Der Beamte beobachtet Vögel
The Secret Language of Birds war das dritte Solo-Album von Ian Anderson und liegt nun erstmalig als stand alone-Veröffentlichung auf Vinyl vor, zuvor nur in der sündhaft teuren 8314-Box erhältlich. Die zwei LPs sind auf drei Seiten bespielt, die vierte hat ein etching, beide stecken in einem single sleeve, kein lyrics insert, kein booklet wie bei der CD. Sehr schäbig von Madfish. Immerhin gut gepresst, sauber und leise und plan. Und die Musik? Wann fing es eigentlich an, dass Ian Anderson keine guten Songs mehr schreiben konnte? Das letzte gute Tull Album, nach dem rockistischen Ausfall Rock Island, war Catfish Rising, denke ich, doch schon Roots to Branches erreichte die Krone nicht mehr, um im Bild zu bleiben. Musikalisch ist das handwerklich alles toll gespielt, die akustischen Gitarren, die Flöte, aber alles betulich arrangiert, es ist, als hätte ein Beamter, dessen Hobby es ist, Vögel zu beobachten, sein Dasein in Musik übersetzt. Und die lyrics wurden ab diesem Album immer länger, immer mehr zu Vorträgen zu bestimmten fachwissenschaftlichen Themen satt LIEDERN, die im Ohr bleiben. Einen guten track gibt es, den Titelsong. Sonst Betulichkeit und Langweile. Man muss ja nur die Fotos von Anderson heute anschauen, dann weiß man, wie die Musik klingt.