Marion Gräfin Dönhoff: Kindheit in Ostpreußen, Fester Einband
Kindheit in Ostpreußen
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- Verlag:
- btb, 09/2009
- Einband:
- Fester Einband, Lesebändchen
- ISBN-13:
- 9783442740505
- Umfang:
- 218 Seiten
- Sonstiges:
- m. Abb.
- Copyright-Jahr:
- 2009
- Gewicht:
- 123 g
- Maße:
- 150 x 90 mm
- Stärke:
- 17 mm
- Erscheinungstermin:
- 24.9.2009
Weitere Ausgaben von Kindheit in Ostpreußen |
Preis |
|---|---|
| Buch, Kartoniert / Broschiert | EUR 13,00* |
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Kurzbeschreibung
In ihren Kindheitserinnerungen erzählt Marion Gräfin Dönhoff von Schloss Friedrichstein, dem imposanten Sitz des Adelsgeschlechts, in dem die Dönhoffs seit Jahrhunderten zu Hause waren. Schemenhaft steigt das Bild des früh verstorbenen Vaters auf, deutlicher werden die Geschwister und Verwandten, aber auch die alten Diener und Erzieherinnen, die Köchinnen und Kutscher beschrieben. Zutiefst persönliche Erinnerungen und historische Fakten vereinen sich in ihrer Schilderung zu einem ihrer schönsten und ergreifendsten Bücher, in dem sie auch die Sehnsucht nach einer verlorenen Zeit mitschwingen lässt.
Klappentext
Geschenkausgabe im kleinen Format, bedrucktes Ganzleinen mit Lesebändchen. In einer halb-feudalen Gesellschaft geboren, wächst Marion Gräfin Dönhoff in die Demokratie hinein. Besuche von Hindenburg und Kaiserin Auguste Viktoria schildert sie auf humorvolle Weise. Fotos unterstreichen die Authentizität der Lebensbeschreibungen und lassen ihre Liebe zur Landschaft ihrer Heimat, die sie 1945 verlassen mußte, nachvollziehbar werden. Ihrer Zeit weit voraus, studierte sie Nationalökonomie. Die Vielschichtigkeit des Textes und die geschichtlichen Hintergrundinformationen machen aus diesem Buch mehr als eine der üblichen Biographien.Auszüge aus dem Buch
Friedrichstein / / Die Kinder meines gefallenen Bruders hatten ein Spiel erfunden, dessen Stichwort lautete: "Wie viele Händedrücke bist du entfernt von ...?" Dann mußte man den Namen irgendeines bekannten, wenn möglich berühmten Menschen nennen, der in - vorzugsweise historisch - weiter Ferne gelebt hatte. / Ich war in der Lage, alle anderen Spieler aus dem Felde zu schlagen, weil mein Vater vierundsechzig Jahre alt war, als ich geboren wurde, und dessen Vater bei seiner Geburt achtundvierzig. Mit anderen Worten, das Geburtsjahr meines Großvaters war das Jahr 1797, was für den spezifischen Zweck unseres Gesellschaftsspiels natürlich große Vorteile mit sich brachte. / Er, der Großvater, war Diplomat gewesen, kurze Zeit einmal auch Außenminister, ein weltläufiger, gebildeter Mann, mit den Künstlern und Wissenschaftlern seinerzeit gut bekannt, so daß ich unschwer beweisen konnte, daß mich nur drei Händedrücke von Humboldt, Schadow, Rauch oder Goethe trennten. / Vielleicht ist mir erst durch dieses Spiel, das die eigene Geschichte so augenfällig deutlich macht, bewußt geworden, wie weit zurück meine unmittelbare, mich bestimmende Vergangenheit reicht. Übrigens nicht nur in schlichter Distanz, sondern auch hinsichtlich der soziologischen und kulturellen Urschichten, bis zu denen sie zurückgeht. Die Ausläufer des Ancien Régime berührten gerade noch die Schwelle meiner Kinderstube, denn im Grunde war Deutschland bis zum Ende des Ersten Weltkrieges - damals war ich noch nicht zehn Jahre alt - eine halbfeudale Gesellschaft. / Dies läßt sich schon an dem Einfluß ablesen, über den der Adel in der Verwaltung und der militärischen Hierarchie damals noch verfügte: Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges waren alle Kommandeure der achtzehn preußischen und deutschen Armeekorps Adlige. Noch gegen Ende der Monarchie waren von den dreizehn Oberpräsidenten der preußischen Provinzen - also den höchsten Verwaltungsbeamten -elf adelig. Alle Botschafter - es gab damals nur neun, denn nur in den wichtigsten Staaten war das Deutsche Reich durch Botschafter vertreten - gehörten dem Adel an, und von den achtunddreißig Gesandten, die die Wilhelmstraße in den kleineren Ländern repräsentierten, waren nur vier bürgerlich. / Einer von ihnen war Ulrich Rauscher, Chef der diplomatischen Vertretung in Warschau. Ein Onkel von mir war ihm 1922 als Legationsrat zugeteilt, und ich erinnere mich, daß ernsthaft diskutiert wurde, ob dieser, nicht dem Adel angehörende Gesandte wirklich in der Lage wäre, alle Nuancen dieses Metiers, einschließlich Tradition, Stil und Takt, voll zu beherrschen. / Man sieht, es sind immer die von Interessenten bewußt oder unbewußt geschaffenen Vorurteile, die das Vorstellungsvermögen der Menschen beherrschen. So hätte sich bis zum Beweis des Gegenteils zu jener Zeit auch niemand vorstellen können, daß Juden eines Tages glänzende Soldaten und vorzügliche Bauern sein würden. Es sind eben nicht die Fakten, die in der Geschichte entscheidend sind, sondern die Vorstellungen, die sich die Menschen von den Fakten machen. / Meine älteren Geschwister waren bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges schon in denkendem Alter, sie waren darum für mich eine Art Bindeglied vom "früher" zur neuen Zeit. Die neue Zeit, meine Zeit, begann also mit dem Ende der Monarchie und dem beginnenden demokratischen Zeitalter. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg - auch wenn sie noch nicht fern war - kannte ich nur aus Erzählungen. / Besonders plastisch wurde sie mir durch einen Absatz, den ich in den Jugenderinnerungen Otto von Hentigs fand. Der Diplomat Otto von Hentig, berühmt durch seine abenteuerliche "Reise ins verschlossene Land", die er 1915 im Auftrag des Auswärtigen Amts nach Afghanistan unternahm, ist der Väter des bekannten Pädagogen Hartmut von Hentig. Otto von Hentig, geboren 1886, beschreibt in seinen Erinnerungen einen Besuch der Familie Hentig in meinem Vaterhaus Friedrichstein: / "Es war wohl im Somm
Biografie
Marion Gräfin Dönhoff, geboren 1909 in Friedrichstein/Ostpreußen, studierte in Frankfurt und Basel Volkswirtschaft und leitete den ostpreußischen Familienbesitz bis 1945. Nach ihrer Flucht in den Westen begann ihr Leben als Journalistin. Sie prägte die Wochenzeitung Die Zeit als Autorin, Chefredakteurin und Herausgeberin bis zu ihrem Tod 2002. 1971 wurde sie mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.Anmerkungen:
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