Mike Skinner hat sein viertes THE STREETS-Album am Start. Everything Is Borrowed erinnert uns massiv an all die Gründe, warum THE STREETS von Anfang an mehr war als irgendeine Band. Es sind die prägnanten Lyrics, die nachdenklichen Analysen im Subtext und Skinners einmaliges Talent, komplizierte Gefühlslagen mit hohem musikalischem Anspruch auf den Punkt zu bringen. Everything Is Borrowed vereint das Beste aus den vorangegangenen drei Alben, natürlich nicht, ohne wieder ganz neue und frische Elemente einzubringen. Nach dem ausgeprägten Zynismus von The Hardest Way… überrascht Everything Is Borrowed mit der Flamme des Optimismus. Vom Titeltrack Everything Is Borrowed, der darüber meditiert, wie man aus den unendlichen Möglichkeiten des Lebens das Beste machen kann („I came to this world with nothing, and I'll leave with nothing but love, everything else is just borrowed ...“) bis zum nahezu mystischen Finale The Escapist, in dessen Video Skinner wie auf einer Pilgertour zu Fuß quer durch Frankreich geht, durchzieht eine heilende Gelassenheit das ganze Album. Skinner hat das sinnlose Herumhängen mit Promis und Paparazzi hinter sich gelassen und offensichtlich eine neue Perspektive auf das Leben gefunden. Auf Everything Is Borrowed nimmt er sich warmherzig der Verlorenen an und zaubert auch auf das traurigste Gesicht noch ein tröstendes Lächeln. Sich auf die ersten Prinzipien zu besinnen, ist eine Sache. Aber vor die ersten Prinzipien zurück zu gehen, ist eine andere. Auf Everything Is Borrowed kombiniert Skinner seinen Hang zum HipHop mit dem Einsatz „echter“ Instrumente, koppelt sich an die Rockgeschichte an und beschäftigt sich mit widersprüchlicher Theologie. Das Ergebnis sind wahre Sing-A-Longs über unkonventionelle Themen wie Religion (Alleged Legends), Evolution (The Way of the Dodo), biologische Bestimmung (On the Edge of a Cliff) und Männerfreundschaften (The Sherry End). Everything Is Borrowed vereint unwiderstehliche Pop-Hooks und das Potenzial des Rap, nahezu kinofähige Geschichten zu erzählen. Wenn man so will, ist Everything Is Borrowed die Antwort des britischen HipHop auf die Fabeln des Äsop. Als die Leute zum ersten Mal das THE STREETS-Debüt Original Pirate Material hörten, wussten viele nicht, was sie davon halten sollten. War der Künstler weiß oder schwarz? Kam er aus London oder aus den Midlands? Meinte er es todernst oder war er bloß ein Spaßmacher? Heute kennen wir Mike Skinner - oder wir glauben es zumindest. Denn damit, dass der Mann mit einem Album von einer bodenständigen Spiritualität wie Everything Is Borrowed kommen würde, hätte wohl keiner gerechnet. Und Skinner hat bei alldem nicht nur zu seinem erzählerischen Elan zurückgefunden, er bringt es auch fertig, auf seinem Wortfluss in Gewässern zu schwimmen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat…
Press comments
C. Dick in Audio 11 / 08: "Mit Album Nummer vier untermauert
er seinen Ruf als Schöpfer kultig-kauziger Klänge zwischen
Garage-Music und Club-Rock eindrucksvoll: spacige
Orgelkaskaden, aufmüpfige Dance-Beats, abgedrehte Samples
und rap-artige Gesänge peppen mächtig und erinnern hier
und da gar an Beck oder Zappa."
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