Zarras: Mieser Strudel (ohne Sahne), Kartoniert / Broschiert
Mieser Strudel (ohne Sahne)
- Publisher:
- Suspense Verlag, 06/2026
- Binding:
- Kartoniert / Broschiert
- Language:
- Deutsch
- ISBN-13:
- 9783910463745
- Item number:
- 12782884
- Volume:
- 360 Pages
- Edition number:
- 26001
- Ausgabe:
- 1. Auflage
- Weight:
- 399 g
- Format:
- 190 x 125 mm
- Thickness:
- 25 mm
- Release date:
- 18.6.2026
Blurb
'He, Alex!' 'Jim?' 'Ich halt das hier nicht aus, Alex!' 'Jäh', murrt Alex und starrt schwitzend durch das aufgeheizte Fensterglas eines Büros, das sich im ersten Stock eines in einer abgelegenen Wüste von Nevada stehenden Gebäudekomplexes befindet. Durch die schwarzen Gläser von Alex' Sonnenbrille schweift ein verdunkelt düsterer Blick über die flirrend heiße Gerölllandschaft hinter der Scheibe. Tief versunken starrt er auf eine Landschaft voll Schatten werfender Steine, weitflächig gelb-ockerbraunen Sand, verstepptes Gelände, verdorrte Kakteen, verrostete Limousinen, vergessene Pick-up-Trucks, geplatzte und verschmorte Autoreifen und vereinzelt herumliegende Skelette von liegengebliebenen Rindern oder verendeten Kojoten. Weit im Hintergrund - auf einem großflächigen Plateau einer Anhöhe - ein rundum mit dichtem Stacheldraht umzäuntes Gelände. An den Zäunen überall gelbe Tafeln mit schwarzem Totenkopf und dem Zeichen für Radioaktivität. Inmitten des umzäunten Geländes liegen die rußigen Überreste eines vermutlich ehemals intakten Dorfes nach Zündung einer Bombe, samt verkohltem Kirchturm, gegrillten Sendemasten, flächendeckend schwarzen Ruinen und abgebrannten Grundmauern. Eine erbarmungslose Mittagssonne am wolkenlosen Himmel knallt durch das geschlossene Fenster des Büros wie ein aggressives Spiegelei und verwandelt den Raum dahinter in ein drückend heißes Sauna-Biotop. Die Luft steht im Raum wie eine überheizte Molekülsuppe. 'Wieso haben diese Idioten hier eigentlich keine Klimaanlage eingebaut?', ruft Jim genervt von hinten. 'Weil die Planungsunterlagen für den Einbau geheim gehalten wurden ...', murrt Alex vorne am Fenster. 'Die Handwerker wussten nicht, was sie wo einbauen sollten. Deswegen.' 'Und wieso haben diese verdammten Idioten keine Griffe zum Öffnen der Fenster angebracht?' 'Weil Klimaanlagen nur bei geschlossenen Fenstern funktionieren, Jim. Außerdem ist es draußen heißer als drinnen. Hier haben wir wenigstens noch Abluft. Ein offenes Fenster wäre Schwachsinn.' 'Fuck!', stöhnt Jim, wischt triefenden Schweiß von seinem massigen Bulldoggen-Schädel und schiebt seine tropfende Sonnenbrille zurecht. Alex dreht sich vom Fenster weg, schlurft erschöpft hinüber zum Schreibtisch und lässt sich Jim gegenüber kraftlos auf einen Drehsessel fallen. Schweigend starrt er durch die schwarzen Gläser seiner Brille in die ebenso verdunkelten Augen Jims, und ein scheppernder Tischventilator bläst einen heißen Luftstrom zwischen zwei Gesichtszüge voll schweißtreibender Ausdruckslosigkeit. 'Wieso ausgerechnet wir?', ruft Jim irgendwann. 'Wieso ausgerechnet hier? Wieso wir? Ausgerechnet hier?' 'Zusammenfassend ...', raunt Alex, '... könnte man sagen: Weil wir Fehler gemacht haben - Jim. Beziehungsweise: du!' Jim sagt nichts. 'Oder um es mit einer Frage zu versuchen ...', rollt Alex an. 'Wieso musst du eigentlich immer gleich schießen und doch nicht treffen? Gibt es da Zusammenhänge? Erklärungen? Einsichten? Erkenntnisse?' 'Weil ich erst mal nur ein Zeichen setzen will, Alex! Das schafft Eindruck und spart Verletzte - hab ich jedenfalls so gelernt ...' 'Jäh', raunt Alex. 'Und mitten im Zeichensetzen vergisst du dann, wo du es eigentlich anbringen wolltest, dein Zeichen. Ich weiß. Deswegen auch die zerschossenen Eiswaffeln, die panisch kreischenden Kinder und die wild auf uns einprügelnden Mutter-Zombies! Zeichen? Pfff!' 'Was muss dieser verfluchte Araber auch mitten in Chicago als dämlicher Eisverkäufer rumlaufen? Macht man so was als verdammter Araber?', empört sich Jim. 'Vladimir Rostock war Russe, Jim ...', wirft Alex tonlos ein. 'Na und? Russen, Araber, Froschfresser, Pizzabäcker, Kraut-Kartoffeln oder links fahrender Haferschleim! Eh alles ein Pack da drüben!' 'du bist ein verdammter Rassist!', winkt Alex ab. 'Ich bin kein verdammter Rassist!', empört sich Jim. 'Rassist ist, wer die einen besser findet als die anderen. Wenn aber alle gleich scheiße sind, kann man kein Rassist sein.' 'Wir also auch scheiße?' 'Natürlich nicht, Alex! Amerika ist da die Ausnahme!' 'Verstehe', atmet Alex aus und gähnt ausgiebig. Schwer und aufgedunsen senkt sich sein nasser Kopf zur Seite und stützt sich behutsam auf die rechte Hand seines abgewinkelten Unterarms. Langes Schweigen breitet sich gleichsam träge aus wie der verbrauchte Dunst im Büro, und nach einiger Zeit ist auch ein leises Schnarchen zu hören. Ein Traum wabert wie heißer Nebel durch einen Kopf. Ein schwelender Traum von Wüste, sengender Hitze und bedrohlichem Sauerstoffmangel. Eine rettende Gasmaske schwebt durch die Luft, doch bevor Alex sie schnappen kann, trötet es plötzlich laut und blechern aus einem Lautsprecher. Ein Lautsprecher, der an einem dünnen Draht befestigt zwischen Alex und Jim über dem Schreibtisch hängt wie der verlassene Fahrkorb eines steckengebliebenen Sessellifts. Alex schreckt aus seinem Traum hoch, wo gerade eine bedrohliche Riesenechse auf ihn zu kroch, um ihm die aufgesetzte Gasmaske brutal vom Gesicht zu reißen, doch im nächsten Moment wie ein aufgeblasener Reptil-Luftballon trötend zerplatzte. Benommen benebelt quält sich Alex in Normalhaltung. Angestrengtes Durchatmen. Sammeln. Nach einem weiteren Tröten drückt er schließlich angewidert auf einen roten Knopf in der Mitte des Schreibtischs. Ein dicker und rot blinkender Knopf, der inmitten von leeren Pommes-Schachteln, bekritzelten Zetteln, zerknautschten Spielkarten und einer umgekippten Whiskeyflasche herausragt wie eine befremdliche und Unheil verkündende Leuchtboje. 'Hello Captain! Wie geht es so?', ruft Alex bemüht, dippt lustlos mit dem Zeigefinger gegen den Lautsprecher und fixiert danach missmutig den über sich hin und her schwingenden Fahrkorb eines steckengebliebenen Sessellifts. 'Ganz gut, Alex', kräht es mittig aus der baumelnden Membran. 'Wie geht es Ihnen, Alex?' 'Wir arbeiten dran, Captain.' 'Sehr schön, Alex!', krächzt es schwingend. 'Arbeiten ist immer gut! Und schafft was!' Pause. 'Alex: Ich will mich ja nicht lange aufhalten und im selben Zusammenhang nur mal so fragen: Was macht eigentlich dieser - Ihnen hoffentlich bekannte - Aktenstapel auf Ihrem Schreibtisch? Sollte sich da wohl was bewegt haben? Wäre es sogar möglich, dass sich schier Unbewältigtes in verheißungsvoll Erfülltes verwandelt haben könnte? Werden Sie mich mit einer Antwort glücklich machen? Alex? Oder wird diese Antwort enttäuschend ausfallen? Was ist das Sein? Alex?' Alex wirft einen verächtlichen Blick auf die Akten am Ende des Schreibtischs. Ein großer Berg voll wild und lieblos übereinandergeschichteter und mit schwitzendem Agentendunst durchnässter Feuchtlappen, zusammengehefteter Schmierpapiere, zerfledderter Deckpappen und unstrukturierter Stapelversuche. 'Wir arbeiten dran, Captain!', sagt Alex kopfschüttelnd. 'Sehr gut, Alex! Arbeiten ist immer gut! Und schafft was! Zudem befinden wir uns hier auch mitten in der Wüste, und da sollte man gewisse Dinge ab und zu mal umschichten, damit sich keine feuchten Stellen bilden oder gar Schimmel vom vielen Schweiß unserer ständig so hart arbeitenden Angestellten! Finden Sie nicht auch? Alex?' Alex nickt angestrengt. 'Klingt einleuchtend, Captain!' 'Sehr schön, Alex! Einleuchtung ist Erkenntnis - Erkenntnis ist Arbeit - Arbeit schafft was! So einfach! So schön!' Pause. 'Aber eigentlich wollte ich was anderes sagen, Alex: Vergessen Sie die Akten!' Alex runzelt die Stirn. 'Versteh ich nicht, Captain.' 'Sie wollten doch raus aus Ihren vier Wänden! Stimmt's? Wo Sie es doch Ihren Worten nach kaum noch aushalten! Richtig? Haben Sie doch eben noch gesagt! Oder?', fragt es knarzend. Alex starrt entgeistert zu Jim rüber, der sich achselzuckend am Kopf kratzt. 'Woher wissen Sie das, Captain?', fragt Alex den Lautsprecher. 'Weil Sie abgehört werden, Alex! Wie jeder, der in unserem Zoo hier arbeitet! Und das ist auch gut so! Ich mein: Bei den vielen Sachen, die hier ständig unterwegs sind, muss man doch laufend seine Ohren reinhalten, sonst verliert man schnell den Überblick. Verstehen Sie das? Alex?' 'Klingt einleuchtend, Captain.' 'So ist das, Alex! So einleuchtend! So einfach! So schön!' Pause. Unheilvolles Knirschen in der Membran. Dann: 'Alex: Ich habe einen Auftrag für Sie. Einen richtigen Auftrag. Nur für Sie. Können Sie sich das vorstellen? Alex? Kann das möglich sein? Ist das wie Geburtstag und Weihnachten gleichzeitig? Hochzeit und Taufe? Leben und Tod? Alex und Jim? Alex?' 'Ein Auftrag?', fragt Alex ungläubig, während sich bei Jim gegenüber die Miene erhellt. 'Ja, Alex! Ein Auftrag! In Übersee sogar! Und nur für Sie! Sämtliche anderen Idioten sind nämlich gerade verhindert, im Urlaub, in Rente oder wegen zu hoher Sterblichkeit aus dem Amt geschieden. Somit erübrigt sich auch die Frage nach brauchbaren Alternativen, womit wir schon wieder bei Ihnen sind - Alex.' Pause. Tiefes und knisterndes Durchatmen. 'Ein Auftrag übrigens - mein lieber Alex -, für den ich sogar die volle Verantwortung übernehmen werde samt den Folgen Ihres vorhersehbaren und kläglichen Scheiterns auf allen Ebenen. Ist das nicht nett von mir? Ist das nicht wunderbar? Ist das nicht ein überaus tiefes Danke wert? Alex?' 'Danke, Captain', murmelt Alex andächtig. 'Und wissen Sie, warum ich das tue, Alex? Glauben Sie etwa, weil ich Sie mag? Könnte es wirklich so weit gehen? Leiden Sie tatsächlich unter der Vorstellung, Sie würden mir auch nur ansatzweise so viel bedeuten wie mein Auto in der Garage? Mein Hund zuhause? Meine Frau in der Küche? Glauben Sie das tatsächlich? Alex?' 'Ich weiß nicht, Captain ...' 'Ich sage es Ihnen, Alex: Es hat damit zu tun, dass ich morgen im Urlaub bin! Und nach dem Urlaub im Ruhestand! Und nach dem Ruhestand irgendwann erlöst und befreit unter ewigem Humus. Urlaub mit Rente, Eier kraulen, Nudel rubbeln, am Ende freudig ins Erdreich gewechselt und mich keinen Dreck mehr drum geschert, was in diesem kranken Affenstall hier noch länger ... - ich schweife aus, Alex!' Pause. 'Was ich eigentlich sagen wollte: Ich freue mich ja so, Sie mit diesem Auftrag belasten zu dürfen. Was für ein wundervolles Abschiedsgeschenk für die vielen Jahre eines gänzlich unerträglichen Beisammenseins! Sollte man dafür nicht noch mal Danke sagen? Alex?' 'Danke, Captain.' 'Keine Ursache, Alex.' 'Und was ist das für ein Auftrag, Captain?' 'Hahaha', lacht es meckernd aus dem Lautsprecher. 'Alex: Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ich hier - wo jeder Idiot seine Ohren reinhalten kann - Details über Ihren Auftrag verraten werde? Für wen arbeiten Sie eigentlich? Alex?' 'Klingt einleuchtend, Captain.' 'Sehen Sie, Alex: So einfach! So schön! So einleuchtend! Aber eines kann ich Ihnen verraten, Alex: Kontakt!' 'Kontakt?' 'Ja, Alex. Kontakt.'
Notes:
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