mutig persönliche, unmittelbare Musik
Diese Diskussion zu der obigen Rezension hat mich neugierig gemacht.
Ich habe mir sehr aufmerksam die VI. Suite angehört. Ich kenne sehr gut die Aufnahmen von Yo-Yo Ma, Palo Casals und Kerstin Feltz und habe sie schon einige Male live von verschiedenen Cellisten gehört.
In der Tat bin ich einige Male aufgeschreckt, weil manche Verzögerungen sehr unerwartet und recht ausgedehnt kommen. Das ist sicher nicht jedermanns Sache. Im Vergleich zu den o.g. Aufnahmen spielt A.K. deutlich anders.
Aber muss nicht auch jede/r jüngere/r Cellist/in anders spielen? Es gibt mindestens 50 Aufnahmen der Cello-Suiten. Was ist Motivation, sich auf die anstrengende Expedition aufzumachen (zum "Mount Everest" heißt es in der Einleitung), wenn nicht eine eigene Interpretation, eine eigene Auseinandersetzung, ein eigenes Gefühl zu vermitteln. Die Cello-Suiten sind höchst persönliche Herausforderungen oder auch Liebes-Beziehungen für jeden Cellisten / jede Cellistin. Dies beschreibt sie auch sehr treffend und getragen von ihrer persönlichen Erfahrung im kurzen lesenswerten Booklet. Im Booklet sprechen mich insbesondere die zu den einzelnen Suiten ausgesuchten, fragil stimmungsvollen Fotos an, die ich mir als meditative Bilder zwischen die Lautsprecher projiziert wünschte, während diese Musik läuft.
Ich nehme A.K. ab, dass sie sich über viele Jahre intensiv mit den Suiten auseinandergesetzt hat und uns nun ihre persönliche Interpretation zeigt. Ich bin tief beeindruckt! Ihre Agogik hat auch bei mir Gänsehaut-Momente ausgelöst. Hervorheben möchte ich auch die schonungslose Aufnahme: das Aufschlagen ihrer Finger auf dem Griffbrett, die verschiedenen Stricharten, ihr Atmen. Das ist ganz unmittelbare, persönliche Musik! Höchst authentisch. Ein Herzensklang in einer Zeit, in der fast alle Aufnahmen zusammengeschnitten und digital überarbeitet werden.
BRAVO! Ich danke Anastasia Kobekina für ihren Mut, die ungeheuerlich komplexen Cello-Suiten so persönlich in unser Wohnzimmer zu präsentieren!