Eine ausnahmslos faszinierende Zusammenstellung
Ein Wiener-Klassiker, ein Romantiker und ein Spätromantiker, gebannt von Naxos auf einem Tonträger. Diese historischen Aufnahmen Wilhelm Furtwänglers und der Berliner Philharmoniker kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sind - jede auf ihre Art - einzigartig.
Beethoven...
...war der Mittelpunkt in Furtwänglers musikalischem Kosmos. Da wundert es wenig, daß ein Werk des Komponisten auf Furtwänglers erste Plattenaufnahme aus dem Jahr 1926 gehörte. Es war die fünfte Sinfonie, die neben Webers Freischütz-Ouvertüre von Polydor konserviert wurde. Furtwänglers Affinität zu gerade dieser Sinfonie bezeugen die zahlreichen Tondokumente, die erhalten sind.
Die vorliegende Aufnahme ist die zweitälteste und entstand im Oktober/November 1937 im Berliner Beethovensaal für die EMI. Sie ist für mich eine klassische "Furtwängler-Fünfte": kraft- und zugleich maßvoll gespielt, von großem Ausdruck sowie voller "Berliner" Brillanz und Schärfe. Eine noch intensivere Version ist die atemberaubende 1943er, eine breitere die große 1954er, beide in Berlin entstanden.
Furtwängler...
... dirigiert von Furtwängler, heißt es dann beim Adagio solemne, dem zweiten Satz aus seinem Sinfonischen Konzert für Klavier und Orchester. Als Solist steht Edwin Fischer Furtwängler zur Seite. Es ist ein weitgehend langsames, gefühlvolles Stück, das musikalisch im Zentrum des gesamten, dreisätzigen Werks steht. (Neben dieser kommerziellen Aufnahme vom 25. April 1939 gibt es noch eine Gesamtaufnahme, ebenfalls mit Fischer, vom 19. Januar desselben Jahres.)
Wagner...
...-Schätze birgt die CD schließlich am Schluß: das Vorspiel zum ersten Aufzug und den Karfreitagszauber aus Parsifal. Es ist die einzige Aufnahme des Opernauftaktes unter Furtwängler, die erhalten ist. Vom Karfreitagszauber gibt es lediglich eine weitere Aufzeichnung aus dem Jahr 1951.
Wenn man diese unbegreiflich eindringlichen Stücke hört und vernimmt, wie sehr Furtwängler mit Wagners letztem Werk berauscht und entrückt, bedauert man um so mehr, daß ein Streik im März 1951 eine komplette Aufzeichnung der Oper an der Mailänder Scala verhinderte. Die beiden Auszüge wurden im März 1938 aufgenommen und bestechen durch ihren langen Atem und die einnehmende Wärme, die von ihnen ausgeht.
Fazit
Naxos ist eine ausnahmslos faszinierende Zusammenstellung gelungen, die künstlerisch ebenso überzeugt, wie sie klanglich gut bearbeitet wurde. Das Alter der Aufnahmen kann man natürlich heraushören, aber die musikalischen Details der Fünften oder die Wärme der Wagner-Stücke gehen keinesfalls in endlosem Rauschen oder dumpfen Hall unter. Tolle Leistung!
(Das Begleitheft ist in englischer Sprache.)