Die bunte Welt der Vinyls – Folge 1: Colored Vinyl

4. Mai 2017

Colored Vinyl »Schwarzes Gold« – dieses weitverbreitete Synonym für die Schallplatte trifft heute nur noch bedingt zu, denn die Tonträger sind längst nicht mehr einfach nur schwarz. Stattdessen wird die Welt der Vinyls seit Jahren immer bunter. »Colored Vinyls«, LPs und Singles in allen Farben des Regenbogens, sind vor allem für Sammler und Liebhaber das Nonplusultra.

So präsentierten die Progressive-Metaler Baroness ihr letztes Album »Purple« passend zum Titel in transparentem Violett, Joe Jacksons Best-of-Album »Collected« gibt es 2017 in leuchtendem Türkis, Rapper Marteria setzt bei seiner neuen Platte »Roswell« auf rotes Vinyl. Farblos oder durchsichtig geht es übrigens auch, zum Beispiel bei »For The Young«, dem sechsten Album der schwedischen Singer-Songwriterin Anna Ternheim. Man spricht hier von »Clear Vinyl«.

Jenseits der Einfarbigkeit

Anna Ternheim (Clear Vinyl)

Hinzu kommen spezielle »Colored Vinyls«, die weit über die Monochromie hinausgehen. Egal ob kleine grüne Akzente auf weißem Untergrund, wie bei K’s Choices »Almost Happy«, sogenanntes »Splatter Vinyl«, zum Beispiel Enter Shikaris »Live At Alexandra Palace«, Holzoptik bei Bruce Springsteens »Chapter And Verse« oder im Rotwein-Look wie bei UB40s »Collected«, der Fantasie der Künstler sind hier nahezu keine Grenzen gesetzt.

Unterschiede beim Klang

Joe Jackson (Turquoise Vinyl) Fest steht: »Colored Vinyls« sind ein echter Hingucker und bringen Farbe in den Plattenschrank. Aber wie steht es mit dem Klang? Gibt es Unterschiede zwischen klassisch-schwarzem, buntem und durchsichtigem Vinyl?

Zunächst einmal muss man festhalten, dass die Klangqualität von vielen Kriterien abhängt, vom Presswerk über die Spielzeit bis hin zur richtigen Behandlung durch den Besitzer, usw. Weitere Faktoren sind natürlich der Plattenspieler und die »richtige« Musikanlage.

Enter Shikari (Splattered Vinyl) Was die Farbigkeit betrifft, so scheiden sich die Geister. Die eine Seite der Kontroverse meint, die unterschiedlichen Farben des Granulats, Farbstoffe oder Pigmente hätten Einfluss auf die Häufigkeit von Pressfehlern, die wiederum zu schlechterem Klang führen. Vor allem Metallpartikel, zum Beispiel in weißem Vinyl, führen öfter zur Fehlerbildung. Herstellungsprozesse für mehrfarbige Schallplatten (marmoriert, Splatter, etc.) würden ebenfalls die Fehlerquote steigern. Und da selbst schwarzes Vinyl eingefärbt wird, gilt oftmals »Clear Vinyl« als die beste Wahl.

Weil schwarzes Vinyl aber immer noch am häufigsten produziert wird, was ganz einfach der Tradition und den Kosten zu verdanken ist, sind auch die meisten Pressmaschinen perfekt darauf ausgerichtet – ein gutes Argument für den »Klassiker«.

Die verschiedenen Farbkonzentrate zur Herstellung von farbigem Vinyl werden jedoch ständig optimiert. Auch deshalb gibt es noch die andere Seite der Debatte, die keine oder nur ganz geringe klangliche Unterschiede zwischen den Pressungen sieht bzw. hört, zumindest in Abhängigkeit von der jeweiligen Farbe.

Bruce Springsteen (Wood Colored Vinyl) Mein Fazit: Farbiges Vinyl sieht gut aus, kann aber schlechter klingen als das klassische schwarze Vinyl. Die Betonung liegt auf »kann«, denn tatsächlich darf man hier aufgrund zu vieler anderer Faktoren nicht verallgemeinern.

PS: Wieder ein anderes Thema sind die sogenannten »Picture Discs«. Außerdem gibt es in der Welt der Schallplatten neben »Colored Vinyl« auch noch andere Exoten, die man durchaus als skurril bezeichnen kann, zum Beispiel LPs mit Hologramm.

Die Diskussion zum Beitrag bei Facebook

Schwarzes Vinyl ist zwar nach wie vor der Klassiker bei der Schallplattenproduktion, aber Vinyls in allen Farben des…

Posted by jpc.de on Thursday, May 4, 2017

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Christoph van Kampen

Verfasst von Christoph van Kampen

Christoph van Kampen ist unser Texter und Redakteur. Neben Rock, Pop, Klassik und Jazz beschäftigt sich der Schallplattenliebhaber bevorzugt mit dem Thema Vinyl, zum Beispiel hier im Blog.

5 Antworten zu “Die bunte Welt der Vinyls – Folge 1: Colored Vinyl”

  1. Funky Mö sagt:

    Sehr schöner Artikel! Gerne mehr davon. Meinetwegen dürfen die Platten gerne schwarz bleiben und nur in Einzelfällen mal farbig sein. Also genau so wie es momentan auch ist!

  2. Max Herzog sagt:

    Super Artikel. Sehr Gerne mehr davon. Ob Blond oder Braun, es kommt auf die Verarbeitung an. Gute Sachen haben ihren Preis. Also für mich weiter so, auch mit Farbigem-Vinyl.

  3. Peter Wybierek sagt:

    Der Artikel ist wirklich gut. Aber eins steht fest: Ohr muß, und Auge kann! Also die meisten farbigen sind ja eh Lim. Editon. Von daher pake ich die dann eh nicht aus. Fazit: dann höre ich Sie auch nicht. Die eine oder andere habe ich mir direkt doppelt gekauft LOL Weezer Das blaue …
    Macht weiter so. Ich hoffe das ich noch mehr von euch höre.

  4. Pat sagt:

    Mein Gott, was soll man als Sammler dazu sagen … Farbig ist halt speziell. Denke da an Black and White von den Strangler, das ich in s/w-marmoriertem Vinyl habe. Oder Pink Floyds Animals in pinkem Vinyl. Da passen Cover und Vinyl wunderbar zusammen und ergeben ein feines Gesamtpaket.

  5. nobbi sagt:

    Vorab gesagt, ich kaufe auch seit einigen Jahren verstärkt wieder Vinyl. Aber wenn es um den Klang geht, egal ob black oder colored, ist Vinyl heute die zweite Wahl. Jede Kellerband produziert und mastered heute digital. Warum dann noch der Umschnitt ins analoge. Mit all seinen Nachteilen. Wie gesagt, Neuware betreffend. Da muss ich leider den Leitspruch von Herrn Lindemann zitieren: DSD ist das neue Analog.