Die Referenz!
Der Jazz lebt vom Zusammentreffen großer Solisten. Nicht selten wird dabei Jazzgeschichte geschrieben. Dave Brubecks "Time Out" von 1959 dokumentiert besonders geglückte Momente seines Quartetts mit Paul Desmond (as), Gene Wright (b) und Joe Morello (ds). Morello ist überhaupt der Inbegriff des virtuosen Schlagzeugspiels - das berühmte Solo in "Take Five" hat Weltgeschichte geschrieben. Die entspannte Stimmung, die beim Einspielen der Platte geherrscht haben muß, ist beim Anhören der sieben Stücke deutlich zu spüren. Die Aufnahmen verströmen eine Gelassenheit, wie man sie selten antrifft.
Gene Wright lässt seinen Bass filigran mit- und gegenswingen. Auch auf diesem Album - wie auf so vielen - wurden sein unbeirrbar swingendes Bassfundament, sein warmer Sound und sein ebenso virtuoses wie kreatives Solospiel verewigt. Paul Desmond entpuppt sich als besonders feinsinniger "Begleiter" und fantasievoller Melodiker. Seitdem sind seine wunderbar melodiösen, klangvollen Improvisationen aus dem Jazz nicht mehr wegzudenken. In all den Jahren ist er dem Cool Jazz nie ganz untreu geworden und längst ist er zu dem zeitlosen Jazz-Saxophonisten par excellence geworden.
Vier verwandte Seelen treffen aufeinander und heraus kommen durchweg stimmungsvolle, wärmende kammermusikalische Begegnungen, technisch einwandfrei und von hoher künstlerischer Brillianz. Nichts wie in den nächsten Plattenladen, um diesen Jazz-Edelstein zu erwerben. Ich betone "Plattenladen", weil auch eine noch so gute CD nie das natürliche Musikgeschehen so wie eine Schallplatte wiedergeben kann. Bereits Ende der 80er Jahre während meines USA-Aufenthaltes hat mir das Dave Brubeck persönlich bestätigt und mir eine handsignierte LP (ca. 200g) bei einer Veranstaltung in Washington überreicht. Im Gegenzug schenkte ich ihm eine Schweizer Uhr, die er heute noch trägt.
Alles in allem: Ein bahnbrechender Meilenstein voller Musikalität und Virtuosität. Diese Qualität wird in diesem Jahrtausend sicherlich nie wieder erreicht werden. Für mich die Referenz!