Detailinformationen

  • Campus Verlag GmbH, 05/2006
  • Einband: Kartoniert / Broschiert
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 9783593380261
  • Bestell-Nr.: 7679484
  • Umfang: 537 Seiten
  • Gewicht: 665 g
  • Maße: 217 x 144 mm
  • Stärke: 34 mm
  • Erscheinungstermin: 15.5.2006

Kurzbeschreibung

Eliten als Hoffnungsträger?

Inhaltsangabe

Vorwort
Einleitung
Herfried Münkler, Matthias Bohlender und Grit Straßenberger
I. Macht und Ohnmacht der Eliten: Historische und politische Perspektiven
Vom gesellschaftlichen Nutzen und Schaden der Eliten
Herfried Münkler
Ratlose Eliten: Politik, Demokratie und Beratung
Birger P. Priddat
Zirkulation der Leitprofessionen und Elitennetzwerke
Politiktsoziologische Thesen zur juristischen Elite im
deutschen Staatsdienst
Karsten Fischer
Prominenz und Prestige
Zur Geschichte einer geistes- und sozialwissenschaftlichen
Öffentlichkeitselite
Rüdiger vom Bruch
Diskurskoalitionen in den Wirtschaftswissenschaften
Ökonomische Deutungseliten in der Schweiz
Susanne Burren und Pascal Jurt
Elitedebatten in der Bundesrepublik
Harald Bluhm und Grit Straßenberger
II. Elitekonsens und Elitenintegration nach dem Korporatismus
Nach dem Korporatismus: Neue Eliten, neue Konflikte
Wolfgang Streeck
Vom Netzwerk zum Markt?
Zur Kontrolle der Managementelite in Deutschland
Jürgen Beyer
Zwischen Politik und Arbeitsmarkt
Zum Wandel gewerkschaftlicher Eliten in Deutschland
Anke Hassel
Lobbyismus als Elitenintegration?
Von Interessenvertretung zu Public Affairs-Strategien
Rudolf Speth
III. Eliten in der Wissens- und Netzwerkgesellschaft
Die "Entzauberung der Eliten": Wissen, Ungleichheit und Kontingenz
Nico Stehr, Christoph Henning und Bernd Weiler
Differenzierungseliten in der "Gesellschaft der Gegenwarten"
Armin Nassehi
Der Fall der Elite
Die "Unterführung" der Gesellschaft
Stephan A. Jansen
Das Willkürhandeln von Persönlichkeiten
Die Integrationsfunktion von Eliten im Übergang zur
Netzwerkgesellschaft
Dirk Baecker
Wissensmärkte und Bildungsstatus
Elitenformation in der Wissensgesellschaft
Frank Nullmeier
IV. Eliten-Bildung zwischen Leistung, Habitus
und Exzellenz
Exzellenz im Kontext gegenwärtiger Bildungsreform
Johannes Bellmann
Hochbegabung oder Langstreckenlauf?
Eliteleistungen aus Sicht der Expertiseforschung
Ralf T. Krampe
Führungskräfte: Vom Privatbeamten zum Wissensarbeiter
Hermann Kotthoff
Corporate Universities im Karrieremanagement von Eliten
Maike Andresen
Vermarktlichung der Elitenrekrutierung?
Das Beispiel der Topmanager
Michael Hartmann
Abschied von den Eliten
Karl Ulrich Mayer
Literaturverzeichnis
Personen- und Sachregister
Autorinnen und Autoren

Klappentext

Eliten sind im letzten Jahrzehnt in Deutschland wieder im Gespräch. Ihre Notwendigkeit und Förderung ist zu einem beliebten Thema der Reformdiskussion geworden. In den Beiträgen wird die abnehmende Bedeutung traditioneller und die Entstehung neuer Eliten mit neuen Handlungsspielräumen untersucht. Es zeigt sich, dass Skepsis angebracht ist gegenüber der Erwartung, eine Rückkehr zum Modell einer Elitengesellschaft könne die aktuellen Probleme lösen. Mit Beiträgen von Dirk Baecker, Rüdiger vom Bruch, Michael Hartmann, Karl Ulrich Mayer, Herfried Münkler, Armin Nassehi, Frank Nullmeier, Birger Priddat, Nico Stehr, Wolfgang Streeck und anderen.

Auszüge aus dem Buch

Einleitung
Herfried Münkler, Matthias Bohlender und Grit Straßenberger
Seit geraumer Zeit ist in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit, in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft von Eliten die Rede - von ihrem vermeintlichen Versagen, ihren Fehlentscheidungen und ihren Versäumnissen. Elitenversagen zu thematisieren und öffentlich zu debattieren ist an sich nicht überraschend. Was in der aktuellen Diskussion überrascht und bemerkenswert erscheint, ist dagegen die Art und Weise, wie dies geschieht. Denn es bleibt nicht einfach bei einer Kritik der Eliten, es wird zugleich die Forderung nach neuen Eliten, nach neuen Ausbildungswegen, neuen schulischen Förderungsinstrumenten, ja nach Elitehochschulen und Eliteuniversitäten laut. Der Ruf nach neuen Eliten für die "Berliner Republik", nach mehr Verantwortung, Leistung, Innovation und Kreativität in den Topetagen der gesellschaftlichen Führungskräfte reiht sich ein in den allgemeinen und allgegenwärtigen Krisen- und Reformdiskurs einer vermeintlich "blockierten Gesellschaft", deren leitendes Personal und deren zentrale Institutionen angesichts der vielbeschworenen Globalisierung nun auf dem Prüfstand stehen. Können neue Eliten die Blockade auflösen? Welche Eliten sollten das sein? Was sind ihre Kompetenzen und Fähigkeiten? Und woher sollen sie kommen?
Es gibt Elitediskussionen, die aus der Grundhaltung von beati possidentes, von "glücklichen Besitzenden" heraus geführt werden: Man ist sich seiner Sache sicher, besitzt Elitenvertrauen und besorgt sich allenfalls um die berühmten Stellschrauben des Elitehandelns und der Elitereproduktion. Verglichen damit hat die in Deutschland seit den 1990er Jahren geführte Diskussion über die vorhandene und die gewünschte Elite des Landes etwas geradezu Hysterisches. Sie ist grundiert von einer Angst des Elitenversagens, das mehr als nur Teilbereiche, sondern die Zukunft des ganzen Landes und seiner Menschen betrifft, wie der Titel des 1992 erschienenen einflussreichen Buches von Peter Glotz, Rita Süßmuth und Konrad Seitz signalisiert: "Die planlosen Eliten. Versäumen die Deutschen ihre Zukunft?". Der Verdacht ökonomischer und kommunikativer Inkompetenz sowie die Sorge um die Leistungsfähigkeit der Universitäten als der wichtigsten Reproduktionsagentur von Eliten machen den Grundtenor dieses Buches aus. Angemahnt wird eine Verbesserung der Elitenqualität, um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein.
Daneben gibt es eine kontinuierliche Kritik daran, dass die soziale Zusammensetzung der Eliten in keiner Weise der der Gesellschaft entspricht, sondern der Zugang zu Spitzenpositionen nach wie vor von der sozialen Herkunft abhängig sei. Explizit oder implizit wird hier eine Veränderung der Elitenkomposition eingefordert, die unter dem Stichwort der Gerechtigkeit auf ein Mehr an sozialer Repräsentativität hinauslaufen soll. Und schließlich wird das Elitenethos kritisiert, insofern die Inhaber von Spitzenpositionen in Wirtschaft und Politik mehr an der Erhöhung ihres Einkommens als an den gemeinwohlfördernden Effekten ihres Tuns orientiert seien. Die Altersversorgung der Politiker wie die Jahreseinkommen von Managern waren ein großes Thema, das vor dem Hintergrund von Reformstau und hoher Arbeitslosigkeit verhandelt wurde. Hier wird ein Elitenethos angemahnt, das Spitzenpositionen wieder stärker in die Dimension des Dienstes am Gemeinwesen als der Privilegien für den Positionsinhaber stellt.
Die deutsche Elitendiskussion ist keine der beati possidentes, sondern wird von der Befürchtung bestimmt, dass man nicht hat, was man dringlich haben müsste: leistungsfähige, die soziale Zusammensetzung der Gesellschaft repräsentierende und in ihren Einkommens- und Versorgungserwartungen zurückhaltende Eliten. Das Problem ist, dass man das alles zusammen schwerlich bekommen kann und es in der öffentlichen Diskussion keinen Konsens darüber gibt, welche Anforderungen prioritär und welche nachrangig sind

Biografie (Herfried Münkler)

Herfried Münkler, geb. 1951 in Friedberg, ist Professor für Politikwissenschaft an der Humbold-Universität zu Berlin und Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Er ist mit zahlreichen Studien zur politischen Ideengeschichte und zur Theorie des Krieges hervorgetreten. Nicht wenige davon sind mittlerweile Standardwerke.

Biografie (Matthias Bohlender)

Matthias Bohlender (Prof. Dr.) lehrt Politische Theorie an der Universität Osnabrück. Seine Forschungsschwerpunkte sind Politische Theorie und Ideengeschichte, Diskursanalyse und Epistemologie, Politische Ökonomie sowie Theorien des Sozialstaates und der Sozialpolitik.

Anmerkungen:

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