Multikulturalismus queer gelesen, Flexibler Einband
Multikulturalismus queer gelesen
- Zwangsheirat und gleichgeschlechtliche Ehe in pluralen Gesellschaften
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- Herausgeber:
- Sabine Strasser, Elisabeth Holzleithner
- Sonstiger Urheber:
- Katharina Beclin, Nikolaus Benke
- Verlag:
- Campus Verlag, 09/2010
- Einband:
- Flexibler Einband
- ISBN-13:
- 9783593391724
- Umfang:
- 320 Seiten
- Copyright-Jahr:
- 2010
- Gewicht:
- 470 g
- Maße:
- 215 x 143 mm
- Stärke:
- 23 mm
- Erscheinungstermin:
- 13.9.2010
- Serie:
- Politik der Geschlechterverhältnisse
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Inhaltsangabe
Inhalt
Einleitung: Multikulturalismus queer gelesen
Sabine Strasser / Elisabeth Holzleithner
I. Multikulturalismus im WiderstreitMultikulturalismus im Widerstreit: Debatten über kulturelle Diversität, Geschlechtergleichheit und sexuelle Autonomie
Elisabeth Holzleithner / Sabine Strasser
Zwangverheiratung im Fokus: Ein Vergleich von Auftragsstudien in europäischen Ländern
Maria Schiller
Kulturelles Unbehagen: Eine kleine Stadt und ihre großen Sorgen
Sabine Strasser und Christa Markom
II. Sexuelle Autonomie im rechtlichen Vergleich
Zwangsverheiratung: Zur rechtlichen Matrix in Österreich
Ines Rössl
Rechtliche und politische Strategien gegen Zwangsehen in Österreich
Katharina Beclin
Zwangsverheiratungssituationen als Anknüpfungspunkt von
institutionellem Handeln 165
Ines Rössl
Komplexitäten der Einwilligung: Juristische Diskurse um Zwangsehen in Großbritannien
Anne Phillips
Ehe und Ehre im Wandel: Arrangement und Zwang in der Türkei
Sabine Strasser, ?rem Tuncer, Altan Sungur
"Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, dass wir unsere ganze Wertebasis in Frage stellen." Zu den Fragmenten einer österreichischen Debatte über die Ehe für Homosexuelle
Nikolaus Benke
Gleichheit und Differenz: Ehe und Zivile Partnerschaft in Großbritannien
Alex Sharpe
Alles Stehende verdampft: Homosexuelle Bewegungen und Identitäten im Kontext patriarchaler Machtstrukturen in der Türkei
Kerem Öktem
III. Perspektiven multikulturalistischer Theorie und Praxis
Multikulturalismus queer gelesen: Sexuelle Autonomie, kulturelle Diversität und gleichgeschlechtliche Ehe
Elisabeth Holzleithner
Sexuelle Minderheiten in ethnisch minorisierten Gruppen: Zugehörigkeit, Intersektionalität und Exit
Christa Markom und Ines Rössl
Ist der Multikulturalismus noch zu retten? Ein Konzept auf dem Prüfstand von Wissenschaft, Politik und Recht
Sabine Strasser
Autorinnen und Autoren
Klappentext
In den letzten Jahren ist Multikulturalismus als Theorie und Politik der Anerkennung von Gruppenrechten unter Druck geraten. Verantwortlich dafür ist auch eine zunehmende Wahrnehmung problematischer Praktiken ethnischer und religiöser Gruppen, wie etwa der Zwangsheirat. Sexuelle Kontrolle findet sich aber nicht nur hier, sondern zeigt sich auch im Ausschluss gleichgeschlechtlicher Paare von der Ehe. Die Autorinnen und Autoren untersuchen diese Problematiken aus juristischer wie aus sozialanthropologischer Perspektive für Österreich, Großbritannien und die Türkei und zeigen die Notwendigkeit auf, die Debatten um kulturelle Unterschiede, Geschlechtergleichheit und sexuelle Autonomie zusammenzuführen.Auszüge aus dem Buch
Sabatina James kam 1992 im Alter von zehn Jahren mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern von Pakistan nach Linz in Oberösterreich. Sie lernte Deutsch, besuchte ein Gymnasium und wurde österreichische Staatsbürgerin. Mit 16 ließen sie ihre Eltern, weil ihnen die Tochter zu westlich geworden war, bei einer Tante in Pakistan. Diese schickte sie in Koranschulen, um eine anständige Frau aus ihr zu machen. Als sie gegen ihren Willen mit einem Cousin verheiratet werden sollte, wehrte sie sich zunächst, stimmte dann aber der Verlobung zu, um nach Österreich zurückkehren zu können. Wieder in Österreich, verließ sie nach einem (weiteren) Streit mit den Eltern ihre Familie, konvertierte zum Christentum und wurde daraufhin von ihrer Familie mit dem Tode bedroht. Sie suchte Schutz bei einem Pfarrer, der die damalige Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) um Hilfe für Sabatina bat. Heute kümmert sich Sabatina James mit einer Stiftung um junge Frauen mit ähnlichen Erfahrungen und ist Botschafterin von Terre de Femme, einer Frauenrechtsorganisation in Deutschland.
Die Bundesministerin war nach ihrer Begegnung mit Sabatina James betroffen und als sie kurz danach auch noch ein Mädchen aus Pakistan mit ähnlichen Problemen zurückholen musste, war sie davon überzeugt, dass diese Fälle nur die "Spitze eines Eisbergs" (Rauch-Kallat, Interview vom 07.05.2007) darstellten. Sie griff das Thema, das zu diesem Zeitpunkt bereits in vielen Ländern Europas für hitzige Debatten sorgte, in einer Veranstaltung zum Internationalen Frauentag 2004 mit gleich fünf Ministerkolleginnen in einer Podiumsdiskussion auf. In den folgenden Jahren wurde der Kampf gegen die Gewalt an Frauen aus ethnisch und religiös minorisierten Kontexten zum Herzstück der österreichischen Frauenpolitik. Unter dem Schlagwort "traditionsbedingte Gewalt" wurden insbesondere Zwangsehen, weibliche Genitalbeschneidung und Ehrenmorde diskutiert und ExpertInnengespräche einberufen. 2006 wurde, wieder unter Zusammenwirken von sechs Bundesministerinnen, ein europaweites Network Against Harmful Traditions (NAHT) geschaffen.
Maßnahmen gegen "traditionsbedingte Gewalt" oder "Gewalt im Namen der Ehre" werden auf Initiative von Feministinnen aus Pakistan, Indien, der Türkei und vielen anderen Ländern bereits seit den 1990er Jahren auf den UN-Weltkonferenzen für Menschenrechte diskutiert. Während Gewalt in den ersten globalen Übereinkommen zur Gleichstellung von Frauen - wie in der UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau (CEDAW 1979) - als Thema gar nicht vorkam, wurde in UN-Dokumenten ab den 1990er Jahren explizit auf Gewalt im Namen der Ehre hingewiesen. 1997 sprach auch die CEDAW-Kommission in einem Monitoring-Prozess mit der Türkei und Israel "Ehre" als Rechtfertigung der Gewalt gegen Frauen an, und seit 2000 sind zahlreiche Aktivitäten und Forschungen initiiert worden (Sen 2005: 56). Im Jahr 2003 meldete sich schließlich auch der Europarat mit der Resolution 1327 zu Wort. Unter dem Titel "So Called Honour Crimes " wird unter Punkt 1 definiert, dass es sich dabei um eine "violation of human rights based on archaic, unjust cultures and traditions" handelt. Die Resolution betont, dass diese Gewalttaten nicht von religiösen, sondern von "kulturellen" Wurzeln verursacht seien; gleichzeitig wird aber bemerkt, dass die Mehrzahl der berichteten Fälle in Europa in muslimischen Gemeinschaften angesiedelt war.
Obwohl die angesprochenen Formen von Gewalt an Frauen in Europa nach 40 Jahren Arbeitsmigration durchaus nicht neu waren, haben die Kämpfe immer mehr junger Frauen (und auch junger Männer) um Selbstbestimmung und Freiheit bei der Partnerwahl in den letzten Jahren zu steigenden Spannungen und zu einigen erschütternden Fällen von Zwangsverheiratung und Ehrenmord geführt. Junge Frauen, die sich den Erwartungen der Familien widersetzen, tragen nicht nur zu einer neuen Sichtba
Biografie (Sabine Strasser)
Sabine Strasser ist Associate Professor an der Middle East Technical University (METU), Ankara, und Senior Researcher an der Universität Wien.Biografie (Elisabeth Holzleithner)
Dr. Elisabeth Holzleithner ist Universitätsassistentin am Institut für Rechtsphilosophie und Rechtstheorie an der Universität Wien.Anmerkungen:
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