Marianne Krüll: Krüll, M: Geburt ist nicht der Anfang, Fester Einband
Krüll, M: Geburt ist nicht der Anfang
- Die ersten Kapitel unseres Lebens, neu erzählt
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- Verlag:
- Klett-Cotta Verlag, 08/2009
- Einband:
- Fester Einband
- ISBN-13:
- 9783608945560
- Umfang:
- 394 Seiten
- Sonstiges:
- m. 39 Abb.
- Ausgabe:
- 1., vollst. überarb. u. aktualis. Neuausg.
- Copyright-Jahr:
- 2009
- Gewicht:
- 548 g
- Maße:
- 222 x 145 mm
- Stärke:
- 28 mm
- Erscheinungstermin:
- 15.8.2009
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Kurzbeschreibung
Vom ersten Moment unseres embryonalen Daseins an stehen wir im Austausch mit unserer Umgebung. Wie entscheidend unser gesamtes Leben von unseren vorgeburtlichen und vorsprachlichen Erfahrungen geprägt wird, führt uns die Autorin eindrücklich vor Augen: Ein überzeugendes Plädoyer für eine bewusste Rückbesinnung auf unsere früheste Erlebniswelt.
Inhaltsangabe
Einleitung
Dank
KAPITEL 1
Vom Anfang bis zum Embryo - die ersten acht Lebenswochen
Die ersten sensomotorischen Verbindungen
Das "Urgehirn" und die übrigen Teile des embryonalen Zentralnervensystems
Schlussfolgerungen: Die Welt des Embryos
DIALOG I Die Gentechnologie und wir
KAPITEL 2
MenschSein als Fötus - von der achten Woche bis zur Geburt
Die motorischen und sensorischen Fähigkeiten des Fötus
Das Zentralnervensystem des Fötus - Die Kortex-Entwicklung
"Tiefenkommunikation" zwischen Mutter und Fötus - das vorgeburtliche Bonding
Schlussfolgerungen: Die Welt des Fötus
DIALOG II Was ist "Vererbung"?
DIALOG III Zur Abtreibung
KAPITEL 3 Die Geburt
"Tiefenkommunikation" - Das Bonding
Das Zentralnervensystem während und kurz nach der Geburt
Geburt auf Bali
Schlussfolgerungen: Die neue Welt nach der Geburt - Die Bedeutung der Geburtskultur für das Individuum und die Gesellschaft
DIALOG IV Ein Brief an meine Kinder
KAPITEL 4 Mensch-Sein vor der Sprache
Das erste Lebensjahr in unserer Kultur
Die frühe Säuglingszeit
Die Anfänge der selbständigen Erkundung der Welt
Die selbständige Fortbewegung
Neurophysiologische Veränderungen in der vorsprachlichen Phase
Misshandlung und Vernachlässigung
Das erste Lebensjahr auf Bali
Schlussfolgerungen: Sozialisation in der vorsprachlichen Zeit und ihre Bedeutung für das Individuum und die Gesellschaft
DIALOG V Über den Trieb-Begriff
KAPITEL 5 Mensch-Sein in der Sprache
Anatomische und neurophysiologische Voraussetzungen der Sprachfähigkeit
Der Spracherwerb
Die durch Sprache entstehenden Welten
Gehörlosigkeit 302
Schlussfolgerungen:
Sozialisation durch Sprache und ihre Bedeutung für das Individuum und die Gesellschaft
DIALOG VI Von Müttermythen und Männermacht
KAPITEL 6 Schluss: Ein neues Menschenbild
DIALOG VII Gibt es Hoffnung?
Anmerkungen
Glossar
Nachweis der Abbildungen
Literatur
Klappentext
Anschaulich beschreibt das Buch, wie unser vorgeburtliches Leben, die Geburt und die ersten nachgeburtlichen Monate die Grundlage für unseren Zugang zur Welt bilden. Es zeigt die faszinierenden Erkenntnisse auf, die durch moderne Forschungs- und Diagnostikmethoden (Ultraschalltechnik, prä- und perinatale Psychologie, Gehirnforschung) gewonnen werden können. Kritisch setzt sich Marianne Krüll mit den Entwicklungen der modernen High-Tech-Geburtshilfe und der künstlichen Befruchtung auseinander und bezieht Stellung zu ethischen Fragen wie Genmanipulation und Stammzellgewinnung. Das macht ihr Buch zu einem leidenschaftlichen Plädoyer für ein ganzheitliches Menschenbild, das Mensch-Werden von Anfang an als einen unablässigen Prozess des Austauschs zwischen inneren Zuständen und äußeren, gesellschaftlichen Bedingungen begreift.Auszüge aus dem Buch
Einleitung
"Alles, was lebt, kann nie so bleiben wie es ist. Dies gilt für jede einzelne Zelle, das gilt für jeden von uns, und das gilt natürlich auch für jede Gesellschaft. Eine Zelle kann sich nur verändern, indem sie die Art des Zusammenwirkens ihrer Teile verändert. Wir können uns nur verändern, indem wir die Art des Zusammenwirkens derjenigen Zellen verändern, die unser Verhalten bestimmen. Und eine Gesellschaft kann sich nur verändern, wenn sich diejenigen verändern, die diese Gesellschaft so machen, wie sie ist."
(Gerald Hüther: Biologie der Angst, S. 110)
Als ich im Jahre 1982 begann, Material für dieses Buch zusammenzutragen, ahnte ich nicht, wie sehr es für mich eine Art eigener Neugeburt sein würde. Es hat mich durch schwierige Jahre begleitet, musste viele Male umgeschrieben werden, weil ich immer wieder auf neues Material, auf neue Sichtweisen zum Thema stieß, aber auch, weil ich - nicht zuletzt durch die Beschäftigung mit dem Thema - ein anderes Verhältnis zu mir selbst bekam.
Das ist jetzt, nach mehr als 25 Jahren wieder geschehen: Wieder wurde ich aufgerüttelt durch das, was ich neu entdeckte. Einerseits fand ich mich bestätigt, denn in den letzten Jahren haben sehr viele Menschen erkannt, wie bedeutsam die ersten Jahre unseres Lebens vor und nach der Geburt für unser ganzes Leben sind. Ich fühle mich mit meinen Ideen nicht mehr in dem Maße als Außenseiterin wie noch vor 25 Jahren.
Andererseits bin ich entsetzt über viele Entwicklungen, die ich zwar schon damals befürchtete oder sogar voraussah. Doch nun erleben zu müssen, wie das Geburtsgeschehen immer mehr zu einem Krankheitsbild deformiert wird, erschreckt mich sehr. Die medizinischtechnischen "Fortschritte" der chirurgischen und medikamentösen Geburtshilfe, der pränatalen Diagnostik, der künstlichen Befruchtung bis hin zur "therapeutischen" Stammzellengewinnung und Genmanipulation lassen ein Klima entstehen, in dem all das gefährdet ist, was ein neues Menschenwesen für sein Wachsen und Gedeihen im Mutterleib und danach braucht - nämlich Geborgenheit, Sicherheit und vor allem Liebe.
Ich hatte damals gehofft, dass sich die in unseren Gesellschaften dominierende Geburts-"Un"-Kultur, wie ich die High-Technology in der Geburtshilfe nannte, allmählich zurückbilden würde, weil immer mehr Frauen ihre Würde als Gebärende einfordern würden. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Gynäkologie und Geburtshilfe sind fest in Männerhand. 98 Prozent aller Entbindungen in Deutschland finden in Kliniken statt, die Kaiserschnittrate beträgt über 30 Prozent, mit steigender Tendenz. Auch durch die Vorsorgeuntersuchungen wurden Schwangerschaft und Geburt zu einer gefährlichen Krankheit gemacht, die klinischärztlich kontrolliert werden muss. Angst ist die treibende Kraft, die Schwangere motiviert, sich in die vermeintlich sichere Obhut der Klinikärzte und ihrer Apparatemedizin zu begeben, ohne zu bemerken, dass Angst auch die Ärzte treibt. Sie befürchten, Fehler zu machen und ihre Kontrolle zu verlieren. Doch Angst ist die denkbar schlechteste Geburtshelferin! Die Angst vor möglichen Problemsituationen und Komplikationen kann diese als selbsterfüllende Prophezeiung hervorrufen, und angsterfüllte Ärzte greifen schneller zum Skalpell als nötig.
Ich bedaure auch sehr, dass wir zwar im Ultraschall die erstaunlichen Lebensäußerungen von Föten bewundern können und uns die wachen, großen Augen von Neugeborenen auf den Hochglanzfotos in den Schwangeren-Ratgebern begeistern, dass aber in der breiten Öffentlichkeit wenig Bewusstsein darüber besteht, was diese Kinder im Mutterleib und in der neuen Welt brauchen, um die begonnene Entwicklung ihrer Sinne im Positiven fortzuführen. Ein buntes Mobile, regelmäßige Mahlzeiten und frische Luft sind auf keinen Fall genug. Menschenkinder brauchen vielfältigste Anregungen für alle ihre Sinne, damit sich ihr Gehirn strukturieren und aufbauen kann. Werden bestimmte Sinnesreize nic
Biografie
Dr. Marianne Krüll, geb. 1936 in Berlin, Schriftstellerin und ehemals akademische Rätin am Seminar für Soziologie der Universität Bonn, forscht in den Grenzgebieten zwischen Psychologie und Soziologie und arbeitet als feministische Wissenschaftlerin. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Töchtern und lebt in Bonn. 2007 wurde Marianne Krüll "BücherFrau des Jahres".Anmerkungen:
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