Der Kreis schließt sich
Die erste offizielle Zusammenarbeit von John McLaughlin und Chick Corea ist auf dem "In a silent way" Album von Miles Davis aus dem Jahr 1969. An zwei weiteren Alben von Davis arbeiten beide mit, "Bitches Brew" (1970) und "Live Evil" (1970), einem Konzert Mitschnitt, danach trennen sich die Wege. Musikalisch aber scheinen sich beide nie wirklich voneinander zu entfernen. Rock Jazz, Fusion, ethnische Experimente, dann wieder der akustische Jazz. Nach der zweiten und dieses Mal erfolgreichen Reunion von Return to Forever 2008, die erste 1977 passte trotz phantastischer Musik vielleicht nicht so recht in die Zeit, war es vielleicht nur eine Frage der Zeit, wann sich Beide wieder zusammentun würden. Das Album "five piece band" ist das gelungene und womöglich wegweisende Ergebnis des Zusammentreffens in 2008. Es gab einige gefeierte Konzerte und diese Doppel CD. Mit "in a silent way" schließt sich der Kreis für Beide und so wie das Album von 1969 die Richtung wies auf eine neue Dimension des Jazz, so stellt diese Zusammenarbeit ja vielleicht Weichen. Viele warten auf die Reunion des ersten Mahavishnu Orchestra.
Die Musik erinnert stark an eben dieses erste Reunion Konzert von Return to Forever von 1977, das es glücklicherweise als vollständigen Mitschnitt in Paris gibt. Lange, teilweise recht freie Improvisationen, aber auch die Mehrzahl Stücke, die dem traditionellen Schema des Jazz verpflichtet sind: Intro - Solo - Thema - Solo - Thema - Solo - Outro. In wenigen Stücken ist diese Kollektivimprovisation anzutreffen, wie sie noch im Paris Konzert 1977 oder gar im Circle Konzert von 1973 zu hören ist (Chick Corea) oder diese dichten Klangteppiche eines Mahavishnu Orchestra (Hörproben für Live Auftritte in Wolfgangs Vault). Die Stücke der ersten CD sind gutes Handwerk und bekannte Standards, eine einzige Neukomposition: Andromeda.
Alle im Ensemble spielen auf einem hohen Niveau und sowohl die Spielfreude wie die Kommunikativität mit dem Publikum sind spürbar. Die Highlights sind eindeutig auf der zweiten CD: "Senor CS", "in a silent way" und "someday my prince will come". Alleine die Intros zu "in a silent way" und "prince" sind das Geld wert. Wenngleich die Band dieses Stück dann eher zerfasert und sich nicht so recht zu einigen scheint, wie es jetzt weitergehen soll. Also ein Intro von 7 Minuten mit einem Outro von 42 Sekunden.
Wer Neues von den Altmeistern erwartet hat, wird enttäuscht sein. Wer darauf hofft, Jazz in seiner vollständigen Bandbreite auf hohem handwerklichem Niveau zu bekommen, kommt voll auf seine Kosten. Der Sound bleibt dabei sehr dezent und präzise.
Einzig bleibt die Hoffnung, dass es ein Revival des ersten Mahavishnu Orchestra gibt, das dann auf diesem technischen Niveau die Juwelen von Inner Mounting Flame und Bird Of Fire noch einmal einspielt (noch leben sie ja alle).