rastet, der rostet“ - Iron Man), also in diesem Fall eher Kurzfilm-Kino. Nicht zu verwechseln mit Arthouse-Filmen, die hier auch ihr Fett abbekommen.

    Selbstverständlich hat Marc-Uwe Kling auch diesmal das Hörbuch selbst eingesprochen und ich bin der festen Überzeugung, dass dies auch niemand besser kann als er selbst. Großartig!

    FAZIT:
    Egal wie furchterregend die (um)weltpolitische Lage ist: Humor ist, wenn man trotzdem lacht!
    Die Geister von La Spezia

    Oliver Plaschka
    Die Geister von La Spezia (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    17.03.2026

    Die Büchse der Pandora - total verwirrend und streckenweise wenig spannend

    „Sie waren in meiner Erinnerung. Aber ich weiß, dass sie auch in seine reisten. Wie ist das möglich? Es war doch alles Teil meiner Erinnerung. So verwirrend!“ (S. 130)

    „Wenn sie nicht will, dass ich weiß, was er vielleicht will, dass ich weiß… aber will, dass ich weiß, was er nicht will, dass ich weiß… dann schaue ich es mir am besten einfach an, meinst du nicht?“ (S. 160)

    Meine Meinung:
    Bereits nach den ersten Seiten dieses Buches war ich regelrecht begeistert: Ein spannender und geheimnisvoller Start, eine faszinierende Grundidee (die Kunst der Gedankenreise aka „Mnemambulie“) und eine sympathische und echt coole Protagonistin. Allerbeste Voraussetzungen also für ein außergewöhnliches und fesselndes Buch!

    Doch leider haben mich das Buch und seine Storyline im Folgenden unglaublich schnell verloren. Zu Beginn haben mich die vielen Namen einfach nur verwirrt (und dann hatten die Charaktere auch noch Spitznamen füreinander!). Wer ist wer und gehört zu wem? - Eine Frage, die ich mir sehr oft gestellt habe und die mich ein Personenverzeichnis hat schmerzhaft vermissen lassen. Immer wieder tauchen neue Charaktere auf, während inzwischen vertrauter gewordene wieder in der Versenkung verschwinden. Selbst am Ende des Buches, als auf Seite 367 auf einmal eine „Mrs. Mason“ wieder auftaucht, hatte ich keine Vorstellung (mehr) wer das ist. Ok, der Autor merkt gleich selbst an, dass sie Marys Mentorin ist, was mir aber auch nicht weitergeholfen hat. Herrje!

    Dazu kommt, dass Oliver Plaschka seine Geschichte größtenteils retrograd erzählt und Schritt für Schritt zurück in die Vergangenheit geht. Das passt natürlich zur Spurensuche, auf die sich Protagonistin Pat begibt, aber das trägt nicht grade dazu bei, dass die Geschichte einfacher zu verstehen ist. Wer den Film Tenet kennt, weiß vielleicht, was ich meine. Von immer wieder eingeschobenen und zusätzlich verwirrenden Sequenzen um Geschehnisse in einer ägyptischen Grabkammer will ich hier gar nicht erst anfangen.

    Aber das Verworrenste an sich ist gekoppelt mit der Grundidee der Geschichte: Pat reist in die Gedanken und Erinnerungen von Mary. Und dort weiter in die (fiktiven) Gedanken und Erinnerungen weiterer Personen. So kommt es zu „Erinnerungen aus erster, zweiter, dritter Hand!“ (S.186). Erschwerend kommt hinzu, dass Erinnerungen täuschen und trügen können, womit der Autor teilweise auch bewusst spielt. Irgendwann war ich in den Erinnerungen komplett lost und wusste nicht mehr, im Kopf welcher Person die Erzählung grade steckte. Um eine weitere Film-Analogie zu verwenden: wie bei Inception, nur ohne die optischen Orientierungshilfen.

    Es war einfach alles nur verwirrend für mich. Und dann fehlte es mir auch noch an essenziellen Erklärungen: Was macht Pat eigentlich genau? Wie soll das funktionieren? Und last but not least: Was hat es mit den merkwürdig „körperlosen“ Charakteren Gus und Charlie auf sich? Was ist ein immer wieder genanntes Derelikt? Was ist das von Pat verwendete „MI-Meter“? Der so oft benutzte „Finkelberger“? Ganz zu schweigen von einem „biophysikalischen Mark-II-Materieduplikator“. Das liest sich alles wie bei den Ghostbusters, nur dass dort wenigstens Egon Spengler seine fiktive Technik erklärt. Manchmal gab es zwar Ansätze von Erklärungen, aber auch erst dann, wenn der Begriff schon mehrfach verwendet wurde. Anderes bliebt einfach unerklärt.

    Aber dieses Buch hat auch seine guten Seiten! Allen voran die wunderbare Protagonistin Patricia „Pat“ Colombari, die für mich hier der Ankerpunkt in der Geschichte war. Und auch die immer wieder aufblitzenden, leider viel zu seltenen humorvollen Stellen haben mir gut gefallen, etwa wenn Gus als Hamster oder Thunfisch auftaucht ist. Überhaupt hat mir die ganze Atmosphäre, die dieses Buch transportiert und die so stimmig zur Geschichte passt, sehr gut gefallen.

    Zum Schluss möchte ich aber dennoch dem Autor meinen Respekt bekunden, denn es muss eine unglaublich schwierige Aufgabe sein, historische Persönlichkeiten und wahre Gegebenheiten zu einer fiktiven Geschichte zu verweben, die dann auch noch einen Erklärungsversuch für Marys Meisterwerk liefern möchte. Ich kann mir gar nicht vorstellen, mit wie viel Recherche das verbunden sein muss. Schade nur, dass mich dies alles so hoffnungslos verwirrt hat.

    FAZIT:
    Stellenweise wirr wie ein Fiebertraum, dem man kaum folgen kann und der schwerer zu entwirren scheint als ein gordischer Knoten.
    Nightmore - Das gruseligste Internat der Welt (Band 2) - Zombie gesucht

    Vanessa Walder
    Nightmore - Das gruseligste Internat der Welt (Band 2) - Zombie gesucht (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    06.03.2026

    Wie man einem Zombie das Nicht-Leben rettet

    „Fynn stapft allein durch das düstere Moor, das hinter dem Friedhof beginnt. Es heißt Darkmoor und ist echt gruselig. Jede Menge gefährlicher Gestalten sind hier zu Hause. Nur ist Fynn so wütend, dass er ganz vergisst, sich zu fürchten. Der Wind wispert in den Baumkronen. Irgendwo ruft ein Kautz wie eine traurige Frau. Oder eine Frau wie ein trauriger Kautz.“ (S. 52)


    Meine Meinung:
    Werwölfe, Zombies und Dämonen in einem Kinderbuch? Für Kinder ab 7 Jahren? Aber ja, auf jeden Fall! Wenn eine Autorin das hinbekommt, dann Vanessa Walder!

    Nach dem großartigen Start in die Reihe mit „Plötzlich Werwolf“ (unbedingt auch lesen!) gibt es mit „Zombie gesucht“ nun einen nicht minder phantastischen Nachfolger. Und der geht gleich auf der ersten Seite der Geschichte richtig fesselnd los, denn Fynn, der Jung-Werwolf mit Lupomorphomorbus (wer wissen will, was das ist, muss das Buch lesen!), befindet sich gefesselt im Folter-Verlies von Nightmore, während ein wenig intelligenter Geist ihn zeitlich unter Druck setzt. Hört sich gruselig an? Ist es auch! Aber von der wohlig-gruseligen Sorte mit echt angenehmer Gänsehaut - versprochen!



    Also: wer die erste Seite gelesen hat, wird garantiert auch bis zur letzten Seite lesen wollen, denn es bleibt spannend und - na klar! - dabei auch immer ganz wunderbar humorvoll, denn Gänsehaut und Lachkrampf wechseln sich hier immer wieder ab, wenn sie uns nicht sogar parallel heimsuchen. Und auch in dieser Geschichte stehen wieder Werte ganz vorne, die heutzutage nicht oft genug vorgelebt werden können: Freundschaft, Mut und Hilfsbereitschaft. Und das Ganze natürlich in Vanessa Walders einzigartigem und unvergleichlichem Schreibstil, der jede ihrer Geschichten zu einem Leseerlebnis für sich macht.

    Egal, wie lesemufflig manch junge Lesende sind, wenn es diese Geschichte nicht schafft, sie an ein Buch zu fesseln, dann wohl auch keine andere. Durch die große Schrift, den deutlichen Zeilenabstand und die wirklich großartigen Illustrationen von Philipp Ach wird jedes Umblättern hier zu einem eigenen kleinen Abenteuer, das man kaum erwarten kann. Und - gefühlt viiieeel zu schnell! - hat man auch schon das Ende dieser tollen Story erreicht Und damit auch ein ganzes Buch gelesen. Ein echtes Erfolgserlebnis für Leseanfänger, das auch noch Spaß macht - und zwar jede Menge!



    FAZIT:
    Kindgerechtes Cosy-Gruseln mit ganz viel Spannung und Humor - einfach nur toll!
    Giftiger Grund

    Thomas Knüwer
    Giftiger Grund (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    02.03.2026

    Das Geheimnis des Waschstraßen-Mädchens

    Meine Meinung:
    Eine alte, verlassene Tankstelle. In einem Gewerbegebiet, das niemals auch nur ein einziges Unternehmen angezogen hat. Vor sieben Jahren Schauplatz eines Raubüberfalls, nun hinter Bauzäunen sich selbst und der Natur überlassen. Ein „Lost Place“, der Scheitern, Einsamkeit, Verbitterung und Hoffnungslosigkeit ausstrahlt. Dazu drei junge Menschen, mehr oder weniger von der Gesellschaft allein gelassen und vollkommen auf sich selbst gestellt. Auch sie sind einsam - drei Schicksale, die bewegen.

    Ein sehr atmosphärisches und zu Beginn sehr geheimnisvolles Setting, das sich Autor Thomas Knüwer da erdacht hat. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das geheimnisvolle kleine Mädchen, das sich immer wieder mitten in der Nacht in die verlassene Tankstelle schleicht und sich dort ihren eigenen, kleinen Safe-Space geschaffen hat. Auch wenn die Geschichte zu Beginn aus der Sicht der Urbexerin Charu und des frisch gebackenen „Ex-Knackis“ Joran erzählt wird, so ist es doch das Rätsel um das kleine Mädchen und ihr mysteriöses Schicksal, das den wahren Sog dieser Geschichte ausmacht. Entsprechend gebannt bin ich den sich stetig abwechselnden, kurzen Kapiteln gefolgt um endlich zu erfahren, was es mit dem Tankstellen-Mädchen auf sich hat. Doch auch Charu und Joran bringen ihre ganz eigenen Probleme mit, aus der Vergangenheit genauso wie aus der Gegenwart, was gleichfalls spannend zu lesen ist.

    Es ist eine spannend zu lesende, fesselnde und auch bewegende Geschichte, die Thomas Knüwer hier erzählt. Auf dem Cover prangt präsent die Klassifizierung als „Kriminalroman“, doch ein „klassischer Krimi“ ist es definitiv nicht. Er gibt hier keine Ermittler, keine Spurensuche, ja bis auf eine kurze Ausnahme noch nicht mal Polizisten - und mehr mag ich hier nicht verraten. Für mein Empfinden ist es eher ein Roman mit einem zentralen Todesfall und mit klaren Einflüssen von Drama und Coming of Age.

    Dafür gibt es hier bewegende Schicksale, abgründige Menschen und Verkettungen unglücklicher Zufälle und schlechter Entscheidungen. Drei Underdogs stolpern durch eine Geschichte, die immer wieder gegen sie zu laufen scheint. Und immer wieder dreht sich alles um die alte Tankstelle. Am Ende wird die Geschichte auch hier gelöst werden. Und dann, wenn man denkt, alles ist gut, hält Thomas Knüwer doch noch eine gemeine Überraschung für uns Lesende und eine seiner Figuren bereit…

    Zur Hörbuchproduktion: Ich liebe es, wenn Hörbücher von verschiedenen Personen gesprochen werden. Diesem Buch hat der Verlag gleich fünf verschiedene Sprecher*innen spendiert und das kommt im Hörbuch voll und ganz zur Geltung. Hierdurch wird jeder Hauptcharakter einzigartig und unverkennbar und damit auch nahbarer. Eine sehr gelungene Hörbuchproduktion!

    FAZIT:
    Ein tolles Setting, außergewöhnliche Charaktere und eine fesselnde Story, aber kein klassischer Krimi.
    Animox Origins 2. Der Stich der Wespe

    Aimée Carter
    Animox Origins 2. Der Stich der Wespe (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    27.02.2026

    Ein spannendes Abenteuer, das die Vorgeschichte von Ariana erzählt

    „Alles in allem eine höchst unvernünftige und gefährliche Entscheidung, später würde sie zweifellos zurückblicken und sich fragen, was sie sich nur dabei gedacht hatte. Aber jetzt, in der völligen Dunkelheit, umgeben von schleimigen Dingern, voller Platzangst und mit einem Herzen, das hämmerte, als ginge es um ihr Leben, dachte Ariana nicht an mögliche Konsequenzen.“ (S. 119)

    Meine Meinung:
    Die noch junge Reihe „Animox Origins“ erzählt die Vorgeschichten der Helden aus der großartigen Animox-Bestsellerreihe. Nach dem Auftakt um Jam Fluke ist in Band zwei nun Ariana Webster an der Reihe, die als Zwölfjährige schon seit Jahren die Ausbildung in der Eliteschule „Die Höhle“ absolviert, um auf ihre spätere Rolle als Königin vorbereitet zu werden. Doch da genau diese Rolle geheim gehalten werden soll, hat Ariana vor allem eine Aufgabe: bloß nicht auffallen! Doch als endlich die große Prüfung „das Stechen“ ansteht, und dann auch noch der Spionagemeister spurlos verschwindet, hat Ariana die Nase gestrichen voll vom „unauffällig sein“ und zeigt, was wirklich in ihr steckt...

    Ich habe die Reihen „Animox“ und „Die Erben der Animox“ geliebt und jeden einzelnen Band verschlungen. Und ich kann aus vollster Überzeugung sagen, dass auch „Animox Origins“ großartige Unterhaltung und echtes Animox-Feeling bietet. „Der Stich der Wespe“ ist in meinen Augen sogar noch spannender und temporeicher ist als der ebenfalls absolut lesenswerte erste Band („Der verlorene Schatz der Delfine“). Da hier die Vorgeschichte Arianas erzählt wird, muss man Band 1 nicht zuvor gelesen haben.

    Sofort von Beginn an gelingt es Autorin Aimée Carter hier, für Spannung und einen erhöhten Puls zu sorgen. Kein Wunder, wo doch bereits nach nur neun Seiten der erste Dolch auf Ariana zufliegt und die große Prüfung mit drei sehr herausfordernden Aufgaben ebenfalls für Spannung und Action sorgt. Dazu serviert und Aimée Carter noch ein paar überraschende Wendungen und lässt die Story in einem (wie von der Animox-Reihe gewohnten) dramatischen Finale gipfeln. Ich bin wieder einmal erstaunt und begeistert, wie die Autorin es schafft, auf rund 200 Seiten eine so runde und fesselnde Story zu erzählen.


    FAZIT:
    Echt spannend, richtig fesselnd und original Animox-Feeling. Großartig!

    Flut aus schwarzem Stahl

    Anthony Ryan
    Flut aus schwarzem Stahl (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    20.02.2026

    Epische und blutige High Fantasy - ein gelungener Auftakt!

    „In dunklen Zeiten… steigt er auf… Das Zeitalter des Zorns gebiert einen… König.“ (S. 200)

    Meine Meinung:
    Der Schotte Anthony Ryan zählt für mich persönlich inzwischen zu den absoluten Größen der zeitgenössischen High Fantasy. Mit „Flut aus schwarzem Stahl“ hat er den Grundstein für eine neue Fantasy-Reihe gelegt, die sich in Grundzügen an die nordische Mythologie anlehnt. Wie es aber für Ryan typisch ist, entwirft er auf dieser Grundlage ein ganz eigenes, komplexes High-Fantasy-Universum mit eigener Historie, eigenen Religionen, eigenen Sprachen und eigenständiger Mystik.

    Erzählt wird die Geschichte über drei verschiedene Handlungsstränge, von denen zwei die die beiden ungleichen Geschwister Thera Speldrana, Vellihr der Gerechtigkeit der drei Schwesternköniginnen, und ihren Bruder Felnir Skyrnak, Kapitän und Spion, auf ihren gefährlichen Missionen begleiten. Der dritte, und vielleicht geheimnisvollste Handlungsstrang begleitet das Schicksal des Fischers Ruhlin ehs Kestryg.

    Zu Beginn habe ich mich etwas schwergetan, mich in dieser Welt und zwischen den zahlreichen Charakteren zurechtzufinden. Hilfreich hierbei war auf jeden Fall das Personenverzeichnis am Ende des Buches, zu dem ich zwischendurch immer wieder blättern musste. Die komplexen Legenden und Geschichten, von denen die Charaktere immer wieder erzählen, haben mir den Überblick über alles auch nicht erleichtert. Aber eines hat Ryan damit auf jeden Fall geschafft: ein sehr dichtes und atmosphärisches Worldbuilding!

    Ab ungefähr der Hälfte hatte mich das Buch dann aber doch voll und ganz in seinen Bann gezogen und einige der Charaktere waren mir zu diesem Zeitpunkt schon ans Herz gewachsen. Erstaunlicher Weise sind es in diesem Buch nicht die drei Protagonisten, die mich am meisten faszinierten, sondern die Figuren wie die blitzgescheite Elvine, der undurchsichtige und charmante Colvyn, der rätselhafte, verwirrte Wohtin oder auch die stumme und mutige Lynnea. Hier zeigt Ryan neben dem gelungenen Worldbuilding eine seiner großen Stärken: faszinierende und außergewöhnliche Charaktere. Und selbstverständlich zählt die rätselhafte wie komplexe Storyline ebenfalls zu den ganz großen Pluspunkten, auch wenn der Autor natürlich mit den Folgebänden erst noch beweisen muss, dass er diese große Geschichte zu einem überzeugenden Ende bringen wird (woran ich aber nicht zweifle). Selbstverständlich endet der erste Band nach unzähligen dramatischen Szenen und unvorhersehbaren Wendungen mit gleich mehreren Cliff-Hangern.

    Eine Anmerkung noch zum Schluss: Das Buch enthält eine Karte des Reiches von Ascarlia. Etwas, worüber ich mich grundsätzlich immer sehr freue! Doch diese Karte wirkt auf mich total lieblos, als hätte sie eine KI mal schnell nebenbei generiert. Ich kann es schlecht in Worte fassen, aber wenn man sie sieht, weiß man sicherlich, was ich meine. Darüber hinaus werden in der Geschichte viele Orte und Länder genannt, die sich nicht auf der Karte befinden, was mir die Orientierung in dieser komplexen Welt zusätzlich erschwert hat. Sehr schade! Für Band zwei wünsche ich mir auf jeden Fall eine bessere und liebevoll gestaltete Karte! Und gerne auch ein kurzes, vorangestelltes „Was bisher geschah…“. ?

    FAZIT:
    Ein zu beginn verwirrender, dann aber starker und sehr vielversprechender Reihenauftakt!
    KUNTH Unterwegs in Neuseeland

    Birgit Adam
    KUNTH Unterwegs in Neuseeland (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    10.02.2026

    Die perfekte Inspirationsquelle für die Reiseplanung - oder einfach nur für wunderbare Fernwehträume

    Meine Meinung:
    Dieses Reisebuch im praktischen Flex-Cover ist ein sehr gelungener Mix aus Reiseführer, Bildband und Reiseatlas und für meinen Geschmack damit eine großartige Kombination, die sehr viel Wissenswertes über Neuseeland bietet und sich sowohl perfekt für eine Reisevorbereitung als auch -begleitung eignet.

    Schon auf den ersten Seiten begrüßt uns dieses Buch mit atemberaubenden Fotos, die einen sofort ins Träumen und Schwelgen bringen. Und genau das ist auch eine der ganz großen Stärken dieses Buches: bildgewaltige Fotografien, die den Wunsch wecken, all diese Pracht einmal mit eigenen Augen zu sehen. Dabei liegt der Fokus natürlich klar auf den beinahe unzähligen Sehenswürdigkeiten, die die Natur hier hervorgebracht hat: endlos erscheinende Traumstrände, geheimnisvolle Tropfsteinhöhlen, heiße Quellen, wilde Flüsse, schneebedeckte Berge, riesige Nationalparks, aktiver Vulkanismus, gigantische Regenwälder, die auf Gletscherkanten treffen, und natürliche „Blue Pools“. Die Natur Neuseelands ist einfach überwältigend, und dieses Buch fängt diesen Eindruck perfekt in seinen Fotografien ein. Selbstverständlich gibt es zu diesen Sehenswürdigkeiten auch die passenden redaktionellen Erläuterungen, die uns alles gut recherchiert und mit vielen interessanten Fakten gespickt näherbringen.

    Neben den atemberaubenden Landschaften widmet sich dieses Reisebuch aber auch der ganz eigenen Fauna und Flora Neuseelands. Hier „trifft“ man auf die Kauribäume und den „Supple Jack“, werden Keas & Kiwis, See-Elefanten & Palmendiebe und noch so einige weitere besondere Arten vorgestellt.

    Natürlich beschert uns dieses Buch auch interessante Informationen zur Geschichte und Kultur des Landes, und ich finde es sehr schön, dass dabei insbesondere die Maori-Kultur immer wieder zur Sprache kommt, sei es etwa der Schöpfungsmythos der Inseln, die traditionellen Begrüßungsrituale, die einzigartige Tattookunst oder auch das traditionelle Festessen „Hangi“. Aber auch Kricket & Rugby finden hier ihren Platz.

    Wie man sieht, bietet dieses Buch damit wirklich eine riesige Menge an Inspirationsquellen. Aber auch praktische Tipps zu besonders schönen Wander-Tracks, berühmten Film-Drehorten oder empfehlenswerten Tauchrevieren bietet dieses Buch, genauso wie die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in den größten Städten, inklusive passenden Kartenausschnitten. Was man hier allerdings nicht findet, sind die klassischen „Basic-Infos“ zu Anreise, Unterkunft, Währung, Gesundheit etc., aber das ist auch nicht der Fokus dieses tollen Buchkonzeptes.

    Das Buch endet dann passender Weise mit drei vorgeschlagenen Reiserouten mit einem Zeitbedarf von jeweils ca. 2-3 Wochen (für Nordinsel, Südinsel und „Insel-Hopping“ in Französisch-Polynesien), die sich perfekt als „Grundgerüst“ für die individuelle Reiseplanung anbieten. Ein Reiseatlas (1:800.000) und ein gut bestücktes Stickwortverzeichnis runden dieses Reisebuch schließlich perfekt ab.

    Wer Neuseeland bis jetzt noch nicht auf der persönlichen Reise-Bucketlist hatte, wird es spätestens nach diesem Buch draufsetzen - und zwar ganz oben!

    FAZIT:
    Ein großartiges Reisebuch, das Neuseeland mit seiner Vielfalt und außergewöhnlichen Natur und Kultur feiert.
    Tödliches Angebot

    Marisa Kashino
    Tödliches Angebot (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    04.02.2026

    Wenig spannend und eine absolut unsympathische Protagonistin

    „Und auf einmal bin ich im Haus. Meine Sinne fühlen sich an wie neu geboren - als wären sie zuvor tot gewesen, aber jetzt wieder zum Leben erwacht und hungerten nach jedem noch so kleinen Detail. Es riecht teuer.“ (S. 87)

    Meine Meinung:
    Nach dem profitablen Verkauf ihres Reihenhauses sitzen Margo und Ian nun schon seit Monaten in einer kleinen Mietwohnung fest. Auf der Suche nach ihrem Traumhaus wurden sie inzwischen rund ein Dutzend Mal überboten und Margos Verzweiflung wird mit jedem gescheiterten Versuch, ein passendes Haus für die Familienplanung zu finden, immer größer. Als sie eines Tages durch Zufall von einem neuen Traumhaus erfährt, das noch nicht offiziell auf dem Markt ist, ist für Margo schnell klar: Sie würde ALLES tun, um dieses Haus zu bekommen. Wirklich ALLES…

    Die Storyidee und die Kurzbeschreibung hatten mich sehr neugierig auf dieses Buch gemach, und auch die ersten Kapitel ließen sich vielversprechend an. Sehr schnell merkt man, dass Margo bei ihrem Ziel, endlich das passende Haus zu finden, keinerlei Scham oder Grenzen kennt. Doch leider ist mir die Protagonistin beim Lesen genauso schnell immer unsympathischer geworden. Margo, die schon seit Teenagertagen ein Wutproblem hat, ist berechnend und manipulativ, vulgär und gemein (Zitat Margo: „Diese Frau ist wie eine Mensch gewordene Pilzinfektion“, S. 58). Und je weiter Margo aus der Spur gerät, desto weniger konnte ich diese Figur ertragen. Leider gab es auch keinen anderen Charakter, der mir wirklich sympathisch war. Dafür gleich so einige, mit denen ich echt Mitleid hatte.

    Darüber hinaus hatte ich mir vom Plot viel Spannung erwartet, immerhin wird das Buch als Psycho-Thriller angepriesen. Doch leider habe ich beim Lesen so gut wie keine Spannung erlebt. Erst als nach knapp 2/3 des Buches die Story überraschender Weise weit von Washington DC wegführt, hatte ich felsenfest auf erste wirklich spannende Momente gewartet. Doch leider war dieser kurze Plot-Schlenker bereits nach wenigen Seiten wieder passé. Erst nach rund 90% (!) des Buches kommt wirkliche Spannung auf, zum Finale also, in dem Margo ihre ganze widerliche Hinterhältigkeit ausspielt. Das kurz darauffolgende Ende der Geschichte kann ich nur als „legitim“ bezeichnen. Es passt zur Story, hat mir persönlich aber nicht wirklich gefallen, was aber sicher reine Geschmackssache ist.

    Alles in allem hat sich das Buch schnell lesen lassen und ist auch flüssig geschrieben, hat mich aber weder gepackt, gar gefesselt. Für mich leider enttäuschend.

    Und noch eine Bemerkung zum Schluss: Der Klappentext verrät eigentlich schon fast die gesamte Handlung des Buches - so sollte das eigentlich nicht sein. ☹

    FAZIT:
    Psycho auf jeden Fall, aber kein wirklich spannender Thriller, zumindest nicht auf den ersten 300 von 330 Seiten.
    Lightfall 1: Das verlorene Licht

    Tim Probert
    Lightfall 1: Das verlorene Licht (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    29.01.2026

    Tolle Fantasy in epischen Bildern

    Meine Meinung:
    Nachdem Illustrator Tim Probert schon Madeleine Roux‘ geniale Fantasy-Reihe „D&D Dungeon Academy“ mit seinen unvergleichlichen Illustrationen versehen hat, erscheint nun endlich sein Solo-Projekt „Lightfall“ auch auf Deutsch.

    Dieses im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Abenteuer beginnt im Prolog mit dem versehentlichen Freisetzen von… tja, WAS genau, das sollen wir erst später erfahren!
    Daraufhin startet die Geschichte, zusammen mit Beas Tag, recht friedfertig und idyllisch auf dem rätselhaften Planeten Irpa. Zusammen mit Bea tauchen wir ein in den so zauberhaft und verwunschen wirkenden Wald, der die Hütte von Beas knuffigem und leicht dementem Großvater, Zauber-Eber Alfirid, umgibt. Und schon auf den ersten Seiten offenbaren sich die ganze Kunst und Fantasie von Tim Probert, denn jedes einzelne Panel, vom ersten bis zum allerletzten dieses Bandes, lädt ein zum innigen Betrachten und träumerischen Staunen.

    Natürlich dauert es nicht lange, bis eine wahre Heldenquest auf unsere kleine Heldin Bea wartet, die glücklicher Weise von Beginn an einen weiteren großartigen Helden an die Seite gestellt bekommt: Den Galdurier Cadwallader, kurz „Cad“, einen meist unverbesserlichen Optimisten und wahre Frohnatur, trotz seiner traurigen Geschichte. Und dann gibt es da noch den schnurrenden Sidekick Nim, der dieses kleine Heldentrio komplettiert.

    Wahnsinnig gespannt und immer wieder staunend verfolgt man die Reise der Drei, raus aus dem friedlichen Wald, hinein in die nicht immer einladende und ungefährliche Welt des Planeten Irpa. Auf ihrer Reise müssen die Drei sich so mancher Gefahr stellen und unvorhergesehene Wendungen verkraften. Dabei treffen sie natürlich sowohl Feind als auch Freund – und ganz viele außergewöhnliche Wesen wie Troggels, Mörtelfliegen und Tikarri an den unterschiedlichsten, phantastischsten Schauplätzen, seien es unterirdische Temnpel-Höhlen oder einfach nur Bunga’s Frühstücksparadies.

    Wie es sich für den ersten Band einer Trilogie gehört, erwartet uns natürlich ein offenes Ende mit einem Cliff-Hanger. Aber glücklicherweise sind die beiden Folgebände im Original schon erschienen, so dass wir nicht allzu lange auf die Fortsetzung in Deutsch warten dürften.

    FAZIT:
    Großartige, frische Phantastik in Wort und Bild!
    Oxen. Interregnum

    Jens Henrik Jensen
    Oxen. Interregnum (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    16.01.2026

    Die Erben des Danehofs

    „Wir waren gefrorene Flammen - lebende Tote. Aber wir sind zurückgekehrt. Wir haben uns zusammengetan und dem Feind einen vernichtenden Schlag versetzt. Und jetzt sind wir gezwungen, den letzten Schritt zu tun und uns zu vergewissern, dass nicht alles vergebens war.“ (S. 34)

    Meine Meinung:
    „Interregnum“ ist der mittlerweile siebte Band um den hochdekorierten dänischen Ex-Elite-Soldaten Niels Oxen und auch, wenn man diesen Band „stand alone“ lesen kann, so würde ich doch immer empfehlen, zuerst die Vorgängerbände zu lesen. Es lohnt sich auf jeden Fall!

    Nur wenig Zeit ist vergangen seit dem großen Finale des Vorgängerbandes und schon bittet PET-Urgestein Axel Mossmann seine Allzweckwaffe Niels Oxen und die toughe Ermittlerin Margarethe Franck erneut zu einem Geheimeinsatz abseits aller offiziellen Protokolle. Als Fan dieser Reihe bin ich von der ersten Seite an wieder mittendrin und freue mich, mein Lieblings-Ermittlerteam, das im weiteren Verlauf natürlich auch wieder mit Sally Finnsen und Axels Neffen Sonne aufgestockt wird, auf eine neue Mission begleiten zu können.

    Wieder einmal serviert uns Autor Jens Henrik Jensen einen sehr ausgeklügelten, hervorragend recherchierten und einmal mehr top-aktuellen Plot, dessen ganzes Ausmaß sich den Ermittlern - und auch uns - erst nach und nach offenlegt. Auch diesmal führt der Fall das Team in andere Länder, wenn auch nicht ganz so weit in die Welt hinaus wie noch im Vorgänger. Und noch bei einem weiteren Stilelement bleibt Jensen sich treu: Neben dem Hauptplot gibt es einen ebenfalls spannenden und actionreichen Nebenstrang, der für eine Figur zutiefst persönlich ist.

    Dies alles zusammen garantiert auch in Band sieben beste und intelligente Leseunterhaltung. Die knapp 600 Seiten habe ich schnell weggelesen und dabei sehr genossen. Eine großartige Reihe!

    FAZIT:
    Eine starke, sehr lesenswerte Fortsetzung für alle Fans der Reihe.
    Minnesota

    Jo Nesbø
    Minnesota (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    09.01.2026

    Eine intelligente Story, die aber einen längeren Anlauf benötigt

    „Ich habe ein Wutproblem. Und… wohl auch noch eine ganze Reihe anderer Probleme.“ (Bob Oz, S. 96)

    Meine Meinung:
    Ich hatte anfangs so meine Schwierigkeiten mit diesem Buch. Die Geschichte an sich war wenig spannend und mir war überhaupt nicht klar, in welche Richtung sie wohl führen würde. Manchmal ist so etwas ja durchaus von Vorteil und macht mich neugierig. Hier war das aber nicht der Fall. Dazu erzählt Nesbø seine Geschichte zu Beginn in drei Handlungssträngen mit verschiedenen Protagonisten. Das sorgt ja normalerweise für Abwechslung, aber hier hatte ich das Problem, dass ein Protagonist (Bob Oz mit seiner Impulskontrollstörung) mir echt total unsympathisch war, während die beiden anderen für mich so gar nicht „greifbar“ waren und total blass blieben. Lediglich ein einziger Nebencharakter war mir bis dahin wirklich sympathisch, die toughe Barfrau Liza. Für mein Empfinden viel zu dünn - bis dahin!

    Dennoch habe ich mich wacker vorangekämpft in diesem Buch und wurde dann doch noch mit einer intelligenten Story und spannenden Lesemomenten belohnt. Nach rund einem Drittel begann Nesbø in homöopathischen Dosen zu eröffnen, warum Bob Oz so ein Widerling ist, und hat es im Verlauf des Buches sogar tatsächlich geschafft, dass mir dieser verschrobene „One Night Bob“ wirklich sympathisch geworden ist. Das zu schaffen ist schon eine hohe Kunst des Schreibens.

    Und auch die Geschichte hat mich dann doch noch voll und ganz in ihren Bann gezogen, als sich so langsam die Konturen der Storyline aus dem erzählerischen Nebel herausgelöst haben und alles anfing, sich langsam aber sicher zu einem großen Gesamtbild zusammenzusetzen. Und es ist am Ende nicht nur eine fesselnde und bewegende Story gewesen, sondern auch noch ein Plot mit Tiefgang und erschreckender Aktualität. Ganz bewusst überlässt Jo Nesbø dabei seinen Lesenden, die Moral der Geschichte für sich selbst einzuordnen und die Frage danach, wer hier Opfer und wer Täter gewesen ist. Ein beeindruckendes Beispiel für die schriftstellerische Größe Jo Nesbøs.

    FAZIT:
    Ein für mich schwacher Anfang, aber dennoch bitte durchhalten: es lohnt sich wirklich!
    The Woman in Suite 11

    Ruth Ware
    The Woman in Suite 11 (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    07.01.2026

    Leider eine schwache Fortsetzung des Bestseller-Thrillers

    Meine Meinung:
    Mit „The Woman in Cabin 10” hatte Ruth Ware einen brillanten Thriller geschrieben, der in vielerlei Hinsicht zu überzeugen wusste. Nun, rund sieben Jahre später, folgt mit „The Woman in Suite 11“ der Nachfolger. Sehr gespannt war ich auf dieses Buch und hatte mich auf ein vergleichbares Leseerlebnis gefreut, doch leider hat mich dieses Buch alles in allem enttäuscht. Das Grundproblem hier ist, dass der Vorgänger die Messlatte sehr hoch gehängt hatte. Doch schauen wir uns an, warum mich „The Woman in Suite 11“ enttäuscht hat:

    Erstens: „Cabin 10“ bot mit dem Kreuzfahrtschiff auf hoher See ein außergewöhnliches und faszinierendes „locked room“-Setting. Niemand konnte weg und niemand konnte dazu kommen - Hilfe von außen war also nicht zu erwarten. Ich liebe ein solches Setting und hatte bei „Suite 11“ auf ein vergleichbares Setting gehofft - leider vergeblich.

    Zweitens: Das zweite zentrale Element, das „Cabin10“ so besonders gemacht hat, war das psychologische Spiel damit, was die Protagonistin Laura „Lo“ Blacklock zu sehen gemeint hat – während ihr niemand anders geglaubt hat. Das ließ uns Lesende wie die Protagonistin selbst an ihrer Wahrnehmung zweifeln. Auch dieses Element fehlt bei „Suite 11“ leider vollkommen.

    Drittens: „Cabin 10“ hat schon sehr früh Spannung aufgebaut - und dieses Level dann über weite Strecken gehalten. In „Suite 11“ ereignet sich der Kriminalfall erst nach rund der Hälfte des Buches - zuvor gab es gerade mal ein paar wenige Überraschungen, von denen nur eine als annähernd spektakulär zu bezeichnen ist. Spannung war somit im ersten Teil kaum vorhanden und dann in der zweiten Hälfte des Buches… leider auch nicht viel mehr. Das liegt auch mit daran, dass der Fall recht unspektakulär konstruiert und in Teilen auch recht durchsichtig gewesen ist.

    Alles in Allem, wie eingangs gesagt, leider enttäuschend und eigentlich auch mehr ein Krimi als ein Thriller. Ohne den sehr guten Vorgänger wäre dieses Buch als solider Krimi durchgegangen, der sich aber aus der breiten Masse der Krimis in keiner Weise hervorheben kann - Mainstream halt. Im direkten Vergleich zu „Band 1“ aber viel zu schwach.

    FAZIT:
    Nein, „The Woman in Cabin 10” hätte keine Fortsetzung gebraucht - zumindest nicht diese.
    Tod zur Teestunde

    Anthony Horowitz
    Tod zur Teestunde (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    12.12.2025

    Little Secrets – ein ungewöhnlicher „2 in 1“-Krimi

    Meine Meinung
    Dies ist der dritte Band um die „Ermittlerin wider Willen“ Susan Ryeland, nach den Bänden „Die Morde von Pye Hall“ (2016) und „Der Tote aus Zimmer 12“ (2020), die ich beide noch nicht kenne.

    Entsprechend überrascht war ich beim Lesen, als die Handlung bereits auf Seite 33 in einen weiteren „Krimi“ überging, dessen Manuskript die Protagonistin Susan zum Lesen erhalten hatte. So recht konnte ich damit erstmal nichts anfangen, da dies auch zu Lasten der Spannung ging. Dass dieser ganz besondere „Kniff“ des Autors anscheinend zum ganz besonderen Konzept dieser Reihe gehört, wusste ich ja zuvor nicht. Daher hat es diesmal auch recht lange gedauert, bis mich Anthony Horowitz, den ich von seinen anderen Reihen bereits sehr schätze, mit seiner Geschichte packen konnte. Aber als es dann so weit war, war ich regelrecht fasziniert von seiner außergewöhnlichen Idee und dem geschickt konstruierten Plot.

    Erstaunlich gut gelungen ist ihm für meinen Geschmack, mit dem fiktiven Fall im Buch („Pünds letzter Fall“) ein wirklich klassisches Krimi-Feeling heraufzubeschwören, nicht zuletzt, weil Atticus Pünd durchaus Parallelen zum großen Hercule Poirot aufweist. Auch das Verweben beider Erzählebenen hat im Verlauf des Buches immer besser funktioniert, so dass zum Ende hin die beiden Storys Hand in Hand gegangen sind und es mir großen Spaß bereitet hat, sowohl Susan als auch Atticus bei ihren Ermittlungen zu begleiten. Je näher man dabei dem Finale kam, desto brenzliger wurde es dabei für Susan, so dass es am Ende wirklich spannend und auch noch dramatisch wurde.

    Insgesamt ein raffiniert konstruierter Plot auf zwei Ebenen, der deutlich aus der breiten Masse der „Alltagskrimis“ herausragt, auch wenn ich stellenweise manche Theorien noch vor Susan aufgestellt habe. Sehr gut gefallen haben mir dabei auch das Zusammenspiel der einzelnen Charaktere, deren wahre Absichten nicht immer ganz eindeutig waren, sowie der ganz besondere Kniff mit den Anagrammen, was das Lesevergnügen noch weiter erhöht hat.

    FAZIT:
    Ein raffiniert konstruierter Krimi in einem Krimi, der seine ganze Wirkung erst nach und nach entfaltet.
    The Blackgate Invitation

    Sarah Henning
    The Blackgate Invitation (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.11.2025

    Wenn Hexen hexen… ein spannender Plot in einem coolen locked Setting

    „Wir stecken fest in einer verdammten Gruselvilla voller Hexen, einer Leiche und wahrscheinlich mehreren namentlich bekannten Geistern. Wir müssen jetzt wirklich unkonventionell denken, sonst sind wir Hackfleisch.“ (S. 131)

    Meine Meinung:
    Eine geheimnisvolle Einladung, ein mythenumwobenes Herrenhaus, eine eingeschworene Gemeinschaft und zwei toughe Schwestern, die ohne Vorwarnung und unvermittelt zwischen die Fronten geraten…

    Dieses Buch hat nicht viel Anlauf benötigt, um mich in seinen magischen Bann zu ziehen. Nach gerade mal sechs Seiten betreten wir zusammen mit den beiden Protagonistinnen Ruby und Wren das großartige wie mysteriöse Setting von Hegemony Manor („Gotische Perfektion auf einem Hügel, mit Türmchen, Erkern und der ganzen morbiden Wednesday Adams-Stimmung.“ – S.11). Ein kleiner Mikrokosmos mit ganz eigenen Regeln und Gefahren. Ein erstes Abchecken der Charaktere, so schillernd wie geheimnisvoll. Weitere rund 50 Seiten später werden mit einem Mal sämtliche Spielregeln und Erwartungen auf den Kopf gestellt und es beginnt eine mörderische Jagd, an der Ruby und Wren niemals teilnehmen wollten, der sie aber doch nicht entfliehen können. So fesselt man seine Leserschaft, wahrlich meisterhaft von Sarah Henning!

    Sehr gelungen ist auch die abwechselnde Erzählweise aus Sicht von Ruby und Auden Hegemony, so dass wir dadurch sehr viel schneller und tiefer einen Einblick in die Geschehnisse und Hintergründe erhalten, als Ruby und Wren. Ein Stilmittel, das für Spannung und ein hohes Tempo sorgt. Nur zwischendurch nehmen Tempo und Spannung etwas ab, da bis zum nächsten Höhepunkt in der Spannungslinie doch so einige Seiten vergehen, in denen sich Sarah Henning Raum und Zeit nimmt, ihre Charaktere weiter zu entwickeln. Doch spätestens ab diesem Punkt kenn die Handlung dann kein Halten mehr und hechtet atemlos und actiongeladen dem großen und dramatischen Finale entgegen, in dem sich die Ereignisse regelrecht überschlagen. Auf dem Weg hierhin gab es natürlich auch die ein oder andere überraschende Wendung, auch wenn der ganz große Paukenschlag im Plottwist für meinen Geschmack doch ausgeblieben ist. Aber dennoch: eine großartig unterhaltende und fesselnde Storyline!

    Was mich ebenfalls von der ersten bis zur letzten Seite begeistert hat, ist der wunderbar bildliche Schreibstil der Autorin, der passend zu manchem Charakter auch mal rotzig-frech daherkommt. Das macht wirklich Spaß zu lesen.

    Weniger gut gefallen hat mir, wie ein Charakter als divers beschrieben wird. Nichts gegen Diversität, überhaupt nichts! Aber Sätze wie „They nippt an their Tee“ (S. 174) stören mich einfach im Lesefluss. Außerdem kam es mir so vor, als sei dieses Detail in Nachhinein eingearbeitet worden, da es heute einfach „woke“ zu sein scheint. Aber so ganz durchgängig hat das dann doch nicht geklappt, wie man auf S. 320 unten und an manch anderen Stellen lesen kann, wo es dann doch nicht mehr „they“ sondern „sie“ oder „ihrer“ heißt. Wenn schon, dann sollte man das auch stringent durchhalten.


    FAZIT:
    Eine verhext gute Storyidee mit coolen Charakteren und in einem großartigen Setting.
    Robin the Hood - Wie klaut man eine Stadt?

    Rüdiger Bertram
    Robin the Hood - Wie klaut man eine Stadt? (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    30.10.2025

    Ein cooles und rasantes Abenteuer mit witzigen Charakteren

    „Als meine Oma noch Banken überfallen hat, war alles viel einfacher. Selbst bei meinem Vater hat es sich noch gelohnt. Ich habe einfach Pech gehabt. Heute ist alles viel komplizierter.“ (S. 11)

    Meine Meinung:
    Der 13jährige Robin Kappe eifert fleißig der Familientradition und seinem Urururururururururgroßvater von Robin Hood nach: „Primum furare, deinde dare!“ – Erst stehlen, dann geben. Als dann der seltene Apollofalter ausgestellt werden soll und großspurig behauptet wird, er sei unstehlbar, kann Robin das natürlich so nicht stehen lassen, auch wenn alles nach „Falle, Falle, Falle!“ riecht…

    Die neue Reihe von Rüdiger Bertram („Coolmän“, „Die Jungs vom S.W.A.P.“, „Streuner“…) startet gleich auf den ersten Seiten actionreich und witzig mit einem Banküberfall der etwas anderen Art und einer anschließend rasanten Flucht - ganz zeitgemäß auf dem eRoller. Und Schwupps - schon ist man mittendrin in der frischen & frechen Story und mag das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Denn eines gibt es bei „Robin the Hood“ nicht: große Verschnaufpausen. Wahnsinnig schnell lesen sich die Seiten dahin, wenn wir Robin auf dem vielleicht (bislang) größten und gefährlichsten Abenteuer seines Lebens begleiten, bis tief hinein in eine südamerikanische Wüste und zu einer sagenumwobenen Stadt.

    Viel Action, viel Tempo und dabei noch jede Menge Spaß - mit dieser Kombination lotsen uns Rüdiger Bertram, mit seinen kreativen Story-Ideen, und Horst Hellmeier, mit seinen großartigen und humorvollen Illustrationen, durch ein Abenteuer, das manchmal an „Mission Impossible“ und manchmal an die guten, alten „Indiana Jones“ Filme erinnert. Dabei muss sich Robin den zahlreichen Gefahren nicht allein stellen, denn sein Sidekick und Multitalent Loretta (gleichermaßen Bodyguard & Kindermädchen) steht ihm mit Rat & Tat zur Seite, und dann wartet da im Verlauf der Geschichte auch noch eine im wahrsten Sinne des Wortes schlagfertige Teampartnerin auf Robin, auch wenn die beiden sich erstmal zusammenraufen müssen. Und nicht zu vergessen mein persönlicher Liebling Sam, zu dem ich hier noch nicht mehr verrate… ?

    FAZIT:
    Ein rasantes Abenteuer voller Action, Spannung & Spaß und mit zahlreichen coolen Illustrationen!
    KoboldKroniken 6. Kampf um Kwertz

    Daniel Bleckmann
    KoboldKroniken 6. Kampf um Kwertz (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    30.10.2025

    Ein furioses Finale der epischen Kwest um Kwertz

    „Diese Geschichte beginnt zwar in der Zukunft, reicht aber bis ins Hier und Jetzt! Denn wir, die Helden aus dem „Lied der Sieben“, wir haben die Zukunft umgeschrieben und damit das Ende gedreht.“ (S. 4)

    Meine Meinung:
    Fünf Abenteuer haben wir jetzt schon zusammen mit Dario, Rumpel und Co. miterlesen dürfen. Fünf wahnsinnig spannende und humorvolle Geschichten rund um die verborgene, unterirdische Koboldwelt Kwertz. Und nun liefert uns „Kampf um Kwetz“ das große Finale dieser epischen Heldensaga.

    Ganz, wie es sich für ein Finale gehört, stecken zwischen den Buchdeckeln jede Menge Action, Spannung, unvorhergesehene Wendungen und Herausforderungen für „die Sieben“ und natürlich zwischendurch auch immer wieder jede Menge Spaß und Humor für uns Lesende. Nahezu atemlos fliegen die Seiten beim Lesen dahin und wieder einmal ist jedes Umblättern ein kleines Abenteuer für sich, denn man findet immer, wirklich immer großartige Illustrationen auf der nächsten Seite, von der rumpel´schen Metamorphose in Schulleiter Dr. Makrowitz, über eine tolle Skizze des Palastes des Koboldkönigs bis hin zur Kwertz´schen Energielösung für Fernwärme durch den Caldorakakak. Eine noch bessere Symbiose aus Text und Artwork als bei den KoboldKroniken ist wahrlich kaum vorstellbar!

    Natürlich gibt es in diesem finalen Band auch ein Wiederlesen mit vielen bekannten und liebgewonnenen Charakteren aus den ersten fünf Büchern, seien es die kleinen, tapferen Porlinge, Clara-mit-Cs geliebte „Glühis“ oder auch Klabauter Talugo. Daniel Bleckmann lässt hier noch mal das ganze KK-Ensemble auflaufen und präsentiert uns darüber hinaus noch die ein oder andere beeindruckende neue Kwertz-Kreatur, wie den zu gefährlichen Blähung neigenden Lavaling oder die glubschigen Rhodopsier. Ich bin immer wieder aufs Neue begeistert von Daniel Bleckmanns Kreativität und Einfallsreichtum, den Thomas Hussung so gekonnt in phantastische Bilder transformiert.

    Es war uns ein riesengroßes Vergnügen, die Abenteuer aus Kwertz zu lesen, mit den unerschrockenen Helden mitzufiebern und uns ein ums andere Mal von der großartigen Storyline überraschen und begeistern zu lassen. Beeindruckend fand ich insbesondere, dass die Geschichte aller sechs Bände von der ersten bis zur letzten Seite „durchchoreografiert“ gewirkt hat. Alle losen Enden hat der Autor zusammengefügt, alle wichtigen Fragen beantwortet und darüber hinaus noch für so manche große Überraschung gesorgt, so dass man dieses Buch nach der letzten Seite höchst zufrieden zuklappt und sich wünscht, doch irgendwie möglichst bald nach Kwertz zurückzukehren. Vielen Dank, Daniel Bleckmann & Thomas Hussung!

    FAZIT:
    Großartig, einfach nur großartig! Die KoboldKroniken sollte man wirklich nicht verpassen!
    Lügennebel

    Viveca Sten
    Lügennebel (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    27.10.2025

    Solider Krimi mit ein paar Längen

    „Der Nebel, der sie einhüllt, erstickt alle Geräusche. Die Welt ist eine weiße Masse, sämtliche Konturen sind ausgelöscht.“ (S. 198)

    Meine Meinung:
    Das Buch startet mit einem kurzen, aber sehr packenden Prolog. Im Folgenden vergehen dann knapp 100 Seiten, bis es zur eigentlichen Tat kommt. Seiten, in denen sich das Bange Gefühl immer weiter ausbreitet, dass diese Geschichte unweigerlich auf eine furchtbare Tat zustrebt. Ein spannender Lesesog, durchaus nach meinem Geschmack.

    Doch nach der Tat dann gestalten sich die Ermittlungen sehr zäh, obgleich der Kreis der potenziell Verdächtigen recht überschaubar bleibt. Die Ermittler stochern im titelgebenden „Lügennebel“ und Spannung taucht nur ganz sporadisch auf. In den verbleibenden rund 400 Seiten nach der Tat gab es gerade mal vier, recht kurz gehaltene spannende Momente, von denen der spannendste nicht mal wirklich etwas mit dem Fall zu tun hatte. Es gibt durchaus fesselnde Krimis, bei denen nach der Tat keine weiteren Spannungsmomente folgen und sich dafür alles um sehr komplexe und rätselhafte Fälle dreht, die einem bröckchenweise Puzzlestückchen servieren und bei denen es sich trefflich „mitermitteln“ lässt. Aber auch dieses Feeling ist hier bei mir leider nicht wirklich aufgekommen.

    Insgesamt nehmen mir die Beziehungsprobleme der drei Hauptermittelnden hier viel zu viel Raum ein. Das macht die Charaktere zwar plastischer und menschlicher, aber es hat halt auch mehr Roman- als Krimicharakter. Auch in Bezug auf die Storyline hat es mich gestört, dass der späte Durchbruch durch Beweise eingeleitet wird, die für mein Empfinden schon sehr viel früher hätten „gecheckt“ werden müssen - insbesondere vor dem Hintergrund des entworfenen Settings. So fühlt sich die Lösung am Ende zwar „rund“ an, aber wirklich zufrieden bin ich mit der Auflösung nicht. Darüber hinaus reagiert die Person, die zum Schluss als Täter entlarvt wird, in einer Weise, die ich einfach für wenig glaubwürdig halte und für mich nur den einzigen Sinn hatte, zum Finale noch mal ein paar Seiten Spannung aufkommen zu lassen.

    Für mich ein an sich solider Krimi, der den Fokus mehr auf die Protagonisten als auf einen ausgeklügelten Krimi-Plot setzt.

    FAZIT:
    Durchaus lesenswert, aber für mich kein Top-Titel des diesjährigen Krimiherbsts.
    Animox Origins 1. Der verlorene Schatz der Delfine

    Aimée Carter
    Animox Origins 1. Der verlorene Schatz der Delfine (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    10.10.2025

    Ein cooles und spannendes neues Prequel zur Animox-Reihe

    „Er wollte nichts anderes, als der Insel für ein paar Stunden auf dem einzig möglichen Weg zu entkommen, den er kannte: durch die Seiten eines Buchs. Doch das Universum hatte wie üblich andere Pläne.“ (S. 6)

    Meine Meinung:
    In der neuen Prequel-Reihe „ANIMOX Origins“ erzählt Aimée Carter die Vorgeschichten der Hauptcharaktere der Reihe, bevor sie sich alle in Band 1 („Das Heulen der Wölfe“) im L.A.G.E.R. kennenlernen. Den Anfang macht einer meiner absoluten Lieblinge der Reihe, Benjamin „Jam“ Fluke, der Erbe des Unterwasserreichs.

    Das wunderbare Animox-Feeling stellt sich gleich von der ersten Seite an wieder ein und schon im ersten Kapitel wird es spannend, wenn Jam beweist, wie viel Mut und Entschlossenheit in ihm stecken. Überhaupt nimmt dieses Abenteuer sehr schnell Fahrt auf und begeistert durch eine spannende Quest, actionreiche und gefährliche Sequenzen sowie tolle Settings, sei es das gefährliche Blutriff, die haiverseuchte Kumpelbucht oder das zauberhafte Seestern-Planetarium.

    Anders als bei der Hauptreihe nimmt sich Aimeé Carter allerdings diesmal weniger Zeit und Raum, um die Prequels zu erzählen, so dass „Der verlorene Schatz der Delfine“ mit rund 200 Seiten nur etwas mehr als die Hälfte der Seitenzahl der Animox-Bände aufweist. Das sorgt einerseits für ein unglaublich hohes Tempo und damit für einen hohen Spannungslevel, andererseits kommen manche Beschreibungen stellenweise etwas zu kurz - ich hätte gerne noch mehr gelesen! ?

    Dennoch gelingt es Aimeé Carter einmal mehr, uns ganz tief abtauchen zu lassen in ihre wunderbare und faszinierende Fantasy-Welt, und uns mit einem neuen Abenteuer zu fesseln und zu begeistern. Hier lernt man Jam und seine Familie noch besser kennen und erliest mit, wie sich der herzensgute Jam vom latenten Unglücksraben zu einem geschätzten Mitglied seiner Familie mausert und dabei sein eigenes Leben für Freundschaft und Familie riskiert, unermüdlich gegen Vorurteile ankämpft und endlich zum Helden seiner eigenen Geschichte wird. Sehr gut, gemacht, Jam, und sehr gut gemacht, Aimeé!

    FAZIT:
    Ein vollwertiges und sehr spannendes Animox-Abenteuer, in dem Reihenliebling Jam zum Helden avanciert.
    Elon & Jeff on Mars

    Marc-Uwe Kling
    Elon & Jeff on Mars (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    01.10.2025

    Ein skurriles Weltraumabenteuer unter Multi-Milliardären

    „sch*iß Flügeltüren“

    Meine Meinung:
    Was soll man bloß machen, wenn man so viel Geld hat, dass man es hier auf der Erde kaum noch ausgeben kann? Richtig: Man fliegt einfach zum Mars!

    Dieser Comic ist ein Spin-Off der Känguru-Comics, die seit 2021 bei ZEIT online erscheinen und bei denen „Elon & Jeff“ sich zu einer Art Running Gag entwickelt haben. Höchste ZEIT also, das Weltraum-Abenteuer der beiden Multi-Milliardäre mit einem eigenen Comic zu würdigen.

    Alles beginnt mit dem Wettlauf der beiden zum Mars und einer überraschenden Erkenntnis für Jeff kurz nach seiner Ankunft. Im Folgenden erleben wir mit, wie sich die beiden auf dem Mars die Zeit vertreiben und mitunter mit so profanen Herausforderungen beschäftigt sind, wer den Abwasch macht oder gar den Müll rausbringt. Das alles natürlich mit viel Humor, Ironie und auch Sarkasmus. Egal ob skurrile Situationen, wie etwa beim CATAN-spielen oder beim Kaviar-Golfen, oder auch durch die passenden Dialoge, wenn sich die beiden z.B. mal einig sind und selbst bemitleiden, dass sie zur unverstandenen und unterdrückten Minderheit der ultrareichen, mittelalten, weißen Männer gehören. Ach die Armen!

    Sehr schön finde ich es, dass Kling & Kissel hier jede Menge Eastereggs versteckt haben, von der Star Trek-Sitzecke, über einen guten, alten Sketch von Dieter Hallervorden bis hin zu einer kleinen Hommage an die Peanuts. Mit sowas kann man mir einfach immer eine Freude bereiten. ?

    Im Anhang findet sich dann noch so mach sehr sehens- und lesenswertes Bonus-Material!

    FAZIT:
    Für Fans der Känguru-Chroniken und -Comics auf jeden Fall genau das Richtige!
    1 bis 25 von 664 Rezensionen
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