Süßeste Lust am Wiener Kaiserhof
Die Violine erlebte mit ihren Verwandten Viola und Violoncello im 17. Jahrhundert eine erste Blütezeit und emanzipierte sich von den Gambeninstrumenten, die noch die Streichermusik der Renaissance und des Frühbarocks dominiert hatten. Sie befreite sich von dem „Geruch des Instruments primitiver Tanzmusiker“, wie es Gunar Letzbor im Begleittext der vorliegenden CD formuliert. Norditalien ist das eindeutige Zentrum der Violinmusik, italienische Musiker nahmen oft den Weg über die Alpen und fanden besonders häufig an den zahlreichen Fürstenhöfen in Deutschland Anstellung. Mit ihrer Hilfe verbreitete sich die Sonate als wichtigste Neuentwicklung der Instrumentalmusik rasch über ganz Europa.
Der in Verona geborene Antonio Bertali kam in den 1620er Jahren nach Wien, das bis zu seinem Tod 1669 seine Wirkungsstätte bleiben sollte. Die Ernennung zum kaiserlichen Hofkomponisten 1649 markiert den Höhepunkt seiner Karriere. Von Bertalis breitem Schaffen ist nur wenig überliefert. Seine 1672 gedruckte Sonatensammlung Prothimia Suavissima (Süßeste Lust) enthält Musik vielfältigen Charakters; sie weist ihren Schöpfer als phantasievollen Komponisten aus, der den beiden großen österreichischen Violinisten der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, Johann Heinrich Schmelzer und Heinrich Ignaz Franz Biber, durchaus als Vorbild gedient haben mag.
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