Dominique Bona: Camille und Paul Claudel, Flexibler Einband
Camille und Paul Claudel
- Originaltitel: Camille et Paul. La Passion Claudel
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- Übersetzung:
- Eva Moldenhauer
- Verlag:
- btb, 03/2010
- Einband:
- Flexibler Einband
- ISBN-13:
- 9783442739967
- Copyright-Jahr:
- 2010
- Gewicht:
- 326 g
- Maße:
- 187 x 118 mm
- Stärke:
- 27 mm
- Erscheinungstermin:
- 15.3.2010
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Beschreibung
Camille Claudel verbindet seit ihrer Kindheit eine besondere Beziehung zu ihrem Bruder Paul. Aufgewachsen unter dem strengen Regiment der gefühlskalten Mutter, geben sich die Geschwister gegenseitig Halt und entdecken gemeinsam ihre Begeisterung für die Kunst. Als Camille allerdings die Geliebte von Auguste Rodin wird, kommt es zum Bruch. Viel zu sehr verletzt den tief religiösen Paul die Affäre seiner Schwester mit Rodin. Während Paul später zu einem der angesehensten Schriftsteller Frankreichs wird, driftet Camille nach der Trennung von Rodin immer stärker in eine Wahnwelt ab und verbringt die letzten dreißig Jahre ihres Lebens in einer Heilanstalt.
Auszüge aus dem Buch
DIE ERDE UND DER WIND
Geburten
Camille, die ältere, schlägt die Augen im Winter auf. Das Land rings um Fereen-Tardenois ist gefroren. Die Bäume sind kahl, die Herden in den Stall zurückgekehrt. Ein eisiger, böser Wind, der den Kindern, die alt genug sind, die Stimme des Teufels zu hören, Alpträume beschert, bläst und heult über den Schieferdächern der kleinen Stadt, der Hauptstadt des Departements Aisne. Nichts vermag diesen Wind zu mildern oder zu besänftigen, wenn er sich entfesselt: Seine mächtigen Wutausbrüche sind von dieser Gegend ebensowenig zu trennen wie die fette Erde und die hügelige Landschaft. Das Wasser des Ourcq wird bald gefrieren. Es ist der 8. Dezember 1864, der Tag, an dem die Katholiken das Fest der Unbefleckten Empfängnis begehen - der nicht mit der Erbsünde behafteten Geburt der Jungfrau Maria.
Die Geburt dieser Tochter, so katholisch sie mehr der Tradition als der Überzeugung nach sein mag, verdrießt die Mutter: Zu ihrem Geburtstag, denn an ebendiesem Tag wird sie vierundzwanzig, erhoffte sie sich einen Knaben. Statt sich zu freuen, verhehlt die junge Wöchnerin nicht ihren Kummer. Eine untröstliche und noch Trauer tragende Mutter hat eine Tochter zur Welt gebracht: Denn vor kaum fünfzehn Monaten hat sie einen Sohn verloren, ihren Erstgeborenen Charles-Louis. Am 1. August 1863 geboren, starb er am 16., einen Tag nach dem der heiligen Jungfrau geweihten Tag, die ihre Gebete sichtlich nicht erhört hat. Vom ersten Augenblick, vom ersten Schrei an schmollt die Mutter mit ihrer Tochter. Sie enttäuscht ihre Hoffnungen. Der Groll wird ihr immer bleiben.
Der Vater dagegen lächelt dieses robuste Kind an, das nach zwei langen Ehejahren Leben und Schwung in sein Heim bringt.
Er zürnt dem Himmel nicht, sich im Geschlecht geirrt zu haben, indem er ihm eine Tochter sandte. Im übrigen glaubt er recht wenig an den Himmel und an Gott, noch weniger an die heilige Jungfrau. Er ist ein eingefleischter Republikaner, hochzufrieden, mit achtunddreißig Jahren endlich Vater zu sein.
Das Baby wird am 25. Januar getauft, auf den androgynen Vornamen Camille, in dem sich die Sehnsucht nach einem Sohn widerspiegelt. Eine Zeremonie im engen Familienkreis, vorgenommen von ihrem Großonkel mütterlicherseits, der Pfarrer ist.
Paul, der jüngere, kommt mitten im Sommer zur Welt: am 6. August 1868, also knapp vier Jahre nach Camille. Für die Katholiken ist es das Fest der Verklärung, das an den Tag erinnert, an dem Christus in seinem himmlischen Glanz dreien seiner Jünger auf dem Berg Tabor erschien. Die Sonne versengt die Felder, die Wiesen und den Garten des Presbyteriums von Villeneuve, wohin die Familie, vom Onkel und Pfarrer begrüßt, soeben umgezogen ist, vier Kilometer von Fere entfernt. Die Mutter kommt in einem Zimmer im ersten Stock nieder, das wegen der Hitze und der vielen Gerüche der Umgebung bald stickig sein wird, am frühen Morgen jedoch noch relativ kühl ist. Es ist vier Uhr morgens. Das Dorf schläft. Die drei Glocken der Kirche, die vom Presbyterium nur durch eine schlichte Hecke getrennt ist, haben noch nicht zur Frühmette geläutet. Mit der Freude der Eltern übereinstimmend, ertönt der erste Hahnenschrei im Hühnerhof.
Da ist er endlich, der heiß ersehnte Sohn. Er soll Paul heißen, wie Madame Claudels einziger Bruder: ein schwer zu tragender Vorname, denn es ist der eines Selbstmörders - Paul Cerveaux hat sich im Alter von dreiundzwanzig Jahren in der Marne ertränkt. Kaum zwei Jahre trennen den Tod dieses jungen Mannes von dem Neffen, den er nicht kennenlernen wird. Und als sollte das Kind die Erinnerung an all ihre Trauerfälle der jüngsten Zeit in sich tragen, geben die Eltern ihrem Sohn auch noch die Vornamen von Charles-Louis, seinem verstorbenen kleinen Bruder.
Wie um das Unglück abzuwenden, kehrt man sie um: nach Paul kommt Louis, dann Charles und zum Schluß Marie. Die heilige Jungfrau wird ihn vor diesen weißen Phantomen beschützen, den tragischen Schatten, d