Die Akte Vaterland
Gereon Rath muss einen mysteriösen Mordfall klären. Ein Mann ist in einem Aufzug im Haus Vaterland, dem Vergnügungstempel Berlins, ermordet worden. Tod durch Ertrinken lautet das Ergebnis nach den Untersuchungen. Bei dem Toten handelt es sich um den Schnapslieferanten Herbert Lamkau. Kommissar Rath verfolgt die Spuren und seine Ermittlungen führen ihn nach Treuburg, Ostpreußen. Hier hat er es anfänglich sehr schwer, da die Leute ihm gegenüber eher skeptisch sind. Der Kriminalassistent Kowalski und der Dorflehrer Ramsauer sind ihm wichtige Vertraute. Er erfährt mehr über das Jahr 1924, in dem nicht nur Lamkau sondern drei weitere ehemalige Mitarbeiter der Kornbrennerei Mathée aus Treuburg verschwunden sind. Alle vier Männer wurden auf diesselbe Art und Weise umgebracht: Ihnen wurde mit einer Injektionsspritze Tubocurarin gespritzt, ein rotes Tuch über das Gesicht gelegt und Wasser eingeflöst. Dieses Tubocurarin führt den Kommissar auf eine Spur in den Wald zu Arthur Radlewski, auch der Kaubuk genannt. Ist Arthur Radlewski wirklich der Mörder der vier Männer, weil er seine Mutter rächen will, die durch zu viel Schnaps den Tod fand?
Der Geschäftsführer der Kornbrennerei Mathée, Gustav Wengler, scheint der einflussreichste Mann in Treuburg zu sein. Er nutzt den Tod seiner Braut, Anna von Mathée, die 1920 am Abstimmungstag, an dem über die Zugehörigkeit Treuburgs zu Preußen oder zu Polen abgestimmt wurde, um den Hass der Bürger gegen die Polen zu verstärken. Treuburg entschied sich für Preußen, nur zwei Bürger stimmten für Polen. Nach und nach erfährt Kommissar Rath mehr über den Tod von Anna von Mathée und findet heraus, wer für die vier Morde sowie den Mord an Anna von Mathée verantwortlich ist. Zum Ende des Buches klärt er sogar noch einen weiteren Fall auf, den er wegen der Akte Vaterland abgeben musste.
Charly Ritter ist jetzt seine Verlobte. Nachdem sie aus Paris zurück ist, nimmt sie nach einigem Zögern seinen Heiratsantrag an. Die Verlobung wird aber vorerst noch geheim gehalten. Denn Charly wird an die Mordkommission, Akte Vaterland, ausgeliehen. Sie wird in das Haus Vaterland als Küchenhilfe eingeschleust und deckt zwar nicht den Mordfall aber andere Unregelmäßigkeiten auf.
Während Rath in Ostpreußen ist, tut sich auch politisch einiges. Die gesamte Polizeispitze wird abgesetzt und die SA und die Nazis übernehmen mehr und mehr die Kontrolle. Für mich ist es aus heutiger Sicht unverständlich, wie sich der Polizeiapparat nicht gegen die Absetzung der kompletten Polizeispitze gewehrt hat.
Das Buch hat mich von Beginn an gefesselt. Ich hatte während des Lesens immer wieder andere Täter im Verdacht, doch die Lösung des Mordfalls lässt bis auf die letzten 100 Seiten auf sich warten. Die Handlung war für mich auch ohne dass ich die drei Vorgängerbücher gelesen habe gut nachzuvollziehen. Der Autor schreibt flüssig, spannend und nimmt den Leser auf eine Entdeckungsreise der Ermittlungen mit. Ich konnte das Buch ab der Hälfte nicht mehr aus der Hand legen. Auch das Cover, in schwarz-weiß gehalten, passt zum Inhalt: Der Vergnügungstempel, das Haus Vaterland, bei Nacht, hell beleuchet. Ein tolles Buch - die Vorgängerbücher habe ich mir bereits bestellt :-)