Robert Spaemann: Rousseau - Mensch oder Bürger, Fester Einband
Rousseau - Mensch oder Bürger
- Das Dilemma der Moderne
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- Verlag:
- Klett-Cotta, 08/2008
- Einband:
- Fester Einband
- ISBN-13:
- 9783608942453
- Umfang:
- 156 Seiten
- Altersempfehlung:
- Einsteiger/Laien
- Copyright-Jahr:
- 2008
- Gewicht:
- 199 g
- Maße:
- 179 x 118 mm
- Stärke:
- 20 mm
- Erscheinungstermin:
- 15.8.2008
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Kurzbeschreibung
Rousseau ist der moderne Mensch par excellence
Rousseaus Werk und seine Existenz repräsentieren alle Hoffnungen, alle Nostalgien und alle Widersprüche des modernen Bewusstseins. "Er ist unser aller Vater", schreibt Claude Lévi-Strauss: Revolution und Restauration, liberaler Rechtsstaat und populistische Diktatur, antiautoritäre Pädagogik und Totalitarismus berufen sich auf ihn.
Inhaltsangabe
Einleitung: Mensch oder Bürger - Rousseaus Weg von der Polis zur Natur
1. Natürliche Existenz und politische Existenz
2. Von der Polis zur Natur. Die Kontroverse um Rousseaus ersten "Discours"
3. Zur Vorgeschichte des Naturbegriffs im 18. Jahrhundert
4. Rousseaus ?Émile?: Traktat über Erziehung oder Träume eines Visionärs?
Anmerkungen
Quellen
Klappentext
Aller Streit um den »wahren« Rousseau ist vergeblich. Für jede Verirrung Rousseaus gibt es auch eine Kritik, die sich bei Rousseau selbst findet. Das spätmoderne Individuum wurde schon von Rousseau unnachsichtig entlarvt. Und dennoch stilisierte sich der »arme Jean-Jacques« wie kein Zweiter vor oder nach ihm als zerrissene Persönlichkeit. Diesen fundamentalen Widersprüchen im Denken Rousseaus und seiner Persönlichkeit geht Robert Spaemann auf den Grund. Rousseau wurde zum Vorläufer des modernen Menschen, der auch das 21. Jahrhundert bestimmen wird.Auszüge aus dem Buch
Einleitung:
Mensch oder Bürger - Rousseaus Weg von der Polis zur Natur
Der Gegenstand dieses kleinen Buches ist beinahe unerschöpflich. Irgend etwas läßt einen immer wieder fasziniert und abgestoßen, belehrt und konsterniert, begeistert, gerührt oder angewidert, zu Rousseau zurückkehren. Was eigentlich?
Rousseau ist in unvergleichlichem Sinne eine exemplarische Existenz. Er hat sich selbst so verstanden und stilisiert. Auf den Widerspruch hingewiesen, daß er, der Feind der Künste und Wissenschaften, ein Theaterstück schrieb und veröffentlichte, antwortet er, hierüber ließe sich freilich eine Satire schreiben, aber "eine Satire nicht auf mich, sondern auf mein Zeitalter". Darauf angesprochen, daß er, der Verfasser eines berühmten Buches über Erziehung, seine fünf Kinder sämtlich im Findelhaus abgab, klagt er die herrschende Klasse an, die ihm das Brot für seine Kinder stiehlt. "Brot für seine Kinder" - das umfaßt für Rousseau: die Kosten der Herstellung einer vollständigen pädagogischen Provinz; das antiautoritäre Programm der Erziehung von fünf " Émiles " wäre sehr aufwendig gewesen. Kann aber Rousseau nicht exemplarisch handeln, dann lehnt er jede Verantwortung ab und stilisiert sich zum exemplarischen Opfer. Rousseau hat die "große Verweigerung" vorgelebt wie kein anderer vor oder nach ihm. Gleichzeitig aber ist er der überzeugendste Beweis für Nietzsches und Schelers These vom Schöpferischwerden des Ressentiments. Die Bewegung der Regression, des Ausweichens, der Flucht ist für ihn stets charakteristisch. Ins katholische Konvertitenheim gerät er, weil er sich als 16 jähriger Lehrling nach Torschluß nicht in die Stadt Genf zurücktraut . Er hat ein Halsband gestohlen und schiebt die Schuld auf das Dienstmädchen, in das er heimlich verliebt ist und das mit Schande entlassen wird. Als dem Direktor der Sängerschule von Annecy , den er auf einer Reise nach Lyon begleitet, ein Unfall zustößt, läßt er ihn liegen, taucht in der Menschenmenge unter und macht sich davon.
Haben wir ein Recht, davon zu sprechen? Wir wissen das alles ja nur von ihm selbst. Es sind sozusagen Beichtgeheimnisse. Aber die Beichtväter für seine ?Bekenntnisse? sind wir alle, seine Leser. Rousseau klagt sich nicht vor einem göttlichen Gericht an, er bittet nicht um Vergebung oder dankt für die Einsicht, die ihn diese Bitte tun läßt - wie Augustinus in seinen ? Confessiones ?. Rousseau wählt statt dessen die Rolle des Knechtes im Gleichnis Jesu, der das ihm anvertraute Talent trotzig so abliefert, wie er es bekam, nicht mehr und nicht weniger - "in der ganzen Wahrheit der Natur". "Die Posaune des Jüngsten Gerichtes mag erschallen, wann immer sie will. Ich werde vor den Höchsten Richter treten, dieses Buch in der Hand (!), und laut werde ich sprechen: Hier ist, was ich geschaffen, was ich gedacht, was ich gewesen. Mit gleichem Freimut habe ich das Gute und das Böse gesagt . . . Ich habe mich gezeigt, wie ich gewesen bin: verächtlich und niedrig, wo ich es war, und ebenso edelmütig und groß, wo ich es war ..."
Und dann spricht er sich selbst los, indem er das Wort Jesu "Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie" in eine egalitäre Herausforderung umformuliert : "Wer wagt es hervorzutreten und zu sprechen: ?Ich war besser als dieser Mann??" Auch die ?Bekenntnisse? sind eine exemplarische Fluchtbewegung, eine Flucht nach vorn.
Bei Rousseau wird das Ressentiment schöpferisch. Zehn Jahre hat er versucht, den Weltmann zu spielen. Er hat nach Art von Voltaires ? Mondain ? in mit- tel mäßigen Versen Reichtum und Luxus als Wohltäter der Menschheit gepriesen, die Seidenspinnereien von Lyon verherrlicht und den Versuchungen der Don Quichotterie widerstanden: "Es wäre nicht gut in der Gesellschaft, wenn zwischen den Rängen größere Gleichheit herrschte. Soll ich einer eitlen Marotte folgen und den großen Deklamator machen, den neuen Don Quichote ?"
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Biografie
Robert Spaemann wurde 1927 in Berlin geboren. Er promovierte 1952 in Münster, war dann vier Jahre lang als Verlagslektor tätig. 1962 habilitierte er in den Fächern Philosophie und Pädagogik und war bis 1992 ordentlicher Professor an den Universitäten Stuttgart, Heidelberg und München.Anmerkungen:
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