Wer bist du und was hörst du? – Folge 1

13. April 2017

In unserer neuen Blogserie »Wer bist du und was hörst du? – Lieblingsalben des jpc-Teams« stellen wir euch ab jetzt regelmäßig unsere Mitarbeiter, ihre liebsten Platten, Jugendsünden auf CD und aktuellen Geheimtipps vor. Dazu haben wir ein kleines Interview vorbereitet. Den Anfang macht heute Dominik.

Wer bist du und was machst du bei jpc?

Dominik Gawehn zeigt sein Lieblingsalbum.Hey, mein Name ist Dominik Gawehn, ich arbeite seit 2010 bei jpc als Bucheinkäufer und verantworte hier im Haus alles »Rund ums Thema Bücher, Hörbücher und Zeitschriften«. Zu meinen täglichen Aufgaben gehören neben der Disposition und Reklamation auch die Online-Shop-Pflege unseres Buchangebots sowie die Auswahl der im jpc-courier beworbenen Buchtitel.

Auch wenn es wirklich schwer ist, sich festzulegen: Welches ist DAS eine Album, dein Lieblingsalbum, das beste, wichtigste, das, das man immer hören kann? Und vor allem: warum?

Isaac Hayes: Hot Buttered SoulAlso, nach reiflicher Überlegung: Neben all meinen wirklich inzwischen unzähligen Jazz-»All time favorites« möchte ich hier doch ein Meisterwerk des symphonischen Soul nennen: »Hot Buttered Soul« von Mr. Isaac Hayes aus dem Jahre 1969. Der auch als »Black Moses« (so auch ein Albumtitel aus dem Jahr 1971) in die Annalen der Black Music eingegangene Sänger/Composer/Multiinstrumentalist ist wirklich »Kult«, sein auf dem legendären Südstaaten-Label Stax (u. a. auch Booker T. & MGs, Rufus Thomas, Sam & Dave, Otis Redding usw.) erschienener Zweitling war/ist wirklich bahnbrechend und schlicht wegweisend für das ganze Genre. Hier nimmt der »Oscar(Shaft!), Grammy und Golden Globe« verwöhnte Ausnahmemusiker (und Teilzeit-Schauspieler) Ike begleitet von den fantastischen Bar-Kays (Ex-Band von Otis Redding) wirklich den »psychedelischen Soul« der Siebzigerjahre vorweg, und als ich diese LP dann zum ersten Mal auf meinen soeben erstandenen »Linn LP 12«-Plattenspieler auflegte, war es um mich geschehen.

Seit jener Zeit und besonders in den Jahren darauf habe ich JEDE Platte von Isaac, Curtis (Mayfield) und Marvin (Gaye) und Co. gesammelt. Mich hatte der Soul-&-Funk-Virus mächtig erwischt. In jener Zeit in Hamburg lebend tingelte ich nahezu jedes Wochenende in den »Mojo-Club« und lernte immer neue »Rare Groove«-Künstler kennen und kaufte weiterhin sehr viel altes Vinyl.

Aber zurück zum epochalen »Hot Buttered Soul«-Album. Hört euch die mehr als zwölfminütige Soul-Hymne »Walk On By« (Burt Bacharach) heute möglichst laut auf einer guten Anlage an! Es wird euch umhauen! Das unaussprechliche »Hyperbolicsyllabicsesquedalymistic« ist der Prototyp eines »Funky Groove Monsters«. »By the time I get to Phoenix« ist ein echter »Tripp«. Und schließlich »One Woman«, mit diesem »Sweet Soul«-Sahnestück schließt unser Crooner hier diese (4-Track) »Über-LP«. Für mich ist sie ein unverzichtbarer Juwel und sie gilt weltweit als »Holy Grail«. Als ich dann Isaac Hayes endlich auch selbst in den HHer »Docks« 1989 live erleben durfte, war es einfach himmlisch diese charismatische Persönlichkeit on Stage erleben zu können. Aktuell gibt es diesen Millionen-Seller auch bei uns wieder als tolles Vinyl-Reissue und natürlich auch als CD-Deluxe-Edition. Greift hier zu, solange sie verfügbar sind!

Und kannst Du Dich auch noch an das erste Album erinnern, das Du Dir selbst gekauft hast?

Das erste Album, an das ich mich erinnern kann, war, soweit ich recht entsinne, Kraans LP »Wiederhören«. Das Cover und die Hörprobe im Essener Plattenladen »Elpi« waren 1978/79 (ich war etwa 13) einfach so »infektiös«, dass ich das »krautige« deutsche Rock-Jazz Album dauerhaft auf unserem heimischen »Thorens« rotieren ließ.

Oder war es doch Frank Zappas »Sheik Yerbouti«?! Auch eines meiner ganz frühen »Erweckungserlebnisse«. Aber, da ich eh in einem recht progressiven Haushalt aufwachsen durfte, wurde ich schon früh mit Captain Beefheart, den Mothers of Invention und Miles’ »Bitches Brew« konfrontiert (oder besser beschallt!), mal abgesehen von den jährlichen Besuchen des Moerser Jazz-Festivals, auf denen ich schon als Teenie etwa zu den schrägen Klängen des Chicago Art Ensembles tanzen lernte. Eine sehr reiche und vielfältige musikalische Sozialisation war mir damals erfreulicherweise vergönnt.

Heute scheue ich so auch vor praktisch keiner Musik, mag sie auch noch so verrückt erscheinen, zurück und habe mir meine offenen Ohren bewahren können und entdecke auch hier in diesem wunderbaren Haus mit den »drei Buchstaben« täglich »Unerhörtes«. So soll es sein. Musik ist ein Abenteuer und begleitet mich durch mein Leben ebenso wie die faszinierende Welt der Literatur.

Und last but not least: Gibt es aktuell ein Album, das das Potenzial hat, eins Deiner neuen Lieblingsalben zu werden?

The Jazz Passengers: Still Life With TroubleJa, aktuell gibt es eine Neuerscheinung, die mich bereits in der jpc-Hörprobe ungeduldig und regelrecht »nervös« werden ließ: Das neue Album der Jazz Passengers mit dem wunderbar doppelbödigen Titel »Still Life With Trouble«. Roy Nathanson, Curtis Fowlkes, Marc Ribot und Co. garantieren auch zum 30-jährigen Bestehen der »J.P.« eine irrsinnige Spielfreude gepaart mit viel Witz und tollen, nonkonformistischen Kompositionen. Sie sind einfach die Marx Brothers des zeitgenössischen Jazz (Roy sieht zudem auch noch aus wie ein »Groucho Marx«!) und nur die ebenfalls aus New York stammenden »Bebop-Terroristen« von Mostly other People do the Killing (Tipp!) können da noch mithalten.

Da ich (beide) Acts schon Live erleben konnte, weiß ich, was für fantastische Menschen und Musiker Roy, Curtis und Co. sind. Tolle Vocal-Nummern lockern auch die jüngste CD wieder »hübsch« auf und lassen das Werk (wie schon seinen Vorgänger »Reunited«) trotz Anspruch unterhaltsam und eingängig werden. Lieben Dank hier auch an das umtriebige Münchner Enja Label. Macht weiterhin solche tollen Produktionen.

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Christoph van Kampen

Verfasst von Christoph van Kampen

Christoph van Kampen ist unser Texter und Redakteur. Neben Rock, Pop, Klassik und Jazz beschäftigt sich der Schallplattenliebhaber bevorzugt mit dem Thema Vinyl, zum Beispiel hier im Blog.

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