Kenny Werners kontroverses Pianotrio
Der Pianist (und hier auch Teilzeit-Keyboarder) Kenny Werner gilt zu recht als einfühlsamer und hochgeachteter Begleiter. Legendär sind etwa seine Aufnahmen mit dem Mundharmonikaspieler Toots Thielemans, absolut gelungen und bewegend die Duos mit der brasilianischen Vokalistin Joyce Morena auf der CD „Poesia“(Pirouet Records). Werners Trio-CDs unter eigenem Namen sind weniger gelungen, so leider auch „Animal Crackers“ (mit Johannes Weidenmueller, Bass und Ari Hoenig, Drums). Werner macht es den Zuhörern wie auch seinen Mitspielern nicht einfach, überfordert wohl beide: Zu komplex, zu überladen und vielfach auch zu beliebig tönt Werners schwer fassbare und harmonisch eigenartig gesetzte Musik, welche ein fokussiertes und den Zuhörer packendes Triospiel nicht zulässt, von „Groove“ ganz zu schweigen. So erledigt Bassist Weidenmueller seinen Job nach meinem Empfinden quasi als Dienst nach Vorschrift, wagt wenig und zerreist schon gar keine Stricke, agiert behutsam und diskret, gibt dem Trio als Ganzes kaum Impulse. Drummer Ari Hoenig, von seinen eigenen Einspielungen her aktenkundig als perkussive Saftwurzel, überzeugt deutlich mehr als Weidenmueller, sorgt gar für ein paar überraschende Passagen als Begleiter und als Solist. Doch als fragwürdig bis misslungen empfinde ich auf der „Animal Crackers“-CD Werners so beliebig wie vollends überflüssig tönenden Ausschweifungen und peinlichen Koloraturen auf den elektronischen Gadgets electric Piano und Synthesizer, sozusagen Werners Totalabsturz in den Wischiwaschi Grosskitsch.
Doch zu seiner Ehrenrettung punkto Trio-CDs sei die hervorragende CD „Unprotected Music“ (bei JPC noch immer erhältlich) erwähnt: Frei tonale, spannend anzuhörende, melodieselige, aus dem Moment heraus und ohne vorherige Absprachen eingespielte Triotracks voll mit pfiffigen Ueberraschungen (mit Marc Johnson und Joey Baron). Kurz: „Unprotected Music“ ist musikalisch von A bis Z packender Interaktionsjazz der Spitzenklasse.