Bach at his best
Wer die größte Musik des Abendlandes nicht nur anhand von "Papierhüllen" beurteilt - dieses Verpackungskriterium wird in gewissen Rezensionen überraschend häufig erwähnt -, der möchte wohl doch eher etwas über die Qualität der Einspielungen wissen.
Kurz: Gardiners Bach-Kantaten für die DG gehörten und gehören noch immer zu den Allerbesten auf dem Markt, manchmal neben, manchmal vor Herreweghe und Koopman. Die filigrane Durchhörbarkeit, der unglaublich flexible Chor, die reine "Power" und Beherrschung der treibenden Rhythmik (die mir z.B. bei Suzuki meist fehlte) machen diese Einspielungen zum endlosen Vergnügen - d.h. nicht ganz endlos, weil Sir John nach Beendigung des Projekts der "Cantata Pilgrimage" auf seinem eigenen Label weitermachen musste. Auch diese Interpretationen liegen ja nun vollständig, aber viel teurer vor, und über die verzeihlichen Fakes (nicht alles wurde auf der Pilgerreise eingespielt) wurde auch schon zu viel geschrieben. Gar nichts geschrieben außer den Tracks wurde im beiliegenden Booklet; Texte gibt's wohl online. Ich habe viele der besser ausgestatteten und mit schönen Covern ausgestatteten Original-CDs und finde, man sollte dieses Angebot als das beurteilen, was es sein soll: Bach für alle - ein niedrigschwelliges Angebot, diese wunderbare, fantasievolle, warmherzige und menschliche Musik kennenzulernen: als Musik.
Die Referenz-Lorbeeren gelten übrigens auch den hier versammelten Großwerken: h-moll-Messe, Passionen und Weihnachts-Oratorium, wobei bei letzterem viele auch noch Karl Richters prachtvoll-empfindsamer "deutscher Weihnacht" u.a. mit Fritz Wunderlich die Treue halten werden.