New Horizons
Letztendlich kann niemand sicher sagen, ob Hendrix' auf "Electric Ladyland" folgendes Studioalbum genau so ausgesehen hätte wie "First Rays". Aber es wäre der würdige Nachfolger gewesen und es zeigte gleichzeitig neue Richtungen in Hendrix' musikalischer Entwicklung auf. Im Frühjahr, Sommer 1970 arbeitete Hendrix wie besessen am Nachfolger von "Electric Ladyland". Müde, sich immer wieder auf Jukebox Niveau reduziert zu sehen, erschöpft von der erzwungenen Dauertournee, suchte Hendrix nach neuen musikalischen Perspektiven. Sein Hawaii Aufenthalt (und das magische "Pali Gap") waren Konsequenz dieser Suche. Etliche Ideen flossen daraufhin ein in die Studioarbeit. Aus den Notizen, die Hendrix immer wieder machte, geht hervor, dass es ein Doppelalbum werden sollte (wegen der Fülle des aufgelaufenen Materials), dass es weniger Fetzer werden sollten und mehr Balladen, dass es autobiographische Züge haben würde, ja ihm schwebten Songs vor, die sich kritisch mit der gesellschaflichen Entwicklung in den USA auseinandersetzen sollten (dazu kam es dann so nicht).
All dies ist in "First Rays" erfüllt. Zwar gab es vor dem Release von "First Rays" schon "Cry of Love", auf diesem Album finden sich schon viele der Titel (ganz zu schweigen von "Crash Landing" (nur als Vinyl) oder anderen nicht unbedingt autorisierten Veröffentlichungen). Aber nie war Hendrix so offen autobiograhisch wie hier (wenn man von Voodoo Child (die lange Version ist gemeint) mal absieht): "My Friend" und "Belly Button Window" sind autobiographische Kurzgeschichten von Hendrix über Hendrix. Mithin enthält "First Rays" seine persönlichsten Songs. Kompositionstechnisch sind finden sich hier einige seiner ausgereiftesten Stücke. Es finden sich Juwelen wie "Hey Baby" der Nachfolger von "Red House" oder "Earth Blues", seine Auseinandersetzung mit der Diskriminierung Schwarzer in den USA. Und, und und.
Man kann davon ausgehen, dass Hendrix "First Rays" so und genau so autorisiert hätte. Sein persönlichstes Album, vielleicht sein bestes Album, sein reifstes Album: sicher.
Der Sound ist klar, ausgewogen und transparent. Tadellose Arbeit am Mischpult.