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    Erich Wolfgang Korngold (1897–1957)

    Erich Wolfgang Korngold Man hat Erich Wolfgang Korngold gelegentlich als den »letzten Romantiker« bezeichnet. Ein Wissenschaftler nannte ihn den »letzten Atemzug der Wiener Romantik«. In jedem Fall aber war er eins: das letzte wirkliche Wunderkind unter den Komponisten Mitteleuropas.

    Dieser Status als »Mozart des frühen 20. Jahrhunderts« trug dem Sohn des einflussreichen Wiener Musikkritikers Dr. Julius Korngold anfangs viel Bewunderung ein: Geboren am 29. Mai 1897, kam der Knabe praktisch von Anfang an in jenen kultivierten Zirkel, wo man es mit Richard Strauss, Giacomo Puccini, Felix von Weingartner und vielen anderen Prominenten zu tun hatte. Sie alle zollten der frühen Begabung des jungen Korngold höchsten Respekt, und Gustav Mahler, der eine Kantate des Zehnjährigen in die Hände bekam, scheute sich nicht, ihn ein Genie zu heißen.

    Darin lag freilich eine größere Tragik als in der Wendung, die Korngolds Leben nach dem »Anschluss« Österreichs im Jahre 1938 nahm. Als die neuen Machthaber die Ostmark »heim ins Reich« holten und das einstige Wunderkind gezwungen war, mit seiner Familie in die USA zu fliehen, waren die künstlerischen Früherfolge längst Geschichte: Die Sinfonietta op. 5 (1912), die Opern Der Ring des Polykrates (1915) und Violanta (1916) und endlich das Meisterwerk Die tote Stadt (1920) hatten ihrem Schöpfer eine enorme Anerkennung eingebracht. Dirigenten wie Otto Klemperer, Hans Knappertsbusch und Bruno Walter dirigierten Korngold, der kriegsversehrte Pianist Alfred Wittgenstein bestellte ein linkshändiges Klavierkonzert bei ihm und bekam eines der originellsten Stücke, die er je hat spielen können. Doch als dann 1927 die letzte große Oper (Das Wunder der Heliane) das Licht der Öffentlichkeit erblickte, stellte sich heraus, dass die Welt an Wunderkindern wie Korngold nicht mehr interessiert war. Der »letzte Atemzug der Wiener Romantik«, die nostalgische Schönheit und glühende Harmonik einer vergangenen Ära zergingen unter dem Anprall der »roaring twenties«.

    Indessen hatte sich Korngold bereits ein neues Betätigungsfeld eröffnet, und hier war er definitiv »der erste«. 1934 hatte ihn Max Reinhardt eingeladen, ihm die Musik zu seiner Hollywood-Verfilmung des Sommernachtstraums zu arrangieren. Und schon damals war Korngolds Gefühl für das junge Medium des Tonfilms unverkennbar gewesen. Der nächste Soundtrack zu Captain Blood war dann der endgültige Beweis: Hier lag die Zukunft nicht nur für den Komponisten, sondern für einen ganzen Schaffensbereich. Ohne die symphonischen Filmmusiken, die Erich Wolfgang Korngold – seit 1938 endgültig in Hollywood ansässig – im Laufe der nächsten Jahre schuf, wären die großen Kinohelden von Erroll Flynn bis Bette Davis recht hölzern über die Leinwand geschritten. Zwei Oscars für die beste Filmmusik sprechen für sich …

    Mitte der vierziger Jahre ging das Interesse am Film allmählich verloren. Der Zweite Weltkrieg war zu Ende, und Korngold plante, wieder in die alte Heimat zurückzukehren. Nicht zuletzt aus diesem Grunde wandte er sich wieder den traditionellen europäischen Musikformen zu. Eines der überragenden Zeugnisse dieser »Rückkehr« ist seine Symphonie in Fis, die seinerzeit freilich genauso wie seine letzten Bühnen- und Konzertwerke völlig gegen den Strom der Moderne schwamm und erst in den letzten Jahrzehnten zu den verdienten Ehren kommt. Als Korngold am 19. November 1957 starb, nahm kaum jemand Notiz.

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