Spiel in Fesseln
Die BBC hat im Laufe der Jahre eine beachtenswerte CD-Serie produziert, die "BBC Legends"; sukzessive wurden vornehmliche Mitschnitte, aber auch Studioaufnahmen, veröffentlicht. In den meisten Fällen handelt es sich um Erstveröffentlichungen. Im Katalog findet sich gerade für Schostakowitsch eine Vielzahl denkwürdiger Einspielungen. In vielen Fällen kann man sogar die Premieren hören, die eine Sinfonie im Westen oder im UK erlebte - zum Teil war der Komponist selbst anwesend. Vorwegnehmend kann diese Serie nur gelobt werden. Neben dem (sicherlich sehr unterschiedlichen) Wert der einzelnen Aufnahmen sind die Platten ansprechend gestaltet und bieten Booklets, die nicht nur gängige musikologische Informationen bieten, sondern vielfach die konkrete Aufführung beleuchten.
Am 23. September 1960 spielten die Leningrader Philharmoniker in London diese 8. Sinfonie, es war ihre UK-Premiere. Das zögerliche Klatschen, der später immer wild umjubelten Leningrader (etwa 1971 unter Roshdestvensky) zeugt noch von der Fremdheit der Musik - in einem Land, das Schostakowtisch seitdem stets pflegte. Das herausragend disponierte Orchester leistet Bestes. Mravinsky, auch hier eher rasche Tempi, weiß zu konzentrieren und die Partitur luzide umzusetzen. Die Wucht mancher sowjetischer Aufnahme, die beeindrucken mag, ist durch geistige und musikalische Schärfe ersetzt und dennoch fehlt dieser Aufnahme nicht das Geerdete, nicht das Menschliche. Das oft zu vermissende Spröde und Brüchige zeigt sich hier. Aber auch linde Momente, die eine ganz eigene Wirkung haben können und dem Pathos letztlich dann doch überlegen und nachdrücklicher sind, findet sich. Die Qualität (mono) mag dem modernen Klang-Standart nicht entsprechen, tut dem ganzen jedoch auch keinen Abbruch. Das Live-Erlebnis ist erlebbar und das Aufeinandertreffen von sowjetischen Musikern und westlichem Publikum ein besonderes Erlebnis.