Lura - die "junge Stimme" der Kapverden
Auf dem 2010 erschienenen "Tribut"-Album "Cesaria Evora & ..." ist im Duett mit der wohl prominentesten musikalischen "Botschafterin" der Kapverden Lura als eine der jüngeren, einprägsamen Stimmen hervorgetreten. In ihrem selbst geschriebenen Titel "Moda Bô" singt sie von Cesaria als ihrem Vorbild aus Kindertagen. Mittlerweile ist sie selbst - spätestens seit ihrem eigenen, bei dem bekannten Label "Lusafrica" (bei dem übrigens schon Cesaria Evora unter Vertrag war) herausgebrachten vielbeachteten Album "Di Korpu Ku Alma" von 2004 - zu einer beachtlichen Solokarriere durchgestartet. In Lissabon geboren und aufgewachsen, aber familiär mit den Kapverden verwurzelt (ihre von dort stammenden Eltern waren in jungen Jahren wie viele Inselbewohner nach Portugal ausgewandert - mit der bleibenden Sehnsucht, eines Tages doch vielleicht wieder dahin zurückzukehren), fühlt sie sich eng verbunden auch mit der dortigen, landestypischen Musikkultur. So gehören zu Luras musikalischem Background neben den frühen Hörerlebnissen von portugiesischer und auch amerikanischer Musik eben zunehmend bewusster die Musikstile der Kapverden, afrikanisch-kreolische, brasilianische, karibische Einflüsse. Haben Luras erste Alben mit viel Zouk und R&B spezifisch ein junges Publikum angesprochen, kann mit den nächsten, deutlich "kapverdischer" erscheinenden Alben nun sogar die jüngere kapverdische Generation immer mehr auch das eigene reiche musikalische Erbe von Tabanka, Cola, Fuaná, Batuku und Co. (wieder-)entdecken. Während die Wegbereiterin für den weltweiten Erfolg kapverdischer Musik, die unübertroffene "Königin" der Mornas und Coladeiras, Cesaria Evora, eher eine traditionelle Linie verfolgte, integriert Lura als Sängerin und Komponistin behutsam moderne Elemente aus den Bereichen Jazz, Pop, Soul. Gerade diese faszinierende Mischung, die mit zu Luras eigenem Profil beiträgt, zeichnet auch ihr Album "Eclipse" von 2009 aus. Es bestätigt Luras großes Talent: das Potential ihrer kraftvollen, warmen, sinnlichen Stimme, ihre ausdrucksstarken, dabei natürlich und intuitiv wirkenden, melancholisch wie heiter gestimmten Liedinterpretationen, die darin zum Ausdruck kommende Energie und Lebensbejahung. Alle Titel sind stimmungsvoll instrumentiert, stilistisch, melodisch und rhythmisch abwechslungsreich - gefühlvolle Balladen sind hier ebenso zu finden wie packende afrikanische Rhythmen, effektvolle Percussion, elegante Akkordeonklänge zum "post-modernen" Tango. Ein wenig bedauerlich ist, dass für die in Kreolisch verfassten Texte das Booklet keine Übersetzung bietet. Abgesehen von diesem kleinen Manko ist "Eclipse" in jedem Fall ein reifes, intensives, mitreißendes Album, das die Erwartungen an das noch für dieses Jahr geplante neue Album entsprechend hochschraubt. In diesem Sinn hat schon früher ein portugiesischer Musikkritiker enthusiastisch die Zukunft kapverdischer Musik mit dem Namen Lura verbunden.