Wendy Plump: Treu wären wir gern gewesen, Fester Einband
Treu wären wir gern gewesen
- Originaltitel: Vow. A Memoir of Marriage (and Other Affairs)
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- Übersetzung:
- Clara Drechsler
- Verlag:
- Bloomsbury, 05/2013
- Einband:
- Fester Einband
- ISBN-13:
- 9783827010704
- Copyright-Jahr:
- 2013
- Gewicht:
- 434 g
- Maße:
- 209 x 135 mm
- Stärke:
- 29 mm
- Erscheinungstermin:
- 14.5.2013
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Beschreibung
Wenn wir uns die Ehe versprechen, versprechen wir uns Treue. Und es mag einige wenige glückliche Menschen geben, die nie der Anziehungskraft einer anderen Person unterliegen. Die verführerische Wirkung mag kurz aufflackern und niemand wird verletzt. Doch manchmal, und so war es bei der Autorin Wendy Plump, ist die Katastrophe nicht zu vermeiden. Erst recht, wenn beide betrogen haben.
Als sie herausfand, dass ihr Mann eine Affäre hat und seine zweite heimliche Familie nur einige Kilometer entfernt wohnt, brach für Wendy Plump nicht die Welt zusammen. Schließlich war sie es, die als Erste die Grenze überschritten hatte, als sie, noch nicht mal ein Jahr verheiratet, ihren Mann zum ersten Mal betrog.
Vielleicht aus diesem Grund oder weil sie die gewöhnliche einseitige Perspektive auf Untreue nie ausreichend fand, hat Wendy Plump ein ungewöhnliches wie einzigartiges Geständnis verfasst. Ungeschminkt schaut sie auf beide Rollen, die der Betrogenen wie die der Betrügerin. Sie beschreibt die Zufälligkeit, mit der Affären auffliegen, die Feuerprobe des Geständnisses, das langsame Wiederzusammenfinden, die Energie, mit der Fremdgehen verheimlicht wird, die Lügen und der tägliche Selbstbetrug, die verbotene Sehnsucht nach dem Geliebten und das zweifelsohne große Vergnügen, die ihr ihre Liebschaften bereitet haben.
Auszüge aus dem Buch
Der Moment der Wahrheit
Wie man es herausfindet? Durch einen Freund oder eine
Freundin. Das Handy. Den Nachbarn. Nicht gelöschte EMails.
Hotelrechnungen. Ein selbst gedrehtes Sexvideo, das
jemand tragischerweise herumliegen lässt. Einen Kontoauszug.
Den Hundesitter. Das Kindermädchen. Besonders dann,
wenn es das Kindermädchen ist. Den Ehemann oder die Ehefrau.
Den Liebhaber oder die Geliebte. Eine beiläufige Bemerkung
auf dem Spielplatz. Monatliche Ausgaben, die zu nichts
passen wollen, das du unternommen oder verschenkt oder
bekommen hast. Den Verkäufer im Holzlager. Eine seltsame
Begegnung im Supermarkt. Oder deine Mutter, deren Antennen
längst diese Schwingungen empfangen haben, lange, bevor
du auch nur daran gedacht hast. Durch die Kulmination
von Zweifeln. Weil du ins Büro platzt und sie erwischst. Weil
du ins Schlafzimmer platzt und sie erwischst. Weil du sie eben
irgendwo erwischst.
Es gibt unzählige Möglichkeiten, es herauszufinden. Unzählige.
Vier Monate, bevor ich herausfand, dass mein Ehemann
mich betrog, hatten tschetschenische Terroristen eine Schule
im Kaukasus gestürmt und 1100 Geiseln drei Tage lang festgehalten,
800 von ihnen Schulkinder. Es endete böse; sogar für
die, die mit dem Leben davonkamen, könnte ich mir denken.
Das Geiseldrama von Beslan ist mir noch viele Jahre später
so akut bewusst, weil es eine kleine, aber dramatische Rolle
bei der Aufdeckung der letzten Affäre meines Mannes spielte.
Es waren zwei voneinander unabhängige Ereignisse, aber in
meiner Erinnerung sind sie untrennbar miteinander verbunden.
Details fallen in die Spalten zwischen der Erkenntnis,
nach der nichts mehr ist, wie es war, und deiner Reaktion darauf.
Diesen Details kommt ihre eigene Bedeutung zu, indem
sie das Dazwischen ausfüllen und damit wahrlich Puffer und
Schutzwall und Salz zu diesem ganzen Schlamassel des Dahinterkommens
beisteuerten.
Eine Freundin suchte mich an einem Morgen Anfang Januar
2005 auf, weil sie fand, sie müsste mir jetzt endlich die
Wahrheit über Bill sagen. Meine beiden Söhne waren in der
Grundschule. Es hatte zwei Tage lang heftig geschneit, und
die Schule wäre beinahe ausgefallen, ebenso wie die Party am
letzten Wochenende, bei der unsere Freunde heftig über Sinn
und Unsinn der Ehe diskutiert hatten. Ich erinnere mich, wie
ich im Brustton stupider Gewissheit verkündet hatte: "Ich
würde mich nie scheiden lassen, selbst wenn ich es für das
Beste hielte." Mit solchen vollmundigen Erklärungen habe
ich mich schon immer gern zum Narren gemacht. Ich erinnere
mich, dass ich in der achten Klasse irgendwem gegenüber
geschworen hatte, ich würde niemals Pot rauchen, niemals
vorehelichen Sex haben, nie heimlich aus meinem Schlafzimmerfenster
klettern, um mich mit einem Typen zu treffen. Ich
war päpstlicher als der Papst. In fünf Jahren würde ich jeden
dieser Schwüre gebrochen haben.
Ich wünschte, ich hätte damals wie heute einen klaren Kopf
behalten. Ich war völlig blind für das, was um mich herum
vorging, selbst das, was mir geschah oder durch mich geschah,
einschließlich meiner eigenen Idiotie. Als junge Frau
wusste ich kaum etwas Verlässliches über mich selbst, und
daran hatte sich bis gestern nichts geändert.
Als meine Freundin an diesem Januarmorgen durch die
Vordertür spazierte ohne zu klopfen, denn so ist es bei uns
üblich , kam ich aus dem Schlafzimmer und schaute vom
oberen Treppenabsatz zu ihr hinunter. Sie war aufgeregt, irgendwie
von der Rolle, als müsse sie sich gegen einen starken
Wind stemmen. Das fällt mir nicht erst im Nachhinein auf. Es
signalisierte mir sofort überdeutlich, dass irgendetwas nicht
stimmte, etwas Schlimmes passiert war. "Geht es dir gut?",
war meine erste Frage. Und ihre Antwort, die mir sofort in die
Venen schoss: Mir ja. Es geht um dich.
Hier kamen die Tschetschenen ins Spiel. Ich dachte, sie sei
gekommen, um mir zu sagen, dass Aufständische die Schule,
auf die mein