Für Humperdinck-Freunde und Liebhaber spätromantischer Musik ein Genuss
Was es von 1911/12 bis in die 20er Jahre des 20. Jhd. mit dem Bühnenwerk "Das Mirakel" (auch "Das Wunder") auf sich hatte, kann man seit Erscheinen vorliegender CD auf vielen Internetseiten nachlesen. Auch das Booklet bietet einen informativen Text, der erklärt, warum die dargebotene Musik eben so ist, wie sie ist. Aber man kann sich auch ohne Vorkenntnisse nähern und sich überraschen lassen, wie die anfängliche Orgelmusik und Litanei in Kirchenchorklänge übergeht, ein Kinderlied streift und schließlich in instrumentale romantische Orchestermusik gipfelt, die immer wieder verschiedene Melodiethemen verwebt, neu durchmischt und bearbeitet. Ein Großteil der Bühnenmusik hat etwas von einer Mischung von Symphonischer Dichtung und Filmmusik. Das umfangreiche Zwischenspiels dagegen ist eher einem Ballett ähnlich. Der Klang der CD ist sehr klar, manchmal aber fast zu gut, wenn man meint, das Rascheln der Notenblätter oder kraftvolle Drücken der Finger auf die Holzbläser zu vernehmen - kann aber auch meine Einbildung sein. Was man wissen muss: Die Handlung des Bühnenwerks erforderte auch das häufigere Ertönen eines Glöckchens. Das kann etwas nerven, da es m.E. nicht dezent genug erklingt. Qualitativ gibt hier aber das Orchester eine super niveauvolle Darbietung. Der Dirigent nimmt das Stück mit all seinem Kitsch ernst, denn es ist schöner, guter Kitsch und kein wichtigtuerisch verkopftes Werk. Hier ertönt die Erstfassung von 1911 und wenn ich das Booklet richtig verstanden habe, wurde "Das Mirakel" in den Folgejahren - auch musikalisch - noch ausgebaut. Hat man sich in die CD erstmal reingehört, macht sie neugierig auf die noch fehlenden Teile, die Humperdinck für "Das Mirakel" komponiert hat. Vielleicht werden sie ja noch "nachgereicht".