Von der Faszination der Dunkelheit ...
Würde man einen Musik-Experten fragen: "Welche Musik ist auswegslos, düster, schwermütig, ja, vielleicht gar bitter...?
Was für Antworten hätte er parat? Sicherlich kommen einem da erst einmal die "üblichen Verdächtigen" in den Sinn; Tschaikowsky, Mahler, Sibelius, der späte Schostakowitsch ... Ihnen allen haftete ja etwas fatales, etwas schicksalhaft schweres an. Nun, so eine Frage einen Kenner zu stellen, kommt nicht von ungefähr ... Denn die meisten Musikliebenden in der Welt wünschen sich hin und wieder Musik, die sprichwörtlich in Moll versinkt! Auch wenn man nicht grad einen "moralischen" hat! Ist eben faszinierend, das Dunkle.
Würde man mir jetzt diese Frage stellen -obschon ich alles andere als ein Musikexperte bin- käme ich ohne lange zu überlegen auf diese zweite Symphonie des Briten Arnold Bax.
Bax´ Musik ist generell nicht unbedingt leichte Muße, ja, erfordert zumeist intensives Hören. Und immer ist in seinen Werken etwas trübes. Ein Gespür für Licht ist auch stets präsent, aber eben auch weit mehr für Schatten. Also schwärzeste Sinfonik?
Sicher nicht immer. Einige seiner impressionistischen Tongemälde sind hell und funkelnd, ähneln der Tonsprache Debussys. Doch etwas im Wesen von Bax war gebrochen; und so zelebrierte er oft die Düsternis. Und dies kulminiert in der zweiten Symphonie von 1924!
Zu hören sind Sacre-nahe Stakkato-Rhytmen, oft geht es laut und brutal zu; die Partitur ist zerklüftet, voller Schatten. Nur hin und wieder leuchten ein paar Lichtstrahlen in die Nacht dieser Symphonik hinein, die einen an den Kampf mit einem inneren Dämon denken läßt! Viele Partikel wechseln sich ab, fast könnte man von einer Collagen-Technik sprechen. Aber in dieser Ideen-Welt findet Bax dennoch seinen ureigenen Stil, wie die vielen einprägsamen Themen beweisen. Im ersten Satz gibt es jenen seltsamen Hymnus, der der dann am Ende nochmal erscheint; wie aus einem Traum.
Von allen Bax-Symphonien ist dies die abgründigste. Aber sie ist noch ein Werk aus der (Spät)-Romantik und erreicht das Herz des Zuhörers unmittelbar.
Vielleicht liegen die Gründe für das verstörende der Symphonie, in Bax´ Wut und Enttäuschung über den Osteraufstand in Irland und den darauf folgenden schrecklichen Bürgerkrieg. Denn Irland - das lag ihm immer am Herzen.
Die Zugabe ist das Tongemälde "November Woods"; eines von Bax allerbesten Stücken. Weit weniger düster als die Symphonie begeistert es uns mit seiner feinen Eleganz und der wohldurchdachten Instrumentierung. Große Musik ist dies; anspruchsvoll, aber dennoch so arrangiert, das man mit ein wenig Interesse bald nur allzu gern eintaucht in diesen wahrlichen Klang-Luxus, der hier sogar einen Touch Rachmaninoff besitz!
Die Naxos-Aufnahme besticht durch einen hervorragenden Klang,
David Lloyd Jones versteht es wunderbar die Musik flüssig und wendig zu gestalten. Das läßt die Symphonie filigraner und transparenter erscheinen, weist ihr einen Platz bei den ganz großen der klassischen Moderne zu. Und da gehört er denn nun auch hin; jener große Arnold Bax.