Als um 1600 englische Virginalisten mit
Vorliebe lautmalerische Stücke spielten
und bald erstmals in der Instrumentalmusik
Vogelrufe imitiert wurden, handelte es
sich hier um naturalistische Nachahmung
(wobei der Kuckucksruf am leichtesten
wiederzugeben war). Diese Art der lmitation
mit ihren virtuosen, spielerischen Elementen
und vor allem ihrem musikalischen
Witz wollte den Hörer zum Lächeln bringen.
Jedoch bereits gegen Ende des 17.
Jahrhunderts befreien sich die Komponisten
von der Abhängigkeit, die ihnen das
Vorbild auferlegt (Walther und Pasquini),
und aus der naturalistischen Nachahmung
wird die idealistische Nachgestaltung (erste
Hälfte des 18. Jahrhunderts): Der Komponist
gibt das Vorbild stilisiert wieder und
folgt möglichst nur der musikalischen Eigengesetzlichkeit.
Ebenso beabsichtigt er,
mit der Nachgestaltung akustischer Vorbilder
zugleich auch Affekte wiederzugeben.
Damit wird die ursprünglich isolierte Klangmalerei
in eine höhere künstlerische und
musikalische Ebene empor gehoben.
Zu den eingespielten Werken:
Gregor Joseph Werner wurde vermutlich
im Jahre 1695 geboren; am 3. März
1766 starb er in Eisenstadt, wo er Amtsvorgänger
von Joseph Haydn gewesen
war. Als erstes gesichertes Datum ist seine
Anstellung als Esterhazyscher Hofkapellmeister
am 10. Mai 1728 überliefert.
Hier im burgenländischen Eisenstadt
komponierte er eine Überfülle von Gebrauchsmusiken
für Kirche und Konzertraum.
Aber sein strenger Kompositionsstil
fand immer weniger Resonanz, so
dass laut Kontrakt vom 1. Mai 1761 dem
inzwischen kränklichen und alternden G.
J. Werner der junge und tatkräftige
Haydn als Vizekapellmeister an die Seite
gestellt wurde. Als Verfechter der streng
polyphonen Schreibweise nannte er
Haydn einen "Modehansl" und
"Gsanglmacher". Diese Abneigung hinderte
Haydn aber nicht, von Werner mit
Achtung zu sprechen und 1804 dessen
"6 Introduktionen und Fugen für Streichquartett"-
zu veröffentlichen.
Nicht durch seine großen Kirchenwerke
ist der strenge und gottesfürchtige Komponist
Werner bekannt geworden; gerade
seine humorigen und parodistischen
Arbeiten wie vor allem sein "Neuer und
sehr curios-musikalischer Instrumental-
Kalender" erfreute sich großer Beliebtheit.
Hier schildert er in zwölf Suiten lautmalerisch
den Ablauf des Jahres,
typische Naturbegebenheiten und Stimmungen,
die die einzelnen Monate charakterisieren.
Werner war auch mit der
Zahlensymbolik vertraut, wie er gleich
am ersten Stück zeigt: "Neu-Jahrs-Anfang,
zeiget an die kalt- und frostige Zeit,
dann auch die gegenwärtige Jahreszahl
in denen Noten". Zunächst fühlt man das
Zittern in der Kälte: in der folgenden Fuge
erkennt man dann im Themenkopf (g'-f"-c"-c"', Prim- Septime- Quarte- Oktave)
die Jahreszahl 1-7-4-8 als Entstehungsjahr
der Komposition. Nun folgen (in einer
Auswahl) eine lustige "Faßnacht" und
das Erwachen des "Frühlings". In "Das
veränderliche Aprilwetter" wird die Unbeständigkeit
dieses Monats durch ständigen
Wechsel zwischen 4 / 8-, 12 / 8-, 2 / 4-
und 3 / 8-Takt dargestellt. Bald schließen
sich die naturalistische Nachahmung des
"Froschgeschreis" und der "Nachtigall"
an" Auf ein grollendes "Erdbeben" folgt
der in der Julihitze seufzende "Faulentzende"
und nach einem "Donnerwetter" mit Donner, Blitzen und Regengüssen
entspannt sich ein "Stilles Wetter". Der
"Faßbinder" hämmert im rhythmischen
12 / 16-Takt die Reifen auf seine Fässer
und der "Keller" lässt ahnen, wie man
nach einer Weinprobe die Stufen hinabpoltert.
Beim "Posthorn" glaubt man außer
dem Hornsignal und dem Pferdegalopp
noch die sich drehenden Räder zu
erkennen. Die "Mahlmühle" läßt es klappern
und im Gebälk ächzen. Der
"Schlaf" kommt im Dezember wegen
der langen Nächte, aber zum "Jahresende"
findet man sich noch einmal zu einer
lustigen Feier ein.
Leopold Mozart wurde am 14. November
'1719 in Augsburg geboren; er starb
am 28" Mai 1787 in Salzburg. Zunächst
besuchte er das Lyceum der Augsburger
Jesuiten, wo er eine umfassende humanistische
und solide musikalische Bildung
erwarb. 1737 trat er in die Benediktiner-
Universität in Salzburg ein, wo er
1 738 den Grad eines Baccalaureus der
Philosophie erlangte. Aus Not wurde er
zunächst domherrlicher Kammerdiener;
1743IraI er als 4. Violinist in die Salzburger
Hofkapelle ein. Hier rückte er nach
und nach zum "Hof- und Cammer-Componisten"
und 1763 zum Vizekapellmeister
auf. 1756 - im Geburtsjahr seines
Sohnes Wolfgang Amadeus - veröffentlichte
er den "Versuch einer gründlichen
Violinschule", deren deutsche, holländische
und französische Ausgaben seinen
Namen in die ganze damalige musikalische
Welt trugen. Diese Schule ist die erste
umfassende in deutscher Sprache
und bildet eine Fundgrube für Forschung
und Aufführungspraxis. Seine "Frosch-
Parthia" für Violine, Violoncello und Kontrabass
entstand vermutlich um 1750. Der
für ihn typische Zug zum "Popularen"
hat auch der Parthia einen programmatischen
Titel beschieden.
Johann Georg Ahle wurde im Juni 1651
in Mühlhausen (Thüringen) geboren; er
starb dort am 2. Dezember 1706. Als Organist
wirkte er - wie sein Vater Johann
Rudolf - an Divi Blasii, wo ihn nach seinem
Tode der junge Johann Sebastian
Bach ablöste. Er genoss einen ausgezeichneten
Ruf als Organist und Komponist,
aber auch als Dichter. In der Unsterzunft,
einem geselligen Kreis gleichgesinnter
Dichter und Musikfreunde, ist er als Helianus
(Umstellung der Buchstaben des latinisierten
Ahlienus) vertreten. Seine vierteilige
"Musicalische Mayenlust" ist eine
idyllische Erzählung, in die geistliche und
weltliche Lieder sowie einfache, meist
tanzartige Instrumentalsätze verflochten
sind. Der vierte Teil - "Unstrutische Euterpe"
betitelt - enthält einen Streichquartettsatz,
in welchem der Komponist die Primgeige
den Gesang einer Nachtigall am
Ufer der Unstrut imitieren lässt. Dazu bildet
der Komplex der drei unteren Stimmen
den harmonischen Untergrund und gleichzeitig
einen figurativen Kontrast.
Coelestin Harst - geboren 1698 in
Schlettstadt - war Mönch in der Benediktiner-
Abtei Ebersmünster (Elsaß). 1 745
wurde er dort zum Prior ernannt und später
zum Propst des Klosters St. Marx bei
Geberschweier, wo et 1776 starb. Seiner
überragenden Virtuosität auf dem Cembalo
verdankte er eine Einladung an den
Hof Ludwigs XV. Seine Kompositionen
sind Genrebilder, denen er Eindrücke
aus seiner engeren Heimat hinzufügte:
so auch "Der große Sturm" ("le grande
orage") aus "Recueil de différentes piéces
de clavecin". Hier schildert er den
Verlauf eines großen Gewitters: Vom
Verfinstern über die ersten Blitze zum
Wirbelwind, Regen und Hagel, bis das
schöne Wetter wiederkehrt (dargestellt
durch eine lieblich wiegende Pastorale).
Marco Uccellini wurde um 1603 vermutlich
in Forlimpopoli geboren, wo er 1680
auch gestorben ist. Er kam anscheinend
schon vor 1639 nach Modena, wo er
1645 "capo degl istrumentisti di Duca"
und außerdem seit 1647 Kapellmeister
am Dom wurde. 1665 wurde er Hofkapellmeister
in Parma. In der Entwicklung
des italienischen Violinspiels setzte er die
Linie Fontana, Marini, Castello und Buonamente
fort. Seine virtuosen und phantasievollen
Kompositionen bevorzugen
vielfältige Tanzformen und gelegentliche
tonmalerische Stücke, z. B. "Die Hochzeit
der Henne und des Kuckucks" (der
originale Titel lautet: "Maritati insieme la
Gallina, e il Cucco fanno un bel concerto")
aus "Arie et Correnti a 2 e 3" von
1642. Uccellini koppelt zunächst die melodische
Nachgestaltung beider Tierstimmen;
aber allmählich mündet die malende
Melodie in einen musikalischen eigengesetzlichen
Verlauf, das "Concerto".
Johann Heinrich Schmelzer - um 1623
geboren und zwischen Februar und März
1680 in Prag vermutlich an der Pest gestorben
- wurde 1649 in Wien als kaiserIicher Hof Instrumentalist aufgenommen.
Unter Kaiser Leopold l. rückte er bis zum
"primo Violinista della Cappella Cesarea"
auf . 1665 wurde er offizieller Ballettkomponist
am Wiener Hof und 1671 Vizekapellmeister.
1 679 wurde er zum Hofkapellmeister
ernannt. Als bedeutendster
Wiener Ballettkomponist. des 17. Jahrhunderts
schuf er für den Kaiserhof Instrumentaltänze
aller Art. Außer seinen
gedruckten Bänden mit Violinsonaten
(wie z. B. "Sonatae unarum fidium") gibt
es auch Werke handschriftlicher Überlieferung,
so auch die Sonate "Cucu". Hier
erscheint der Kuckucksruf gleich zu Beginn
in der Violine über einer lebhaften
Baßfigur und später inmitten lebhaften
Vogelgezwitschers. Die lebendige Violinstimme
lässt ahnen, warum Schmelzers
Virtuosität "auff seiner allerkunstreichsten
Geigen" gerühmt wurde.
Die Lebensdaten von Nicolaus a Kempis
sind unbekannt. Er stammte wahrscheinlich
aus Florenz: ab 1628 war er
als Organist in den belgischen Niederlanden
tätig. In seinen gedruckten Werken
bezeichnet er sich als Organist an St. Gudula
zu Brüssel. Sein Stil verbindet italienische
instrumentale Kantabilität mit Virtuosentum
(das im damaligen Holland
aufzublühen begann). Von 1 644 bis 1 649
gab er in Antwerpen drei Bände unter
dem Titel "Symphoniae unius, duorum,
trium, lV et V instrumentorum....." heraus.
Der zweite dieser drei Bände enthält
"Symphonia 4. a 4. Supra Cuccuc, vel
Sol mi", ein Streichquartett mit Continuo,
welches den Kuckucksruf als motivische
Keimzelle verwendet.
Press comments
Rheinische Post v. 11.12.90:"Eine witzige und
erstklassig musizierte Aufnahme von ausge-
fallener Barockmusik."
EUR 5.99*
4.79 GBP
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NoteCD (Compact Disc)
Herkömmliche CD, die mit allen CD-Playern und Computerlaufwerken, aber auch mit den meisten SACD- oder Multiplayern abspielbar ist.
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