Elsa Dreisig - Invocation
Eine Reise durch den Gemischtwarenladen.
Es fängt an mit Musik aus Tschechien. Als erstes das „Lied an den Mond“ aus „Rusalka“. Elsa Dreisig intoniert sicher. Das „Orchestra dell‘Opera Carlo Felice Genova“ spielt allerdings ein wenig offensiv, der Beckenschlag am Ende ist fast immer maximal mezzoforte, hier wirkt er zu prominent.
Dass Elsa Dreisig sich Janáčeks „Jenufa“ angenommen hat, ist ein großer Verdienst, denn Janáčeks Musik erklingt einfach zu viel selten.
Bei „O Mio Babbino Caro“ weiß Massimo Zanetti wohl nicht um die Oper. Die „Niente-Rufe“ des Schicchi sind viel zu schnell. Dreisigs Stimme ist der Partie ein wenig entwachsen. Man nimmt ihr leider nicht mehr das sehr junge Mädchen ab. Das Album wechselt sehr schnell mit den Themen. Auf einmal gibt es Verdi und ein Gebet. Das „La vergine degli angeli“. Man hätte das besser vor dem „Ave Maria“ aus „Otello“ stellen können. Der Männerchor der „Opera Carlo Felice Genova“ hat jetzt seinen Auftritt. Das wirkt auch ein wenig hektisch und stellenweise zu sehr auf dem Effekt hinaus. Eine Stelle der Abkühlung und des Innehalten ist da die Einleitung zu „Casta Diva“. Der gesamte Chor kann auch ein Piano singen. Elsa Dreisig wird aber nicht Maria Callas den Rang streitig machen. Maria Callas hat diese Rolle gespürt und gelebt. Bei Elsa Dreisig klingt es zu sehr gewollt.
Nachdem der Hörer ein wenig italienisch lauschen durfte, wird es jetzt französisch. Gounods „Mireille“. Wandelbar ist Elsa Dreisig, aber das Springen wird schnell anstrengend, da die Pausen zwischen den Werken auch gering sind und das Atmen zwischendurch fehlt. Da hilft nur die Stopptaste, um das eine zu verarbeiten. Das Orchester ist hier der richtige Begleiter und die Musik von Gounod verdient es auch öfter gespielt zu werden.
Nordisch wird es mit der norwegischen Schauspielmusik zu „Peer Gynt“. Das „Solveig‘s Lied“ erklingt, welches sehr gut zu Elsa Dreisigs Stimme passt. Die Tempowahl ist allerdings ein wenig zu hinterfragen. Auf einmal ist da eine sehr lange Generalpause und die folgt noch zweimal mehr im Laufe des Stücks.
Dass die Aufnahme von 2024 ist, merkt man bei dem Auszug aus der dänischen Oper „Drot og Marsk“. Elsa Dreisig sang die kurze Arie im Adventskonzert der Staatskapelle Dresden 2025.
Dass ein Lied von Amy Beach erklingt, ist sehr lobenswert. Dass es sich dabei um Beach Op.21 handelt und dass nur von „Extase“ eine Orchesterfassung existiert, sagt leider das Booklet nicht.
Es gibt eine Weltersteinspielung aus der Oper „Anna di Resburgo“ von Carolina Uccelli. Im September 2024 hat es eine Aufführung der Oper gegeben. Der Auszug zeigt auf jeden Fall, dass die Musik hörenswert ist. Rossini ist der nächste Komponist in diesem Reigen. Auch da ist die Harfe wieder prominent im Einsatz. Wird sie doch auf manch einen Sängerrezital mit Orchester stiefmütterlich behandelt, hat hier der Spieler oder die Spielerin sehr viele Noten zu spielen gehabt.
Elsa Dreisig singt einen Auszug aus „Tannhäuser“. Die Musiksprache ändert sich schlagartig. Richard Wagner hat das Orchester, obwohl es nicht im Tutti spielt, sehr dicht komponiert. Die Textverständlichkeit ist hoch.
Es folgt ein weiterer großer Beitrag der französischen Oper. Der Beitrag aus „Sapho“ ist eher für den Mezzosopran. Auch da wieder, das Orchester präsentiert, was es kann.
Aus Bizets Kantate „Clovis et Clotilde“ erklingt ein Auszug. Die Kantate ist nahezu in Vergessenheit geraten und wird selten bis gar nicht in den deutschsprachigen Ländern aufgeführt.
Es folgt das berühmte, beliebte „Vissi d‘arte“, welches selbst mittelmäßig gesungen seine Wirkung nicht verliert, da Puccini das Werk so farbintensiv komponierte. Elsa Dreisigs Stimme passt für das Werk und man nimmt ihr die Tosca ab, die bei ihr etwas zerbrechlicher sein darf.
Das „Ave Maria“ aus „Otello“ folgt. Eine Kritik, man hätte ja auch die gesamte Szene einspielen können. Sie ist zwar eine Viertelstunde lang, aber dem Album wäre das zugänglicher gewesen. Die unterschiedlichsten Stilrichtungen, die unterschiedlichsten Orchesterbesetzungen in 80 Minuten, sind auf Dauer schwer zu folgen und der immer gleiche Ton, das lyrische, nachdenkliche wird schnell eintönig. Andere Rezitale, die ebenfalls viele Komponisten einfangen, die sind cleverer gestaltet. Da gibt es denn auch mal etwas aus „Candide“ oder „Porgy and Bess“ oder aus „Falstaff“.
Einen Bruch hat die CD allerdings, das letzte Werk kommt aus der komischen Oper „Martha“. Das „irische Lied“ ist allerdings romantisch statt komisch, aber trotzdem ist es neben „Mireille“ das heiterste Werk der CD.
Elsa Dreisig hat gezeigt, dass sie viele Facetten ihres Berufs kann und sogar richtige gute Leistungen bringt. Leider ist das Programm zu voll, zu unterschiedlich. Aber in allem eine Kaufempfehlung und man wird sehen, wie sich die Karriere nach der Mutterschaftspause entwickeln wird.