Juliane Jacobi: Mädchen- und Frauenbildung in Europa, Fester Einband
Mädchen- und Frauenbildung in Europa
- Von 1500 bis zur Gegenwart
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- Verlag:
- Campus Verlag, 09/2013
- Einband:
- Fester Einband
- ISBN-13:
- 9783593399553
- Umfang:
- 509 Seiten
- Sonstiges:
- m. 8 Abb.
- Copyright-Jahr:
- 2013
- Gewicht:
- 740 g
- Maße:
- 218 x 147 mm
- Stärke:
- 35 mm
- Erscheinungstermin:
- 15.10.2013
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Inhaltsangabe
Inhalt
Einleitung: Warum eine vergleichende Geschichte der Mädchen- und Frauenbildung seit der Frühen Neuzeit?9
1Ehrbarkeit und Frömmigkeit (1500-1700)17
1.1Weibliche Bildungsideale im Spannungsfeld der Konfessionen17
1.1.1Die Erziehung zur Ehefrau und Mutter20
1.1.2Weibliche Gelehrsamkeit als Ausnahmefall33
1.1.3Die Alternative: Ehelosigkeit46
1.1.4Französische Salonkultur61
1.2Bildungsangebote für Mädchen65
1.2.1Privaterziehung66
1.2.2Schulen70
1.2.3Der Lehrstoff: Lesen, Schreiben, Nähen87
1.2.4Alphabetisierungsrate der Mädchen92
1.2.5Schulmeisterinnen und Ordensfrauen96
1.3Zusammenfassung104
2Vernunft, Gefühl und Tugend (1700-1800)107
2.1Erziehungstheorie - mehr als nur Rousseau109
2.2Französische Pädagogik122
2.3Englische Pädagoginnen128
2.4Deutschlands Töchter137
2.5Erziehung und Unterricht142
2.5.1Privaterziehung142
2.5.2Fortbildung durch Lektüre145
2.5.3Internate und Pensionate148
2.5.4Stadtschulen für den Mittelstand159
2.5.5Elementar-, Armen- und Industrieschulen162
2.6Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit?170
2.7Zusammenfassung172
3Bildung und fromme Häuslichkeit (1800-1860)175
3.1Rosenstreuende Engel und Mütter der Nation177
3.1.1Weibliche Liebestätigkeit: die Romantisierung der Religion189
3.1.2Das Hauswesen als staatstragende Aufgabe195
3.2Pensionate, Töchterschulen und boarding schools200
3.2.1Unternehmerinnen, Lehrkongregationen und der Staat: Frankreich203
3.2.2Von der Wohnstube zum Klassenzimmer: Deutschland207
3.2.3Mädchenschulen als family home: England217
3.3Lehrpläne und Methoden220
3.3.1Tendenz zur Nützlichkeit220
3.3.2Näh- und Strickschulen223
3.3.3Prüfungen als Gefahr für die Weiblichkeit225
3.4Kulturimperialismus und Frauenförderung - europäische Mädchenbildung außerhalb Europas229
3.5Zusammenfassung233
4Politisierung und weiblicher Kulturbeitrag (1860-1918)235
4.1Die Gesellschaft, der Staat und die Mütter238
4.1.1Getrennte "Lebenskreise" für Frau und Mann240
4.1.2Weibliche Erwerbstätigkeit und mütterlicher Beruf247
4.2Elementarbildung für brave Mädchen aus dem einfachen Volk254
4.2.1Ein Meilenstein: die allgemeine Schulpflicht257
4.2.2Organisation der Elementarschulen260
4.2.3Elementarbildung geschlechtstypisch265
4.2.4Berufsziel: Lehrerin271
4.2.5Nationale Entwicklungen in der Lehrerinnenausbildung276
4.3Sekundarschulen und Hochschulzugang277
4.3.1Frankreich: Mädchenbildung zwischen Kirche und Staat278
4.3.2Deutschland: der Ausbau der Töchterschule zur höheren Mädchenschule289
4.3.3England: Privatschulen für Mädchen307
4.3.4Der Kampf um die akademische Bildung317
4.4Ausbildung als Vorbereitung für neue Berufsfelder320
4.5Zusammenfassung344
5Gleichheit und Ungleichheit: 1918-2000349
5.1"Emanzipation unter Vormundschaft" 350
5.2Schulen: Chancengleichheit und Geschlechterdifferenzierung358
5.2.1Auf dem Weg zur "Demokratisierung": die Zwischenkriegszeit358
5.2.2Die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg380
5.2.3Bildungschancen für Mädchen395
5.3Bildung und Ausbildung für "Frauenberufe"399
5.4Die akademischen Studien für Frauen410
5.4.1Bildungspolitik in Frankreich, Deutschland und England411
5.4.2Studienfachwahl: autonome Entscheidungen?424
5.4.3Studienbereitschaft, Eheschließung und Studienabbruch427
5.4.4Deutschland - eine verspätete Nation?431
5.5Gleichheit und Ungleichheit436
Lebensverhältnisse - Bildungsverhältnisse441
Abkürzungen449
Literatur450
Auswahlbibliografie488
Bildnachweis490
Danksagung491
Register493
Klappentext
Neuere Gesamtdarstellungen der deutschen Bildungsgeschichte berücksichtigen die Mädchenbildung allenfalls marginal. Auch europäische Perspektiven werden in ihnen fast gar nicht eingenommen. In ihrem komparativ angelegten Buch - der Summe ihrer langjährigen wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema Mädchen- und Frauenbildung - folgt Juliane Jacobi einem anderen Ansatz: Sie bezieht die für die Bildungsgeschichte Europas besonders aufschlussreiche frühe Neuzeit mit ein und greift bis ins 20. Jahrhundert mit seinen veränderten Geschlechterordnungen aus. Im Fokus steht dabei die Entwicklung der Mädchen- und Frauenbildung in Deutschland, Frankreich und England; Blicke nach Süd- und Osteuropa sowie nach Skandinavien und in die Niederlande ergänzen das Bild.Auszüge aus dem Buch
Wer würde der englischen Historikerin Catherine Macaulay (1731-1791) heute noch widersprechen, die im Zeitalter der Aufklärung die Vorstellung für "absurd" erklärte, "dass die Erziehung des weiblichen Menschen der des männlichen entgegengesetzt sein solle", und Eltern aufforderte, ihre Söhne und Töchter gemeinsam zu erziehen? Im 21. Jahrhundert werden Mädchen und Jungen in Europas öffentlichen Schulen überwiegend gemeinsam erzogen, um "der Vermischung der Geschlechter, die in allen europäischen Gesellschaften vorherrscht", angemessen Rechnung zu tragen. Dabei bestand in den meisten europäischen Ländern jahrhundertelang Konsens darüber, dass Mädchen und Jungen getrennt unterrichtet werden sollten; denn Mädchen mussten auf ein Erwachsenendasein vorbereitet werden, in dem Frauen in anderen rechtlichen, kulturellen und sozialen Verhältnissen lebten als Männer. Selbst heute ist die Debatte um die gemeinsame Erziehung von Mädchen und Jungen nicht verstummt. Denn die Gleichheit aller Schülerinnen und Schüler, die die bildungspolitische Rhetorik seit den großen Bildungsreformen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beherrschte, hat sich spätestens in dem Moment als Fiktion erwiesen, als man die Geschlechterdimension empirisch einbezog: Die Zahlen zur Verteilung von Jungen und Mädchen auf Schultypen und Bildungsgänge und zur Entwicklung der Bildungsbeteiligung zeigen, dass weiterhin Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen bestehen. Dass die Mädchen gemessen an ihrer Leistung zudem in der Schule erfolgreicher als die Jungen sind, führt zu neuen Kontroversen. Weil das Geschlecht eines Kindes offensichtlich nach wie vor bei Bildungsentscheidungen, Bildungserfolg und Erwerbschancen eine, oft sogar die entscheidende Rolle spielt, werden Koedukation und neuerdings auch die wachsende Präsenz von Frauen als Lehrerinnen zum Gegenstand pädagogischer und bildungspolitischer Debatten.
Wenn von Erziehungs- und Bildungsverhältnissen die Rede ist, bleibt das Geschlecht der betroffenen Personen also ein Thema. Dies wird in den wenigsten bildungsgeschichtlichen Darstellungen, die meist eine Geschichte der Jungen- und Männerbildung erzählen, angemessen berücksichtigt. Erst im Zusammenspiel mit einer Darstellung der Mädchen- und Frauenbildung kann die Bildungsgeschichte beleuchten, warum die Geschlechterverhältnisse bei allem Wandel von einem bemerkenswerten Beharrungsvermögen geprägt sind.
Anders als in anderen europäischen Ländern wurde die Geschichte der Mädchen- und Frauenbildung in Deutschland von der neueren historischen Bildungsforschung nie zusammenhängend dargestellt. Dabei haben zahlreiche Studien zu einzelnen Epochen der Mädchenbildung und zur Schulentwicklung, zu einzelnen bildungsgeschichtlich relevanten Personen, Schulen und Themen, zu einzelnen Städten oder Ländern in den letzten Jahrzehnten eine Fülle an neuen Informationen hervorgebracht - diese verlangen eine Synthese.
Vier Gründe waren dafür ausschlaggebend, dass sich diese Darstellung nicht auf die deutsche Geschichte beschränkt. Erstens hat eine zunehmende Anzahl von Forschungen zur Mädchen- und Frauenbildung in Frankreich und England aus den letzten drei Jahrzehnten dazu geführt, die Bildungsgeschichte dieser Länder neu zu deuten. Davon haben auch die Forschungen zur deutschen Bildungsgeschichte als Geschlechtergeschichte profitiert. Zweitens schützt der Vergleich vor Verzerrungen, denen bildungsgeschichtliche Entwicklungen im Allgemeinen, die Mädchen- und Frauenbildung im Besonderen häufig unterliegen, weil die nationale Perspektive in der historischen Bildungsforschung besonders ausgeprägt ist. Wird doch etwas oft als "deutsch", "französisch" oder "englisch" wahrgenommen, was Mädchen und Frauen in ähnlicher Weise in ganz Europa betroffen hat. Ehe und Mutterschaft als Lebensaufgaben, auf die Erziehung vorbereiten sollte, sind nicht nur pädagogisches Erbe der deutschen Klassik, der "gemäßigten" Frauenbewegung od
Biografie
Juliane Jacobi ist Professorin für Historische Pädagogik und Historische Sozialisationsforschung an der Universität Potsdam.Anmerkungen:
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