Die junge deutsche Klavierszene lebt auf! Man denke nur an Markus Becker, an Michael Wendeberg, an Ragna Schirmer oder an den Sieger des Brüsseler Concours Reine Elisabeth, Severin von Eckhardstein! Martin Stadtfeld habe ich im Finale des spanischen Klavierwettbewerbs in Santander erlebt: ein intelligenter, selbstkritisch wirkender Musiker von hoher Eigenständigkeit des Erfassens und des Umsetzens der ihm anvertrauten Partituren. Ein in seinen gestalterischen Entscheidungen nicht unbequemer pianistischer Zeitgenosse, dessen erste Sony-Einspielung mit Bachs Goldberg-Variationen für mein Empfinden die Charakteristik dieses herben Klavierpoeten in jeder Hinsicht bestätigt. Stadtfeld eröffnet den Zyklus mit einer Intonation des schönen Themas, die in Richtung Zärtlichkeit zur Vorsicht neigt, indes die Unnahbarkeit (oder auch Neutralität) nicht über Gebühr in den akustischen Vordergrund rückt. In der zweiten Variation – in deren rapideWechselfällen Alexis Weissenberg in seiner ersten EMI-Aufnahme die raschesten Verlaufskurven favorisierte! – verfügt Stadtfeld schon markanter, was er in den folgenden Variationen und Variationsgruppen zu tun und zu leisten gedenkt. Es ist ein Planen und Umsetzen des klärenden, völlig a-sentimentalen Bach-Verstehens, in manchen Passagen von kluger Starrheit geprägt, in den betont brillanten Abschnitten bewundernswert unbehelligt von allen Varianten der manuellen Bedrängtheit, wenn die Finger sich in schikanösen Kreuzungen und Engführungen auf einem Manual bewähren müssen (im Unterschied zur Cembalo-Lesart, wo immerhin zwei Manuale zur Verfügung stehen).
Stadtfelds Goldberg-Variationen sind ein nachschöpferisches Kompendium der lichtenden Gespanntheit, der ungemütlichen, manchmal geradezu harschen Definition des gerade Gewesenen, des Momentanen und im unbestechlichen Blick auf das Kommende auch des zu Erwartenden. Im Vergleich zu der noch etwas zögerlichen, im Ausdruck etwas ängstlich wirkenden Aufnahme mit Ragna Schirmer, mit Koroliovs überkonfessioneller Heiligkeit und jüngst der rhetorischen Mitteilungsfreude eines András Schiff würde ich Stadtfelds Auffassung in die Rubrik einer gefassten, hochdisziplinierten Bach-Wissenschaftlichkeit einordnen, die den Musikfreund zum hörenden Mitlesenden bestimmt, selbst wenn er die Noten nicht zur Hand hat.
"Die Musik Bachs beginnt in meinen Augen dort, wo
vieles andere von großem Wert und tiefgreifender
Emotionalität endet. Über Gefühlen von Trauer, Glück
oder Melancholie hinaus vermittelt diese Musik etwas,
was sich einer Beschreibung entzieht. Die GoldbergVariationen sind Musik, die im Nirgendwo beginnt und
auch dort endet. Das Werk ist für mich eine unendliche
Fundgrube." (Der Pianist Martin Stadtfeld)
klassik-heute. com: "Stadtfelds Goldberg-Variationen sind
ein nachschöpferisches Kompendium der lichtenden
Gespanntheit, der ungemütlichen, manchmal geradezu
harschen Definition des gerade Gewesenen, des Momentanen
und im unbestechlichen Blick auf das Kommende auch des zu
Erwartenden."
Herkömmliche CD, die mit allen CD-Playern und Computerlaufwerken, aber auch mit den meisten SACD- oder Multiplayern abspielbar ist.
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