Mahlers 7. Sinfonie
Andris Nelsons dirigiert die Wiener Philharmoniker im Januar 2023. Es gab die „7. Sinfonie“ von Gustav Mahler. Ein Werk, welches früher einmal nur in Zyklen aufgeführt wurde und nicht so wirklich geliebt wurde. Doch die Zeit hat sich verändert. In Berlin hat Rattle und auch in jüngster Zeit Petrenko das Werk zu der Saisoneröffnung auf das Programm gesetzt.
Hier also die Wiener Philharmoniker.
Zu allererst, die Wiener Philharmoniker sind durchsetzt mit Gästen. Zum Teil sind auch Bühnenmusiker*innen der Wiener Staatsoper zu finden. Das führt dann dazu, dass im Orchester mehr Frauen zu finden sind, als im Neujahrskonzert oder in den Sommernachtskonzerten.
Dann eine kleine Sache. Die Aufführung rechtfertigt nicht den Preis von 30€. Andris Nelsons dirigiert das Werk eher brav und in langsamen bzw. zerdehnten Tempi. Auch wenn er die Lautstärke oftmals auskostet, fehlt doch noch ein wenig der doppelte Boden, der mit etwas mehr Tempo auch greifbarer geworden wäre. Das Herdengeläut (Kuhglocken) ist groß besetzt und sie tönen extremer als in manch anderer Aufführung. Die Holzbläser zeigen sich von ihrer besten Seite. Das Blech auch, bis am Anfang des fünften Satzes, da sind die Trompeten ein wenig asynchron. Man fragt sich, ob man die Tonspur nicht korrigieren konnte. Normalerweise werden doch mehrere Vorstellungen (plus Generalprobe) aufgezeichnet. Dafür, dass das Konzert drei Jahre nicht veröffentlicht worden ist, ist das ein wenig ärgerlich. Das Tenorhornsolo im ersten Satz gelingt einwandfrei. Im vierten Satz sind die Harfen, die Gitarre und die Mandoline besonders in Szene gesetzt und man hört die Absicht Mahlers. Der letzte Satz ist für die Schlagwerker, da sie ihre Fähigkeiten dort besonders zeigen können und da bleiben keine Wünsche offen. Nelsons gemütliche Art des Musizieren war auch im Sommernachtskonzert 2022 zu hören und sehen, 2024 im Sommernachtskonzert jedoch nicht. Dort zeigte sich Nelsons von seiner schnelleren Seite, die wie gesagt, auch der Mahler Sinfonie zu Gute gekommen wäre. Dass die hohen Stimmführer des Blechs der Wiener Philharmoniker verdoppelt werden, ist hinlänglich bekannt. Es ist bei den Hörnern auch anderswo zu finden. Jüngst las man von einem jungen Dirigenten, der an das Klangideal der vergangenen Zeit anknüpfen will, sprich mit vierfachen Holz auch schon bei Beethoven arbeitet. Karajan hat Mahler nicht oft dirigiert. Mahler zu verdoppelten macht auch wenig Sinn, da das Orchester sowieso schon riesig besetzt ist und würde im Goldenen Musiksaal in Wien nicht funktionieren. In dieser Aufnahme kommt die Bühne an ihre platzbedingten Grenzen und im Saal selbst wird es ohrenbetäubend laut gewesen sein. Es gibt bessere Aufnahmen der „7. Sinfonie“ von Mahler. Trotzdem: Es sind die Wiener Philharmoniker und die musikalische Güte ist sehr sehr hoch.