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    2. Alle Rezensionen von Jeremy bei jpc.de

    Jeremy Top 10 Rezensent

    Aktiv seit: 28. August 2010
    "Hilfreich"-Bewertungen: 17776

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    1544 Rezensionen

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    Solo in Mondsee

    Solo in Mondsee (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    20.12.2011
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    4 von 5

    Ex nihilo

    Als ein sanfter Revoluzzer war der geniale kanadische Pianist Paul Bley nie Teil der modischen Pose. In einem evolutionären Prozess hat er die tradierte Lehre der Improvisationsdogmata über Akkorde und Skalen hinter sich gelassen. Er wollte zum Kern eines Songs vorstossen, indem er rhythmische, melodische und klangliche Motive aus dem Thema zu entwickeln suchte. In seiner neuesten Solo-Einspielung geht er einen entscheidenden Schritt weiter, indem er nun jede Vorgabe fallen lässst und ohne rettendes Netz der momentanen Inspiration folgt. Dazu vermisst Bley die Klangmöglichkeiten des "genius loci", des wunderbaren Bösendorfer-Flügels im akustisch einzigartigen Raum von Schloss Mondsee (Salzburgerland): Faszinierend, risikoreich, eigensinnig, voller Ueberraschungen – und gelungen! Wenn der abgenutzte Begriff von "kreativer musikalischer Meditation" einen Sinn macht, dann hier, wo Bley im Kopf des aufmerksamen Hörers kaleidoskopische Bilder einer labyrinthischen Phantasie entstehen lässt.
    A Spirit Free: Abbey Lincoln Songbook

    A Spirit Free: Abbey Lincoln Songbook (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.12.2011

    Freigeister

    Die kalifornische Vokalistin Kendra Shank, eine ferne Verwandte des bedeutenden Westcoastsaxophonisten Bud Shank, wurde in den New Yorker Jazzkreisen jahrelang als Gerücht, als ein well-kept secret, gehandelt. Mit "A Spirit Free" hat die sympathische Sängerin den überfälligen und überzeugenden Durchbruch auf der US-amerikanischen Jazzszene mit Bravour geschafft. Soeben als "Best Vocal Jazz Album of 2007" ausgezeichnet, überschlägt sich die Presse, schreibt zu Recht von "One of the top jazz singers around today" etc. In ihrer neuesten Einspielung konzentriert sich die ursprünglich aus der Folklorebewegung stammende Vokalistin ganz auf das unkonventionelle Songbook der schwarzen Sängerin und Umweltaktivistin Abbey Lincoln. Die 11 musikalisch und textlich anspruchsvollen Lieder werden von Shank und ihrer langjährigen Workinggroup (mit u.a. Pianist Frank Kimbrough) erfrischend originell neu beleuchtet, z.B. durch den Einbezug indianischer Chants und Rhythmen.
    New York Trio Recordings Vol. 2

    New York Trio Recordings Vol. 2 (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.12.2011
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    5 von 5

    Grosse Kunst!

    Die Wege des Schlagzeugpoeten Paul Motian und des Bassvirtuosen Gary Peacock kreuzten sich erstmals im Trio des Pianisten Bill Evans: Greifbares Resultat ist die singuläre Einspielung "Trio '64". Danach war das Dreamteam immer wieder mit Paul Bley resp. Keith Jarrett anzutreffen. Mit Marc Copland, dem hochsensiblen und feinhörigen Klangtüftler unter den zeitgenössischen Pianisten, ist Peacock seit Jahren verbunden. Und dass die drei Künstler nach einer musikalisch ergiebigen Konzertwoche im New Yorker Jazzclub "Birdland" ihre Musik dokumentierten, geriet zum Glücksfall. Nach der gelobten und merkantil erfolgreichen CD "Modinha" (mit G. Peacock und Bill Stewart) liegt nun mit "Voices" die zweite CD einer geplanten Trilogie vor. "Voices" ist Titel und Programm zugleich, liegt doch der Focus der spannenden Einspielung auf der Interaktion von drei musikalisch gleichberechtigten Stimmen. Und das traumwandlerisch sicher agierende Trio mutiert dabei quasi zum Terzett.
    Trio Alto Vol. 2

    Trio Alto Vol. 2 (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.12.2011

    Eigensinnig

    Der 27-jährige Altsaxophonist Loren Stillman ist ein erfrischend undogmatischer Freigeist. Anders als die grosse Masse jüngerer Saxophonisten eifert er nicht Charlie Parker und seinen Epigonen nach. Stillman, in London geboren, aber in der Suburbia von New York aufgewachsen, bekennt sich ausdrücklich zum etwas schrägeren Nonkonformisten Lee Konitz, bei dem er studiert hat. „Trio Alto Volume One“ und „- Volume Two“ nennt er seine 2005 und 2006 eingespielten CDs. Auf Vol. 1 extemporiert Stillman über 9 Jazzstandards, vorbildlich von den beiden Meistern Steve LaSpina (Bass) und Jeff Hirshfield (Drums) unterstützt. Vol. 2 gehört mit 8 Originalkompositionen ganz dem Improvisator und unorthodoxen Komponisten Stillman, sekundiert vom nur wenig älteren Zweigespann John Hebert (b) und Take Toriyama (dm). Während in Vol. 1 Erinnerungen an Lee Konitz’ Meisterwerk „Motion“ aufblitzen, schafft Vol. 2 auch Bezüge zur erweiterten Konitz-Familie, namentlich zu Anthony Braxton, Wayne Shorter, Dick Oatts und Greg Osby.
    You Are There

    You Are There (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    20.12.2011
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    4 von 5

    Dreamteam

    Komplimente sind oft eine heikle Sache. So meinte doch vor Jahren ein wohl etwas unbedarfter Wienerischer Zufallsgast in der Zürcher Widderbar, wo der phänomenale Pianist Hank Jones konzertierte: "Für a Nega spülta net amoi schlecht". Mit dem legendären Altmeister als Partner muss sich für die italo-amerikanische Sängerin Roberta Gambarini ein bis vor kurzem aussichtsloser Traum erfüllt haben. Die Senkrechtstarterin unter den jüngeren Vokalistinnen gehört nicht zu den ebenso harmlosen wie netten (und überflüssigen!) Jazzpop-Chantoussies. Gambarini, ganz der Tradition des "Great American Songbooks" verpflichtet, ist, wie der CD-Titel suggeriert, durchaus "There", sozusagen auf der Direttissima zum erlesenen Kreis der "First Ladies of Song". Die ausdrucksstarke, intonationssichere Sängerin und ihr eleganter und umsichtiger Partner holten sich für ihr Album soeben den wohlverdienten "Preis der Deutschen Schallplattenkritik".
    Something For You: Eliane Elias Sings & Plays Bill Evans

    Something For You: Eliane Elias Sings & Plays Bill Evans (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    20.12.2011
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    4 von 5

    Gelungener Tribut

    Die brasilianische Pianistin und Sängerin Eliane Elias ist so talentiert wie umstritten. Ihre musikalische Vielseitigkeit deckt fast alles ab im weiten Feld zwischen Bach, Ravel, Brazilpop, Fusion und aktuellem Pianotriojazz. Und dass sie auf vielen Hochzeiten zu tanzen versteht, hat ihr neben dem Lob als Universalistin auch den Vorwurf der Beliebigkeit eingetragen. Mit "Something for You", einem gelungenen Tribut an den Komponisten und Pianisten Bill Evans (1929-1980), vermag Elias ihre Kritiker zu versöhnen. Im Trio mit ihrem Ehemann und letzten Evans-Bassisten Marc Johnson und Drummer Joey Baron spielt und singt Elias Kompositionen und Jazzstandards aus dem Repertoire von Evans. Höchst bemerkenswert sind 2 neue Titel, die Evans kurz vor seinem Tod auf Kassette spielte und an Johnson weiterreichte. Und ebenso bemerkenswert ist, dass sich das Trio bewusst von Evans zu distanzieren vermag und seine eigene Lesart des Repertoires einbringt, darunter ein brasilianisch angehauchtes "Blue in Green". Und da Evans es wie kein anderer Pianist verstand, das Klavier zum Singen zu bringen, machen Elias' Vokalisen durchaus Sinn.
    Live At Newport '58

    Live At Newport '58 (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.12.2011
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    5 von 5

    Fundstück

    "Wo nehme ich nur die Zeit her, mir soviel nicht anzuhören?", möchte man bei der aktuellen CD-Inflation (und ein Karl-Kraus-Zitat verbiegend) ausrufen. Wer in der guten Zeit des Hardbop heranwuchs, hatte es einfacher als heute, sich zu orientieren: Die neuesten LPs von Miles Davis, von Art Blakey's Jazzmessengers und vom Pianisten Horace Silver galten als verlässliche Wegweiser. Und eine erstaunliche Trouvaille des Horace Silver Quintetts vom Newport Jazzfestival 1958, längst als verschollen geglaubt, ist nun (und optimal gemastert) auf dem Traditionslabel "Blue Note" erstmals greifbar. Silvers hervorragend besetzte Combo gab 4 funkige und groovige Originals samt ausgedehnten Soli zum besten, darunter als pièce de résistance seinen Latinsoulhit "Señor Blues". Mit von der Partie der blutjunge Drummer Louis Hayes und - die tolle Entdeckung – der grossartige Trompeter Louis Smith, der eigentliche Testamentvollstrecker seiner Vorgänger Clifford Brown und Kenny Dorham.
    Cantando

    Cantando (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    20.12.2011
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    4 von 5

    Austariert

    Wenn im Jazzbusiness ein Preis für Bescheidenheit und Understatement zu vergeben wäre, müsste der Titel an den schwedischen Pianisten Bobo Stenson gehen. Wer die pianistische Selbstdarstellung und den virtuosen Hochglanz sucht, wird bei Stenson nicht fündig. Ganz Teamplayer par excellence, sieht er sich erst in zweiter Linie als Pianist. In erster Linie spielt Stenson "Trio", zusammen mit seinem langjährigen Partner Anders Jormin (b) und dem jungen Jon Fält (dm). "Cantando", spanisch für "singend", verweist treffend auf das durchaus Programmatische dieser Einspielung. Ein poetisch austariertes, für Jazzbegriffe kühnes, ja verwegen eklektisches Repertoire aus entlegenster Herkunft wird vom Trio improvisatorisch erschlossen resp. neu beatmet. Mittel- und Höhepunkt ist die aus dem Moment heraus frei extemporierte Suite "Pages", eingebettet in musikalische Hör-Patiencen von u.a. Ornette Coleman, Don Cherry, Silvio Rodriguez, Astor Piazzolla, Alban
    Berg u.a.
    Road Shows Vol.1

    Sonny Rollins
    Road Shows Vol.1 (CD)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    20.12.2011
    Klang:
    3 von 5
    Musik:
    2 von 5

    Ueberflüssig !

    Sonny Rollins ist unbestritten einer der wichtigsten Jazzimprovisatoren. Und der legendäre Solitär unter den Saxophonisten tourt auch mit seinen bald 80 Jahren unermüdlich um die Welt. Auch sein Publikum hat er noch im Sack. Und dieses wird wohl brav zum Sammelsurium "Road Shows Vol. 1" – mit 7 Konzertmitschnitten von 1980 bis 2007 – greifen. Aber diese CD braucht keiner. Dass man hier enttäuscht statt fündig wird, liegt primär an der geradezu fahrlässig schlechten Tonqualität und Balance der Aufnahmen über das PA-System der Saalverstärkung. So scheppert Mark Soskins Flügel wie das Blechxylophon aus der Spielzeugtruhe des Kindergartens, absolut scheusslich ! Und Rollins' Tenorsaxophon ist durchwegs überpräsent und viel zu laut, die eher mittelprächtige Begleitband versinkt im Hintergrund. Unverzeihlich, dass dies auch dem Schlagzeug des grossartigen Roy Haynes passieren musste, im übrigens einzigen lohnenswerten letzten Track der CD.
    Sketches Of Spain (Live)

    David "Dave" Liebman
    Sketches Of Spain (Live) (CD)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    20.12.2011
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    3 von 5

    Miles Davis / Gil Evans reanimiert (2)

    Die legendäre Trilogie "Miles Ahead", "Porgy & Bess" und "Sketches of Spain" aus den späten 50er-Jahren ist Teil des unbestrittenen Jazzkanons. Die drei Concerti grossi, welche der geniale Arrangeur Gil Evans dem Trompeten-Superstar Miles Davis auf den Leib geschrieben hatte, gehören längst zum eisernen Bestand jeder Jazzsammlung.
    Nun hat das "Manhattan School of Music Jazz Orchestra" (Leitung Justin DiCioccio) die drei höchst anspruchsvollen Evans-Orchesterpartituren einstudiert und präsentiert diese als konzertante Live-Remakes der Originale. So weit, so gut! Die Sinnfrage stellt sich beim alleinigen Solisten Dave Liebman (Sopran- und Tenorsaxophon), welcher der magisch-charismatischen Version von Miles Davis seine eigene temperamentvolle Lesart entgegensetzt: Packende Neuauflage oder grössenwahnsinnige Selbstüberschätzung? Parallelen zu Wynton Marsalis' & Co. überflüssig-reaktionären Huldigungen an u.a. Duke Ellington?
    Miles Ahead: Live 2005

    Miles Ahead: Live 2005 (CD)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    20.12.2011
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    3 von 5

    Miles Davis / Gil Evans reanimiert (1)

    Die legendäre Trilogie "Miles Ahead", "Porgy & Bess" und "Sketches of Spain" aus den späten 50er-Jahren ist Teil des unbestrittenen Jazzkanons. Die drei Concerti grossi, welche der geniale Arrangeur Gil Evans dem Trompeten-Superstar Miles Davis auf den Leib geschrieben hatte, gehören längst zum eisernen Bestand jeder Jazzsammlung.
    Nun hat das "Manhattan School of Music Jazz Orchestra" (Leitung Justin DiCioccio) die drei höchst anspruchsvollen Evans-Orchesterpartituren einstudiert und präsentiert diese als konzertante Live-Remakes der Originale. So weit, so gut! Die Sinnfrage stellt sich beim alleinigen Solisten Dave Liebman (Sopran- und Tenorsaxophon), welcher der magisch-charismatischen Version von Miles Davis seine eigene temperamentvolle Lesart entgegensetzt: Packende Neuauflage oder grössenwahnsinnige Selbstüberschätzung? Parallelen zu Wynton Marsalis' & Co. überflüssig-reaktionären Huldigungen an u.a. Duke Ellington?
    Songs Of Mirth & Melancholy

    Songs Of Mirth & Melancholy (CD)

    1 von 5 Sterne Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    14.12.2011
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    1 von 5

    Jazzkitsch im Doppelpack!

    Saxophonist Branford Marsalis gilt zwar als der talentierteste Musiker aus dem Marsalis-Clan, dies allerdings bestenfalls in der zweiten Liga hinter Kollegen wie u.a. Joe Lovano, Jerry Bergonzi, Ted Nash, Chris Potter, Mark Turner. Punkto Selbstvermarktung ist er wie alle seine Brüder jedoch Spitze, ausgestattet mit einer bemerkenswert grossen Klappe. Damit gibt er auch mal unverblümt zu Protokoll, dass ihn Opernmusik und Belcanto mehr interessierten als Jazz. Dies hört man seiner Musik nun leider auch an: Die im Duo mit dem Pianisten Joey Calderazzo eingespielten "Lieder aus Fröhlichkeit und Schwermut" pendeln zwischen Operettenschmalz, einer Prise Brahms, Ragtime und einem Mümpfeli Postbop. Und Marsalis' einst jazzmässiger Ton, jetzt "domestiziert & edel", erinnert verdächtig an den Saxophonisten im kleinen Zirkusorchester. Willkommen im Jazzmusikantenstadl!
    The Complete American Masters  1931 - 1953

    The Complete American Masters 1931 - 1953 (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    13.12.2011
    Klang:
    3 von 5
    Musik:
    5 von 5

    Die musikalische Auferstehung eines Unsterblichen

    Louis Armstrong (1900-1971), Jazztrompeter und Sänger aus New Orleans, gilt zu Recht als einer der ersten und einflussreichsten Jazzmusiker. Sein drei Jahre älterer Kollege Sidney Bechet (1897-1959) bleibt dabei zu Unrecht etwas in Satchmos Schatten, obgleich seine Beiträge zu dieser jungen Musikform sich womöglich als weitreichender erweisen als die von Armstrong. Die hervorragende Kompilation "Sidney Bechet – The Complete American Masters 1931 – 1953" hat das Zeug zur Ehrenrettung dieses hervorragenden New-Orleans-Klarinettisten und –Sopransaxophonisten der ersten Stunde. Schade nur, dass der Titel etwas missverständlich ist, beinhaltet doch die sonst in jeder Hinsicht vorbildlich und sorgfältig kompilierte und annotierte Box bereits Einspielungen mit Bechet ab 1923. Zwar gibt es bereits Einzel-CDs und Kompilationen von Bechet sonder Zahl, ärgerliche Ueberschneidungen inklusive. Die vorliegende 14-CD-Box zum sensationellen Preis von weniger als EUR 40 bringt nun erstmals chronologische Ordnung in den existierenden Wildwuchs.
    Die Besetzungsangaben lesen sich wie ein "who's who" des Jazz in den ersten 30 Jahren seit seiner Entstehung. Bechet hat mit fast sämtlichen grossen Musikern der damaligen US-Jazzszene von New Orleans über Chicago bis New York gespielt – und sie alle wollten den genialen Charmeur mit dem beseelten, vibratoreichen Ton auf Klarinette oder Sopransax dabei haben. Eine unvollständige Auswahl von beteiligten Musikern, sozusagen als "amuse-oreille" muss genügen: Trompeter Louis Armstrong, Bunk Johnson, Tommy Ladnier, Muggsy Spanier, Sidney De Paris, Charlie Shavers, "Hot Lips" Page, Jonah Jones etc. Posaunisten Vic Dickensen, J.C. Higginbothan, Wilbur De Paris etc. Klarinettisten Albert Nicholas, Milton "Mezz" Mezzrow und der junge Bob Wilber, einst Bechet's Schüler. Pianisten Clarence Williams, Meade Lux Lewis, Willie "The Lion" Smith, James P. Johnson, Jelly "Roll" Morton, Earl Hines, Cliff Jackson, Art Hodes, Dick Wellstood, Ralph Sutton etc. Die Bassisten George "Pops" Foster und Wellman Braud. Schlagzeuger Zutty Singleton, "Baby" Dodds, Sid Catlett und der junge Kenny Clarke.
    Versteht sich, dass die vorliegende Box gespickt ist mit einer Vielzahl von musikalischen Preziosen. Dazu gehört die "Sidney Bechet's One-Man Band" mit zwei Titeln, welche Bechet 1941 im Playback-Verfahren aufgenommen hatte. Alle 6 Instrumente spielt er selbst, als da sind Sopran- und Tenorsax, Klarinette, Klavier, Bass und Schlagzeug. Natürlich fehlen in der Box weder Gershwins "Summertime"(1939), ein absoluter Bechet-Hit, noch der "Weary Blues" (1938) mit dem umwerfenden Klarinettensolo. Und mit dem "Haitian Orchestra"(1939) hielten karibische Tanzformen wie Merengue, Rhumba u.a. Einzug in den Jazz, dazu als Kuriosität der umfunktionierte zickige "Colonel Bogey March".
    Bechets Einfluss auf Musiker wie die Altsaxophonisten Johnny Hodges und Phil Woods ist unüberhörbar. Und selbst John Coltrane und Sonny Rollins, die Avantgardisten Steve Lacy und Ornette Coleman beriefen sich auf Bechet.
    Und in der Konzertmusik befassten sich u.a. Stravinsky, Arthur Honegger und Darius Milhaud mit den phänomenalen und genialen Schöpfungen des Kreolen aus New Orleans.
    Ergriffen, ja verzaubert war auch der grosse Dirigent Ernest Ansermet, der nach einem Bechet-Konzert 1919 in London zu Protokoll gab: "Je veux dire le nom de cet artiste de génie, car pour ma part je ne l'oublierai pas, c'est Sidney Bechet".
    Rio: Live At Theatro Municipal, Rio De Janeiro 2011

    Rio: Live At Theatro Municipal, Rio De Janeiro 2011 (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    12.12.2011
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    4 von 5

    Querbeet durch die Musikgeschichte

    Nur wo "Jarrett" draufsteht ist auch Jarrett drin! Will sagen: Kein anderer Pianist saust und braust so unbekümmert querbeet durch die Musikgeschichte wie der Maestro aus Allentown, PA. Der neueste Konzertmitschnitt vom April 2011 in Rio de Janeiro ist wiederum eine Wundertüte mit 15 Improvisationen. Als da findet sich u.a. Bluesiges im Jarrett-Gospel-Groove, Schnipsel aus Spätromantik, Salonmusik und Impressionismus, oft geschickt vermischt mit einem Hauch Atonalität und Klängen aus dem frühen 20. Jahrhundert, mal hochkomplex, mal leider auch etwas gar banal, immer aber frenetisch beklatscht vom hörbar verzückten Publikum.
    There

    There (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    11.12.2011

    Mit unbändiger jugendlicher Spielfreude

    "Here", so betitelte der junge kanadische Drummer Ernesto Cervinei die erste CD aus seiner neuen Wahlheimat New York. Und nun folgerichtig "There", der begeisternde Livemitschnitt vom andern Ende des Kontinents, aus dem kanadischen Vancouver. Mit dem renommierten Saxophonisten Joel Frahm als Shootingstar, unbändiger jugendlicher Spielfreude und eingängigem Mainstream-Jazz im Dunstkreis zwischen Stan Getz und einer Prise Klezmermelodik, gelingt es dem Cervini-Quartett, seine Zuhörer zu begeistern.
    Frere Jacques - Round About Offenbach

    Frere Jacques - Round About Offenbach (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    02.12.2011
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    4 von 5

    Riesenspass mit Offenbach!

    Nach "Play Bach" nun also "Play Offenbach"? Bleibt uns denn nichts erspart in einer Welt der ungebremsten Globalisierung? Abstieg vom Bildungsbürgerjazz à la Loussier/Bach in den des Fin-de-siècle-Füdlibürgers (sorry, so sagt man halt in der Schweiz)? Halt, sichern, Fehlanzeige! Nichts da, wenn die beiden famosen italienischen Artisti Gianluigi Trovesi (Klarinette) und sein akkordeonspielender Sekundant Gianni Coscia die galanten Cancan-Schnadahüpfs aus der Belle Epoque, angerichtet mit viel Eigengewächs, zu einer mozärtlich heiteren Mélange aufbereiten. Improvisatorisch gewürzt und mit spitzbübischen Charme serviert entpuppt sich diese Offenbach-Stubete, oh là là, als ein Riesenspass!
    Drop & The Ocean

    Drop & The Ocean (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    19.11.2011

    Jazz-Talentschmiede Brooklyn

    "A prime mover in the current Brooklyn jazz scene…." war im Szenemagazin "Time Out New York" über den umtriebigen Schlagzeuger, Komponisten und ruhelosen Talentsucher Rob Garcia zu lesen. Und zwei junge Riesentalente sind auf Garcias neuester Einspielung zu entdecken: Der erst 25-jährige Tenorsaxophonist Noah Preminger und der 4 Jahre ältere Pianist Dan Tepfer, mittlerweile bevorzugter Duopartner des Altsaxophonstilisten Lee Konitz. Mit dem virtuosen und erfahrenen Bassisten John Hébert bringt Garcia die beiden temperamentvollen Newcomer zum Fliegen wie einst der Schlagzeuger Art Blakey seine "young lions" in der legendären Talentschmiede der "Jazz Messengers". Die zwölf reizvollen, rhythmisch oft vertrackten, aber melodisch eingängigen Kompositionen des Leaders liefern Fundament, Inspiration und Improvisationsgerüst zu einer dramaturgisch höchst gelungenen Einspielung.
    Yodel Group: Huljo

    Yodel Group: Huljo (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    19.11.2011
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    4 von 5

    Jodellieder erfrischend pfiffig aufbereitet

    Christian Muthspiel mag die Musik seiner österreichischen Heimat nicht mehr länger den Schunkelschlagerdeppen vom TV-Musikantenstadl zur kreuzfidelen Verkitschung überlassen. Mit seiner "Yodelgroup", einem international prominent besetzten Sextett mit u.a. Trompeter Matthieu Michel und Drummer Bobby Previte, zeigt Posaunist und Pianist Muthspiel überzeugend auf, wie sich Volkskultur neu aufbereiten lässt: Ein respektvoller, pfiffiger, gut gelungener Ansatz mit viel improvisatorischem Freiraum.
    Family

    Family (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    19.11.2011

    Von Dixieland via Swing zu Klezmerjazz und Hardbop

    3 Cohens! Hinter diesem Kürzel verbirgt sich eine der momentan angesagteste Band in der New Yorker Jazzszene: Anat (Klarinette,Tenorsax), Yuval (Sopransax) und Avishai Cohen (Trompete). Die drei Geschwister einer israelitischen Immigrantenfamilie spielen seit ihrer Jugend zusammen einen Jazz ohne stilistische Grenzen. Und so findet sich auf der CD "Family" ein bluesiger, grooviger Mix vom "Tiger Rag" über Ellingtons "The Mooch" bis hin zu einer packenden Hommage an den zornigen Exzentriker Charles Mingus. Mit von der Partie sind eine hervorragende Rhythmusgruppe und der legendäre 90-jährige Scat-Vokalist Jon Hendricks in zwei packenden Soloeinlagen.
    Triumph Of The Heavy Vol.1 & 2

    Triumph Of The Heavy Vol.1 & 2 (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    29.10.2011

    Hochtalentiertes Zwillingspaar

    Der schwarze Saxophonist und Klarinettist Marcus Strickland gilt als Hoffnungsträger einer neuen Generation von Jazzmusikern. Inspiriert von Giganten wie Sonny Rollins, Wayne Shorter, Joe Henderson u.a. präsentiert sich Strickland auf seiner neuesten Doppel-CD im Quartett und im pianolosen Trio, unterstützt von seinem ebenso talentierten Zwillingsbruder und Drummer E.J. Strickland. Die vorliegende Einspielung erhielt von der Fachzeitschrift "DownBeat" soeben sensationelle 4 ½ Sterne - hochverdient!
    Tribe

    Tribe (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    29.10.2011
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    4 von 5

    Melodieseliger Freebop

    Dem italienischen Trompeter Enrico Rava ist das seltene Kunststück geglückt, die stilbildende coole Lyrik eines Miles Davis mit der exzentrischen Melodik des Freebop unter einen Hut zu bringen. Resultat der gelungenen musikalischen Synthese ist ein melodieseliger aktueller Jazz, der bei aller Raffinesse und Komplexität immer auch sehr hörerfreundlich und zugänglich bleibt.
    Road Shows Vol.2

    Road Shows Vol.2 (CD)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    29.10.2011
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    3 von 5

    Ständchen zum 80. Geburtstag

    Bekannt als äusserst souveräne Persönlichkeit, wollte sich der Jubilar vor einem Jahr die Geburtstagsfeier zu seinem Achzigsten nicht von aussen diktieren lassen. Ergo nahm er die Zügel in die eigene Hand und lud im Beacon Theater von New York zum Rollins-Konzert seiner Wahl. Vier begeisternde Titel wurden mitgeschnitten. Sie erscheinen nun, flankiert von Rollins' aktuellem Quintett (Russell Malone-g, Bob Cranshaw-eb, Kobie Watkins-dm, Sammy Figueroa-perc) unter dem Titel "Road Shows, Vol.2) auf CD.
    Die geladenen Gäste sorgen für Ueberraschungen und verleihen dem Konzert den Charme einer Jamsession mit Höhepunkten, aber auch einigen Durchhängern und Längen. Gitarrist Jim Hall, nur 3 Monate Jünger als Rollins, zeigt sich in exquisiter Form. Seine poetische Quartett-Version des Ellington-Klassikers "in a Sentimental Mood" geht unter die Haut. Der 22-minütige Rollins-Blues "Sonnymoon for Two", prominent besetzt mit dem legendären, 85 Jahre jungen und noch immer elegant federnden Drummer Roy Haynes, Christian McBride(b) und Ueberraschungsgast und Freejazz-Pionier Ornette Coleman(as) lebt ganz vom Spektakel der erstmalig dokumentierten Begegnung der beiden Saxophongiganten. Roy Hargrove, Trompeter der jüngeren Generation, integriert sich schliesslich vorbildlich und inspiriert solierend in die aktuelle Rollins-Combo.
    Fazit: Wer mit Rollins' Musik vertraut ist, wird diese CD nicht missen wollen. Dem Novizen empfiehlt sich der Einstieg in den Rollins-Kosmos über die legendären Aufnahmen aus den späten 50-er Jahren, z.B. "Saxophon Colossus"(Universal), "Newk's Time"(Blue Note) und "Way Out West"(Concord).
    Music Of Georges I. Gurdjieff

    Gurdjieff Folk Instruments Ensemble
    Music Of Georges I. Gurdjieff (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    29.10.2011
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    5 von 5

    Zurück zu den armenischen Wurzeln

    Das kleine Armenien war während Jahrhunderten ein Knotenpunkt der Kulturwege. Kein Wunder, dass sich dies auch in einer äusserst vielfältigen Musik niederschlug. So findet sich in der armenischen Folklore ein faszinierend amorphes Geschiebe aus griechischen, türkischen, kaukasischen, arabischen, persischen und kurdischen Elementen. Der umstrittene Mystiker Georges Ivanovitch Gurdjieff (ca.1866-1949) hat von seinen weiträumigen Streifzügen neben höchst anfechtbaren esoterischen "Weisheiten" auch Melodien gesammelt und diese dem russischen Pianisten Thomas Alexandrowitsch de Hartmann zur Transkription für Klavier vorgepfiffen. Faszinierend anzuhören ist die nun dokumentierte Rückführung dieser für den Konzertsalon "veredelten" Volksweisen in den ursprünglichen Kontext durch den Komponisten Levon Eskelian, der die ergreifenden Melodien mit Akribie, Einfühlungsvermögen und Sachkenntnis für sein 14-köpfiges Folkensemble restaurierte: Back to the roots!
    Speak To Me

    Speak To Me (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    29.10.2011
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    5 von 5

    Allein zu zweit

    "Speak to Me"- der CD-Titel ist identisch mit einer Copland-Komposition. Und er liefert in drei dürren Worten Programm und zentrales Anliegen, was Sache sein soll im intimen musikalischen Zwiegespräch zwischen Pianist Marc Copland und Gitarrist John Abercrombie: Interaktion und Kommunikation. Erstaunlich, dass sich die beiden langjährigen Freunde hier erstmals "allein zu zweit" im Studio trafen. Wenig erstaunlich das begeisternde Resultat: Ruhige, stimmige Duette auf höchstem Niveau.
    Another Time

    Another Time (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    29.10.2011

    Packender, aktueller Postbop

    Die Besetzung Trompete, Saxophon, Bass und Schlagzeug weckt aufs erste Erinnerungen an das Ornette Coleman Quartett, aber auch an ähnlich bestückte Gruppen ohne Harmonieinstrument: Die Quartette von Gerry Mulligan (mit Chet Baker, Bob Brookmeyer-tb, Art Farmer), Sonny Rollins (mit Don Cherry resp. Freddie Hubbard) und John Zorns "Masada". Drummer Jeff Williams, ein Urgestein der New Yorker Szene (sowie verheiratet mit der Erfolgsschriftstellerin Lionel Shriver), setzt mit seiner aktuellen Combo einen weiteren Meilenstein im Quartettansatz. Sein Konzept: Transparenz, packende, sangliche Melodik, gepaart mit rhythmischer Vielschichtigkeit und das Ganze präsentiert in einer hörerfreundlichen Form. Mit seiner illustren Crew (John O'Gallagher-as, Duane Eubanks-tp, John Hébert-b) hat Williams seine Vorgaben überzeugend umgesetzt: aktueller, frischer, packender Postbop mit viel Groove und voller Finessen. Begeisternd!
    1501 bis 1525 von 1544 Rezensionen
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