KEREN ANN ist eine der wohl außergewöhnlichsten Musikerinnen, die Frankreich in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Typisch französisch ist an ihrem neuen Album gleichwohl so gut wie nichts. Ohnehin ist die 33-jährige Sängerin und Songwriterin, die ihre Songs wahlweise auf dem Klavier oder auf der Gitarre komponiert, von Haus aus Kosmopolitin. Die Tochter eines russischstämmigen Israeli und einer Niederländerin mit indonesischen Wurzeln wuchs in Paris auf und sorgte von dort aus bereits im Jahr 2000 über Frankreich hinaus für Furore. Mittlerweile hat KEREN ANN in New York ein zweites Standbein und mit dem vor zwei Jahren veröffentlichten Album "Nolita" hat sie gekonnt eine Brücke zwischen dem Chanson der französischen Bohème und dem Folk aus Greenwich Village geschlagen.
Auch mit ihrem nunmehr fünften Soloalbum dürfte KEREN ANN die Kritiker erneut zu Jubelarien anregen. Wie schon auf ihrem Album "Not Going Anywhere" (2003) singt KEREN ANN jetzt wieder ausschließlich Englisch. Außerdem scheint sie künstlerisch nun endgültig in der Neuen Welt angekommen zu sein. "KEREN ANN", das ist ein faszinierender Songzyklus, der sich zu neun Bildern einer Ausstellung formiert, in die man sich versenken kann und in der man immer neue Facetten entdeckt. Neun Songs, jeder für sich ein Musterbeispiel feinsten Songwritings und dazu mit einer Akribie arrangiert, die die Perfektionistin verraten. Die rohen Entwürfe für die Songs hat die rastlose Künstlerin mit den Rehaugen auf Island und in Israel, in Los Angeles, Paris und New York entwickelt. Um zu dem von ihr gewünschten Ergebnis zu gelangen, ihre Songs mit Atmosphäre, ja mit Grandezza aufzuladen, hat sie mit Joe Barresi (Tool, Queens Of The Stone Age, Alanis Morissette) einen Toningenieur engagiert, dessen Arbeiten sie ungemein wertschätzt.
Wer wird beim Opener "It’s All A Lie" nicht an Mazzy Star denken, jene Band um die stellare Sängerin Hope Sandoval, deren wenige Alben von vielen Menschen innig geliebt werden. KEREN ANNs Liebe zu Velvet Underground wiederum, die ihr denn auch schon zahlreiche Vergleiche mit Nico eingebracht hatten, wird einmal mehr deutlich, sei es in der brillant funkelnden Folk-Perle "Lay Your Head Down" oder in dem epischen Pop-Mantra "Between The Flatland And The Caspian Sea". In "The Harder Ships Of The World" wiederum trifft der Weltschmerz der Piaf auf die ätherische Entrücktheit der Cowboy Junkies. Freilich sind all das nur mögliche Assoziationen. "In Your Back" würde wohl auch ohne die Existenz von Portishead so und nicht anders klingen. Fakt ist, dass KEREN ANN noch nie so schwere Geschütze aufgefahren hat wie in dem schleppenden Rockmonstrum "It Ain’t A Crime", wo ihre Stimme zudem noch vom Vocoder verzerrt erklingt. Vielleicht ist das Kernstück des Albums "Liberty", denn KEREN ANN hat sich diesmal alle Freiheiten genommen, die man einem künstlerischen Freigeist ihres Kalibers einräumen muss, um zu einem solch befriedigenden Ergebnis zu gelangen.
Press comments
S. Woldach in Audio 7 / 07: "Die zierliche Französin Keren
Ann, für die Vorgänger-CD "Not Going Anywhere" geliebt,
umgarnt den Hörer in akustisch gefärbten, fein tönenden
Songs zwischen Folk und Chanson, die sie mit verhaltener
Stimme singt, flüstert, hinhaucht."
O. Götz in Musikexpress 7 / 07: "Keren Ann klopft an die
Tür der obersten Songwriterklasse. Sie schreibt Songs. Die
in allen Belangen so bei sich selbst, so stilsicher sind
und so ganz und gar Gefühl und Verstand und Talent und
perfektes Kunsthandwerk, dass es einem den Atem raubte,
würde man sich nicht sofort zu Hause fühlen in ihren
Liedern."
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