beethoven unter schwerblütiger last
wer beethovens altersweise resumierende sonaten-trias (opp.109-111) von vergleichbar altersweise erfahrenen beethoven-pianisten wie u.a. gilels, serkin (auch live, dgg) oder richter (auch live, philips) - des klangtechnischen wg.- vergleichend gehört hat bzw. kennt, weiss die dramatische präsenz, die rhetorische (überzeugungs)kraft ihrer durchaus verschiedenen,
aber immer passionierten, die dynamischen kontraste klar formulierenden spielweisen und ihre rhythmische konsistenz als massstäblich zu schätzen.
(der alte schnabel, die jüngeren aussen vor).
hört man frau leonskaja, bekannt als feinsinnige schubert und brahms interpretin, mit ihrer ersten beethoven einspielung, vermisst man diesen distinktiven, dramatisch-dynamischen ausdruckswillen. sie präferiert eine subjektiv -'romantische' nivellierung und eine m.e. inadäquate poetisierung des beethovenschen dramas, untypisch einseitig.
ihre tempi sind entsprechend langatmig schwingend, jedoch leider auch schwerfällig bzw. zu gewichtig gespielt.
ein vergleich mit richter, ihrem lehrer und partner bis ende der 70er lässt aufhorchen - da ist richter doch den weg der konzentration-reduktion aufs wesentliche gegangen, während leonskaja ins romantisierend-rhapsodische ausdehnende driftet.
leider wird diese interpretation im klanglichen noch von der aufnahmetechnik und der wahl des instruments unterstützt: ein restaurierter alter steinway von 1901 mit gedecktem, voluminösem klang und wenig (diskant-)artikulation, nur im leisen wirklich
fein klingend.
eine (zu) seriöse, gewichtige und sehr einseitig-willkürlich poetische interpretation, die ich nur als nicht notwendiges korrektiv 'klassischer' einspielungen empfehlen würde.