Die Geschichte der vielle à roue, zu deutsch Drehleier oder Radleier ist kurz, trotzdem sehr abwechslungsreich und spielt fast ausschließlich im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts. Am Anfang war sie ein verachtetes Instrument, düster und monoton, gerade gut genug für musizierende Bettler. Wird sie auf Kirchenfenstern des 15. Jahrhunderts noch von Engeln gedreht, so war ihr gesellschaftlicher Abstieg also schnell und beachtlich. Um 1720 begann sie dann ihren zweiten, nur fünfzig Jahre dauernden Siegeszug zu dem Modeinstrument des galanten Frankreich. Natürliches Landleben war in, die feine Gesellschaft verkleidete sich auf den Fetes galantes als Schäfer und Schäferin. Da benötigte man das passende Instrument: die Drehleier erlebte ihre Blütezeit. Die Damen der Aristokratie nahmen sich ihrer mit Leidenschaft an, Instrumentenbauer verfeinerten ihren Klang, Komponisten und Drehleiervirtuosen versorgten den schnell wachsenden Markt mit unterhaltsamen, tänzerischen Werken. Unter dem Titel »Les maîtres de la vielle baroque – »Die Meister der barocken Drehleier« haben nun zwei Virtuosen unserer Zeit, Matthias Loibner und Riccardo Delfino, zusammen mit einer dreiköpfigen Continuogruppe Sonaten und Suiten aus dem galanten Frankreich zu einem the best of hurdy-gurdy (so tatsächlich der englische Name) erstmals für uns eingespielt: Musik, die auch heute noch gute Laune macht.
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WDR 3 "Die Hörprobe" vom 8.10.2002: "Es ist das Verdienst
dieser beiden Virtuosen, dass sie das bisher kaum
bekannte Repertoire des französischen Schäfer - Mode in
mitreißender Weise zu neuem Leben erwecken."
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