Klangwunder
Machen Sie sich auf ein Klangwunder gefasst, wenn Sie sich diese Aufnahme zulegen. gute fünfzig Jahre alt, aber von grandioser Plastizität, Präsenz, Detailschärfe und mit einem Panorama, das seinen Namen verdient. Die Leute von Everest haben mit ihrem für sie letztendlich ruinösen Premiumequipment und hoher Toningenieurskunst Großes geleistet. Hut ab!
Auch vor der Interpretation Adrian Boults. Das Largo nimmt er bei getragenem Tempo expressiv, kostet die Reibungen aus, die dunklen Höhepunkte dieser zwanzigminütigen Klage. Atmosphärisch dicht auch der transzendentale und bedrohlich verfremdete Holzbläserdialog über Bass-Liegeton und Streichertremolo im letzten Drittel des Satzes.
Schade, dass die Doppelbödigkeiten der beiden ja nur vermeintlich frohgemuten schnellen Sätze weniger deutlich erfasst werden, zumindest für meinen Geschmack. Das Allegro nimmt Boult sehr schnell, das fasziniert, aber wenn gegen Mitte des Satzes die Stimmung kippt, ist mir das bei ihm einfach zu wenig bedrohlich, zu wenig scharf, gerade wenn ich diese Passage mit den klaren Worten Mrawinskis, Kondraschins oder auch Sanderlings vergleiche. Das gilt auch fürs finale Presto. Wenn ich höre, wie die Bässe bei Kondraschin rumpeln, wie Blech und Holz schreien, wie dieser Satz zum Veitstanz werden kann, dann klingt mir das bei Boult schlicht zu zurückhaltend.
Ich würde diese CD trotzdem empfehlen, denn Kondraschin ist sicher ein extremer Vergleich, der gar nicht jedem Hörer zusagen muss. Zudem klingt die Boult-Aufnahme phantastisch, hält problemlos mit moderner Konkurrenz mit und ist angesichts der Tatsache, dass dieser Dirigent kaum Schostakowitsch aufgenommen hat, auch eine Rarität.