Pat Metheny: The Way Up auf CD
The Way Up
Herkömmliche CD, die mit allen CD-Playern und Computerlaufwerken, aber auch mit den meisten SACD- oder Multiplayern abspielbar ist.
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- Label:
- Nonesuch
- Aufnahmejahr ca.:
- 2005
- UPC/EAN:
- 3075597987621
- Erscheinungstermin:
- 31.1.2005
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Am Anfang ist die Stille. Der perfekteste, komplexeste und endgültigste aller Sounds, der jede je erfundene und noch zu imaginierende Melodie, jeden Puls, jede Harmonie, jeden Klang und jedes Geräusch umarmt. Aus dieser Stille schält sich erst wie eine Ahnung, dann wie das jungfräuliche Licht der ersten Sonnenstrahlen und schließlich mit der Urkraft eines Vulkans ein Sound. Dieser Prozess braucht nur wenige Sekunden, doch allein dieser Augenblick des Erwachens umfasst schon die gesamte Genesis einer der größten Klangwerdungen des neuen Jahrtausends.
Willkommen in „The Way Up“, willkommen im neuen Album der Pat Metheny Group.
Will man sich mit einfachen Schubladen zufrieden geben, ist Pat Metheny schlicht der erfolgreichste Jazz-Gitarrist aller Zeiten. In Wirklichkeit ist er jedoch viel mehr als das und die Pat Metheny Group ist mehr als das Vehikel eines Gitarren-Magiers. Kein Genre von Bebop über modalen Free Jazz bis hin zur freien Improvisation, von Fusion über Noise bis Hardcore, von Folk über Country bis World Music, von Klassik bis Minimal Music, von Ambient bis zu eingängigem Pop, in dem er sich nicht auskennen würde. Doch von Anbeginn vermied er den offensichtlichen Weg zwischen zwei Punkten, suchte er nach unerhörten Verbindungen zwischen zwei Idiomen, tauchte er immer dort auf, wo man ihn am wenigsten vermutete.
Methenys Odyssee begann Mitte der Siebziger in der Band von Gary Burton. Sein erstes Album unter eigenem Namen, „Bright Size Life“ (1976) verband bereits verschiedene Hybride von Jazz und amerikanischem Folk mit den harmolodischen Errungenschaften Ornette Colemans. Ein Jahr später formulierte er mit Keyboarder Lyle Mays, dem deutschen Bassisten Eberhard Weber und Drummer Dan Gottlieb erstmalig jenen flächigen Sound, der für die Produktionen der Pat Metheny Group typisch werden sollte. Seitdem erfand er nicht nur eine ganze Reihe von Stücken, die zu Klassikern wurden, der sich permanent weiter entwickelnde Sound der Pat Metheny Group selbst wurde zum Standard, der tausendfach kopiert, in seiner Konsequenz aber nie erreicht wurde. 1982 stieß Bassist Steve Rodby hinzu, der seither mit Metheny und Mays den Kern der PMG bildet. Parallel zu dieser Institution, die Metheny seit nunmehr 28 Jahren betreibt, spielte er mit so unterschiedlichen Musikern wie David Bowie, Jim Hall, Ornette Coleman, Dewey Redman, John Scofield, Michael Brecker, Charlie Haden, Billy Higgins, Chick Corea, Herbie Hancock, Jack De Johnette und nahm sogar ein Stück von Steve Reich auf.
„The Way Up“ ist zugleich die entschlossene Fortführung all dieser Schritte und Begegnungen wie auch ein unsentimentaler Rückblick auf Methenys bisherige Opera Omnia. Es vereint Merkmale eines autobiografisches Statement, einer unmissverständlichen Positionierung in der Gegenwart und einer Weichenstellung für die Zukunft. Das Album steckt voller versteckter und offener Querverweise, die hier nur in neuer und ungewöhnlicher Weise montiert sind.
„The Way Up“ ist gleichermaßen Bekenntnis wie Abgrenzung. „Das ist die ambitionierteste Platte, die wir als Band jemals gemacht haben“, sagt Metheny. „Speziell für Lyle und mich als Schreiber. Es bezieht sich auf vieles, das wir in der Vergangenheit gemacht haben. Schon als wir das Album zu schreiben begannen, sahen wir es als unsere Protestplatte. Dabei ahnten wir damals weder den Ausgang der Wahlen noch den derzeitigen Zustand in den USA. Aber für mich ist es ein Protest gegen eine immer stumpfere Welt, in der es um immer kleinere Soundbites geht, gegen einen Mangel an Hinterfragung, Entwicklung und Nuance. Wir wollen etwas anbieten, das der Welt ein anderes Ansehen gibt als die Dinge, die heute in unserer Kultur offenkundig sind. Wir wollen hinter die Dinge dringen, Momente ausdehnen und bis an ihren entferntesten Punkt tragen, von unten aufsteigen, statt alles immer weiter zu reduzieren. Wir wollen Dinge vermehren. In der Pat Metheny Group ging es von Anbeginn darum, Formen sowie strukturelle und orchestrale Möglichkeiten einer kleinen Gruppe auszudehnen. In diesem Sinne ist das Album eine Weiterführung all dessen, was wir in der Vergangeheit gemacht haben. Das ist der philosophische Hintergrund des Albums.“
In der Tat unterscheidet sich die neue CD formal von allen bisherigen Alben der Pat Metheny Group. Metheny verzichtet auf Titel für die Stücke. Statt dessen ordnet er die Musik wie in einer Sinfonie an.„The Way Up“besteht aus einer Ouvertüre und drei langen Sätzen. Die Sätze haben nicht den Charakter von Songs, sondern von sich verschiebenden musikalischen Bögen mit einer ungeheuren Fülle an Motiven, Klangfarben und Dichtegraden. Form und Charakter des Albums standen von Anfang an fest. „Unmittelbar nach der letzten Tour wollten wir ganz schnell eine neue Platte machen. Die Band war gerade aufgeblüht. Speziell Antonio Sanchez am Schlagzeug öffnete uns viele neue Möglichkeiten. Ich hatte das Gefühkl, auf unserem letzten Album Speaking Of Now ging es hauptsächlich darum, Antonio und Cuong Vu in die Band zu integrieren. Während der Tour erreichten wir wieder das Level, auf dem wir bei Imaginary Day waren, und konnten uns nun auf den Weg zum nächsten Punkt begeben.“
Etwa anderthalb Monate nach der Tour kamen Metheny und Mays zusammen und verbrachten drei ganze Tage mit Gesprächen, bevor sie irgendwas aufschrieben. Sie sprachen über den Zustand der Welt, über ihre Band und Möglichkeiten. „Diese ersten Diskussionen waren sehr fruchtbar, denn während der Arbeit an dem Album kamen wir immer wieder darauf zurück. Wir beschäftigten uns mit komplexen musiktheoretischen Fragen, die beim Hören der Musik überhaupt keine Rolle mehr spielen, solange man von uns nicht darauf gestoßen wird. So entwickelten wir einen Plan, den wir auch während des Schreibens noch modifizierten. Neue Aspekte tauchten auf, das ganze Projekt entwickelte sich immer weiter. Harmonisch gelangten wir an Positionen, an denen wir uns in diese oder jene Richtung bewegen konnten, fanden aber stets noch einen dritten Weg. Wir versuchten uns nie mit dem Erreichten zufrieden zu geben, sondern immer noch einen Schritt weiter zu gehen. Am Ende kann man sich entweder auf all diese Dinge einlassen, die CD fünfzig Mal hören und immer tiefer graben, aber man kann sie auch einfach nur hören und genießen. Sie enthält melodische Elemente, die jedermann zugänglich sind, und Rhythmen zu denen man mit dem Fuß wippen kann. Es gibt auch viele ungerade Rhythmen, über die man sich aber keinen Kopf zu machen braucht, wenn man nicht will. Diese Qualität, unter einem ultrascharfen Elektronenmikroskop genauso zu funktionieren wie bei einer distanzierten Draufsicht wollte ich stets erreichen.“
Es ist noch gar nicht so lange her, da definierte Metheny seine musikalischen Prozesse mit den einfachen Worten, es komme darauf an, einen Weg von Punkt A zu Punkt B zu finden. Spätestens seit „Imaginary Day“ geht es ihm jedoch viel mehr darum, Punkt A mit Punkt B derart zu vereinbaren, dass der eine Ausdruck unmittelbar im anderen aufgeht. Dabei gelingt es ihm immer wieder, komplexe musikalische Herausforderungen ganz einfach klingen zu lassen. Selbst wenn er sich auf Spielhaltungen und Versatzstücke des Jazz beruft, hat er sich doch vom linearen Jazz-Muster längst meilenweit entfernt. „In letzter Zeit denke ich immer öfter darüber nach, dass viel zu viel Augenmerk auf den Jazz gelegt wird. Viele Musiker nähern sich dem Jazz an, als wäre Jazz allein schon eine Ziel für sich. Ich hingegen betrachte Jazz immer mehr als Vehikel, das mich von Ort zu Ort trägt. Er ist nicht das Ziel. Zu dieser Auffassung gelangte ich bereits intuitiv, als ich noch ganz jung war. Für dieses Album bauten wir das Auto, als wir schon unterwegs waren. Es ist mit Sicherheit die selbstbestimmteste Reise, auf die wir den Hörer jemals mitgenommen haben. Die wichtigste Frage ist für mich, wieviel Zeit der Hörer auf dieser Reise verbringen will. Nimmt er sich viel Zeit, kann er unglaublich viele Dinge suchen und finden. Aber wenn jemand einfach nur auf die Reise gehen will, kann er das auch tun.“
„The Way Up“ ist nicht nur eine Reise in Methenys eigene Welten bzw. in jenen kollektiven Kosmos der Pat Metheny Group. Das Album steckt auch voller Referenzen an Musiker wie Steve Reich, dessen Einfluss vor allem in kurzen, minimalistisch-kristallinen Verbindungs-Parts zwischen größeren Motiv-Blöcken hörbar wird, und an Methenys einstigen Kompagnon Eberhard Weber, dessen Vokabular Metheny und Mays als Komponisten nachdrücklich geprägt hat. In der Art und Weise, wie Metheny auf der Gitarre und Cuong Vu auf der Trompete zuweilen nebeneinander improvisieren und eine Art Metasprache finden, schlägt auch der harmolodische Einfluss Ornette Colemans durch. Überhaupt ist der ansonsten in New Yorker Avantgarde-Kreisen umtriebige Cuong Vu ungleich präsenter als noch auf „Speaking Of Now“. Gelegentlich verschmilzt er mit Metheny derart zu einer gemeinsamen musikalischen Identität, wie der Gitarrist es bislang nur mit seinem Keyboarder vermochte. „Wir haben Cuong jetzt definitiv in die Band integriert. Auf Speaking Of Now haben wir zunächst den richtigen Platz für ihn gefunden. Ich habe ihn hauptsächlich als Sänger, der auch Trompete spielt, angeheuert. Während der letzten Tour arbeiteten wir hart daran, ihn mit unserer speziellen Sprache vertraut zu machen. Immerhin war er schon ein voll entwickelter Musiker mit eigener Sprache und Färbung. Jetzt endlich sind wir in der Lage, uns seiner Sprache und seiner einzigartigen Fähigkeiten voll zu bedienen.“
Auch auf„The Way Up“präsentiert uns Metheny auch wieder ein neues Mitglied seiner Band. Gregoire Maret bringt mit seiner Mundharmonika einen Sound in die Gruppe, der in diesem Kontext warm und vertraut klingt und sich wie ein Chamäleon in Klangsprache der PMG einfügt. „Gregoire ist seit ein paar Jahren in der Szene von New York aktiv. Meist spielt er mit Cassandra Wilson. Beim Schreiben der Musik kristallisierte sich plötzlich eine zusätzliche Stimme heraus. Eine höhere Stimmlage, von der wir wussten, dass sie da war, aber nicht, womit wir sie umsetzen wollten. Vielleicht wäre es ein Gitarren-Synthesizer, vielleicht auch eine Gesangsstimme. Wir schrieben erstmal die Noten auf und wollten später herausfinden, was es war. Gegen Ende wurde es allerdings etwas problematisch. Wir hatten einen Part und kein Instrument. Etwa zur selben Zeit hörte ich Gregoire in Cassandras Band. Ich kannte auch seine Platten und war beeindruckt. Er hatte einen genuinen Sound, eine starke Persönlichkeit und konnte mit komplizierten Harmonien umgehen. Wir hatten zuvor schon andere Harmonikaspieler gehört – allzu viele gibt es ja nicht, die in Frage kämen – aber als wir ihn ausprobierten, wussten wir sofort, dass er der richtige Mann für uns ist. Auch Richard Bona taucht ein paar Mal auf dem Album auf. Am Anfang der Sessions spielte er einige Percussion-Parts ein. Das Album dokumentiert den Übergang von der letzten zur neuen Formation der Band.“ Ein weiterer Gast ist übrigens Vibrafonist Dave Samuels, der schon auf einigen vorherigen Alben der PMG Farbtupfer beisteuerte.
Der Sound des neuen Albums ist so komplex, so gleichermaßen transparent und dicht wie nie zuvor. Das ist nicht das Dokument einer Session, die an zwei Nachmittagen eingespielt und eins zu eins aufgezeichnet wurde. Dennoch verbrachte Metheny weniger Zeit mit der Nachbereitung der Aufnahmen, als das Ergebnis vermuten lassen würde. „Die spielerische Seite -die Rhythmus-Parts, die Soli und all diese Dinge – war ganz schnell erledigt. Es war einer dieser Prozesse, bei denen der dokumentarische Aspekt, die Performance aufzunehmen, ganz wichtig war. Manche Prozesse innerhalb der Musik sind ziemlich ausgedehnt. Für einige der Solo-Parts ist dieser dokumentarische Aufnahmestil unverzichtbar. Ich tendiere immer stärker dazu, Platten auf diese Weise aufzunehmen. Es geht nicht so sehr um die Nachbearbeitung, als am Ende die besten spielerischen Momente zu finden und ihren magischen Faktor herauszuarbeiten.“
Ein Aspekt der Post-Production unterscheidet das neue Album allerdings von den letzten. Metheny und Mays waren sich von Anfang an einig, die Gitarre als Element der Orchestrierung einzubeziehen. Metheny malte Landschaften mit allen nur denkbaren Gitarrentypen von slide bis zu offenen Stimmungen. Seit seinem Schlüsselwerk „Offramp“ (1982) hat Metheny nicht mehr so viele Gitarren übereinander gelegt. „Das ist eine ganz andere Art der Orchestrierung als jene mit Synthesizern, denn die Gitarren vermitteln ein Gefühl von vibrierenden Saiten und sich bewegenden Fingern. Das gibt dem Sound eine ganz andere Gewichtung als Overdubs mit Synthesizern.“
Tatsächlich ist „The Way Up“ die erste Jazz verwandte Sinfonie, die nicht auf ein klassisches Orchester mit Streichern und Bläsern als Klangbasis zurückgreift. In Volumen und Farbigkeit steht das Sextett einem großen Orchester jedoch in nichts nach. Im Gegenteil. „Vom ersten Tag an haben wir uns immer auf das Material beschränkt, das uns zur Verfügung stand. Für uns stand stets im Vordergrund, was wir mit vier, fünf oder sechs Musikern im Studio mit all seinen technischen Möglichkeiten erreichen können. Es bestand niemals die Frage, ob wir unseren Sound mit Bläsern oder Streichern erweitern müssen. Wir schreiben für diese Band, für diese Spieler, für den musikalischen Dialekt, dem wir uns seit 28 Jahren verpflichtet fühlen. Das ist mehr als genug für dieses Projekt.“
Für den Metheny-Fan führt „The Way Up“ alles, was er immer am Sound dieser Band liebte, zur Vollendung. Für all jene, die Metheny bislang nichts abgewinnen konnten, steckt diese CD voller Überraschungen und Angebote. Es ist ein universales Statement, das sich über alle eingefahrenen Hörgewohnheiten hinwegsetzt, auf die sanfteste Weise radikal und auf die radikalste Weise eingänglich ist und die unterschiedlichsten musikalischen Vorlieben aus jeweils wechselndem Blickwinkel bedient.
Rezensionen
W. Stiefele in Audio 2/05: "Jazz-CD des Monats. Das Song- gerüst des Jazz ist Pat Metheny schon lang zu eng. Mit "The Way Up" gelang ihm ein großer Wurf, der in einer Reihe mit Duke Ellingtons "Harlem", Wynton Marsalis´ "Blood On The Fields" oder Steve Colemans "Genesis" steht. Das viersätzige Album gedeiht in der Stille, aus der sich Großstadtgeräusche und Assoziationen an flirrende Play- back-Überlagerungen in Steve Reichs minimalistischen "Electric Counterpoint" lösen - und verebbt nach mehr- fachem Aufbegehren wieder in der Ruhe. Dazwischen geht´s in offene Gefilde, durch rasante Tonkaskaden und beklem- mende Passagen. Per Playback schichtet Metheny Gitarren- klänge, nutzt lustvoll das Spektrum von Akustischem bis zu jaulender Elektrik, eng verknüpft mit dem Spiel von Keyboarder Lyle Mays, Bassist Steve Rodby und Drummer Antonio Sanchez, die orchestraler agieren als Rhythmiker sonst." R. Dombrowski in stereoplay 2/05: "Intimes und Ekstati- sches, Akustisches und Synthetisches, Ausuferndes und Kom- paktes greifen ineinander, in betörendem, dynamisch und motivisch ausgewogenem Klang. So geriet "The Way Up" zum lustvollen Trip in die Fusion-Vergangenheit, als intelli- gentes Drauflosspielen noch erlaubt und Sampeln ein Fremd- wort war: die clever nostalgische Conclusio einer Ära. Nicht nur für Metheny-Jünger eine helle Freude."Tracklisting
Die Hörproben gehören zum Artikel Pat Metheny: The Way Up (CD). Das Tracklisting kann bei diesem Artikel ggf. abweichen.
Disk 1 von 1 (CD)
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1 Opening
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2 Part one
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3 Part two
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4 Part three