Jean Amery: Aufsätze zur Philosophie, Fester Einband
Aufsätze zur Philosophie
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- Herausgeber:
- Gerhard Scheit, Irene Heidelberger-Leonard
- Verlag:
- Klett-Cotta, 04/2004
- Einband:
- Fester Einband, Lesebändchen
- ISBN-13:
- 9783608935660
- Umfang:
- 600 Seiten
- Copyright-Jahr:
- 2004
- Gewicht:
- 748 g
- Maße:
- 212 x 138 mm
- Stärke:
- 41 mm
- Erscheinungstermin:
- 15.4.2004
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Kurzbeschreibung
Amérys Arbeiten zur Philosophie: alle wesentlichen Aufsätze zu diesem Bereich sind hier versammelt darunter einige wichtige, bisher noch nie gedruckte Essays, die für den Rundfunk geschrieben wurden.
Beschreibung
Als dritter Band der großen Améry-Ausgabe erscheinen Amérys Arbeiten zur Philosophie; alle wesentlichen Aufsätze zu diesem Bereich sind hier versammelt darunter einige wichtige, bisher noch nie gedruckte Essays, die für den Rundfunk geschrieben wurden. Die drei Schwerpunkte dieses Bandes repräsentieren die Hauptstadien von Amérys Entwicklung:
Die Essays zur modernen französischen Philosophie: vom Existentialismus über die immer wieder aufgenommene Auseinandersetzung mit Sartre bis zu Lévi-Strauss und Foucault. Dann die Kritik der deutschen Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts, Texte also zu Hegel, Nietzsche, Heidegger, Marcuse, Bloch, zum Positivismus und zur Kritischen Theorie. Und schließlich die großen Aufsätze über "Autorität und Freiheit", oder die "Sprache des Menschen".
Eine Dokumentation im Anhang bringt Dokumente zur Rezeptionsgeschichte der Texte. Das Nachwort erläutert Amérys philosophische Entwicklung, die sich in der unaufhebbaren Spannung zwischen dem Denken der Aufklärung und der Erfahrung der Tortur vollzog.
Inhaltsangabe
Engagement und Tendenzwende Der Existentialismus in Frankreich. Revolution des Geistes? Mode? Oder Dämmerung des "Esprit français"? (1945) Französische Sozialphilosophie im Zeichen der "linken Frustration" (1966) Jean-Paul Sartres Engagement (1968) Jean-Paul Sartres Kritik der dialektischen Vernunft (1968) Wider den Strukturalismus. Das Beispiel des Michel Foucault (1973) Fremdling in dieser Zeit. Zu Werk und Gestalt des Strukturalisten Claude Lévi-Strauss (1975) Der leere Mythos Claude Lévi--Strauss. Über den vierten Band der Mythologica (1975) Bericht über den "Gauchismus" (1975) Ein neuer Verrat der Intellektuellen? (1977) Französische Tendenzwende? Politische und philosophische Aporien im Lande des Cartesius (1977) Michel Foucaults Vision des Kerker-Universums (1977) Michel Foucault und sein "Diskurs" der Gegen-Aufklärung. Vorstellung und Vorbehalt (1978) Neue Philosophie oder alter Nihilismus Politisch-Polemisches über Frankreichs enttäuschte Revolutionäre (1978) Wissen ist GULAG. Über André Glucksmanns Kritik deutscher Meisterdenker (1978)
Befreier oder Oppressor? Jargon der Dialektik (1967) Sie blieben in Deutschland Martin Heidegger (1968) Hegel Befreier oder Oppressor? Überlegungen zum 200.Geburtstag (1970) Für und wider die Lokomotive der Geschichte: Karl Popper Herbert Marcuse (1971) Rückkehr des Positivismus? (1971) Rückblick auf die Apokalypse. Zu Günther Anders Anthropologie des homo faber (1972) Aufrechten Ganges in die Zukunft. Zu Ernst Blochs Experimentum Mundi (1975) Nietzsche der Zeitgenosse. Zu seiner Betrachtung "Schopenhauer als Erzieher" (1975) Schopenhauer: Gefährte und Gefahr. Zu den Neuausgaben der Werke (1978) Ludwig Wittgenstein An den Grenzen des Scharfsinns. Zu den Vermischten Bemerkungen Ludwig Wittgensteins (1978)
Aufklärung als Philosophia perennis Autorität und Freiheit (1967) Atheismus ohne Provokation (1968) Gewalt und Gefahr der Utopie. Das Prinzip Hoffnung (1969) Weiterleben aber wie? (1970) Die Vielen und ihr Eigentum (1973) Sprache des Menschen (1977) Aufklärung als Philosophia perennis (1977) Die heitere Subversion. Zum 200.Todestag Voltaires (1978) Lessingscher Geist und die Welt von heute (1978)
Anhang
Klappentext
Amérys Arbeiten zur Philosophie: alle wesentlichen Aufsätze zu diesem Bereich sind hier versammelt - darunter einige wichtige, bisher noch nie gedruckte Essays, die für den Rundfunk geschrieben wurden. Als dritter Band der großen Améry-Ausgabe erscheinen Amérys Arbeiten zur Philosophie; alle wesentlichen Aufsätze zu diesem Bereich sind hier versammelt - darunter einige wichtige, bisher noch nie gedruckte Essays, die für den Rundfunk geschrieben wurden. Die drei Schwerpunkte dieses Bandes repräsentieren die Hauptstadien von Amérys Entwicklung: Die Essays zur modernen französischen Philosophie: vom Existentialismus über die immer wieder aufgenommene Auseinandersetzung mit Sartre bis zu Lévi-Strauss und Foucault. Dann die Kritik der deutschen Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts, Texte also zu Hegel, Nietzsche, Heidegger, Marcuse, Bloch, zum Positivismus und zur Kritischen Theorie. Und schließlich die großen Aufsätze über »Autorität und Freiheit«, oder die »Sprache des Menschen«. Eine Dokumentation im Anhang bringt Dokumente zur Rezeptionsgeschichte der Texte. Das Nachwort erläutert Amérys philosophische Entwicklung, die sich in der unaufhebbaren Spannung zwischen dem Denken der Aufklärung und der Erfahrung der Tortur vollzog.Auszüge aus dem Buch
Nachwort
Jean Améry hat sich nicht als Philosoph verstanden. Seine Form, die großen Strömungen und Systeme der Philosophie darzustellen, bedeutende und weniger bedeutende Denker zu porträtieren, weicht offenkundig von gängigen Vorstellungen ab, wie sie im akademischen Rahmen und vor allem in Deutschland verbreitet sind. Er beschreibt sie "aus nächster Ferne" mit Leidenschaft und zugleich mit Skepsis. Leidenschaftlich ist die Parteinahme für Sartres Philosophie und die Dankbarkeit gegenüber dem Positivismus des Wiener Kreises aber zugleich betrachtet er beide schon aus der Ferne, als historisch gewordenes und begrenztes, nicht mehr unmittelbar wirkendes Denken.
Leidenschaftlich auch ist die Ablehnung des französischen Strukturalismus und seine Gegenrede zum deutschen Jargon der Dialektik doch er kann im Siegeszug von Foucault die eigene Niederlage erkennen, und er weiß, daß, wer auf die "Gangart" des spekulativen Denkens ganz verzichtet, diese Niederlage auch noch bejahen muß. Das spezifische Ineinander von Empathie und Distanz ist einzigartig an den hier vorliegenden Aufsätzen zur Philosophie. Es ist die Form, in der Améry seine Erfahrungen zur Sprache bringt ohne unbedingt von ihnen selbst zu sprechen wie in seinen großen Essaybänden. Was sich darin als Idiosynkrasie (gegenüber Foucault oder Adorno) mitunter erbittert oder als Sympathie (gegenüber Sartre und Bloch) manchmal überschwenglich äußert, bildet jenen Teil der Erfahrung, den Améry nicht durchwegs erhellen kann, der aber gleichwohl seine Reflexionen zur Erhellung antreibt.
Die eigentümliche Konstellation dieses Denkens gibt in nuce die Passage eines Briefs zu erkennen, den Améry 1965 seinem Wiener Jugendfreund Ernst Mayer kurz nach einer Begegnung mit Ernst Bloch geschrieben hat: "Ich glaube nicht, daß ich bestechlich bin, weil er mir die größte Sympathie bezeugte, wenn ich sage: seit ich 1946 hier Sartre sprechen hörte, hatte ich noch nie so sehr das sichere Gefühl, einem großen Denker zu begegnen. Nicht daß Blochs Philosophie die meine, die unsrige wäre: er verachtet die Positivisten und entwirft eine ausgewachsene Existential-Metaphysik, die sehr weit vom Marxismus entfernt ist ( ). Es ist eine mir eigentlich fremde Gedankenwelt, aber sie ist von solcher Wucht und Tiefsinnigkeit, sie wird in einer so hinreißenden Sprache vorgetragen, daß man ihr den Respekt nicht verweigern will und kann. Daß man über den bloßen Neopositivismus hinausgehen muß, des bin ich ganz ohne Bloch, eher von Sartre her gewiß: es hat keinen Sinn ( ) ein Leben lang nachzudenken, um dann festzustellen, daß A gleich A ist. Und dennoch muß man im Negativen, d. h. bei der Enthüllung von Schein fragen, den positivistischen Weg gehen und sich immer wieder, wenn man zum Hochflug ansetzen will, sagen: Der Sinn eines Satzes ist der Weg seiner Verifizierung. Ich habe es aufgegeben, zu einer gefestigten Weltanschauung gelangen zu wollen; eine solche ist unter den heutigen Umständen wahrscheinlich gar nicht mehr möglich. Das beste, was sich noch erzielen läßt, ist ein Denken, das mit sich selbst aufrichtig ist."
Diese Konstellation des Denkens konnte Améry in kaum mehr als einem Jahrzehnt von 1966 bis 1978 entfalten. Erst nach seinem großen Erfolg mit Jenseits von Schuld und Sühne erhielt er überhaupt Gelegenheit, Philosophisches im engeren Sinn zu publizieren. Davor mußte er solche Gedanken noch in Auftragsarbeiten gleichsam einschmuggeln. (Bereits in der Geburt der Gegenwart von 1961 konnte er allerdings, insbesondere im Kapitel über Frankreich, in größeren Zusammenhängen eigene Überlegungen in der Darstellung des französischen Existentialismus entwickeln; vgl. GW). Nun aber taten sich überall Möglichkeiten der Vermittlung auf, seine Präsenz in der Öffentlichkeit erreichte beachtliche Intensität: er nahm an zahllosen Diskussionen in Rundfunk und Printmedien teil und publizierte unablässig Essay nach Essay in wichtigen Zeitschriften, Z
Biografie (Gerhard Scheit)
Gerhard Scheit, geboren 1959 in Wien. Studium: Wiener Musikhochschule, Universität Wien, FU Berlin. Freier Autor. Arbeiten zur Kritischen Theorie; über den Souverän und die Ästhetik in der Moderne.Biografie (Jean Amery)
Jean Amery wurde am 31.10.1912 in Wien geboren, absolvierte eine Buchhändlerlehre und studierte Philosophie und Literatur. 1938 emigrierte er nach Belgien, wo er 1943 als Mitglied der Widerstandsbewegung verhaftet und ins KZ Auschwitz deportiert wurde. Nach 1945 lebte er in Brüssel als freier Schriftsteller und Rundfunk-Mitarbeiter.§Jean Amery erhielt unter anderem den Deutschen Kritikerpreis (1970), den Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1972) und den Lessingpreis der Stadt Hamburg (1977).§Am 17. Oktober 1978 hat Jean Amery in einem Salzburger Hotel den Freitod gewählt.Biografie (Irene Heidelberger-Leonard)
Irene Heidelberger-Leonard, geboren 1944 in der Emigration in Frankreich. Professorin an der Universite Libre de Bruxelles. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Jean Amery und zur zeitgenössischen Literatur, u. a. zu Günter Grass, Alfred Andersch, Jurek Becker, W. G. Sebald.Anmerkungen:
Bitte beachten Sie, dass auch wir der Preisbindung unterliegen und kurzfristige Preiserhöhungen oder -senkungen an Sie weitergeben müssen.