Ein Roman mit Tiefgang
In Und alles zerbricht geht es um Mila, die eigentlich ein perfektes Leben führt. Sie lebt mit ihren Eltern in Berlin in einem schönen Zuhause, ihre beste Freundin Juno wohnt direkt nebenan und alles scheint genau so zu sein, wie man es sich wünscht. Doch dann bekommt ihre Mutter ein Jobangebot und die Familie muss für zwei Jahre wegziehen. Für Mila bricht damit ihre ganze Welt auseinander.
Plötzlich ist nichts mehr wie vorher. Sie verliert ihr gewohntes Umfeld, ihre beste Freundin und das Gefühl von Sicherheit. In dieser Zeit beginnt Mila, Halt im Essen zu suchen – etwas, das sie kontrollieren kann, wenn sonst alles ins Wanken gerät. Schritt für Schritt entwickelt sich daraus eine Essstörung, die ihr Leben immer mehr bestimmt. Schließlich landet sie in einer Klinik, wo sie auf Nicolas trifft, der ebenfalls seine eigene Geschichte mit sich trägt.
Was dieses Buch besonders stark macht, ist die Art, wie diese Entwicklung dargestellt wird. Es passiert nicht plötzlich, sondern ganz schleichend. Genau so, wie es in der Realität oft ist. Man merkt beim Lesen, wie Mila immer tiefer hineingerät, ohne es selbst wirklich wahrhaben zu wollen. Sie rechtfertigt sich, redet sich Dinge schön und verliert dabei immer mehr den Blick für das, was wirklich passiert. Das ist unglaublich realistisch geschrieben und teilweise auch schwer auszuhalten, weil es so nah an der Realität ist.
Ein weiterer Punkt, der mir besonders aufgefallen ist, ist die Rolle des Internets. Das Buch zeigt sehr deutlich, wie gefährlich das sein kann. Eine vermeintlich harmlose Seite gibt Mila immer mehr Tipps und Denkanstöße – Dinge, auf die sie allein wahrscheinlich gar nicht gekommen wäre. Genau das macht die Entwicklung noch erschreckender, weil man sieht, wie schnell man in solche Strukturen hineingeraten kann, ohne es wirklich zu merken.
Gerade deshalb wirkt die Geschichte so intensiv. Sie zeigt eine Wahrheit, die viele Menschen betrifft, aber oft nicht gesehen wird. Hinter der Fassade wirkt vieles „in Ordnung“, während innerlich längst alles zerbricht. Das Buch nimmt sich Zeit, diese Themen aufzubauen und führt einen behutsam, aber eindringlich hinein.
Besonders hervorheben möchte ich auch das Cover. Es ist unglaublich schön gestaltet – in sanften Farben, mit liebevollen Illustrationen und einer leichten, fast schon süßen Ausstrahlung. Man würde auf den ersten Blick eine leichte Liebesgeschichte erwarten. Doch genau darin liegt der Kontrast: Der Inhalt ist alles andere als „süß“. Er ist ehrlich, roh und zeigt eine brutale, gefährliche Realität, die viele Menschen betrifft. Dieser Gegensatz macht das Buch noch eindrucksvoller.
Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig. Kaum zu glauben, dass es sich hier um einen Debütroman handelt. Die Autorin schafft es, die Geschichte spannend und emotional zugleich zu erzählen, ohne dass es sich jemals zieht. Man bleibt die ganze Zeit dabei und möchte wissen, wie es weitergeht.
Auch die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet. Man kann sich in Mila hineinversetzen, ihre Gedanken nachvollziehen und verstehen, warum sie so handelt, auch wenn es von außen vielleicht nicht logisch erscheint. Auch die Nebenfiguren, besonders Nicolas, geben der Geschichte zusätzliche Tiefe.
Das Ende hat mich ebenfalls überzeugt. Es ist so gestaltet, dass man das Gefühl hat, die Geschichte ist noch nicht vorbei – man möchte unbedingt weiterlesen und wissen, wie es weitergeht.
Fazit: Und alles zerbricht ist ein unglaublich starkes Debüt, das wichtige und ernste Themen sensibel, realistisch und eindringlich behandelt. Besonders der Aspekt, wie gefährlich Einflüsse von außen – wie das Internet – sein können, bleibt im Kopf. Hinter einem wunderschönen Cover verbirgt sich eine Geschichte, die unter die Haut geht und lange nachwirkt. Absolute 5 Sterne.