Wollte mehrmals abbrechen
„Anathema“ von Keri Lake gilt als Gothic-Dark-Fantasy und es ist wirklich sehr düster gehalten. Ich lese selten Dark, aber zwischendurch habe ich das mal gerne. Der Klapptext klang auch spannend, denn Maevyth Bronwick weiß, dass die Eating Woods bei ihrem Dorf verflucht sind. Dennoch muss sie eines Tages dort hinein flüchten. Da trifft sie auf Zevander Rydainn, einen tödlichen Assassin des Königs, der alles lieber täte, als sie zu beschützen. Und dennoch tut er das, da er sie braucht. Zusammen versuchen sie die Eating Woods zu überleben, aber ihre Anziehung zueinander ist gefährlicher.
Den Klapptext kann man völlig vergessen. Sicherlich ist der Wald ein großes Thema die ersten knapp 250 Seiten, aber danach wird er nur selten erwähnt. Zev und Mae treffen sich auch nicht dort, sondern einmal kommt er kurz in ihr Dorf und danach lernen sie sich in seiner Welt kennen. Sie sind also nicht eine Sekunde zusammen im Wald. Daher ist der Klapptext einfach nur irreführend. Allgemein dauert es auch sehr lange, bis die beiden sich treffen. Fast 300 Seiten nach einem kurzen Besuch von Zev bei ihr, wo sie denkt, dass sie träumt. Bis dahin war es sehr lang und hat sich unglaublich gezogen. Ich mag es an sich, wenn die Geschichte etwas Vorlauf hat und nicht überhastet wird, aber in dem Fall trat es nur auf der Stelle und das Vorgeplänkel war einfach viel zu viel. Es kam nicht vorwärts und es wurde eigentlich nur beschrieben, wie schrecklich Maes Dorf ist und was Zev den Tag über so macht, das wars. Und auch danach kam die Story gefühlt nicht vorwärts. Es hat sich nur gezogen und war für mich ziemlich langweilig. Es gab einige düstere Momente, wo irgendwelche Wesen Menschen gehäutet haben oder Menschen Augen rausgefallen sind, was sehr genau beschrieben wurde. Das muss man mögen, aber sowas hatte ich bei diesem Buch auch erwartet. Ich kam auch mit den Charakteren nicht ganz klar. Sei es die Nebencharaktere, besonders die Schwestern von Mae und Zev, oder die Protagonisten selbst. Zev fand ich noch in Ordnung, aber das wars. Nur Zevs Bruder mochte ich gerne und dessen Momente. Maes Schwester fand ich ziemlich anstrengend. Sie schläft mit ihrem Onkel und wird von diesem schwanger und teilt es dann großspurig mit, in einem Ort, wo sie weiß, dass das eine Sünde ist und die Leute dafür entweder verbannt oder sogar verbrannt werden und ist dann überrascht, dass ihr genau sowas passiert. Da habe ich mir nur an den Kopf gefasst. Es gab viele Momente, die ich etwas schwerer fand. Daher hatte ich das Buch auch immer wieder abbrechen wollen und nur weil ich ungerne Bücher abbreche, habe ich es schließlich doch noch durchgezogen. Ich fand auch, dass es keine Tiefe, keine Chemie zwischen Zev und Mae gab. Allgemein hatten sie auch recht wenig miteinander zu tun. Mein Gefühl war so, dass sie mit jedem mehr gemacht und sich mehr unterhalten hat, als mit ihm. Aber natürlich fanden sich beide gleich sehr toll und wollten sich die Klamotten vom Leib reißen. Also für mich war das Buch gar nichts und es ließ sich unglaublich schwer lesen. Daher vergebe ich zwei Sterne. Die Idee war sicherlich gut und es gab auch ein paar Lichtblicke, wie Zevs Bruder, aber deutlich weniger Seiten hätten dem Buch gut getan und es wäre dann vielleicht nicht so zäh gewesen.