Bemerkenswertes Projekt mit Einschränkungen
Viotti ist ebenso wie Kreutzer, Rode, Berio und auch Spohr ein wichtiger Vertreter für die Entwicklung des Violinkonzerts im 19. Jahrhundert. Bis auf das ausgezeichnete Konzert Nr. 22, dass sich im Konzertsaal und auf dem Tonträgermarkt etablieren konnte, sind alle anderen Konzerte nahezu in Vergessenheit geraten, obwohl sie schön anzuhören, in weiten Teilen gehaltvoll und oft auch technisch anspruchsvoll sind. Deshalb ist es sehr verdienstvoll, dass Dynamic die gesamten Konzerte in einer Neuauflage dem Musikliebhaber wieder zugänglich macht. Die Aufnahmen sind über einen Zeitraum von zehn Jahren mit dem gleichen Solisten und unterschiedlichen Orchestern aufgenommen worden. Es bleibt festzuhalten, dass der Solist durchweg eine technisch und musikalisch einwandfreie Leistung erbringt und auch die Leistungen der Klangkörper als durchaus solide einzuordnen sind. Trotzdem sind die Orchester mEn noch ein gutes Stück vom heute gewohnten Qualitätsstandard entsprechender Spitzenorchester, vor allen Dingen was die stilistische Interpretationsleistung und die spieltechnische Präzision anbetrifft entfernt, von einer historisch informierten Spielpraxis ganz zu schweigen. Das Hauptproblem dieser Einspielung liegt aber in einer in meinen Augen unzureichenden bis indiskutablen Klangqualität einiger Aufnahmen, die den vollen Genuss dieser Musik doch streckenweise deutlich beeinträchtigen. Was bleibt, ist ein tolles, ambitioniertes und für den Musikfreund wichtiges Projekt. Wer bereit ist, in Teilen Abstriche beim Klang zu machen und sich dafür auf die durchaus respektablen Leistungen von Solist und Klangkörper zu konzentrieren, dem kann die Box dennoch empfohlen werden, auch im Hinblick auf die rare Viottirezeption.