Film-Highlights im courier 06/2017

7. Juni 2017

»High Noon in Cannes« – so bezeichnet Hanns-Georg Rodek in »Die Welt« vom 17. Mai 2017 die Versuche von Netflix & Co., hinter den Kulissen des Filmfestivals von Cannes die alten Regeln der Auswertungsfenster von Kinofilmen abzuschaffen. Wenn Filme vom ersten Veröffentlichungstag an gestreamt werden, was bedeute das für die Existenz des Kinos? Wie viele Kinofans würden das Haus nicht mehr verlassen, wenn sie die bislang üblichen vier Monate nicht mehr warten müssten? Schon im letzten Jahr hatte Netflix den Film »Beasts of no Nation« gleichzeitig mit dem Kinostart gestreamt. Und je mehr Kinofilme Netflix und Co. selbst produzieren, desto stärker wird ihre Position im Kampf gegen die Kinos. Letztlich können nur die Filmfans selbst ihre 4700 deutschen Kinoleinwände ähnlich schützen, wie US-Buchkäufer ihren lokalen Buchhändler vor dem Internethandel retteten: Die »buy local«-Kampagnen waren über die Jahre so erfolgreich, dass zwei Drittel aller Indie-Buchhändler ihre Umsätze wieder erhöhen konnten.

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Gerhard Georg Ortmann

Verfasst von Gerhard Georg Ortmann

Gerhard Georg Ortmann verantwortet bei jpc nicht nur den Filmbereich, sondern ist auch der Unternehmensgründer und Geschäftsführer.

2 Antworten zu “Film-Highlights im courier 06/2017”

  1. Raphael SOMMER sagt:

    Guten Tag! Grundsätzlich halte ich es für sehr bedenklich, alles immer sofort und überall verfügbar zu haben (…z.B. Erdbeeren im Winter). Vorfreude, warten können und die Dinge zu seiner Zeit zu nutzen würde auch der Entschleunigung unserer Zeit helfen. Was die Veröffentlichung/Verbreitung von Kinofilmen anbelangt, so sollten wir wieder lernen zu unterscheiden, nur einen Film zu schauen, zu konsumieren und dem bewussten -vielleicht abendfüllenden- Event, einen Film in Größe und einem Kino mit seiner ganzen Atmosphäre und „drumherum“ zu erleben. Hier sind sicherlich auch die Kinobetreiber mit ihrem leidenschaftlichen Einsatz gefragt (…egal ob Multiplex oder Programmkino)!!! Und auch wichtig: klappern gehört zum Handwerk)!!! Ein Kinobetreiber sagte mal: Sie schauen einen Film, wir machen Kino! Eine nette Zwitter zwischen dem bloßen schauen eines Filmes und den professionellen Kinos ist das eigene, nach persönlichen Vorstellungen gebaute Heimkino, in denen dann auch aus dem bloßen Film schauen ein Event gemacht werden kann. Vieles könnte zu dem Thema noch gesagt werden!
    Mit freundlichen Grüßen!
    Raphael Sommer

  2. fred W. Wadsworth sagt:

    the reason many kino fans would be happy to stay at home and stream the films that interest them (accent here on interested) is that cinema going today has become a tortuous experience of sitting next to someone who a) texts throughout the film. b) eats and drinks throughout , that necessitates several visits to the loo or more supplies of buckets of popcorn, obnoxious smelling gloop or bottles of beer that are placed on the floor only to suddenly roll noisely round the cinema at a tense, quiet part of the film, c) sit in front of someone who put their feet up on the back of ones seat or fidgit throughout the film banging the seat with their feet and then are most indignant when asked to refrain from said behaviour. Stream away Netflix.