sich verstehen, andere verstehen, Trauer verstehen
Der unsagbare Schmerz über den plötzlichen Verlust meines kleinen Bruders trieb und treibt mich noch immer oft ziellos umher immer mit dem Gefühl irgendwas tun zu müssen, irgendwie zu verstehen was da mit mir passiert. Es gibt einfach nichts Schlimmeres als dieses Gefühl das einen überkommt und sich mit voller Wucht in die Seele frisst. Ich habe nach Verständnis und nach Mitgefühl in meiner Umgebung gesucht, doch traf ich oft auf Reaktionen die mich nur noch mehr erschütterten. Der Tod ist ein Tabu obwohl er in jedem Leben garantiert passiert. Es ist gerade 8 Wochen her seit er gegangen ist und schon nach ein paar Wochen fühlte ich mich einem unsichtbaren Zwang ausgesetzt (vor allem auf der Arbeit), dass ich für alle wieder so funktionieren muss wie vorher, meine Trauer verstecke, nicht zulasse, weil es für andere unangenehm ist. Doch das ist unmöglich. Ich las in Foren, unterhielt mich mit anderen Betroffenen und suchte nach einer Lektüre die mich in diesem Prozess hilfreich unterstützt. Durch einen Beitrag stieß ich dabei auf das Buch von Eva Terhorst. Sie ist jemand der nicht einfach gute Ratschläge gibt, denn sie kennt den Schmerz mehrfach aus eigener Erfahrung. Als ich die ersten Seiten las fühlte ich so etwas wie Erleichterung, denn genau das was sie beschreibt ist das was mir täglich begegnet, ich fühle und denke. Der Schmerz verschwindet durch das Lesen natürlich nicht, aber ich setz mich nun nicht mehr unter Druck, weiß das alles so wie es gerade passiert zum trauern dazu gehört und ich leiden darf (auch wenn es sich merkwürdig anhört). Ich fühle mich verstanden und nicht als die die sich merkwürdig benimmt, weil andere nicht verstehen können, das Trauer nicht kontrollierbar ist und vor allem nicht nach 4 Wochen verschwunden ist. Ich nehme das Buch immer wieder zur Hand, denn Trauer ist wie ein unberechenbarer Ozean: "Will man ihn durchqueren benötigt man ein gutes Schiff". Dieses Buch ist verständlich und einfühlsam geschrieben und man hat nicht das Gefühl "wieder ein bescheidender Ratgeber der nicht weiß worüber er da berichtet". Nur wer selbst erlebt hat was trauern bedeutet, wie es einen völlig aus dem Alltag reisst in den unpassendsten Situationen, kann mit anderen mitfühlen, sie verstehen, sie stützen, sie motivieren das zu schaffen, sie begleiten ohne genervt zu sein. Genau das vermittelt dieses Buch, das auch sehr gut für Familie, Kollegen und Freunde von Trauernden geeignet ist. Der Tod ist nur so schmerzlich, weil uns niemand den Umgang damit beigebracht hat. Wenn Sie trauern oder jemanden begleiten möchten der trauert, so ist dieses Buch zu empfehlen. Unter Umständen können Sie nicht helfen, aber mitfühlend an der Seite des Trauernden verharren.