Eine bewegende Einspielung eines Meisters
Der viel zu früh verstorbene New Yorker Pianist Frank Kimbrough (1956-2020) hat diese erst jetzt veröffentlichte CD schon im Jahre 2010 in einem Studio in Pennsilvania eingespielt. Doch die Bänder wurden offenbar aus unerfindlichen Gründen verlegt, bis sie kürzlich wiederentdeckt wurden. Kimbrough hat 20 LPs/CDs unter eigenem Namen veröffentlicht und ist als Sideman auf mehr als 70 Einspielungen zu hören. Inspiriert wurde er vom Klavierspiel von Bill Evans, Keith Jarrett und Shirley Horn sowie der Musik von Paul Bley, Thelonious Monk, Herbie Nichols und Andrew Hill. Er war Mitbegründer und Hauskomponist des Jazz Composers Collective (1992–2005) und spielte über 25 Jahre lang mit dem Maria Schneider Jazz Orchestra als Pianist von Beginn weg. Kimbrough lehrte auch als Professor an der berühmten Juillard School. Interessant ist, was er zu Komposition und Improvisation im Jazz in wenigen Worten zu sagen hatte:
"Die Komposition ist ein Geschenk des Komponisten an die Art und Weise, wie man über diese Melodie improvisiert. Die Komposition liefert Informationen. Sie liefert Motive. Sie liefert Intervalle. Sie liefert Rhythmen. Sie gibt einem alle möglichen Dinge, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Und wenn man all das gleich mit dem ersten Refrain des Solos über Bord wirft – um einfach ein paar angelernte Licks zu spielen, die man sich in einem Buch ausgedacht hat, oder etwas, das Applaus ernten wird –, dann tut man der Melodie und ihrem Komponisten meiner Meinung nach keinen Gefallen." Und wie meisterhaft und eindrücklich Frank Kimbrough diese Erkenntnisse in Musik umzusetzen weiss, demonstriert er auf "The Call" aufs Schönste und auch Eigenwilligste mit seinem Spiel über Jazzstandards, Standards und eigene Kompositionen.