All that time, I sat alone in my tower, you were just honing your powers, now I can see it all ...
The Romance Rivalry von Susan Lee
Huhu Bookies, Buchmenschen und solche, die einfach nur ab und an gerne mal ein Buch lesen. Ich glaube, ich habe schon einige Diskussionen so angefangen, und mache heute trotzdem nochmal genauso den Anfang: Ich LIEBE Romance Bücher. Tjaja. Man darf mich gerne einfangen mit Romancetropes wie Enemies to Lovers, Rivals to Lovers oder Friends to Lovers, darf mir One Bed oder Forced Proximity geben, solange die Fated Mates am Ende ihr Happily Ever After. Es darf eine Cosy Romance sein, sogar eine Bad Romance, gerne auch mit Spice in gesunden Maß. Als New Adult, oder meinetwegen auch Young Adult. Ja, ich weiß, nicht alle verstehen, was ich hier gerade erzähle. Tropes? Was soll das sein?! Die Bookbubble, diese große Community in den sozialen Medien, wird jedes Wort verstehen, aber hey……. Es gibt ja auch noch eine Lesewelt außerhalb in der Realität. DA, wo man dem Romancegenre auch eher skeptisch gegenübertritt, es als Schund verurteilt, und als „Nichtliteratur“. Don’t blame me: Ich lese trotzdem schon mein ganzes Leben. Auch andere Geschichten. Aber total prägend immer Fantasy und Romance. Bin ich deswegen eine schlechte Leserin? Man kann sich schlecht selbst beurteilen. Und trotzdem ist es im Heute schon fast normal geworden, beurteilt und verurteilt zu werden, für das, was man als Buchrezensentin und -rezensent beurteilt. Verrückt :D. Und trotzdem geht es in folgender Geschichte auch ein klein wenig genau um das. Bücher beurteilen, das Urteil über einen selbst von außerhalb und wie andere uns sehen, während wir selbst uns anders sehen. Hier also mehr zum Buch.
Was das Buch uns erzählt:
Irene ist Buchbloggerin in den sozialen Medien für das Romance Genre und das ziemlich erfolgreich. Romance ist, und Romancebücher sind quasi ihr Leben. Als sie nach dem Schulabschluss ein Studium anfängt, begegnet ihr an der Uni zufällig Aiden, ihr großer Rivale im Bookuniversum. Aiden bloggt auch, ebenfalls über Romance, sehr erfolgreich, und meist über dieselben Bücher wie Irene. So gibt es für die Beiden nicht nur auf Social Media eine Rivalität, da Irene auch in der Realität skeptisch gegenüber Aiden ist. Als es für die beiden um eine große Werbekooperation, beschließen sie eine Challenge: Jeden Romance-Trope den sie kennen in der Realität in einem Date verwirklichen. Ein Wettkampf, der eigentlich über die gegenseitige Rivalität entscheiden sollte, die Beiden über die Geschichte hinweg aber immer näher zueinander bringt.
Titel und Cover:
Das Cover liebe ich ja schon mal sehr, weil Menschen drauf sind, und ich natürlich Menschen auf Covern total liebe. Aber hier kommt noch etwas dazu: Sie haben Bücher in der Hand! Jawohl. Schon allein das ist ja ein guter Grund, das Cover mega zu finden. Der Titel drückt dann auch genau das aus, was man im Buch bekommt: Romance und Rivalität. Wie das zusammenpasst? Na wunderbar. Rivals to Lovers, ihr wisst schon. Auf jeden Fall mag ich, wie Aiden und Irene sich hinter Büchern dann doch irgendwie auf dem Cover anschmachten, und man es wohl früher merkt als die Beiden selbst.
Gedanken und Fazit zum Buch:
Die ganze Geschichte ist wie ein Lexikon der Buchtropes, speziell im Romance Genre, wo diese eben am häufigsten vorkommen. Quasi, wie ein Reiseführer für deine eigene Buchtrope-Reise. Aber es ist auch eine unterschwellige Message, das Leben und die Liebe nicht immer einzuordnen und in eine Trope Schublade zu quetschen, sondern einfach …. Zu leben und zu lieben. Ich mag, dass Beides gleichzeitig im Roman existiert -> Trope Liebe und wahre Liebe, sich selbst nicht in einer Buchfantasie zu verlieren, so dass einem das wahre Leben mit einer Liebe entgeht, oder eben entgehen könnte.
Was erwähnt werden muss, weil es ein Bestandteil der Geschichte ist, ist die richtig schöne Gestaltung, und zwar, dass jedes Kapitel eine Rezension sowohl von Aiden als auch Irene zum selben Buch als Überschrift hatte, in der sozusagen der Trope beschrieben wurde, mit dem sich das Kapitel selbst auseinandersetzt, der aber auch in den gelesenen Büchern der Beiden vorkommt. Buchtrope vs. Wirklichkeit sozusagen, aber als Stilelement für Buchliebhaber unheimlich schön, weil man sich selbst darin erkennt. Besonders, wenn man schon ganz lange Buchrezensionen schreibt. Das Ganze ist eben der ultimative Trope-Führer. Und unweigerlich fragt man sich bei jeder der Rezensionen, die an den Anfängen der Kapitel im Buch erscheinen, ob man diese Geschichte und dieses Buch gleich oder anders bewertet hätte. Ob man das Buch gemocht hätte und ob man im langen Leben eines Buch – und Lesemenschen, der man nun mal ist, schon mal jene oder eine andere Geschichte gelesen hat, die den Rezensionstexten gleicht. Kopfkino für Buchbloggende eben, oder einfach auch Bookies ….. oder solche die es erst noch werden wollen. Als gestaltendes Element finde ich die Rezensionsausschnitte toll. Sie geben uns Eindrücke von Büchern, die wir leider nicht kennen, aber als Romanceliebhaberinnen sicherlich schon mal in irgendeinem Buch und einer Geschichte so oder ähnlich gelesen haben. Auch dass man den direkten Rezensionsvergleich zwischen Irene und Aiden hat, mag ich sehr. Und dass der zugehörige Trope quasi immer auch die Überschrift des Kapitels ist? Finde ich ebenfalls sehr schön.
Wer übrigens weder mit den Worten klarkommt, die ich hier in dieser Rezension benutze (weil ich eben eine Romanceleserin bin), und nicht mit den Worten im Buch, dem sei gesagt ….. es gibt ein Romance-Glossar, eine Übersicht über die wichtigsten Begriffe des Romance Genres. Und damit kann dann auch keiner mehr sagen „Moah ….. da kamen nur komische Fremdwörter vor, und ich habe kaum was verstanden.“. Schon der Prolog kommt daher, und wirft mit Romance Ausdrücken um sich, was ich als Romance Liebhaberin einfach nur genial finde. Man fühlt sich sofort den Charakteren zugehörig, mit ihnen verbunden, und so als würde man dazugehören. Zu Buchcharakteren. Jaaaa, ich weiß, hört sich merkwürdig an, ist es aber gar nicht mal. Man fühlt sich zum Beispiel gleich mit Irene verbunden, und denkt sich "Ja, ich wäre jetzt auch lieber zu Hause um mein Buch zu lesen, als mit diesen "Nichtbuchmenschen" meine Freizeit zu verbringen."
Deshalb liebe ich, dass ich Irene so gut nachvollziehen und verstehen kann. Nicht nur als lesender Mensch, sondern auch als Jemand, der selbst einen, wenn auch seeeeehr viel kleineren, Buchblog auf bookstagram betreibt. Da sind ihre Ängste, ihre Sorgen und der Druck, der auf ihr lastet. Im Leben, aber auch online als Buchbloggerin. Der Einblick, den man in ein Bloggerleben mit einer Followerschaft über eine Million Menschen hat, ist spannend, zeigt aber auch auf, wie viel Zeit durch Social-Media „gefressen“ wird und im realen Leben fehlt. Ich mag, dass dieser Aspekt behandelt wurde im Buch. Dass die Thematik zeigt, dass das Leben eines Buchbloggenden nicht nur „Ach du sitzt also nur vorm Computer oder deinem Handy rum, und machst nichts Sinnvolles für dein Leben“ ist. Dass es wirkliche Auswirkungen hat, nicht nur auf die Zeit, sondern auch darauf, wie es uns geht, und dass es uns ganz schön unter Druck setzen kann. Dass wir uns unvollständig fühlen, nicht gut genug, und ständig vergleichen mit anderen, denken, dass alle besser sind, als man selbst, und manchmal nicht glauben können, dass Menschen uns wirklich folgen, weil sie uns und unsere Inhalte mögen. Die Dosis macht eben immer noch das Gift, und zu viel von etwas, auch in den sozialen Metzwerken, kann wirklich wie Gift in unser Leben und unsere Emotionen fließen. Irene als Charakter ist spannend im Sinne davon, dass sie einem sehr nahe ist. Zumindest ich finde das. Man kann sie nachvollziehen, ihre Gedanken und ihre Struggle, ihr mangelndes Selbstbewusstsein, das doch manchmal durchscheint. Aber auch ihre Emotionen, Ängste und die Vorliebe, einfach ein Buchmensch zu sein. Gerade anfangs, habe ich mich ein wenig selbst erkannt, wenn Menschen einen anblicken like „Was hat die für ein Problem, dass sie immer nur Bücher liest?“.
Aiden ist für mich das perfekt gemischte Zusammenspiel von Vernunft und Verstand, aber auch von Sinn und Sinnlichkeit, oder Verstand und Gefühl? Was ich eigentlich sagen will: Er denkt mit, ohne zu gefühllos und zu pragmatisch zu erscheinen. Ich nehme ihm sowohl den Verstand ab, als auch die Sehnsucht seiner Emotionen. Und ja, manchmal ist er so grünflaggig, dass ich ihn nur applaudieren konnte. Aber vor allem schafft er es, als Hauptprotagonist, mich zum großen Teil (auch wenn nicht ganz dauerhaft und immer zu 100%) in seine Gefühlswelt mitzunehmen. Man hat bis lang vor Schluss keine Einsicht in seine Gedankenwelt, und trotzdem … erkennt man diese Sehnsucht nach Irene, das Yearning sozusagen, das nicht nur zuckersüß ist, sondern so sehr alles überstrahlt, dass ich von Anfang an dachte „Ja man! He falls first and harder, und ich bilde es mir nicht nur ein, der Beweis kommt ganz sicher im Buch noch“. Ich sag nur … Yearning ist halt really back :D.
Zum Schreibstil? Den mag ich sehr. Er ist frisch, humorig, einfach leicht, mit ganz Anspielungen auf das Buchleben in der Bookbubble der sozialen Medien und an das Romance Genre allgemein. Mir hat das sehr gut gefallen, aber es gibt sicher auch einige denen das zu viel sein könnte, oder die nicht alle Ausdrücke so verstehen. Bei mir hinterlässt es einfach ein Lächeln auf meinem Gesicht, und eben die Buch-Verbundenheit zu Allem. Ich mag, dass damit so selbstverständlich umgegangen wird, weil es eben nochmal hervorhebt, dass Irene und Aiden sozusagen in ihrem eigenen Bookuniversum leben, und das gemeinsam und verbunden.
Das Buch als Gesamtgeschichte ist EIGENTLICH richtig süß. Wieso eigentlich? Wie ist das gemeint? Es gab wirklich Stellen, die fand ich wundervoll und wunderschön. Stellen wo ich den Romance Vibe zwischen Irene und Aiden richtig gespürt habe. Quasi kleine einzelne Stellen zwischendrin, die ich großartig geschrieben für eine Romancegeschichte fand. Dann waren da aber trotzdem auch immer noch diese Lücken, die sich leider nicht geschlossen haben, deren Gesamtheit ich aber gebraucht hätte, damit die Geschichte für mich komplett rund gewesen wäre. Das ist jetzt tatsächlich gar keine Riesenkritik. Im Großen und Ganzen hat mir die Geschichte sehr gut gefallen, und ein gutes Gefühl in mir hinterlassen. Ich habe gemocht wie die Tropes eingeflochten wurden, und dass man das ganze Buch über dieses Sehnsüchtige von Aidens Seite gespürt hat, trotz der für mich zu wenigen Seiten. Aiden ist für mich eine Green Flag. Vielleicht in einzelnen Teilen nicht zu 100%, ABER …… wir Menschen sind ja auch nie zu 100% perfekt.
Allgemein mag ich die Geschichte und die Idee mit der Trope-Challenge, und dass das Buch so damit umgeht, der Welt zu zeigen, dass Bookfluencerinnen und Bookfluencer auch unter einem gewissen Druck stehen. Das Ganze ist ein guter Spiegel dessen, was momentan so auf Bookstagram abgeht. Die die das kennen, erkennen sich eventuell wieder, und die nicht in den sozialen Medien sind bekommen eine kleine Einsicht, dass alles nicht soooo einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Druck, Bewertungen, Das „Ich muss besser sein“ Denken, oder auch „Ich bin nicht gut genug“. Bei Irene ist das Ganze nochmal mehr durch ihre erfolgreichen Geschwister. Die identifiziert ihr eigenes Selbst mit dem Erfolg ihres Accounts. Auch wenn mein Buchblog, wie erwähnt, sehr viel kleiner ist, kann ich Dinge trotzdem nachvollziehen, mag Irenes Familie um Eltern und Geschwister, und ihre später an der Uni geschlossenen Freundschaften, die fast wie Familie sind. Sie sind dann wirklich so sympathisch, dass man sich selbst fallen lassen kann. Ich liebe die Erwähnung und das Gemisch aus Alphas, Spice und Romance Tropes. Verständlich? Definitiv! :D. Für dieses emotionale Gefühlswirrwar leben Romancemenschen. Die Geschichte bringt viel Spaß, weil sie locker geschrieben ist, aber auch ernste Untertöne und Gefühle im Text unter. Eben genau so, wie es auch in der Realität für Romanceliebhaber/innen und allgemein alle Menschen ist, und sein sollte.
Und eine Lovestory? Ich sag nur so viel: Tatsächlich konnte ich den Vibe zwischen Irene und Aiden fühlen und diese knisternde Atmosphäre war auch ab und an da. Auch wenn ich sagen muss, dass man das meiner Meinung nach ruhig noch hätte etwas ausschmücken können, oder man uns früher in Aidens Gedankenwelt hätte schicken können. Dafür hätte ich auch ein paar mehr Seiten des Buches in Kauf genommen. ABER ……….. das ist persönlicher Geschmack, und ich weiß, dass manche langes Herumgefasel der Gefühlswelten nicht so mögen, ich es aber eben tue :D. Das ist also keine Kritik am Buch, sondern persönlicher Geschmack.
Bekommt man sein Happy end? Findet es selbst heraus. Das Buch hat mich unterhalten, mich gut abgelenkt und auch die Romancegeschichte fand ich stimmig. WENN eben nicht diese kleinen Lücken gewesen wären, von denen ich gerne erfahren hätte, die aber ausgeglichen werden konnten von einzelnen kleinen Szenerien, die eine Wohlfühlatmosphäre beim Lesen entstehen ließen, und wo man die Tension auch wirklich richtig gefühlt hat.
Kleiner Lesemensch-Bonus sind die ganzen Anspielungen auf Bücher der Literatur außerhalb des Romance Genres, aber auch auf Klassiker. Ich meine Stolz und Vorurteil? Ich BIN Pemberley. Wer das nicht versteht: Sofort nachgoogeln :P. Was ich ebenso mag ist, dass im Zuge eines Uni Projektes erwähnt wird, dass man Geschichten in Büchern vergleichen soll, und ich finde durchaus, Romance Rivalry HAT ein paar Züge von Stolz und Vorurteil. Also zumindest von Vorurteilen. Aber auch hier macht die Geschichte einen Schritt abseits den Romance –Weges und hin zu anderen Geschichten, und der Erkenntnis, dass sie sich oftmals ähneln und Schubladen in die man gesteckt wird, nie toll sind. Weder als Mensch, noch als Buch mit einem bestimmten Genre oder Trope.
Heutiges Rezensionslied: Weil eine Romance ja nicht nur gut, sondern auch bad sein kann, man sie aber trotzdem lieben muss, weil sie Emotionen in uns Menschen hervorbringt :):
„I want your loving, all your love is revenge. You and me could write a bad romance.“