Grober Perspektivenwechsel
Ruth Rendell - eine der besten Autorinnen? Im Prinzip ja, aber leider nicht, wenn der Protagonist Wexford heißt. Vor allem die Romane mit Inspector Reginald Wexford bedienen sich häufig der unglaublichsten Zufälle.
== Der Liebe böser Engel ==
In dem Bemühen, etwas Außergewöhnliches zu schaffen, kommt Rendell leider immer wieder in die Situation, dass sie in das völlig Unglaubwürdige abdriftet. So bei diesem Roman: "Der Liebe böser Engel". Alle "Clues" liegen offen auf dem Tisch und weisen auf den Täter, und nur Inspector Wexford ist imstande, sie richtig zu deuten? Ja, aber nur, weil die Autorin uns, den Lesern, Wesentliches vorenthält.
Nicht viel besser ist der zweite Roman dieses Bandes:
== Schuld verjährt nicht: ==
Der Anfang beginnt mit Mike Burden, der den Fall des verschwundenen Jungen John untersuchen muss. Eine Suchaktion bleibt erfolglos, und der Leser begleitet Burden eine ganze Weile lang, was den Eindruck vermittelt, dass diesmal Burden der "Held" der Geschichte ist. Da hatte ich mich schon gefreut, denn Burdens Leben ist ungleich interessanter als das seines Kollegen Wexford. Doch dann nimmt Rendell den Inspector aus der Bildmitte heraus und Wexford übernimmt unvermittelt die Hauptrolle. Das finde ich etwas unglücklich, zumal eine bessere Erzählstruktur dem abgeholfen hätte.
Doch man erfährt einige interessante Details über die Figuren, dass es schwer fällt, den Roman ob seiner "Fehler" grundsätzlich negativ zu bewerten. Und bis zuletzt, bis zur Aha-Auflösung, fällt es dem Leser schwer, die Zusammenhänge in ihrer Gänze zu begreifen. Man merkt zwar: Hier ist ein Indiz, dort ist ein Hinweis, aber man kann sie nicht richtig zusammenfügen, bis Wexford das für einen unternimmt.
Leider wird auch hier am Ende der Zufall noch einmal kräftig bemüht, was der Glaubwürdigkeit des Romans insgesamt keinen Gefallen tut.
Da ich die 252 Seiten in einem Rutsch durch hatte, war ich geneigt, 3 Sterne zu geben. Doch da ich dieses Buch nach dem Lesen nicht wieder gerne in die Hand nehmen möchte, muss ich davon noch einen abziehen. (Es bleibt ein fader Nachgeschmack.)
Fazit: Zum Teil schwer eingängliche Krimikost, für Liebhaber des englischen Krimis, jedoch mit kräftiger Zufallsbeteiligung und einigen Unglaubwürdigkeiten.
Die wirkliche Stärke Rendells sind ihre Krimis OHNE Inspector Wexfort. Dort gelingen ihr die schrägesten Figuren, besten Krimiplots und spannendsten Situationen. Beispiel: "Flucht ist kein Entkommen".